Daily Diary (118)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
Dieser Beitrag wurde unter Fetzen des Alltags veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Daily Diary (118)

  1. Uwe schreibt:

    Herrlich, diese Korrespondenz von durchfurchten Fußsohlen in Rosa und dem prismatischen Relief der Balkon-Brüstung in Weiß. Ein Hauch von Frei-Zeit in urbaner Tristesse. Und gerade die Beschneidung hebt die banale Alltagsszene auf die Ebene eines Motivs, das für Deutungen offen ist.
    Sowas sieht nur jemand, der mit aufmerksamer Zerstreutheit durch die Straßen zieht, bewaffnet mit einem Apparat, der die flüchtigen Eindrücke stillstellt, die Momente stocken lässt.

    Gruß, Uwe

  2. Bersarin schreibt:

    Der Reiz, solche Bilder aufzunehmen, liegt einerseits darin, aus der Vielzahl an Eindrücken bei einem Spaziergang, das herauszunehmen und in ein Bild zu bringen, was exzeptionell oder kompositorisch interessant ist. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Selektion zu treffen. Ich sehe beim photographischen Flanieren zunächst ein Gesamt, ein Ensemble von Eindrücken, Objekten, Natur, Stadtlandschaft. Vor mir zeigt sich eine Szenerie. Häuser. Grünflächen, Gebüsch, Gehwege und Straßen, Balkone, Menschen. Der Blick gleitet über die Dinge. Er hält manches fest und registriert. Der Blick versenkt sich ins Detail, zoomt heran, schafft Ausschnitte. Da liegt die Schwierigkeit: Aus dem Mannigfaltigen, das diese Szene darbietet, das Exzeptionelle herauszulesen. Und plötzlich siehst du es: nur diese zwei Fußsohlen, die da über eine Balkonbrüstung ragen. Das sind die Momente, auf die ein Photograph wartet. Sie sind insofern relativ einfach zu bewältigen, weil es sich hier nicht um eine Bewegung handelt. Man muß lediglich bald auslösen, denn jeden Augenblick könnte der Ruhende seine Füße von der Brüstung nehmen. Schwieriger ist dieses photographische Flanieren, wenn sich Menschen, Gegenstände oder Tiere bewegen. Dann geht immer diese Frage im Kopf umher: Was geschieht gleich? Ich muß sehr vorausschauend gehen. Immer im Blick, was da vor mir ist. Deshalb schließen sich – meist zumindest – das kontemplative Photographieren und eine Street Photography, die Bewegungen einfangen will, aus. Es sind andere Reaktionsweisen erforderlich.

    Beste Grüße nach HH.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s