Zeichenlose Zeichen in der gedeuteten Welt – Die Wahrheit Nietzsches oder die gezeichnete Haut

Eine Serie zu schreiben mit dem Titel „Tätowierungen“? Oberflächenphänomene und Ritzungen. Farbe unter Schmerzen. Zeichen der Erkennung und Distinktionsmerkmal. Einkerbungen, Brüche, Brechungen, Tätowierungen als Schibboleth. Hautzeichen als Anzeichen. In Turin auf dem Pflaster. Jenes gemagerte Pferd, das der Kutscher mit der Peitsche schlug, Hiebe fast auf dem blanken Knochen, bis das Tier zum Boden ging. Pittura metafisica. Animal rationale. Die unendliche Leere einer Stadt, ganz entgegen dem italienisch heiteren Himmel.

„… heute, wo wenigstens unter uns Immoralisten der Verdacht sich regt, daß gerade in dem, was nichtabsichtlich an einer Handlung ist, ihr entscheidender Wert belegen sei, und daß alle ihre Absichtlichkeit, alles, was von ihr gesehn, gewußt, ‚bewußt‘ werden kann, noch zu ihrer Oberfläche und Haut gehöre, – welche, wie jede Haut, etwas verrät, aber noch mehr verbirgt? Kurz, wir glauben, daß die Absicht nur ein Zeichen und Symptom ist, das erst der Auslegung bedarf, dazu ein Zeichen, das zu vielerlei und folglich für sich allein fast nichts bedeutet, – daß die Moral, im bisherigen Sinne, also Absichten-Moral, ein Vorurteil gewesen ist, eine Voreiligkeit, eine Vorläufigkeit vielleicht, ein Ding etwa vom Range der Astrologie und Alchymie, aber jedenfalls etwas, das überwunden werden muß. Die Überwindung der Moral, in einem gewissen Verstande sogar die Selbstüberwindung der Moral: mag das der Name für jene lange geheime Arbeit sein, welche den feinsten und redlichsten, auch den boshaftesten Gewissen von heute, als lebendigen Probiersteinen der Seele, vorbehalten blieb. –“
(Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse)

Salome1Intension der Intentionslosigkeit – gleichsam als nichtdialektische Reflexionsfigur einer vertrackten Dialektik. Die Wahrheit hat Gründe, ihre Gründe nicht sehen zu lassen, wie Nietzsche in der „Fröhlichen Wissenschaft“ schreibt, weshalb diese Art von Wahrheit eben ein Weib ist, Spiele der Schleier, Bildnis zu Sais, das Moment der Verhüllung (auch durch ein Stück Wäsche, wofür wir den Begriff „Fetischismus“ verwenden, selbst dann, wenn unter dieses Wäschestück zwei Finger gleiten und feuchtnaß wieder sich hervorkehren), und wir erinnern uns dabei mit Gewißheit an diesen bekannten Satz, den im „Zarathustra“ das alte Weib spricht, wenn einer zum Weibe geht, und was er oder sie dabei nie vergessen sollten. Aber am Ende kann keiner diese Wahrheit zwingen. Die vermeintliche Misogynie Nietzsches steht in engem Zusammenhang mit seiner Wahrheitstheorie. Wenn das Weib ein Schleierspiel ist, das Gründe besitzt, ihre Gründe nicht sehen zu lassen, wenn ein Subjekt dieses Weib mit einer Peitsche zwingen oder aber erregen muß (je nachdem: die wunderbar kluge Lou Andreas-Salomé hatte an diesem Satz und diesem Sentenziösen ihre Freude) und wenn Nietzsche das Schminken und die Kunst der Verstellung beschreibt, so weist dies auf eine Weise von Wahrheit, die nicht mehr auf den bloßen erkenntnis- oder wahrheitstheoretischen Fundus sich gründet, der in der Präsenz, in Echtheit und Anwesenheit seinen Ort besitzt. Darin entwindet sich Nietzsche jeglicher abendländischer adaequatio-Theorie. In einem bestimmten Sinne wird also auch die Wahrheit ästhetisch. Aber eben nicht in der Weise, wie die postmodernen Relativierer und die Apologeten des Bestehenden es sich gerne wünschen, die in Herrenreitermanier Nietzsche als ihren Gewährsmann ausrufen.

Nietzsches Frühschrift „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ deutet bereits auf den Metapherntrieb, der als ästhetisches Moment die Erkenntnistheorie dimensioniert. Metonymie und Metapher: Verschiebung und Verdichtung ins Bild. Der Trieb zur Metapher entwertet freilich die Erkenntnistheorie nicht, sondern bedeutet ihre Erweiterung um ein Somatisches und Begriffsfernes, das die Metapher relational in eine Anordnung bringen möchte, die zugleich der Apparition gleicht: Vom Ereignis sprechen, doch ohne es starr werden oder ontologisch in die Seyns-Sentenz gerinnen zu lassen. Wie und in welcher Weise mit dem Begriff über den Begriff hinaus zu philosophieren sei, brachte Adorno in seiner „Negativen Dialektik“ bündig auf den Punkt. Auch das schmeckt denen, die zu einfachen Sentenzen und Phrasen neigen, nicht sonders: Heute wieder auf dem Speiseplan: gefühltes Fühlen und einfache Begriffssoße mit Schuß. Dem Denken des Weiblichen, das sich nicht in blinden Bezügen vergegenständlichen läßt, wird solch banaler Speiseplan der Platitüde nicht gerecht.

Wesentlich an Nietzsches Satz scheint mir insbesondere dieses Insistieren auf der Haut zu sein. Darin schwingt ein taktiles Moment mit, das als Rezeptionsweise oder als aisthetische Möglichkeit ein halbes Jahrhundert später Walter Benjamin in seinem Kunstwerkaufsatz veranschlagte, als er von einer antiauratischen Kunst und einer Weise der Erfahrung spricht, die über die bürgerliche Welt hinaus ist. Haut ist genau diese eigensinnige Erkenntnis-Oberfläche eines Entzuges, die trotzdem auf Berührungen und Spürungen angewiesen bleibt. Es sind nicht mehr die Metaphern des Lichts oder des Gesichtssinnes, die die Aufklärung bestimmen, sondern ein taktiles Moment, das wir zunächst als ein Fühlen auf den Poren bzw. dem Gewebe der Haut ins Spiel bringen. Sowieso wird bei Nietzsche reichhaltig aus dem Körper heraus philosophiert und gedacht. Diese Haut läßt sich – insbesondere im Blick auf die Moral, aber damit sind wir zugleich nahe an der Erkenntnistheorie und an unseren Begriffen von Wahrheit, die der abendländische Diskurs gerne in seine Sphären teilte – bei Nietzsche als Schleier begreifen. Der Schleier zeigt und verbirgt in einem, aber er zeigt zugleich ganz unmittelbar etwas an. Wie der Fetisch codiert er sich als Zeichen mehrfach, spielt als intensionslose Intention. Ist Objekt der Begierde und verweist gleichzeitig auf dieses absolut abwesende Objekt: als Symbolisierung, als Verschiebung, als Metapher. Die Haut als Schleier und Wahrheitsfläche. Die Geburt der Erkenntnis aus der Epidermis. Die Haut teilt Oberflächenphänomene und die tiefer liegenden Strukturen. Sie ist Oberfläche und zugleich Grundlage des Tieferen, sie zeigt und verbirgt. In ihrer Vergänglichkeit und in den Alterungsprozessen Akzidenz, und in allem Wandel als Erhaltende und Form Wahrende Substanz in einem. Auf dieses lebensbedrohliche oder zugleich lebenserhaltende Spiel verweist Nietzsches Kritik der Moral. Häutungen sind Tötung und Geburt in einem.

Ach, wer so zu denken und zu schreiben vermag, wie Nietzsche in jenem Satz! Wie angenehm, inmitten einer lenorweichgespülten Empfindungswelt solche Passagen zu lesen: nie mehr eine Gesellschaftskritik als Betroffenheitsschwadronieren, nie mehr Texte als sekretiöser Ausfluß, und jegliche eingebleute Moral erweist sich in dieser Diktion als haltlos. Werte und all das Gefasel von deren Positivität entlarven sich unter diesem Blick als das, was sie sind: Ideologie. Aus diesem Grunde ist mit Nietzsche ebensogut Kritische Theorie zu betreiben wie mit Hegel. Zwei Wege des Denkens. Wobei in diesem Spiel Hegel – so steht zu vermuten – der vielfache Igel ist, der immer schon da und wieder woanders auftaucht. Es mag sich das brave Subjekt, das Individuum noch so sehr hetzen. Aber das wußte auch Nietzsche: Nicht „Wer spricht?“, sondern: Was? Übersetzen wir diese Begriffe ins Griechische!

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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19 Antworten zu Zeichenlose Zeichen in der gedeuteten Welt – Die Wahrheit Nietzsches oder die gezeichnete Haut

  1. ziggev schreibt:

    Ein produktiver Fehler ?? – Vielleicht ja.

    „intensionslose Intentionslosigkeit“ weißt je bereits auf die Schwierigkeit hin, „Intentionslosigkeit“ anders denn als ex negativo zu fassen. Dennoch werden wir sicherlich versucht sein, den Begriffsgehalt von „Intentionslosigkeit“ irgenwie zu fassen. Es fehlt, um uns auf dieser Suche eine Richtung zu geben, die Gerichtetheit des Bewusstseins, Husserls berühmte Intentionalität. Ohne Zweifel gibt es solche mentalen Zustände, und hier kommen wir sicherlich auch hier, bei Nietzsche, weiter. „intendiert“ meine Haut denn dann und wann etwas? Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass sie es durchaus tut (aber das wäre eine womöglich etwas zu phantasievolle Interpretation), würden wir ein solches Konzept (also einen Begriff ohne „Gehalt“) verwerfen.

    Um zu Merkmalen, „Eigenschaften“ solcher mentalen Zustände zu gelangen, wäre zu prüfen, inwiefern wir hier bei Nietzsche weiterkommen, Du nanntest ja bereits Somatisches. Aber wenn wir die Absicht verfolgen, den Begriffsgehalt von „Intentionslosigkeit“ zu fassen, stehen wir (so ergeht es mir jedenfalls beim ersten Versuch) vor einer Schwierigkeit, diesen Begriff positiv zu füllen. Liegt hier ein Verdienst Nietzsches, dennoch an dieser Stelle weitergemacht zu haben? Und hier ließe sich vielleicht eine Verwandschaft zw. Intension und Intent finden. Also: meintest Du wirklich Intension (ohne t) und nicht Intention (mit t)?

    Ich vermute, ein schlichter Fehler. Daraus, dass es uns vor eine paradoxe Intention stellen würde, intentionslose mentale Akte zu aktualisieren, folgt noch nicht so schnell notwendig, das „intentionslosigkeit“ ein leerer Begriff sei. Bekanntestes Beispiel: „Sei spontan!“ (Watzlawik). Oder gut gemeinte Ratschläge an Meditierende: „Versuche, nicht zu denken!.“

    Ich glaube, Intentionen, die begrifflich nicht zu füllen sind, also „intensionslose Intentionen“ würden (begrifflich) übers Ziel hinausschießen, wenn lediglich intentionslose mentale Zustände gemeint sind.

    Nietzsches „Weisheit des Körpers“ ist ein Topos, der, wie Nietzsche hier mal wieder großartig loslegt, nicht zu schnell vergessen werden sollte. Im hier angeführten Zitat scheint er eine Umkehrung der sonst üblichen Ursache-Wirkungs-Kausalität vorzuschlagen. Unsere Absichten sind Symptome von etwas somatischem; was wir „Absichten“ nennen, etwas, das wir möchtegern modern küchenpsychologisch als „Rationalisierungen“ bezeichnen. Küchenpsychologisch: es schwingt die Unterstellung mit, dass solche „Rationalisierungen“ nicht bewusst (irgendwie mal was von Freud gehört), mithin „unbewusst“ ablaufen, ein anderes Wort wäre „nicht-intentional“.

    Ich teile Nietzsches Skepsis gegenüber „begrifflichem Denken“, wie es Kant in der KdpV unbestechlich vormacht: Aus begrifflichen Definitionen deduzierend eine Moral, eine Absichts-Moral im Ergebnis, herausstellen zu wollen. Von Begriffen ausgehend landen wir immer nur wieder bei Begriffen. Soetwas findet nur in einer abgezirkelten Sphäre statt, in welcher es gelingen mag, alte Begriffe, etwa den des Wesens, irgendwie zu „retten“, das ist aber auch alles. Philosophiegeschichte eben.

    Die Überlegungen zum Schleier, der im Grunde nichts verbergen will; gewissermaßen ein „radikaler Signifikant“ – um einmal in mir fernen und nur unzulänglich bekannten Gewässer zu fischen – finde ich ganz schön. Bekanntlich ist ja der „Schleier der Maya“ nicht etwas, das „die Dinge an siche“ ( Odo Marquard) verbirgt, sondern die Vorstellung eines solchen Schleiers (der Maya) ist der verbergende Schleier. Auch ich glaube an die Haut, die Oberfläche.

  2. Bersarin schreibt:

    „Intension der Intentionslosigkeit“ war natürlich kein Fehler. In diesem Zusammenhang geht es genau um diese vermeintlich absichtslos getanen Dinge. Wenn ich solche Begriffe schreibe, dann stimmen sie in dem Sinne, daß sie auf einen Zusammenhang verweisen, der freilich im Raum der Interpretation und der Lektüren stehen kann. Im kleinen mögen sich Fehler einschleichen „daß“ oder „das“, „den“ oder „denn“.

    Die Skepsis gegenüber begrifflichem Denken scheint mir da angebracht, wo der Begriff in zu simplen definitorischen Verfahren eingeschränkt wird. (Ich habe nicht prinzipiell etwas gegen Definitionen. Eine Wissenschaft z.B. muß zunächst ihren Gegenstandbereich definieren.) Denken kann man nur in Begriffen, Schreiben ist die Erweiterung des Begriffsfeldes. Wer nicht in Begriffen schreibt und mit ihnen arbeitet, schreibt nicht, sondern kritzelt. Insofern liegt meine Skepsis auf der Linie Adornos: Mit dem Begriff über den Begriff hinauszukommen.

    Der Begriff des Schleiers ist auf alle Fälle ein dialektischer. Er enthält ein spannendes Spiel, das den manchmal gelangweilten Ästhetiker im Grandhotel Abgrund zuweilen reizt. Manchmal freilich sind Leben und Ästhetik zwei Paar Schuhe.

  3. ziggev schreibt:

    Bloße Behauptung: „Denken kann man nur in Begriffen, Schreiben ist die Erweiterung des Begriffsfeldes.“ Ich lasse mich ja gerne (belehrend) auf logische Begriffe festlegen: Wenn Du aber behauptest, zu denken, dann wird sich, Dir zufolge, auch bei Dir „begriffliches Denken“ finden lassen. Findet sich aber nicht: Du kaprizierst Dich aber auf einen ostentativ so gebrauchten begriffsleeren Begriff. Du tust das genaue Gegenteil von dem, was Du gerne, irgendwo angelesen, tun würdest. Gerade die Leute, die glauben, es mit Begriffen zu tun zu haben, sind diejenigen, die kritzeln und nicht schreiben. Ohne jeden weiterführenden Gedanken bringst Du lediglich ein Adorno-Zitat: Das, mit Verlaub, soll begriffliches Denken sein?! „intentionslosigkeit“ ist nicht nur Dir zufolge, sondern per definitionem, ein gehaltsleerer Begriff: erkläre mir das bitte ohne abgeschaute Adorno- oder Hegeliztate – und mit Begriffen. Was helfen allgemeingültig-begrifflichrichtigen Statements, wie „Denken kann man nur in Begriffen, Schreiben ist die Erweiterung des Begriffsfeldes“, wenn Du es ablehnst, auch nur einen Deiner Begriffe weiterzuentwickel? Nur Oberbegriffe, die Deduktion ist anderen überlassen. Nein, sich nur auf vermeintliche Autoritäten zu berufen, reicht beileibe nicht aus. Ich erkenne nicht, dass Du, abgesehen von recht charmanten Zitat-Collagen, irgendwann einmal selber denkst; mach es mir also vor, wie es gelingen kann, mit dem Begriff über den Begriff hinauszugelangen! Du verteidigst hier einen begriffsleeren Begriff, indem Du willkürlich abgeschriebene Begriffsdefinitionen von Adorno et al abschreibst. Das ist keine Philosophie, das ist einfach nur: füge Dich den Autoritäten, lese Adorno, Hegel!

    Ich habe Dir einige Interpretationsangebote gemacht, wie ich glaubte, diesen Begriffsunfall Deinerseits fruchtbar machen, irgend weiterdenken könnte; aber diese begriffsgläubige intendierte Begriffsabszenz, nämlich nicht einmal zu versuchen, dann, wenn mal von Dir selbst die Existenz eines gehaltleeren Begriffs verteidigt wird, ich halte mich ja nur an Deine buchstäblichen Ausführungen, hier etwas deutlicher zu werden, widerlegt sich nur selbst. Du belegt nichts und widersprichst Dir mit jedem Wort.

    „Der Begriff des Schleiers ist auf alle Fälle ein dialektischer.“ Abgesehen von dem sprachlichen Unfall „ist ein dialektischer“ bringst Du mit dieser Aussage gar nichts. Ich habe doch recht deutlich gemacht, was ich von allerleimöglichen „Schleiern“ halte. Konkret bringst Du aber sogut wie nichts. „Dialektik“ wäre etwas wie „Rede und Widerrede“. Nun gut, vielleicht hältst Du mich nicht für würdig dazu. Was Du aber bringst, ist nicht nur inkonsistent, sondern auch noch zutiefst langweilig. Wenn Philosophie sich für Dich lediglich auf das passende Anbringen von Zitaten beschränkt, dann bitte weiterso! Dein intentionsloser Zustand ist Dir aber offensichtlich noch nicht bewusst geworden: Der der bis ins Unermessliche sich ausdehnende der langen Weile.

  4. ziggev schreibt:

    PS ich muss leider konstatieren: der Unterschied zw. Intensionslosikeit und Intentionslosigkeit wird nicht genügend begrifflich referiert. Es ist nicht klar, warum dieser Unterschied und in welcher Weise hier gemacht wird. Philosophie bewegt sich manchentheils auf dünnem Eis; hier hätte ich aber gerne eine praktikable Unterscheidung!

  5. Bersarin schreibt:

    Aha, Du schreibst und denkst also nicht in Begriffen, ziggev. Dann sind Deine oben stehenden Zeilen sicherlich nur leere Zeichen. In vielfachen Sinne wirst Du, ziggev, dem Anspruch des Begriffslosen in der Tat gerecht. Allerdings nicht als Philosoph.

  6. Bersarin schreibt:

    “intentionslosigkeit” ist nicht nur Dir zufolge, sondern per definitionem, ein gehaltsleerer Begriff

    Dann scheint er ja nichts zu bedeuten und ist mithin gaga, so wie der Begriffe Kliopijkljkasijka oder aber lkunuzehnbhgdglar. (Ich hoffe es handelt sich hier nicht um Vulkane auf Island.)

    Wenn Du die Fähigkeit besitzen würdest, Zitate in Konstellationen und Anspielungen zu lesen, dann hättest Du diesen Text oben halbwegs verstanden. Da Dir das aber abgeht und Du bei jedem genannten Namen einen Autoritätskomplex inszenierst, handelt es sich bei dem, was Du schreibst, um ein privates Problem, bei dem ich Dir leider nicht werde helfen können. Mir sind ehrlich gesprochen Menschen lieber, die sich der Theorietraditionen bewußt sind und diese zu nutzen wissen, als solche, die drauflosschwatzen und glauben, das alles selber erfunden zu haben – authentisch versteht sich – oder die aus Unkenntnis der Tradition den Nordpol zum zweiten Male entdecken und dann auch noch stolz wie Bolle sind.

  7. ziggev schreibt:

    also, der Korrektur halber: ich meinte: „Intension der Intentionslosikgkeit“. Private Probleme von den eigentlichen, nämlich denen, die nur abhängig von Autoritäten zu „denken“ zu vermögen wären, zu unterscheiden, ist ja Dein großes Ding. Aber wie billig: reine Verleumdung! Du bist nicht in der Lage, unreines Denken Deinerseits, wenn es nur auch der geringe ziggev diagnostiziert, Dir einzugestehen. Was denkst Du denn? Ich hätte natürlich Nietzsche nicht gelesen? Du aber immer nur mir Verleumdungen arbeitend kennst nicht mal die Grundtexte des kashmirischen Tantrismus? Wie lächerlich ist denn das?

    ich habe nicht drauflosgeschwätzt, sondern auf konkrete Fragen Antworten erbeten. Du erweist Dich nicht in der Lage, Deine eigenen Ausführungen zu exemplifizieren. Kein Problem für mich; ja, denn ich sehe keinen großen Unterschied zw. meinen Improvisationen und Deinem haltlosen möchtegern Begriffsgeschwätz. Natürlich mag ich Deine Begriffslyrik, und Zitatensammlungen, die die philosophische Phantasie anregen; aber Du bringst nie einen Nachweis, sondern immer nur die besserwisserische, erneute Zitatsammlung. Das reicht aber so nicht!

    Die Lächerlichmachung und die Denunziation, wie sie noch der Nörgler in Meisterschaft bewerkstelligte, steht Dir aber nicht so gut. Nörger: kompromisslos aggressiv: voll auf die Fresse. Aber das bringst Du nicht. Denn wenn Deine Einlassungen einen Sinn machen würden, dann dann, wenn Du meinen würdest: ztiggev, Du kennst der Kontext nicht, also verstehst Du auch nicht den Sinnzusammenhang der betreffenden Zitate nicht.

    Darauf soll sich nun eine Praxis, die sich Philosophie schimpft, beschränken? Wie peinlich, wie armselig! Ich halte dieses Drauiflosgeschwätze einfach nicht mehr aus. Ich habe genug Ansatzpunkte geliefert, auf die auch ein bersarin, ohne sich etwas zu vergeben, hätte eingehen können. Stattdessen nur die primitivste Verleumdung, als würde ich nicht „die Tradition“ kennen und nur der bersarin obwaltend der einzige Kenner, aber Du behauptest einfach nur die Deine Kenntnis der Tradition, ohne auch nur irgendwo etwas auszuweisen, und Dich damit angreifbar zu machen. Das ist feige und keineswegs philosophisch redlich.

    Wenn es Dir wirklich ausreicht, andere zu verleumden, dass sie Deine ach so nichttrivialen Zitate im Kontext nicht verstehen würden, dann, bitte, finde Dich damit ab, dass Du Dich von vorneherein von der Entwicklung der abendländischen Philosophie abgekoppelt hast. Bring mal irgendetwas, was einem Argument auch nur im entferntesten ähnlich sieht – oder langweile Dich weiter mit Dir selbst.

  8. Bersarin schreibt:

    Da ich nicht über die Grundtexte des kashmirischen Tantrismus schreibe, muß ich sie wohl nicht kennen. Unabhängig davon, ob sie nun kennenswert sind oder nicht. Ich denke auch nicht, daß diese Texte zum Kanon der abendländischen Philosophie gehören.

    Bevor ich Dir die „Intension der Intentionslosigkeit“ erkläre, versuche doch mal selber darauf zu kommen, und zwar anhand des Nietzsche-Zitates und dem, was ich schrieb. Da ist keine weitere Zutat erforderlich, und Du mußt auch keine Angst vor Hegel haben. Wenngleich der natürlich als Subtext mitschwingt und immer schon da ist. Aber das ergäbe sich dann in einem nächsten Schritt. Wir aber wollen beim Anfang anfangen. Man kann sich beim Lesen allerdings auch ganz bewußt dämlich anstellen und etwas nicht verstehen wollen.

    Und nun in aller Deutlichkeit: ich bin in diesem Blog nicht mehr bereit die Denkfaulheit von Schwachmaten wie Genova, El Mocho und anderen zu unterstützen. Ich bin kein Lehrer, ich bin kein Erklärbär. Das kostet mich viel Zeit. Ich schreibe hier Texte und philosophische Interpretationen. Und wenn Du Dir, ziggev, die Mühe machtest, vorher zu lesen, nachzudenken und dann mal in klaren Sätzen etwas zu schreiben, bin ich gerne gewillt, Dir einen Satz zu erklären. Vorher nicht. Ich führe ich in diesem Blog keine Kleist-kann-nicht-schreiben-Diskussionen mehr, weil mir dazu meine Zeit zu schade ist. Manche sind nicht nur zu dumm, um aus dem Bus gucken zu können, sondern sie laufen dann auch noch frontal gegen diesen Bus. Und das gibt dann am Ende einen unangenehmen Aufschlag. So wie jetzt. Ich bin ein gutmütiger ruhiger Mensch, aber irgendwann ist nämlich auch meine Geduld, die bisher sehr weit trug, erschöpft.

    Ansatzpunkte hast Du bisher leider keine geliefert, sondern Du knallst irgendwelche wilden Thesen und Namen ohne Bezug aneinander.

  9. ziggev schreibt:

    ja, genau deshalb, weil ich das respektiere, dass da jemand es nicht mehr für nötig hält, immerzu ALLES zu erklären, deshalb lese ich mit Vorliebe Deinen Blog, was wäre ich für ein Idiot, weil ich es eben nicht immer alles verstehe. – Ich lese immer nur das, was ich (fast) nicht verstehe,

    Ich widerspreche aber dennoch. Ich will, dass Du deutlich genug den Unterschied zw. Intentionalität und mangelnder Intensionalität in Deinem Begriffsschema überzeugend darstellst.

    Na gut, der kaschmirische Tantrismus ist vielleicht für mich essentiell, für Dich vielleicht mehr Hegel, oder sonstige Schwachmaten.. Hegel – es muss wohl in der abendländischen Tradition ein recht überzeugender Philosoph gewesen sein – jetzt aber voll in die Fresse, Nörgler-mäßig, darunter akzeptiere ich gar nichts!

    bitte versuche zu verstehen, wie vorsichtig ich immer meine „wilden Thesen“ aneinanderknüpfe. Ich will immer nur von Dir eine philosophische These, die ich als solche anerkennen würde können.

    yrs, ziggev

  10. Bersarin schreibt:

    Also versuche ich es auf eine sokratische Weise, woran Nietzsche sicherlich keine Freude hätte, und liefere einige Anregungen. Intension ist ein Begriff aus der Sprachphilosophie, im Zitat von Nietzsche geht es um Moral und Handlungen, dort taucht der Begriff „nichtabsichtlich“ auf. „was nichtabsichtlich an einer Handlung sein soll“, heißt es. Das ist ein Tun ohne Intention und ohne Täter; vermittelt ist diese Angelegenheit aber sprachlich in einem Text. Und da kommt dann Adorno ins Spiel. Zudem geht es um Zeichen und Anzeichen. Als Bezug dazu dient die Haut, das abgemagerte Pferd (Turin: Nietzsches Zusammenbruch, wir erinnern uns.)

    Nietzsche: Ganz bewußt angesetzt in seinem Text: die Überwindung des dialektischen Denkens, die Aufhebung des Platonismus, die Umwertung der abendländischen Philosophie. Obwohl N. den Hegel durchaus schätzte, versuchte er, seiner Dialektik zu entkommen, sie zu unterminieren. (Siehe die drei Verwandlungen des Geistes im Zarathustra als prominentestes Beispiel.)

    Adorno: eine negative Dialektik, die sich nicht abschlußhaft stillstellt.

    „Selbstüberwindung der Moral: mag das der Name für jene lange geheime Arbeit sein …“ Auch hier wieder Begriffe und deren Inhalt. Den Begriff der Intension sollte man nicht nur sprachphilosophisch, sondern ebenso in seiner Bedeutung im Latein nehmen: intensio.

    Das sollte für’s erste und auf die schnelle Anregungen geben, wohin der Weg dieses Textes gehen könnte.

  11. ziggev schreibt:

    ich weiß ja, erbsenzählerisch die Anzahl der Haare auf dem Haupte des derzeitigen glatzköpfigen Königs von Frankreich zu zählen ist nicht so Deine Sache. Vielleicht sollten wir es aber dennoch einmal tun. Aber ich verstehe. Und glaube, wir können auf solche Weise uns ins Vernehmen setzen. Und ich lasse mich gerne belehren: Es sind drei Verwandlungen, nicht, wie ich immer gedacht hatte, zwei: Das Kamele zum Löwen (1.) und der Löwe zum Kind (2.). Philosophie ist manchmal einfach Mathematik.

  12. holio schreibt:

    Also Nietzsche selbst spricht von dreien: „Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kamele wird, und zum Löwen das Kameel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

  13. Bersarin schreibt:

    Drei Verwandlungen. So ist’s.

    Ich habe nichts gegen die Exaktheit einzuwenden, Philosophie ist keine Nebelmaschine oder Obskurantismus, und ich halte ebenso die hermeneutische Ausdeutung – freilich in gewissen Grenzen – für eine wichtige Angelegenheit, um in den Text zu gelangen. Die Hermeneutik ist die Bedingung für die Dekonstruktion, um es zu überspitzen.

  14. ziggev schreibt:

    @ holio – aber vers-tehst Du nicht (H.Schmidt-hamburgerisch). In meiner Version gibt es keine ‚Intension‘ von ‚Geist‘. Desh. gibt es dieses Zeichen nicht in meiner Sprache. und deshalb gibt es bei mir auch nur bei Nietsche die zwei Verwandlunnngen.

  15. alterbolschewik schreibt:

    Ich mag Nietzsche nicht. Und das hat nichts mit lenorweichgespülter Empfindung zu tun, sondern objektiv Gründe, nämlich seine Art, „sich“ in seinen Texten zu produzieren. Wenn es irgendwo stimmt, daß es eine Unverschämtheit ist, „ich“ zu sagen, dann in Nietzsches Texten. Seine Denunziation der Moral stinkt, in abstrakter Negation, drei Meilen gegen den Wind nach protestantischem Pfarrhaus. Nietzsches „Philosophie“ hat die Evidenz von Kalendersprüchen, die sich Pubertierende an die Wand pinnen.

    Von Dialektik hat er nicht die Bohne begriffen – gerade seine Abwehr der „Hinterwelt“, seine Feier des Oberflächlichen (nicht im angeführten Zitat), zeigt, daß er keine Ahnung davon hat, daß die Erscheinung das Wesen gerade nicht verbirgt, sondern die Erscheinung des Wesens ist. Doch auch in der zitierten Passage spiegelt sich genau dies: Die Metapher der Haut, die zwar Zeichen sein, aber noch mehr verbergen soll, ist vor-kritische Metaphysik. Haut aber ist nicht Zeichen, sie ist, wenn die Hand darübergleitet, das, was sie ist und zugleich immer schon das andere, das sie repräsentiert. Das, was „wirklich“ dahinter steckt, die Muskeln, Blutbahnen, Nerven, Fettschichten, und, wenn wir tiefer gehen, die Knochen und Eingeweide, sind nicht die Wahrheit, sondern nur das traumatisierende Reale, vor dem uns die symbolische Ordnung schützt. Insofern ist Nietzsches Metaphorik, wieder einmal, völlig für die Katz’…

  16. Bersarin schreibt:

    In Nietzsche steckt viel protestantisches Pfarrhaus – in der Tat. Und seine Leib- und Artisten Metaphysik wurde vielfach als umgedrehter Platonismus bezeichnet. Allerdings möchte ich denn doch Nietzsche gegen Nietzsche lesen und verteidigen. Adorno nannte ihn einen der schwarzen Schriftsteller des Bürgertums. Seine Texte sind die Kehrseite der bürgerlichen Moral. Sie spiegeln ihren Irrsinn, und es steckt – auch contre Nietzsche und sicherlich vielfach ungewollt – in seinem Text zudem ein gehöriges Maß an Ideologiekritik. Nietzsche entlarve in seinem genealogischen Blick diese Gesellschaft. Zwar führt er dies nicht systematisch durch – darin unterscheidet er sich von Marx – ,sondern auf eine literarisch-ästhetische Weise. Diese „Nichtmethode als Methode“ macht seine Stärke aus. Nietzsches Ton ist heterogen, der „Zarathustra“ schwierig zu ertragen, wenn man ihn nicht zugleich auch im Sinne einer Rhetorik und als Parodie auf einen bestimmten Lutherton liest.

    Es stimmt: Nietzsche hat wenig von der Dialektik begriffen, und er selber betrieb etwas, das sich möglicherweise der Dialektik entgegenstemmte – wenngleich man der Dialektik am Ende eben doch nicht entkommen kann. Insofern wäre die abstrakte undialektische Negation der Dialektik sicherlich eine Figur, die sich in den Prozeß des dialetischen Weges fügt. Hegels „Phänomenologie“ zeigt dies wunderbar an der vermeintlichen Unmittelbarkeit und anhand des vehementen Rekurses aufs Hier und Jetzt, der gerne angestimmt wird. Aber ich würde aus Nietzsches eben doch (auch gegen Nietzsche, möglicherweise) eine negative Dialektik in Anschlag bringen.

    Haut ist immer auch ein Zeichen. Egal ob mit oder ohne Hand: Blasse haut, dunkle Haut, schwatz und Weiß, Tätowierungen seien als Stichworte genannt. Es mag sein, daß die Schleiermetapher vorkantische Metaphysik sein kann. Aber so wie auch Hegel begnügte sich Nietzsche nicht mit dem Dualismus und dem Ding an sich. Allerdings „löst“ Nietzsche diesen Knoten ganz anders als Hegel.

    Aber diese Aspekte werden Dich vermutlich nicht milder stimmen, geschweige denn argumentativ überzeugen. Und wenn ich das Stichwort Foucault hinzufüge, macht es die Angelegenheit vermutlich auch nicht besser: denn wenn Foucault die Macht- und Wissensachsen der Gesellschaft freilegt und in die Analyse nimmt, so borgte er in seinem Verfahren manches bei Nietzsche.

    Um es einsichtig zu machen, wo ich den Reiz und die (philosophische) Relevanz von Nietzsche sehe, werde ich wohl demnächst etwas ausholen müssen und mit meiner Serie „Misreading Nietzsche“ weitermachen. Nietzsche goes Kritische Theorie. Wollen wir doch mal sehen, ob wir nicht auch aus Dir am Ende einen anständigen Nietzscheianer machen. (Hier müßte jetzt ein Smilie stehen. Mach ich aber nicht. Das Augenzwinkern hast Du vermutlich von selber mitgelesen.)

  17. Pingback: Häutung unserer Zeit | Irisnebel

  18. Nils Holgerson schreibt:

    Die Schleier der Maya, die zeiträumliche Gegenwart vonDialektik: die Maya damals sind eben die Meiers heute!

  19. Bersarin schreibt:

    Ich schalte solche Kommentare frei, um zu sagen, daß ich in Zukunft solche Kommentare nicht mehr freischalten werde. Wenn es wenigstens dialektisch lustig wäre! Aber die Assonanz Maya und Meier ist bloß so halblustig.

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