White Wedding

So geht ein Lied von Billy Idol. Weiß ist für mich der Wedding, weil er für den Flaneuer eine Terra Incognita darstellt. Der weiße Fleck auf der Karte Berlins. Weshalb nicht auch mal der Wedding?

Roter Wedding und halbe Kaufkraft voraus im Gesundbrunnencenter. Wenn der Mehrwert real ist. Stahlgewitter und Staubgesplitter. Toter Wedding. Im Bauch des Wals: Jonas im Gesundbrunnencenter. Ich bin selten im Wedding. Eigentlich nie. Nur wenn ich nicht aufpasse und von Mitte her die Brunnenstraße in Gedanken zu weit entlangschlendere. Ich will das nicht bewerten. Schön daß dieser Stadtteil nicht gentrifiziert ist. Oder nur wenig. Wohnen möchte ich dort dennoch nicht, wie auch nicht in Kreuzberg rund ums Kottbusser Tor oder in Neukölln. In bevorzuge eine gewisse Gediegenheit. Die man sich jedoch leisten muß. Dessen sollte man sich bewußt sein. Es ist nichts selbstverständlich. Wenn ich die Wahl zwischen Kreuzberg und dem Prenzlauer Berg habe, ziehe ich den Prenzlauer Berg vor. Ich gebe das ganz ungeniert zu. Und es gibt in Berlin Stadtviertel wie den Rollbergkiez oder die Weserstraße, wo ein gewisser Wandel nicht unangenehm, sondern durchaus angemessen ist. Die Frage bleibt allerdings, wie das vonstatten geht und welche Interessen dahinter stecken: die der Bewohner dieses Viertels oder die der Immobilienbrache bzw. was synonym ist mit dem Berliner Senat ist.

Spaziergang durch den Wedding: Wenn wir mit etwas konfrontiert werden, das wir zum ersten Mal wahrnehmen, bilden wir in der Regel einen Interpretationsrahmen, in den wir dann alle unsere weiteren Wahrnehmungen einordnen und sie dadurch in gewissem Sinne gleichnamig und gleichförmig machen. Vieles fällt damit durch das Raster und Differenz und Differenzierungen des Blickes können dadurch womöglich ausbleiben. Früher fand ich es irgendwie witzig und spannend: das Heruntergerockte eines Viertels. Nur wohnen mochte ich auch damals schon nicht in diesen Gegenden. Heute interessieren sie mich nur noch als Objekte für die Photographie.

Da ich gestern etwas Gutes tat und einer Freundin zwei zentnerschwere Klötze in den Prenzlauer Berg brachte, die ihr Geburtstagsgeschenke sein werden, dachte ich mir: fahr doch zum Ausgleich ins Gesundbrunnencenter. Das ist ein guter Kontrast. Der Prenzlauer Berg rund um den Helmholtzplatz und Wedding rund um die Brunnen- und Badstraße. Oder Jülicher Straße. Die zwei Pakete hatte mir der Freund der Freundin mitgegeben, als wir in Bamberg weilten.

Über den Wedding und insbesondere das Gesundbrunnencenter schrieb Katja Dittrich lustig zu lesende Beobachtungen in ihrem Bericht Die Wahrheit über Gesundbrunnen.

Das Resultat dieses kurzen Spazierganges können sich geneigte Leserin, geneigter Leser hier auf „Proteus Image“ betrachten. Es sind flüchtige Eindrücke vom Wedding, nicht mit konzentriertem Blick aufgenommen. Die beiden Photos von den Graffitis stammen vom Mauerpark. Also nicht Wedding. Dies erwähne ich der dokumentarischen Ordnung halber.

Die Kraftlosigkeit der Rebellion. Irgend etwas muß hier dazwischen gekommen sein. Bitte ergänzen Sie das fehlende Wort bzw. die fehlenden Wörter, liebe Leserinnen. Oder schreiben Sie, was dazwischen kam. Aufgenommen wurde das Photo in Mitte.
 
 
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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Fetzen des Alltags, Formen des gelingenden Scheiterns abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu White Wedding

  1. holio schreibt:

    cheiße?
    ubkulturelle Feindbildin?
    chwarze Mamba?
    tandardform der Entwicklung!

  2. Bersarin schreibt:

    Der Text geht weiter: Gentrifizierung is ’ne Sexy Sache. Weil: alles wird dann Chöner.

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