Daily Diary (113)

 
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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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7 Antworten zu Daily Diary (113)

  1. ziggev schreibt:

    Auf dem ersten Foto gefallen mir die ekstatisch auf Bierdeckeln hingekritzelten Tiere sehr. Souverän, unbefangen (gegenüber dem Sujet, aber das ist eine andere Geschichte), zugleich frohgemut, fast unschuldig (s.o.), lässig-ironisch, fast ekstatisch. (Womit ich, anstelle kunstgeschichtlicher Verweise, mal wieder mein unbestechliches Auge für Qualität unter Beweis gestellt habe.)

  2. Bersarin schreibt:

    Qualität liegt darin, die Kunst und damit logischerweise auch die Kunstgeschichte weitergebracht zu haben und das zugleich sprachlich darstellen zu können, was es ist, das da wirkt und gelingt. Etwas zu bemerken, ist das eine – dieser Modus erfordert eine gewisse, durch Übung erlernbare Aufmerksamkeit. Zu wissen jedoch, weshalb das Wahrgenommene gut, gelungen, gekonnt, avanciert ist, setzt Kenntnisse voraus, die nur mühsam zu erlernen sind. Es erfordert diese Art der Erkenntnis ein hohes Maß an Übung und Konzentration auf die Sache und sie bedeutet, Zeit für etwas aufzubringen. Wer nichts weiß, sieht auch nichts. Bloßes Gefallen reicht nicht aus, weil einem anderen ebenso das freundliche Pferd der Barbie-Puppe zusagen und intuitiv anspringen könnte. (Den Jüngerinnen und Jüngern Jeff Koons etwa und denen der guten alten Trash-Kultur.)

    Die durchaus richtige Intuition auf den Begriff zu bringen, ist die hohe Schule der Ästhetik.

  3. ziggev schreibt:

    unter Qualität verstehe ich zuerst das handwerkliche Können – das sich eben auch bei schnell hingeworfenen Skizzen („Skizzen“ nicht als Vorarbeiten für eine Skulptur oder ein Bild) zeigt. Genau, hier habe ich ein gewisses Augenmerk erlernt, Aufmerksamkeit reicht vielleicht aber nicht allein aus; meiner Erfahrung nach ist es durchaus erlernbar, wohin die Aufmerksamkeit zu richten ist; durch Erfahrung summieren sich gewissermaßen die „Aufmerksamkeitsrichtungen“ auf. es ist natürlich nicht leicht, dies nun – eben dann allerdings darin eher unerfahren – und die sich dabei langsam bildenden Urteile in Worte zu fassen; es wären adäquate Adjektive zu finden – skizzenhaft habe ich oben welche vorgeschlagen.

    zu sehen ist teilweise eine gewisse „Verknappung“, wobei ich hier darunter nicht etwa Auslassungen verstehe, dabei würde es sich eher um ein kompositorisches Prinzip handeln, sondern die erkennbar könnerhafte Strichführung (desh. ja Skizze). es gibt „unlogische“ Linien, Abkürzungen, die bei einer weniger gelungenen Skizze die Zeichnung zerstört hätten, eine gewisse Tollkühnheit, die in meinen Augen der Darstellung eines sich wild aufbäumenden Pferdes zugute kommt.

    auf dem unteren Bierdeckel z.B. wird dieses Prinzip noch einmal ironisiert. diese Zeichnung könnte einfach lächerlich wirken, wäre nicht zu erkennen, dass in dieser „Serie“ eben das Skizzenhafte selbst thematisiert ist; sie könnte ärgerlich banal und pennälerhaft wirken, würden wir nicht erkennen, dass die Künstlerin, der Künstler eben auch anders kann.

    nicht zuletzt kann überhaupt kein Zweifel darüber bestehen, dass es sich auf den Bierdeckeln um Pferde handelt. in Serie und auf jedem einzelnen Bild ist es immerwieder dasselbe Pferd (um einen Ausdruck wie „das Pferdehafte“ zu vermeiden).bzw. eben dieser, wie mir scheint, doch individuelle, eigentümliche Schaffensprozess, der diese Skizzen zum Ergebnis hat.

    mir ist natürlich klar, dass mein erster Kommentar oben etwas hingerotzt dasteht (dass es darauf hinauslaufen würde, wurde mir as a matter of facts beim Verfassen klar). ich wollte nun allerdings auch nicht auf die Schnelle nachrecherchieren, an wessen Skizzen (oder Bilder) sie mich erinnert haben könnten. waren es F. Marcs Kreisbögen oder Halbkreise, die er für meine Begriffe fast inflationär für seine Pferdebilder gebrauchte, Degas´ Pferdebilder oder da Vincis? (Nein, dessen Skizzen funktionieren anders, er kann´s nicht gewesen sein, denn insbesondere bei seinen anatomischen Zeichnungen liegt er regelmäßig falsch, wenn es um die Mimik geht. Berühmtestes Beispiel: die Mona Lisa. Mit solch einem Ausdruck der Augen kann niemand so lächeln. Beim (mysteriösen) Lächeln der Mona Lisa handelt es sich gewissermaßen schlicht um einen Fehler. Um einen Fehler kann es sich aber bei den hiesigen Pferdezeichnungen schlechterdings nicht handeln). es fehlt mir in der Tat an kunsthistorischem Wissen, um hier hinreichend Bezüge herstellen zu können. meine Fähigkeit hierzu müsste so umschrieben werden: ja, er hat schon mal Zeichnungen von Meistern aus der Kunstgeschichte gesehen. und bei moderneren hab ich mir schlicht die Namen nicht gemerkt.

    anderes vermeinte ich jedoch bei dem/der Schöpfer/in der obigen Bilder zu erkennen. ach, noch etwas zum ärgerlichen Pennälerhaften: kunstgeschichtlich ist hier eindeutig die Darstellung von Pferden, wie wir sie aus Schulbüchern und -heften kennen und wie unsere einstigen Mitschülerinnen sie dorthinein kritzelten, von dieser Künstlerin – ich bin unterdessen davon überzeugt, dass es sich um eine Künstlerin handelt – vorangetrieben worden. hier handelt es sich mehr um einen biographischen Bezug: ich kannte eine, die sich später als sehr begabt herausstellte und dann am Ende unserer Schulzeit ihr Matheheft mit geradezu verächtlichmachenden Pferde-Karikaturen versah. gewissermaßen ihre „Pferdemädchen-Zeit“ verhohnepipelend.

    – aus ähnlichen Gründen der ironische Zug, den ich oben zu entdecken glaubte? ich bin der Künstlerin jedenfalls dankbar dafür (bitte nicht immerzu das pränominale Adverb vergessen!), dass sie das Sujet „Pferdezeichung“ wieder aufgegriffen und gezeigt hat: Ja, es ist immernoch möglich Pferde zu zeichnen.

  4. Bersarin schreibt:

    Das handwerkliche Können ist eine hinreichende, aber keine notwendige Bedingung für ein gelungenes Kunstwerk. Ebenso wäre ein konzeptuelles Können denkbar, das Werke hervorbringt. Zudem müßte man genauer ausführen, was unter dem handwerklichen Können verstanden wird: Solches der Konzeptkunst, der Performance-Kunst und das der flämischen Meister fällt sehr unterschiedlich aus und geht auf ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Zudem: was einst als gekonnt wahrgenommen wurde, gilt einige Zeit später als überholt oder sogar als mißlungen. Handwerkliches Können stellt insofern keine feste Bezugsgröße dar. Wenn das handwerkliche Können einzige Maßgabe für die Qualität des Kunstwerks bleibt, so unterschiede sich das Kunstwerk nicht vom Kunstgewerbe, das auf Bauernmärkten, Flohmärkten, in bestimmten Tourismusregionen oder in Kreativ-Kursen feilgeboten wird. Allerdings ist die Frage nach dem handwerklichen Können durchaus relevant: Was wir darunter zu der und der Zeit, an dem und dem Ort verstehen. Aber Du hast natürlich recht, daß zur Kunst dieses Handwerk in einem bestimmten Rahmen dazugehört. Lägen dort Skizzen und Zeichnungen von mir aus, würde jeder, der sich mit der Materie auskennt, sagen, daß hier das Handwerk mißlungen sei.

    Der Begriff der Qualität ist ein vielschichtiger: er setzt sich zusammen aus jenem Können, aus der Art, wie konstruiert wird und wie sich ein Werk strukturiert und in seiner Beschaffenheit darstellt. (Das löst sich teils von allen Intentionen der Schöpferin/des Schöpfers ab.)

    Sicherlich kann man Bilder in den Kontexten der Kunstgeschichte verorten. Aber das, denke ich, ist bloß ein Nebenaspekt und zeigt vielmehr die Kennerschaft oder das Wissen des Kunsttheoretikers. Ein Werk erschöpft sich eben nicht darin, in der Geschichte sistiert zu werden, sondern die gelungene Kunstkritik zeigt – neben diesen Bezügen – was sich im Werk abspielt, wie es sich strukturiert, was darin geschieht usw. Zugleich korrespondieren mit dieser Analyse, die auf die Wahrheit eines Werkes geht (der Wahrheitsbegriff ist eben nicht nur von der Logik okkupiert und restringiert), Weisen ästhetischer Erfahrung. Wer auf gekonnte Art ein Kunstwerk bespricht, erzeugt einen Wechsel von Subjektivität und Objektivität, der wiederum das Werk neu konstituiert, so wie sich die Kunstkritik durchs Werk bestimmen läßt. Wenn das gelingt, gehen Werk und Wissen eine hochspannende Verbindung ein. Texte zu Kafka oder Cezanne können einen ganz eigenen Glanz ausstrahlen, sind ebenso Weisen der Kunst, wenn sie sich dem Werk überlassen und Schreiberin/Schreiber ihr Handwerk beherrschen, zur Wahrnehmung fähig sind und die Arbeit des Begriffes diese Sorte von Text bestimmt.

    Ja, es handelt sich um eine Künstlerin. Ich habe mir einige ihrer Zeichnungen gekauft. Hier noch einige weitere Skizzen und mit einem Buchtitel von Cormac McCarthy ergänzt: „All die schönen Pferde“ (ein lesenswerter Roman übrigens):

    (Leider bekomme ich das Bild im dummen WordPress nicht eingefügt. Insofern müssen Leserinnen und Leser darauf halt verzichten. Ich füge es dann in den Artikel ein.

  5. ziggev schreibt:

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort — und den (wahrscheinlich nervtötenden) Versuch, im Kommentar noch Bilder einzufügen! Aber man muss halt es verstehen, im richtigen Moment aufzuhören.

    ich wage es: gleich werde ich meine Zunge krümmen, das Wort „dialektisch“ in den Mund nehmen u. meine sie zu diesem labio-dentalen Laut überreden. „Qualität“ ist natürlich nicht undialektisch zu aufzufassen. Ich glaube auch, dass Deine Nennung von Flohmärkten, Bauernmärkten, also Kunstgewerbe-Produkten, welche hier oder dort Apotheken-Schaufenster bevölkern, eher einem polemischen Impuls geschuldet ist. Gerade im Kunstgewerbe finden sich immer wieder Entgleisungen, die sich eben einer rein technischen, zu engen Auffassung von Qualität verdanken.

    Dann lieber an der richtigen Stelle aufhören, und Kunstgewebe Kunstgewerbe sein lassen. Durch die Lücke, Leerstellen, hätte dann sogar bei den grauenhaftesten Beispielen ein „dialektisches“ Moment entstehen können: hier hört das Kunstgewerbe (und der Qualitätsbegriff, dem es offenbar folgt) auf. Jetzt könnte etwas anderes auftauchen. Gibt es hier noch ein „Mehr“?

    So zu verfahren, wäre jedenfalls „wahrhaftger“ (eine etw. höflichere Weise, zu versuchen, den Logikern den Begriff der Wahrheit zu entreißen), anstatt vor lauter vermeintlicher Kunstfertigkeit das Bild gnadenlos zutodezumalen. Ja, ich bin geneigt zu sagen, hier komme ein Moment von „Falschheit“ ins Spiel.

    Viel, viel schlimmer noch freilich, wenn, ohne dass das Handwerk auch nur ansatzweise beherrscht wird (Pennälergekritzel), dieses Verfahren (also ruhig mal etwas handwerklich Unvollkommenes stehenlassen), imitiert wird. Auch dann fehlt die Dialektik, es wird soz. doppelt-falsch. Der Bursche, der mir einmal den Umgang mit Ölfarben (erfolglos) beizubringen versuchte, sagte dann schlicht: Doch. Es gibt Wahrheit und Falschheit in der Kunst. Falschheit: Auch die hohlste Nuss will noch geknackt sein.

    Handwerkliches Können glänzt eben manchmal durch Abwesenheit. Aber eben auch nicht immer. Insofern tendiere ich dazu, handwerkliches Können doch auch als notwendige Bedingung für ein gelungenes Kunstwerk zu sehen. Nur dass, dasselbe, wie die Dinge liegen, nicht immer aufweisbar ist. Also zurück über Start, ich komme ins Schwimmen und muss mich wieder auf meine Intuition verlassen; und kann lediglich die Hypothese aufstellen: Für den Charme, der von diesem Kunstwerk ausgeht, muss etwas verantwortlich sein, auch wenn ich es nicht sogleich erkennen kann. In erster Annäherung nenne ich das „handwerkliches Können“. Wenn solches (ohne konkret zu wissen, um welches es sich handelt) am Werke zu sein scheint, dann nenne ich meine entsprechen Intuition, diejenige, die glaubt, Qualität vor Augen zu haben.

    Aber bitte mich nicht missverstehen. Ich bin weit davon entfernt, eine Kunstkritik durchstreichen zu wollen, die vom Handwerklichen vollkommen absieht (oder auf dergleichen nicht eingeht). Es handelt sich für mich um eine (wittgensteinische) Selbstbeschränkung.

    – Aber jetzt Schluss. Wittgenstein aber war sich ja auch nicht zu schade dafür, Vergleiche aus dem Handwerk heranzuziehen.

    In Sachen Performance könnten wir vielleicht den umgekehrten Weg gehen. Wir beginnen beim Handwerk, aufgefasst wie eine wittgensteinische Beschreibung. Aber genug für heute.

    Ich werde jetzt im Geiste Wittgensteins den Abwasch machen und im Wäschekeller die Wäsche von gestern aufhängen.

    PS Ich freue mich auf den Artikel.

  6. Bersarin schreibt:

    Was die Bedeutung des handwerklichen Könnens für Werk und Kunstkritik betrifft, sehe ich es ähnlich wie Du. Gleiches gilt für die Literatur. Es reicht nicht, einen guten Plot zu haben, sondern dieser will auch gut und angemessen erzählt sein. Zum Kunstgewerbe wird Kunst dann, wenn einmal avancierte Positionen in den Kanon der immergleichen Wiederholung geraten und als Stereotyp verwendet werden. Deshalb meine (und nicht nur meine) These vom Tod der Kunst. Zumindest ein partieller Tod. (Aber kann ein partieller Tod denn ein Tod sein?) Die ästhetische Moderne hat sich überdreht. Die sogenannte Postmoderne reagierte darauf mit Ironie, dem Pastichehaften, dem Patchwork und dem Rückgriff auf Vergangenes, das in den Stand des Neuen gehoben wurde. Künstler wie Jeff Koons sind nur noch eine Parodie der Kunst bzw. die 100te Wiederholung von Duchamp und Warhol, der ja bereits Duchamp wiederholte, aber darin doch einen ganz eigenen Kosmos schuf. (Vielleicht geht es in der Kunst ja um genau dieses „Eigene“.) Anders steht es in der Literatur und bei den Künsten, die sich nicht mehr auf ein Genre reduzieren lassen, sondern wo die Grenzen eingezogen sind. Bereits Adorno sprach in den 60er Jahren in seiner „Ästhetischen Theorie“ vom Verfransen der Künste. Hier sehe ich durchaus Möglichkeiten. Aber selbst im Erzählen wird es schwierig. Wobei in einem doch relativ marktgängigen Literaturbetrieb so etwas wie Antirealismus oder Hyper-Realismus als dessen Überborden schon wieder hochmodern zu sein scheinen im Vergleich zum konventionell Erzählten. Aber dies sind lediglich ins Unreine geschriebene Überlegungen, keine starren Thesen.

    Über welchen Artikel freust Du Dich? Die Photographie habe ich in den obigen Bilderfluß positioniert. Mehr wollte ich eigentlich über diese Ausstellung nicht bringen.

  7. ziggev schreibt:

    ah, nun sehe ich´s …

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