Daily Diary (119)

 
 
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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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11 Antworten zu Daily Diary (119)

  1. Uwe schreibt:

    „Der taube Goya schreit in mein Ohr – flüstert: Es ist verboten, schön zu malen!“
    (Boris Lurie)

  2. Müßte das nicht eigentlich heißen, a l s o füttere ich die Katze? Und außerdem, wer füttert schon Mäuse, es sei denn, er stellte Fallen auf!

  3. Bersarin schreibt:

    Das „also“ wäre dann allerdings eine Satzkonstruktion, die in die Richtung Kafkas ginge. Und in diesem Kafka-Sinne passend. Oder als Einsicht in die Weisheit des Silen formuliert.

  4. Iris schreibt:

    Gruselig. (Natürlich nur, wenn man das „doch“ nicht „berichtigt“.)

  5. Bersarin schreibt:

    Ja. Aber ich mag diesen Gegensinn. Gerade der macht es interessant. Weshalb also füttert das schreibende Ich die Katze?

  6. Bersarin schreibt:

    Für den Blick des distanzierten Bewohners des Grandhotel Abgrund würde ich hinzufügen: Meine Sympathie ist mit dem, was geschehen wird, sie bewegt sich diesseits und jenseits der Grenze, sie switcht. Aus reiner Neugier und Lust am Betrachten. Was geschieht, geschieht überhaupt etwas? Das ist die Frage.

  7. Iris schreibt:

    Weshalb füttert das schreibende Ich die Katze? Das ist eine mögliche Frage. Eine andere wäre: Womit füttert das schreibende Ich die Katze? Direkt oder indirekt.

  8. Iris schreibt:

    Es spielt ja auch die Schriftart eine Rolle für die Bedeutung, die man dem Satz entnehmen/zusprechen möchte, ebenso der Hintergrund. Ich fühlte mich jedenfalls spontan an den Comic „Maus – Die Geschichte eines Überlebenden“ von Art Spiegelman erinnert.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Maus_–_Die_Geschichte_eines_Überlebenden
    Deshalb vermutlich auch meine etwas makabre Assoziation.

  9. Bersarin schreibt:

    Den Bezug zu Spiegelman aufgrund der Referenzrahmen halte ich für ganz und gar richtig.

    Daß dieses „Womit“ zweideutig bleibt, macht den Reiz des Satzes aus: er hängt in der Schwebe, läßt sich aufs Individuum und auf Gesellschaft hin zergliedern und lesen.

    Geschrieben steht er im Haus am Kleistpark in Berlin: http://www.hausamkleistpark.de/index.php/haus-am-kleistpark/geschichte

  10. summacumlaudeblog schreibt:

    Schrödingers Katze maust,
    ich steh‘ im schwarzen Regen.
    Das Isotopenbeil saust
    durch weichen Katzenbregen.

    Wer hat jetzt den Mut, die Kiste zu öffnen?

  11. Bersarin schreibt:

    Sehr schöne Assoziation in Reim. Wozu mir dann freilich zum Inneren der Box eine Passage aus Hegels Phänomenologie des Geistes einfällt:

    „Es zeigt sich, daß hinter dem sogenannten Vorhange, welcher das Innere verdecken soll, nichts zu sehen ist, wenn wir nicht selbst dahintergehen, ebensosehr damit gesehen werde, als daß etwas dahinter sei, das gesehen werden kann. Aber es ergibt sich zugleich, daß nicht ohne alle Umstände geradezu dahintergegangen werden könne; denn dies Wissen, was die Wahrheit der Vorstellung der Erscheinung und ihres Innern ist, ist selbst nur Resultat einer umständlichen Bewegung, wodurch die Weisen des Bewußtseins, [das] Meinen, Wahrnehmen und der Verstand verschwinden; und es wird sich ebenso ergeben, daß das Erkennen dessen, was das Bewußtsein weiß, indem es sich selbst weiß, noch weiterer Umstände bedarf, deren Auseinanderlegung das Folgende ist.“

    Diese Zeilen kann man den Raunern und Auguren des Wisperns nicht oft genug ins schuldige Stammbuch schreiben, damit gesehen werden wie sehr Hegel der Philosoph der sich vollendenden Aufklärung ist.

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