Nordbahnhof – metaphysisches Interieur: photographisch gezeichnet

Metaphysik wirkt in der entzauberten Welt einzig noch im Untergrund. Orte ohne Licht, Plätze mit wenig Licht, Zwischenwelten, Zwischendecks, Partisanenwerk, eingezogen zwischen der Oberfläche und dem Inneren der Erde, Höhlen als Zeichenorte, S 1 und Schienenverkehr, in Berlin häufig auch als Schienenersatzverkehr, nachts um zwei Uhr, Orte ohne Menschen, so wie ich es schätze. Underworld, Finsterworld, und Pommerland ist abgebrannt: „Marienkäfer fliege//dein Vater ist im Kriege//deine Mutter ist in Engelland//Engelland ist abgebrannt.“ Kein Ort, nirgends. Die Welt, so sagt man oder so heißt es in jener Parabel von Kafka, werde von Tag zu Tag enger. „Du mußt nur die Fahrtrichtung ändern.“ „Oranienburg oder Potsdam?“ „Na, wenn es nach mir geht: Potsdam: sans sousi.“ „Nord-süd-Achse, Ost-west, Südost, Nordwest, Südwest, Nordost.“ „Alles gleich!“ „Nicht ganz. Es gab eine Zeit, da hätte eine Fahrt nach Oranienburg unangenehme Folgen gezeitigt.“ „Also Potsdam – zumal ich sowieso für ein aristokratisches Regime plädiere.“ Aber oben und unten sind austauschbar.

In der Leere dieser Tunnel-Orte, nachts in Berlin, fühle ich mich wohl. Ihre Akustik, der Klang in den Tunneln ist eine ganz besondere Art von Ton. Kaum Menschen. Eine Fahrt nach Potsdam mit der S 1 im November 2012. Weihnachtsmarkt und der Park. Damit keine Erinnerung zirkuliert, werden die Photographien gemacht. Von jenem Ort: Nordbahnhof. Schöner kalter Name. Klangvoll wie Schienengeräusche.

Die Philosophie versinnlichen [„Das Subjektil ent-sinnen“, Derrida], die Ideen ästhetisch werden zu lassen: dies war das Anliegen des ältesten Systemprogramms des Deutschen Idealismus, ein Text, der nach dem Stand der Forschung mittlerweile wohl dem jungen Hegel und nicht Hölderlin zugeschrieben wird. „Der Philosoph muß eben so viel ästhetische Kraft besizen, als der Dichter. die Menschen ohne ästhetischen Sin sind unsre BuchstabenPhilosophen. Die Philosophie des Geistes ist eine ästhetische Philosophie.“ (Systemprogramm) Auch bei „Aisthesis“ bemühen wir uns, die Metaphysik zu versinnlichen und das Subjekt zu entsinnlichen und in den mon[ad]ologischen Zustand zu versetzen. Das geschieht z.B. auf „Proteus Image“, wo ich den Untergrund des Nordbahnhofes zeige.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
Dieser Beitrag wurde unter Fetzen des Alltags, Metaphysik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s