Grinzinger Gaumenseligkeit

„Es muß ein Stück vom Himmel sein“ sangen Lee Harvey, nein, falsch, ich verwechselte: Lilian Harvey und Willy Fritsch 1931 in dem Film „Der Kongreß tanzt“: Wiener Seligkeit und Gemüt unterm gemeinen Volk, unerkannt jaust und singt der russische Zar in einer Heurigenwirtschaft in Grinzing oder Nußdorf bei Wien. Ein Jahrhundert und einige Jahrzehnte später verstand der in den Medien als Kannibale von Rothenburg bezeichnete Mann diese Textzeile ein wenig anders und er begehrte nach delikateren Teilen: Es muß ein Stück vom Pimmel sein. Der Phallogozentrismus in dekonstruktionspraktisch-kulinarischer Absicht. Aber durch so etwas, die Wiener Schrammel-Musi, durch Fußball und Gaucho-Tänze läßt sich der immer weltabgewandter agierende Substanz-Metaphysiker und der Existenz-Kritiker nicht aufhalten und aus der Fassung bringen. Der Stoiker des Blickes photographiert die Szenen der Stadt. Unsere Kälte, euer Ruin.

Von solchen eigentümlichen Eß- und Filmkitschgedanken weg, hin zu den Photographien: einen Eindruck von meinem ersten Wien-Spaziergang gibt es auf Proteus Image zu sehen. Leider sind eine Vielzahl an Photographien verschüttet gegangen bzw. beschädigt, weil ich das tat, wovon ich jeder Photographin, jedem Photographen immer abgeraten habe; nämlich Bilder der vollen Speicherkarte auf ein anderes Medium zu ziehen und dann diese Karte in der Kamera zu formatieren und darauf neue Bilder zu speichern. Mit Speicherkarten muß man wie mit Filmen umgehen. Ist die Karte voll, wird eine neue verwendet. Am besten man besitzt mehrere Sätze von 8 oder besser noch 4 GB Kapazität. Sie werden erst auf dem heimischen Rechner gezogen und dann, wenn alles importiert und zweifach datengesichert ist, kann die Karte gelöscht werden. Klingt zwangsneurotisch, hat sich aber als Sicherheit bewährt. So geht kein Bild verloren.

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Edit/Nachtrag:

Ich habe vergessen, das wunderbare Video einzubetten, mit den Untertiteln in einer mir nicht bekannten, vermutlich asiatischen Sprache, die dann wieder ins Deutsche übersetzt wird.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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7 Antworten zu Grinzinger Gaumenseligkeit

  1. holio schreibt:

    Japanisch ist das. Doof, der Bildverlust. Beileid!

  2. holio schreibt:

    Interessant bei 2:58 das Aufpeppen durch Chiasmus (genau hinschaun!), was im Wienerischen des Artikels wegen nicht funzt:
    http://www.pic-upload.de/view-23931563/wien_und_der_wein.jpg.html
    ウィーン wien と und ワイン wein
    ワイン wein と und ウィーン wien

    Im Einzelnen:
    ウ katakana letter u
    ィ katakana letter small i
    ウィ katakana wi
    ー katakana-hiragana prolonged sound mark
    ン katakana letter n
    と hiragana to = und
    ワ katakana letter wa
    イ katakana letter i
    ン katakana letter n
    Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Katakana_%28Unicode_block%29

    (Ok, bin schon wieder still.)

  3. Bersarin schreibt:

    Ich danke Dir für diese Hinweise – ich wüßte da jemanden, der Japanisch kann, aber ob diese Frau meinen Blog lies, weiß ich nicht.

  4. Partyschreck schreibt:

    Diese ebenfalls veränderte Textvariante habe ich gerade heute gehört:
    „Das muss ein Stück vom Himmel sein,
    Hose zu klein,
    Arsch passt nicht rein…“

  5. Bersarin schreibt:

    Grundgütiger und in drei Teufels Namen: Es dürfte in diesem Falle eher ein Stück von der Torte Sachers sein!

  6. holio schreibt:

    Dieser gerade im Zeit-Rätsel als „Machte sich einen Namen in der Welt der Schoko- und Marillenverehrer“ http://www.zeit.de/2014/30/spiele-sommerraetsel-kreuzwortraetsel-um-die-ecke-gedacht-30

  7. Bersarin schreibt:

    Ich habe zunächst im vorauseilenden Blick Marillenversteher gelesen … Ach, die leckeren Marillenknödel.

    Ich finde im übrigen nicht die Muße fürs Zeit-Sommerrätsel, und ich bekomme da auch nie etwas heraus, weil ich fürs Um-die-Ecke-Denken zu ungeduldig bin. Entweder es fällt mir sofort etwas ein oder eben nicht. Das Internet mag ich bei Rätseln nicht zu Rate ziehen.

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