Die Tonspur zum Sonntag – Mein schwarzes Begehren in Deinen Schlund

Die Einbildungskraft ist nicht nur ein Terminus technicus der Kantischen Philosophie oder der des Idealismus, sondern sie kann ebenso im Kontext der Ausschweifungen ihre Anwendung finden. Primär aber gehört sie in die Kreise der Philosophie. Zwischen Sinnlichkeit und Verstand die Vermittlungsleistungen zu erbringen. Im reinen Schematismus. Vielleicht auch als Auftakt zum 200. Todestag des Marquis de Sade, den die Libertins dieser Welt sicherlich angemessen begeh(r)en werden. Mit all ihren Phantasien, dem Begehrungsvermögen sowie dem Gefühl für die Lust und die Unlust. Wieweit in diesem Gefühl von Lust und Unlust der Schmerz zu sistieren sei, bleibt nochmal eine andere Frage. Eine Unlust, die Lust erzeugt? Zunächst ein Widerstreit, der da im Gemüt stattfindet. In gewisser Weise ist dieser Widerstreit analog zu Kants Konzeption des Erhabenen. Das Erschaudern angesichts einer Übermacht, etwa dem tosenden Meer im Sturm (überhaupt: die Seefahrts- Schiffs- und Meeresmetaphern bei Kant), zwar diesen Gewalten ausgesetzt und  nicht nur im Modus symbolisierender Bildlichkeit, vielmehr realiter, aber doch in einem Abstand genossen. Kant und de Sade: die zwei Seiten einer Medaille.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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2 Antworten zu Die Tonspur zum Sonntag – Mein schwarzes Begehren in Deinen Schlund

  1. read An schreibt:

    Lieber bersarin,

    da die Server von twoday, wie Sie bestimmt schon bemerkt haben, aus irgendeinem Grund, was auch immer sind, keine Ahnung (!), möchte ich Sie bitten auf meinen zuletzt eingestellten Antworttext nicht zu reagieren, da ich vorhabe ihn gegen einen anderen zu ersetzen.

    De Sade. So so! Bei so manchem Gedanken, der mir schon kam, dachte ich oft: Dafür hätte er mir allenfalls mein Haar gestreichelt. Immerhin.

    Ich habe aber mehr über ihn gelesen als von ihm. Weshalb mögen Sie de Sade?

  2. Bersarin schreibt:

    Liebe read An, es ist im Hinblick auf de Sade bei mir beides vorhanden: eine Faszination an dieser eigentümlichen Tortur, wie einem Menschen mitgespielt werden kann – im Bereich der Theorie zumindest – und der Abscheu, was Menschen mit Menschen anstellen. Freilich sind das Textbilder, die erzeugt und Geschichten, die erzählt werden – das darf nie unter den Tisch fallen. Gleichzeitig ist es die Philosophie des de Sade, sein Bild vom Menschen, die zum Nachdenken einlädt: Gegenpol zur Kantischen Konzeption der Vernunft und wenn man so will die andere Seite der Medaille. Ich kenne allerdings ebenfalls mehr über de Sade als von ihm. Insbesondere das Kapitel von Adorno/Horkheimer aus der „Dialektik der Aufklärung“. Ebenfalls ungeheuerlich bleiben die 120 Tage von Sodom, wie sie Pasolini verfilmte. Aber um detailliert diese Bezüge zwischen Ausschweifung, Gewalt, Sexualität und Faschismus herzustellen, müßte ich tiefer in die Materie einsteigen.

    Mein Interesse an de Sade ist theoretisch-ästhetischer Natur, insbesondere über die Weise der Verbalisierung. Ich denke der Marquis streichelte mir ebenfalls mit einem freundlichen Lächeln über den Kopf.

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