Tag der Befreiung, Nr. 2

Wenn die alliierten Armeen der Westmächte im Jahre 45 einzig die Niederlande nicht vom Faschismus befreit hätten: Wäre uns diese  Kapelle dann erspart geblieben?

 

[Die Anfangsklänge von Sieben Tage verursachen mir noch heute gruseln: Bei jeder Demo der frühen 80er gespielt. Selbst im Schwarzen Block hörte man den Lautsprecherwagen der Jusos oder der SDAJ mit diesem sinnfreien Lied: ok, das hier ist auch nicht sinnvoller, aber irgendwie wilder und das war meines: Pop-Sound des Lebens. Das sangen wir auch im Mathe-Unterricht, und die Lehrerin lachte, weil sie ebenso wie wir mit dem schwarzen Tuch vorm Gesicht in jenem Block mitlief. Und das hier ebenso.]

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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70 Antworten zu Tag der Befreiung, Nr. 2

  1. wolkenbeobachterin schreibt:

    Bots gibt es noch? Ich bin überrascht.

  2. Bersarin schreibt:

    Ja, es scheint so, es gibt sie. (Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage durch einen Konzertbesuch am 5. Mai zu testen, wäre mir aber zu viel gewesen.) Ich war, als ich Mitte April an diesem Plakat in meiner Straße vorbeiging, ebenso überrascht, dachte erst, das Plakat ist von früher, irgend ein x-fach-Revival-Festival. Aber nein, es gibt sie. Diese Band war für mich der Ausdruck schlimmer Polit-Folklore. Ich weiß, es haben damals fast alle diese Lieder mitgesungen, in den friedensbewegten Zeiten. Ich nicht, denn mir war das kollektive Singen von Bewegungsliedern von Anfang an nicht ganz geheuer.

  3. wolkenbeobachterin schreibt:

    Soviel Einsatz im Sinne der Wahrheit also doch nicht? *lacht* Ich mochte dieses Album doch, von dem das Lied „Aufstehn“ stammt. Soll ichs mal verlinken? *lachtnochmal*. Wie ich sehe, ist im aktuellen Tourneetitel auch das Wort „aufstehn“ drin, weshalb ich fast vermute, es war eine Art Erinnerungskonzert an alte Zeiten. „Alle, die gegen Atomkraftwerke sind, sollen aufstehn“ *flöt* :-)

  4. zeilentiger schreibt:

    Erstaunlich, dass mir Bots nicht in Erinnerung geblieben ist. Vielleicht war ich, als ich zu den Demos gegen NATO-Doppelbeschluss usw. mitgeschleift wurde, noch zu jung. Sozusagen die Gnade der späten Geburt …

  5. Bersarin schreibt:

    @ Wolkenbeobachterin
    Du willst mich quälen und mir wehtun, mir schmerzen bereiten? ;-) Nein, bitte nicht verlinken. „Aufstehen“, stimmt, das ist ja noch schlimmer als „Sieben Tage“. Oh Gott, der Berg der Erinnerungen tut sich wieder auf. Ich hatte mir übrigens damals ebenfalls diese Platte gekauft, aber mich beim Hören sofort dafür geschämt und ein ungeheures Unwohlsein empfunden. Irgend etwas geht und funktioniert hier nicht, dachte ich mir. Das spürte ich bei der sogenannten engagierten Literatur und genauso bei der Liedermacher- und Politibewegungsmusik – wobei „Ton Steine Scherben“ am Ende ja auch nichts anderes waren. Meine Welt war eine andere – das entdeckte ich sehr schnell.

    @ zeilentiger
    Gegen die Demonstrationen ist ja nichts zu sagen, solange nicht mit dem doppelten Maßstab gemessen wird: die bösen Raketen udn Atomkraftwerke im Westen, die Friedensraketen im Osten und die Atomkraft dort zum sozialistischen Volkswohl.

  6. wolkenbeobachterin schreibt:

    Ach schade. Den Link hätte ich schnell bei der Hand. Hihi.
    Ich kenne dieses Unwohlsein hinsichtlich mancher Musikanten. Mir geht es häufig oder fast immer so, wenn ich Schlager höre. Oder „moderne“ kirchliche Musik. Argh.
    Ton, Steine, Scherben war nie so meins. Auch Rio Reiser nicht. Nur ein paar ausgesuchte Lieder. Und Slime? Hilfe. Gar nicht meins. Dann eher Die Skeptiker.

  7. zeilentiger schreibt:

    D’accord. Ich glaube, dieser doppelte Maßstab war meiner Mutter auch nicht vorzuwerfen, wenn sie uns kleinen Buben auf die Demos mitschleppte, während mein Vater in Polizeiuniform auf der „anderen“ Seite stand und liebevoll herüberlächelte. Du siehst, das waren nicht gerade die Brennpunkte der Friedens- und Anti-AKW-Demos …

  8. Bersarin schreibt:

    Ich ahne, der Link ist schnell zur Hand.

    Nein, Slime ist mir genauso peinlich wie Bots, aber ich hörte es zu dieser Zeit der frühen 80er halt, hatte auch die Platten im Schrank. Im Grunde war das Punk für politische Hippies und meisten hörten das ja auch die Punk-Hippies. Ach, eigentümliche Zeiten waren das.

    Ja, Vater bei der Polizei, Muttern auf der Demo. Es trieb damals viele auf die Straßen. Ich selber stand dem Tun in gewissem Sinne schon skeptisch gegenüber. Ich fand die mir gemäße Position, nämlich die des Photographen, der diese Ereignisse ablichtete. Irgendwann ging ich gar nicht mehr zu diesen Demos.

  9. hANNES wURST schreibt:

    …. und wenn der Führer seine Visionen wahr gemacht hätte, dann gäbe es aber auch bestimmt nicht derart subversive Combos wie diese: http://ecx.images-amazon.com/images/I/91-yZ2fHVgL._SL1500_.jpg

    Zitat aus einer der Rezensionen auf amazon.de: “ Beckmann errichtet kristalline Strukturen, webt klangliche Protuberanzen innerhalb der Möglichkeiten seiner sich selbst auferlegten, strengen Kompositionsmatrix. Trotzdem verleugnet er nicht den musikantischen Impetus, der in seiner immanenten Unschuld an Hindemith erinnert und damit Adorno Lügen straft.“

    (http://www.amazon.de/dp/B00F5DXIR4/)

  10. Bersarin schreibt:

    Es wäre allerdings schade um die Hunde. Wo der Ort immanenter Unschuld liegen soll, weiß ich jedoch nicht, würde mich aber interessieren.

  11. summacumlaudeblog schreibt:

    @hANNESwWURST: Danke für den Hinweis auf diese Realsatire in einer amazonrezension. Demaskierte man dieses Wortgeklingel, so würde der Verf./die Verf. sicherlich behaupten, es sei ironisch gemeint. Nur man selbst sei eben unfähig, diese Ironie zu lesen.
    Mein Gott, ist das großartig!!!

  12. Partyschreck schreibt:

    Sie sollten die Welt einfach einmal etwas positiver betrachten, werter Bersarin:)

  13. Bersarin schreibt:

    Das ist alles so schrecklich, daß ich heute abend – entgegen meiner Gewohnheit – das Haus verlassen und mich in einer Bar betrinken werde. Zudem werde ich Rache an den in Berlin weilenden Niederländern nehmen, indem ich ihnen ihre hübschen Frauen ausspanne. Das Blond der Niederländerinnen ist unnachahmlich. (Da kommt selbst Lovley Linda nicht mit. )

    Vielleicht esse ich im China-Restaurant aber auch eine Peking Ente. Vegan zubereitet, versteht sich.

  14. hANNES wURST schreibt:

    @summacumlaudeblog: Doch, es ist ironisch, so wie einige der Rezensionen zu diesem Album (man erkennt das schon an der „ein Stern“ Bewertung). Nach den Erscheinen der CD kamen zunächst eine Menge „PR“ fünf Sterne Rezensionen. Dann kamen die ersten ernsthaften Verrisse und auch einige sehr schöne skurrile Rezensionen als Replik auf das Gelobhudele. Ich habe gelesen, dies ist schon Teil einer gewissen Rezensionssubkultur; eine Beckmann CD eignet sich dazu natürlich hervorragend. Selbstverständlich habe ich keinen Ton der CD je gehört, stelle sie mir jedoch schrecklich vor.

  15. wolkenbeobachterin schreibt:

    Hier – wegen der Vokabeln :-)

  16. Partyschreck schreibt:

    @ Bersarin: Dein Gelage werde frrrrrrröhlich, ganz frrrrrrrrrrrrröhlich, ganz frrrrrrrrrrrrröhlich, ganz unbeschschreibrleiblich frrrrrrröhlich, so frrrrrrröhlich wie noch nie!:)
    @hANNESwWURST, summacumlaudeblog:
    Sehr lesenswert zu diesem Thema auch Stefan Niggemeier:
    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/erinnert-an-den-fruehen-stockhausen-und-boulez-beckmann-re-rezensiert/

  17. hANNES wURST schreibt:

    @wolkenbeobachterin: Sehr schön, ist das von 1983 oder retro? Erinnert mich an „It’s a Mistake“ von Men at Work. Haben die Niederländer ja doch mehr drauf als super skunk und frites speziaal.

  18. hANNES wURST schreibt:

    @Partyschreck: Ach ja, bei Niggemeier habe ich auch davon erfahren.

  19. wolkenbeobachterin schreibt:

    ja, hannes. das ist original 80er von doe maar.

    wart mal. ich hätte da noch was:

    it’s a mistake, das mag ich supergern.

  20. wolkenbeobachterin schreibt:

    Kennst Du Nits? Auch NL. Auch 80er.

  21. Partyschreck schreibt:

    @Wolkenbeobachterin: Daran erinnere ich mich auch noch – allerdings kannte ich das nur auf Deutsch.

    Hach soviele Perlen kommen von unseren lieben Nachbarn, das solltest du wirklich nicht vergessen, Bersarin! Hier noch etwas Besinnliches:

  22. wolkenbeobachterin schreibt:

    Sag mal, wo kommst Du denn her? Stimmt, Vater Abraham gabs ja auch noch. :-)

    Von wem war „Suzanne“ denn auf Deutsch?

    Hier Nits:

  23. wolkenbeobachterin schreibt:

    Danke übrigens an Hannes Wurst fürs dran erinnern an Men at work. :-)

  24. summacumlaudeblog schreibt:

    Ok also doch Ironie, das kommt davon, wenn man nicht den Orginal-Click nachliest (sprich die Orginalquelle). Die Combo war mir übrigens neu. Herrlich.
    Karl der Käfer fällt mir beim Thema Geschmack (denn darum geht es ja) noch ein und – oh Schreck – „Die weißen Tauben sind müde“. Hans Hartz in hochengagierten Zeiten. Seit 1982/83 hat mich regelmäßige „Titanic“-lektüre vor diesem Wahnsinn bewahrt. Wer kennt noch die Lyrikerin mit dem Doppelnamen aus dem lucy körner verlag? aller wybranitz oder so…

  25. wolkenbeobachterin schreibt:

    Wir sprachen hier u.a. über (politische und unpolitische) Musik aus den Niederlanden. So kam das. Christiane Allert-Wybranietz, – so hieß sie, wenn ich das richtig erinnere.

  26. Bersarin schreibt:

    Sagt einmal: Habt Ihr alle nicht alle beisammen? Ich gehe ca. zehn oder 20 Mal im Jahr in Bars zum Abstürzen, das ist bei 365 Tagen im Jahr nicht viel, und dann muß ich, wenn ich von einem angenehmen Abend wieder nach Hause komme, sehen wie die Mäuse auf dem Tisch tanzen und all diese furchtbare Musik erleben, hören, lesen. Still weine ich in den Schreibtisch, gehe zum gefüllten Weinschrank, sinniere: Hat der Eurovision-Contest abgefärbt? Wie sagte es H. Schmidt? Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Was kommt hier als nächstes für Musik? Ich bin derart entsetzt, daß ich hier zu Hause weitertrinke.

    Es gibt auch Musik, die genial ist, nicht auf holländisch, aber auf deutsch. Beste Band:
    Auf der Erde und im All zerbrechen wir wie ein Kristall:

  27. Bersarin schreibt:

    Oder das hier: das ist Diederichsens geniales Buch über Pop-Musik auf den Punkt gebracht:
    http://www.tocotronic.de/videothek/let-there-be-rock/

  28. summacumlaudeblog schreibt:

    @wolkenbeobachterin…aberaber, Peinlichkeiten kennen keine nationalen Grenzen. Schlumpfige Grüße!

  29. Bersarin schreibt:

    Ja, Titanic, das waren jene wunderbaren Jahre in den 80er. Seit 1980, also fast seit der Gründung habe ich über zehn Jahre lange gelesen. Und das feite vor den Anmutungen des Schlechten oder des Gesinnungskitsches. Körner-Verlag – sehr gut: mancher las daraus die Bücher. Ich gehörte – siehe Titanic – nicht dazu.

    Schlechter Geschmack und die Peinlichkeiten: selbst die Ästhetik des Camp läuft mittlerweile leer und hat sich seit den 90ern in Adidas-Sportjacken und Schlager-Move transformiert. Herabgesunkenes. Es gibt nichts Harmloses mehr. Ich werde demnächst hier im Blog ein wenig zu Diederichsen und Pop schreiben. (Wenngleich ich ein Kritiker dieses Phänomens bin.)

    Christiane Allert-Wybranietz – das ist gaaaaaaanz gaaaaanz großes Kino: Der Name bereits verweist auf die sozialdemokratische Doppelnamenfrau. Ich habe mir gerade einige ihrer Aphorismen im Internet durchgelesen. Eigentlich ist es so schlimm, daß ich mich darüber nicht einmal mehr lustig machen mag, weils nur traurig ist. Was soll man da sagen? Handle so das die Maxime Deines Schreibens jederzeit zur allgemeinen Schreibgesetzgebung taugen kann?

  30. wolkenbeobachterin schreibt:

    Nun jammern Sie mal nicht so künstlich, Herr Bersarin. Erst wollen Sie, dass hier im Blog was los ist, dann ist was los, während Sie sich irgendwo betrinken und hinterher beklagen Sie sich, dass die Party ohne Sie stattgefunden hat. Tja, was soll ich sagen? Wir haben alle eine musikalische Vergangenheit, auch Sie haben das Bots-Album gekauft, das haben Sie längst zugegeben, aus der Nummer kommen Sie nicht mehr heraus! Es ist ja schon ein wenig undankbar, wie Sie hier mit Ihren Lesern umgehen. Während wir für das Wohl dieses Blogs sorgen und Ihre angefangenen Beiträge weiter führen, hauen Sie uns später eins auf die Mütze, weil Ihnen die Form nicht gefallen hat. Wie ging noch gleich das Sprichwort mit der Welten Lohn? Ach, Sie kennen das sicher.
    Jedenfalls. Also Tocotronic ist ja nun auch nicht das Einzig Wahre – nun ja, vielleicht für SIE! Ich schenke ja lieber der hamburgerischen Konkurrenz namens Marcus Wiebusch und seiner Combo: „Kettcar“ zu oder der früheren, namens … wie hieß sie noch gleich? Ah ja, Rantanplan, … das war doch der Hund von … genau. Kennen Sie nicht? Moment. (Es kommt jetzt NICHT der Hund, sondern Musik, – was dachten Sie denn?

    Oder ein noch früherer Marcus Wiebusch bei …but alive hier:

    Ich habe übrigens früher die Körner-Bücher gelesen. Mir hat gefallen … wie hieß er noch? Weißes Cover mit Namen im Titel. Johannes! Ja. Das hat mir gefallen. Aber worum es ging? Ein Spaziergang, auf dem ein Mensch einem alten Menschen begegnet, der ihn zu kennen scheint. Ein bisschen so wie hier … ich mach nur Spaß. :-)

    Ich wünsche einen schönen Sonntag und einen guten Musik-und Lesegeschmack! Ach übrigens, ich finde lesen und Musik hören ist ja etwas Schönes. Egal was. Außer Schlager. :-)

    Herrliche Grüße von der Beobachterin

  31. Bersarin schreibt:

    Vielen Dank, liebe Wolkenbeobachterin. ich habe sehr gelacht als ich Ihren Kommentar las. Sie haben ja recht. (Bis auf die Sache mit dem Körner Verlag. ;-)

    [Das mit dem Bots-Album hätte ich nie zugeben dürfen – stimmt insofern: aus der Nummer komme ich nicht mehr heraus. Aber ich war erst 14 oder 15 junge Jahre, als ich es mir kaufte, diesen Umstand bitte ich in Milde zu berücksichtigen.]

    Ihnen ebenfalls einen schönen und ansprechenden Sonntag. Ich schrieb bei Ihnen drüben im Blog ja, wie ich ihn verbringen werde. Lesend natürlich auch.

  32. wolkenbeobachterin schreibt:

    Ist doch wahr! Diese gespielte Empörung, also wirklich! :-)

    Ja, das mit dem Bots-Album, das wird Ihnen auf ewig anhaften. Das haben sie nun davon. Ich wäre ja gnädig, durchaus, aber bei Ihnen, … da muss ich wohl eine Ausnahme machen. So wie Sie unterwegs sind. Mit der moralischen Keule hinsichtlich erlaubter und unerlaubter Musik. Tze.

    Ich hoffe, es war schön im botanischen Garten. Und bestimmt war es dort still. Kein Bots weit und breit.

    Was lesen Sie denn gerade? Wenn ich Ihnen erzähle, was ich gerade lese, dann schwingen Sie wieder die Keule, schätze ich. Ich sag also besser nichts. (Ich schreibe dann darüber. :-) ).

    Übrigens – den Heiner Müller – Text. Dazu äußere ich mich noch. Erstmal muss ich meine Bücherregale umräumen. Und die Plattenregale. Und die CD-Regale. Ich hab da noch etwas Arbeit vor mir …

    alle, die gegen Atomkraftwerke sind, sollen aufstehn *sing*

    RUHE BITTE!

    :-)

  33. wolkenbeobachterin schreibt:

    @summacumdingsbums: peinlich geht immer! :-) summende grüße zurück!

  34. Partyschreck schreibt:

    @wolkenbeobachterin
    …Genau! Und vor allem:
    „Alle die nicht gerrrrrrne Inschtantbrrrrrrrühe trrrrrinken, sollen aufstehn!“

  35. Partyschreck schreibt:

    @ wolkenbeobachterin:
    …Ganz genau! Und vor allem:
    „…Alle die nicht gerrrrne Inschtantbrrrrrrühe trrrrrrrinken, sollen aufstehn!“

  36. Partyschreck schreibt:

    …Kann das sein, dass hier ein Echo in deinem Blog ist, Bersarin, oder spinnt hier die Technik?

  37. wolkenbeobachterin schreibt:

    @Partyschreck: Insgeheim singt Bersarin längt mit bei „aufstehn“. Niemand hörts, aber das Blog weiß es und lässt es nachklingen. Das ist nicht die Technik, sondern der singende Bersarin ist das Echo. :-)

    …und was wir kriegen sollen, nicht das ist, was wir wollen, sollen aufstehn
    *flöt*

    :-)

  38. Bersarin schreibt:

    @ Wolkenbeobachterin
    Soso, Plattenregale: dann gehören Sie also meiner Generation ein. Zumal Sie auch Bots kennen/hörten.

    Auf Ihren Bericht zur Gotscheff-Inszenierung bin ich sehr gespannt, wie Ihre Sicht ausfällt, Frau Wolkenbeobachterin – ich hoffe, Sie schreiben darüber bei Ihnen im Blog oder gerne auch hier.

    Ich lese gerade Diederichsens Buch „Über Pop-Musik“ und zudem Cortázars/Dunlops „Autonauten auf der Kosmobahn“.

    Sie irren, was Musik (und teils auch Literatur) betrifft; ich schwinge keine moralische Keule. Moral liegt mir völlig fern. (Allenfalls ist es die Keule der Ästhetik, die ich freilich von der Eleganz her wie ein Florett benutze.) Es gibt da (mindestens) zwei Komponenten: Wir hören ein Stück Musik durchaus aus sentimentalen oder neutraler geschrieben rein subjektiven Gründen – nicht weil es im Rahmen der Kunst besonders gut gemacht oder ästhetisch gelungen ist. Es rührt unsere Gefühle, wir verbinden damit bestimmte Erinnerungen, laden es also assoziativ auf. Dies ist die aisthetische Variante. (Das geht allerdings auch in seiner Negativ- oder Ressentiment-Variante. Siehe Bots. Wenngleich es dennoch Gründe gibt, weshalb die Ton Steine Scherben gut oder genauer geschrieben: cool sind. Anders als Bots.) Sogar die Musik von Hermann van Veen oder von Roland Kaiser kann Anlaß für diese aisthetische Aufladung sein.

    Denken Sie nun aber nicht, ich hörte Kaiser, wenngleich ich – freilich durch Zufall – letztes Jahr in Dresden in der Nähe der Kaiser-Mania war. Während der Regen dicht fiel, schlenderte ich mit einer Frau Hand in Hand, Kuß um Kuß unter einem Regenschirm über die Augustusbrücke; den Schirm zierte ein Raffael-Engel und von oben blickte mild und freundlich das Schicksal auf uns herab. Um dann allerdings später um so erbarmungsloser zuzuschlagen. Eine Beschreibung dieses Tages – zumindest eines Teils desselben – können Sie hier nachlesen, sofern Sie es mögen: https://bersarin.wordpress.com/2013/08/16/billardkonigin-um-halb-zehn/

    Dann gibt es die strukturale Komponente bzw. die Seite der Ästhetik: Weshalb ein Musikstück oder ein Buch auf der Ebene ihres Gemachtseins zu recht als gelungen bezeichnet werden kann. Weshalb z.B. bestimmte Werke außerordentlich sind und andre mittelmäßig oder mißlungen: Weshalb z.B. Foster Wallace, Roberto Bolaño oder Don DeLilo herausragend sind und andere Autoren nicht. Viele andere Blogger und Bloggerinnen sowie Kommentatorinnen und wahrscheinlich auch Sie sagen, dieses Urteil sei ins subjektive Belieben gestellt. Ich widerspreche dem. Es lassen sich objektive Gründe anführen, weshalb ein Kunstwerk mit recht als gelungen genannt werden kann. Allerdings kann man in manchen Fällen sicherlich über die ästhetischen Kriterien, über die ästhetische Form und über den Rang des Werkes streiten. Und diese Debatten eben machen das Spannende an der Kunst aus. Nicht das subjektive Meinen: finde ich gut, finde ich schlechte – so urteilen wir vielleicht über die selbstgemachte Pastasauce –, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung und die über die Form machen das ästhetische Urteil aus. (Unter anderem) Aber nun bin ich schon wieder so streng, oder?

    Was wir kriegen sollen? Aber, aber!: Das ist doch Fehlfarben mit „Paul ist tot“: „Was ich haben will das krieg‘ ich nicht,/und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.“ [Das Bots-Lied habe ich glaube ich seit über 25 Jahren nicht mehr gehört. Und ich möchte auch, daß das so bleibt ;-)]

    Können Sie eigentlich gut singen? Und was lesen Sie gerade? Nur heraus mit der Sprache!

  39. Bersarin schreibt:

    @Partyschreck
    Technikfragen? Tech-Nick fragen! Das Echo kann unterschiedliche Ursachen haben. Bisher gab es sowas hier noch nicht. Passiert vermutlich nur bei Bots-Texten aufgrund ihrer Monotonie.

  40. wolkenbeobachterin schreibt:

    Doch, doch, das ist aus dem Bots-Lied. Aber das Fehlfarben-Lied kenne ich auch. Paul ist tot, kein Freispiel drin. Ich schau mich um und seh nur Ruinen. Vielleicht liegt es daran, dass mir irgendetwas fehlt. usw. Ja, Fehlfarben haben auch dieses „was ich kriegen kann, das gefällt mr nicht“, aber Bots eben auch. Aber sie wollen ja nicht (rein-)hören.

    Es wird vermutlich übrigens keinen Bericht geben zur Zement-Aufführung. Lediglich einen Kommentar, mehr nicht. Eine persönliche Sicht, ein Empfinden, das, was ähnlich der Pasta-Soße klingen könnte. :-)

    Ästhetik ist etwas sehr Wichtiges, auch mir. Und sie zeigt sich durchaus vielfach. In allen Formen von Künsten, auch im richtigen Leben. Und ja, ich denke schon auch, dass es etwas wie „objektive Kriterien“ dafür gibt / geben kann / könnte … ungenauer kann ich mich gerade nicht ausdrücken – jedenfalls … jetzt habe ich den Faden verloren.

    Das mit der „moralischen Keule“ freilich, war ein freundliches Pieksen, mehr nicht. Eine Keule kommt ja schon von Ihnen hin und wieder, aber diese ist weniger moralischer Art, da stimme ich zu.

    Was der Grund dafür ist, dass ich ein Stück Musik besonders mag, werde ich noch eingehender durch Selbstbefragung überprüfen. Erst heute formulierte ich, dass mir das Stück „Calm after the storm“, der Beitrag der Niederlande beim European Song Contest so gut gefallen hat – ob seiner Schlichtheit und auch Harmonie, aber auch wegen des unaufgeregten Vortrags. Ich fasste es in Worte und nickte mir innerlich zu, weil etwas sagte: Aha. Genau. Das, was sie vielleicht jetzt auch denken: Das kommt mir bekannt vor. Dass ich das mag, meine ich. Das gilt ja nicht nur für und in der Musik, wobei ich durchaus die Vielfältigkeit mag, auch das Wilde, Unaufgeräumte usw. Können Sie mir noch folgen? Vielleicht gibt es ja gar keine eine bestimmte Antwort auf die Frage, die ich mir eben noch stellen wollte. Manchmal muss man Fragen auch umstürzen können, finden Sie nicht auch? Aber sie richtet sich gerade wieder auf, guckt mich streng an und ich sage: Na gut, ich verspreche, ich denke drüber nach. Aber ob das, was hinterher herauskommt und ob überhaupt … da war der strenge Blick wieder da und ich nicke: Ja, ja, … ist ja schon gut.

    Subjektivität hat, denke ich, schon einen – zumindest geringen aber nicht gar keinen – Einfluss auf das, was Mensch mag. Natürlich kann man mit „dem Werkzeug der Literatur“ oder was auch immer, Texte (Filme, Musik) untersuchen, abwägen, analysieren, einschätzen. Und doch wird das Subjektive immer (wenn auch im Stillen) ein Wörtchen mitreden. Ich erinnere mich an ein Buch von Monika Maron: „Animal triste“. Ich empfahl es einer Bekannten, die war übrigens empört. Ob des Inhalts. Der Charakter und das Handeln der Protagonistin hatte sie geschockt. Da habe ich gesagt: „Aber die Figur ist doch toll entworfen und geschrieben und erzählt ist es doch großartig, oder?“ Da hatte sie keine Antwort. Es wird so unterschiedlich gelesen. Sogar ich selbst lese so unterschiedlich und manchmal auch subjektiv. Immer ein bisschen jedenfalls. Aber das ästhetische Auge liest mit, hört mit, sieht mit. Bei der Kunst, der Literatur, der Musik, beim Essen und auch bei anderen Menschen. Aber ja. (Wobei das subjektive Empfinden von Schönheit eben variieren kann und es auch tut.)

    Apropos Roland Kaiser. Da könnte ich nun auch zitieren, beispielsweise: „Dich zu lieben, dich berühren, mein Verlangen, dich zu spüren. Deine Wärme, deine Nähe, weckt die Sehnsucht in mir auf ein Leben mit dir.“ Tja. Was ist da schief gelaufen? Während sie in Dresden im Regen mit einer Frau Hand in Hand spazieren waren, hielt ich mich früher an einem Ort auf, an dem es einen Flipper gab, den einzigen im Ort. Und an diesem Ort gab es einen Italiener und der bediente und arbeitete dort. Und besagter Italiener, dessen Name ich nun nicht nenne, ist ja auch egal, kennt ja eh niemand – der liebte Roland Kaiser. Und deshalb lief die CD dort ununterbrochen, über Wochen. So kam es, das ich es ertragen musste und so kam es, dass mir die obigen Zeilen ins Gehirn donnerten und seither sich festgekrallt haben. Ich schrieb ja schon oben – wir haben alle unsere musikalische Vergangenheit. Was hab ich geflippert, aber die Musik zu ertragen war eine Herausforderung – sie wissen es ja selbst. Ich wette, dass trotz schöner Frau an ihrer Hand, diese Musik die Stimmung zu verderben fast geschafft hätte. Stimmts?

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich gut singen kann. Sie sollten meinen Nachbarn fragen, den mit der Gitarre. :-)

    Um die Billiardkönigin kümmere ich mich später. Jetzt gehts hinaus in die große, weite Welt.

    Einen schönen Tag Ihnen!

  41. Bersarin schreibt:

    Zum Subjektiven und zur Kunst schreibe ich noch einen Blogtext extra, weil diese Ausführung zu lang für einen Kommentar wird.

    Ästhetik ist vielschichtig. Sie kann sich auf die Phänomene des Alltags richten (guter vs schlechter Geschmack (ich referierte an verschieden Orten über diesen Begriff), Design, Pop, Stile usw. das wäre dann der aisthetische Aspekt). Ebenso nimmt Ästhetik die Objekte der Kunst in den Blick und geht auf die Sache selbst. Schönheit ist ein besonderer Fall. Das Kunstwerk der Moderne richtet sich nicht mehr primär nach der Schönheit oder will ihrem Maß genügen. Überhaupt gibt es hier kaum noch Leitbegriffe. Kafkas, Becketts oder Joyes‘ Prosa läßt sich schwierig nur in diesem Begriff fassen. Wer die Schönheit als Sound einführt, kann leicht, wie leider Rilke in manchem Gedicht, an der Grenze zum Kitsch schrammen. Der übrigens ebenso zur Kunst geraten kann. Um Kunst zu machen, gehört Subjektivität unabdingbar dazu: Das Moment des Zufalls, weshalb ich gerade diese Sujet oder diese eine Szene wählte und keine andere oder der bloße Einfall, was auch immer. Da ist alles möglich, da gibt es keine Regeln, keine gesetzten Vorgaben: gut ist, was am Ende gelingt. Ebenso gehört im Laufe dieses Prozesses aber die Komposition dazu. Ich setze mich als Produzent mit dem Material auseinander.

    Es stimmt: manchmal verschwindet eine Frage, indem wir sie umstürzen, sie sich selber im Prozeß duchstreicht oder abändert. Das geschieht meist, wenn wir uns mit einer Sache auseinandersetzen. Und das ist für mich ein produktiver Prozeß. So z.B. bei der Gotscheff-Inszenierung: Was hat mich so sehr angesprochen daran? Darüber wollte ich mir Rechenschaft abgeben. Und das hat nicht nur mit mir etwas zu tun, sondern sehr viel mehr noch mit der Inszenierung selbst, mit ihrer Struktur, ihrem Aufbau: wie werdenwelche Effekte erzeugt. Zu solcher Sichtung gehört freilich ein bestimmtes Wissen von Kunst. Der Blick auf Kunst ist nicht voraussetzungslos. Im Gegenteil.

    Ich bin zuweilen streng, das ist wahr, und ich lasse mir nicht gerne erzählen, im Himmel sein Jahrmarkt. Auch bin ich jemand, der in der Blogwelt und insbesondere in den Gesprächen über Kunst aufs gefühlsweiche Kuscheln nicht steht. Das ist nämlich eine Privatangelegenheit. Wer bei mir allerdings, so wie Sie, freundlich fragt oder freundlich widerspricht, wird auch eine freundliche Antwort oder einen freundlichen Widerspruch erhalten. [Meine Nachbarin saugt gerade Staub, ich überlege, ob ich sie zu mir herüberbitten soll. (Das war wieder einer dieser blöden Scherze von mir.) ]

    Die Roland-Kaiser-Geschichte ist sehr schön. Natürlich ließe ich mich, hätte Kaiser selbst den größten Schmonz gesunken, in Dresden auf der Brücke nicht ablenken – zumindest nicht beim Küssen. Zum Glück sang Kaiser aber nicht. Oder ich hörte es nicht.

    Sie Flippern? Dann können Sie auch Billard ;-)

    Auch ich wünsche Ihnen einen angenehmen Rest des Tages. Für den wir gewöhnlicherweise die Bezeichnung „Abend“ pflegen.

  42. wolkenbeobachterin schreibt:

    Ich melde mich später.

    Hier ein Link zum erwähnten Buch, sollten Sie es nicht kennen. Bitte einmal hinein lesen, damit Sie verstehen, was ich meine bzw. meinen könnte:

    http://www.amazon.de/Animal-triste-Roman-Monika-Maron/dp/3596139333

    Eine Frage hätte ich: Welches Buch von Don De Lilo würden Sie mir empfehlen? Der steht nämlich schon länger auf meiner „zu lesen-Liste“.

    Einen schönen Tag Ihnen!

  43. wolkenbeobachterin schreibt:

    P.S.: Über den Scherz bezüglich der Nachbarin habe ich übrigens schmunzeln müssen. Ob ich ihn verstand, wie er gemeint war, sicherlich, das lässt sich nicht sagen, aber Ihr Gedanke / Zitat hat mich amüsiert.

    Bemühen Sie gern weiterhin Ihren Humor. Er bereitet mir Freude.

    :-)

  44. Bersarin schreibt:

    Sie werden es nicht glauben, werte Wolkenbeobachterin, aber der Maron-Titel spricht mich an. Und wenn der Text gut geschrieben oder raffiniert gebaut ist, umso besser; zumal die Obsession der Liebe eines der spannenden Themen der Weltliteratur ist. In gewissem Sinne würde ich sagen, es ist das Thema, welches auch ich mit einer gewissen Obsession verfolge. Als Melancholiker und Theoretiker des Fetischs scheint mir das Buch, wie für mich geschaffen zu sein. Liebe ist eine der interessantesten Angelegenheiten und in ihrer wunderbarsten Form hat sie in der Literatur, der Poesie und ebenso in der Theorie ihren vorzüglichen Ort. Was wären die Gedichte Heines ohne die Liebe? Was die Texte von Roland Barthes? Und ohne jene Liebe gäbe es Luhmanns „Liebe als Passion“ nicht. Ich denke mittlerweile, die Liebe ist nicht um der Liebe und der zwei Menschen willen da, sondern wegen Poesie, Literatur und Philosophie.

    Wenn Sie es von Don DeLilo ganz dick möchten, dann lesen Sie „Unterwelt“, wenn sie es postmodern möchten, dann „Mao 2“ oder „Das weiße Rauschen“. Kurz und prägnant und eines seiner besten Bücher ist „Der Omega-Punk“, dies würde ich Ihnen als Einstieg an Ihr sanftes Herz legen; ansonsten eignet sich als Einstieg auch der Erzählungsband „Der Engel Esmeralda“. Darin finden Sie Erzählungen aus den unterschiedlichen Schaffensperioden von DeLilo, insofern wäre dieser Band ein repräsentativer Querschnitt durch sein Werk.

    Gerne bemühe ich meinen Humor, der zum Glück nicht bemüht, sondern geschliffen und zuweilen auch subtil ist. (Und am Sonntag im Botanischen Garten fiel mir zudem ein freilich bescheuerter Witz ein, den ich demnächst mit einer Fotoserie hier im Blog zum Besten gebe.)

    Auch Ihnen einen angenehmen Tag!

  45. wolkenbeobachterin schreibt:

    Erstmal herzlichen Dank für die Buchempfehlungen. Interessant klingen alle – ich werde danach im Buchladen schauen, hinein lesen und mich dann entscheiden. „Das weiße Rauschen“ – ist das die Grundlage für den Film mit selbigem Titel?

    Ich freue mich sehr zu lesen, dass auch Ihnen das „Animal triste“ gefällt. Sie erinnern sich – ich empfahl es einer Bekannten, die einen durchaus anderen Zugang zur Sprache hat (als ich). Und vielleicht erkennen Sie an und in den Sätzen, was ich meine, warum ich dieses Buch mag. Vielleicht wird es Ihnen gehen wie mir – vorausgesetzt sie lesen es -, dass Sie Ihren Blick während des Lesens, immer wieder vom Buch und von den Sätzen schweifen lassen, weil etwas in den Sätzen liegt, dem etwas in ihnen folgen möchte, vielleicht sogar muss. Wegen der Bilder, wegen der Art, wie die Autorin erzählt, wegen der Berührung. Sie werden verstehen, wenn Sie es lesen, denke ich. Ich habe, nachdem ich heute erneut ins Buch gelesen habe, (bevor ich es Ihnen verlinkte), beschlossen, auch dieses Buch ein weiteres Mal zu lesen. Allerdings habe ich derzeit drei Bücher, die schon in Wartepositon stehen, aber das wird dennoch machbar sein. Ich erinnere, dass ich es seinerzeit, als ich es erstmalig las, in die Hand genommen hatte, mein Blick und meine Gedanken immer wieder abschweiften in eigene Überlegungen und Empfindungen und ich doch immer wieder las und las. Lesen musste. Nach diesem Buch habe ich vier weitere Bücher dieser Autorin gelesen und ein angefangenes steht auch noch hier, aber darin geht es um den Krieg und gleich zu Beginn gibt es ein Bild, das mich so tief und schwer erschüttert hat, dass ich es fortlegen musste. Es steht immer noch auf dem Tischchen neben meinem Bett, da stehen die Bücher, die ich aktuell lese, auch jene, die ich immer wieder greifen und in die ich hineinlesen möchte und jene, die darauf warten, in näherer Zeit gelesen zu werden.

    Ich muss nun leider an dieser Stelle auf morgen verweisen. Leider hatte ich sehr wenig Schlaf, letzte Nacht. Zu spät hatte ich mir gestern noch einen Kaffee gegönnt und dann wurde ich heute morgen zwei Stunden vor dem Wecker von meinen zwei persönlichen Weckern geweckt. Ich sage nur: Katzenjammer. Also ich. Heute. Den halben Tag quer. In den Seilen.

    Sie werden von mir hören bzw. lesen. Ich brauche nur etwas Schlaf. Ich möchte und werde Ihnen antworten und mich den noch offenen Themen und Fragen widmen. Später.

    Haben Sie einen schönen Abend und bewahren Sie sich Ihren feinen, geschliffenen und subtilen Humor. Wie wichtig der Humor doch ist, – ebenso wichtig wie … Fortsetzung folgt …

    Einen lieben Gruß an Sie.

  46. Bersarin schreibt:

    Ich kenne das gut, wenn man, so wie Sie es beschreiben, von einem Buch gefangengenommen wurde. Dann möchte man das nächste und noch das nächste dieser Autorin, dieses Autors lesen. Ich selber gehe dann den Gründen nach: Weshalb ist das so, was fesselte? Ist es bloß subjektiver Eindruck, weil ein Text eine bestimmte Ader in uns oder ein bestimmtes Gefühl reizt, dem aber, was die literarische Qualität betrifft, am Ende nichts an der Sache (also dem Text) entspricht, oder steckt dieses ästhetisch Gelungene im Text selber? Und genau an diesem Spiel zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Subjektivem und der Sache entzündet sich die ästhetische Kritik. Sich nicht nur auf seine Idiosynkrasien oder Zuneigung zu verlassen, sondern darüber hinaus zu gehen. Allerdings erfordert es sicherlich eine Vielzahl an Lektüren und Kenntnisse der Literatur, um solche Kritik zu machen. Und vor allem bedarf es aufgeschlossener Sinne. Aber ach, das ist ein weites Feld.

    Nun, schlafen Sie gut. Zu wenig Schlaf kenne ich. Ich bin auf Ihre Texte zu Maron und Gotscheff gespannt. Liebe Grüße aus dem Grandhotel Abgrund. Momentan leider in einer trüben Stimmung.

  47. wolkenbeobachterin schreibt:

    Lieber Herr Bersarin, das klingt sehr interessant, worüber Sie schreiben. Dieses Ermitteln der Zusammenhänge und tieferen Beweggründe, Motive, dieses Ermitteln der … wie kann man das Bezeichnen? Wortfindungsschwierigkeiten. Ich bin immer noch nicht ganz wach. Heute Morgen weckte mich eine städtische Angestellte, die direkt unter meinem Fenster mit einem Gerät Müll entfernte. Es klang,als würde jemand sein Motorrad starten, wieder und wieder. Nach zehn Minuten andauernden Dröhnens war es mir nicht mehr möglich, wieder einzuschlafen. Auch diesen Tag werde ich überleben, hoffentlich jedenfalls. :-) Langsam, laaaangsam.

    Kennen Sie die Kunst von Andy Goldsworthy? Wenn Sie mögen:
    http://stadtzottel.wordpress.com/2014/02/13/uber-veranderungen/
    (Falls Sie nicht lesen mögen – die Videos! Die Videos!)

    Das ist derart schön, vielleicht mögen Sie es auch, da Sie ja auch der Ästhetik und Kunst sehr zugetan sind. Vielleicht tut es Ihnen gut, etwas Schönes zu betrachten. Mir hilft es zumindest, wenn ich mich traurig fühle.

    Ich sende Ihnen liebe Grüße. Bis später!
    Kommen Sie gut durch den Tag!

  48. Bersarin schreibt:

    Vielen Dank für Ihre guten Wünsche, der Arbeitstag ist nun vollbracht, und ich komme zur Kür.

    Spät stehen Sie auf, liebe Wolkenbeobachterin. Ich saß zu dieser Zeit bereits auf dem Amt und beantragte Dokumente für meine sommerliche Ausreise aus der BRD. Und danach dann ging es auf meine Erwerbsarbeit. Kafka in Berlin ist in dieser Zeit mein Motto. Das klingt wenig heiter. Aber die meisten übersehen, daß Kafka ein ungemein humorvoller, geistreicher, witziger Mensch war. Zumindest wenn man der genialen Stach-Biographie folgen mag. Aber ich schweife ab. Sie haben, was die Reinigungsmaschinen der BSR betrifft, noch Glück. Mich weckte vor Jahren um 6 Uhr eine diese bemannten Maschine: der Reiniger oder Fahrer ließ sie einfach vor meinem Fenster im zweiten Stock stehen (jene beschriebene Altbauwohnung, damals noch kleiner: 54 qm). Mit laufendem Motor. Während er irgendwo pausierte. Und so lief das Teil mindestens eine halbe Stunde. Da ich aber wenig Schlaf benötige, ist es bei mir ok. Fünf Stunden reichen mir pro Tag. Schlafen kann ich , wenn ich tot bin, sagte R.W. Fassbinder.

    Natürlich mag ich lesen. Andy Goldsworthy kannte ich bisher nicht. Zur Land Art schreibe ich einige freundliche Zeilen bei Ihnen im Blog.

  49. wolkenbeobachterin schreibt:

    Auch mein Tagwerk / Arbeit ist vollbracht und ich habe es überlebt. Es war knapp, aber es hat geklappt. :-) Spät aufgestanden? Um 07.25 Uhr ging das Geröhre los von der Frau unter meinem Fenster und an Schlaf war nicht mehr zu denken. War das nicht früh? Manchmal steh ich sogar noch früher, aber manchmal auch um einiges später auf. Ich darf das :-). Und Sie mögen schlafen nicht gern? Träumen Sie nicht?
    Warum braucht man eigentlich ein dröhnendes Gerät um Müll aufzusammeln, wenn es ein Besen auch tut? Verstehe ich nicht.
    5 Stunden Schlaf? So wenig? Die Maschine hat der Mensch eine halbe Stunde laufen lassen? Unverschämtheit!

    Wohin geht denn die Reise, wenn ich fragen darf? Kafka in Berlin ist interessant! Was genau bedeutet das konkret? Waren Sie schon in Prag? Das Bild von Kafka ist im allgemeinen etwas schräg geraten, finden Sie nicht auch? Die Stach-Biographie ist die beste Biographie, die ich jemals gelesen habe. (Und die von Ray Charles hat mir auch sehr gut gefallen – ist aber natürlich nicht vergleichbar – vermutlich hat der Autor auch keine zehn Jahre Forschung damit verbracht).

    Die Aisthesis (heißt es „die“?) – interessiert mich zunehmend. Was mir nicht ganz klar ist, wo sie steht – gehört es zur Philosophie, zur Kunst oder Literatur oder ist es eine eigene Disziplin? Welche sind denn Arbeitsgebiete dafür? Museen vermutlich? Sie schrieben, dass Sie auch Vorträge an verschiedenen Orten zum Themengebiet halten? Ist gerade einer in der Pipeline?

    Was die Liebe betrifft – wussten Sie, dass zu einem erfolgreichen Film die Liebe gehört? Dass dies sozusagen zur Rezeptur eines erfolgreichen Films gehört? Und manchmal „lediglich“ der Entspannung dient – zwischen den spannenden Szenen? Als Ruhepol, als Aus-Ruhepol. Skurril, oder? Und Sie dachten, die Liebe sei wegen der Poesie, Literatur und Philosophie da!? Weit gefehlt! :-)

    Ich denke, dass Liebe eine sehr, eine höchst persönliche Angelegenheit ist, mit der jeder einzelne Mensch zu sich hingehen muss. Sich zuhören muss. Die Liebe erzählt uns eine Menge darüber, wer wir sind und was wir wollen und brauchen und was wir denken was Liebe sei. Und natürlich ist die Liebe auch eine höchst persönliche Angelegenheit zweier Menschen. Es ist hiermit nicht alles gesagt, aber so ist es mit der Liebe anyway – … Sie wissen, was ich meine.
    Dafür, dass Sie schreiben, Sie seien Theoretiker der Liebe, spazieren sie doch recht häufig im Regen mit ihrem Erzengel-Rafael-Engel-Schirm durch die Weltgeschichte und küssen, während Roland Kaiser im Hintergrund schweigt.

    Billiard habe ich übrigens nicht oft gespielt. Ist ungefähr einhundert Jahre her, dass ich das letzte Mal gespielt habe. Ach Zahlen … :-) Sie spielen vermutlich öfter?, – und da fällt mir der bislang noch nicht gelesene Billardtext ein. Nein, nicht der von Böll.

    Ich habe übrigens in meinem Blog schon auf Ihren freundlichen :-) Kommentar zu Goldsworthy geantwortet, haben Sie sicher schon gesehen. Freut mich, dass Sie ihn und seine Kunst noch nicht kannten.

    Freundliche Grüße von der Beobachterin :-)

  50. Bersarin schreibt:

    Ok: 7:25 ist als Uhrzeit ok. Ich mag schon gerne schlafen, aber ich schlafe halt nicht lange, ich habe keinen tiefen Schlaf. Ich träume selten. Nicht schlecht, eher interessant träume ich.

    Ja, das Bild, das sich allgemein von Kafka gemacht wird, ist schräg geraten. Ich habe über Ihren Satz zur Ray Charles-Biographie lange gegrübelt: Wer verdammt nochmal ist dieser Ray Charles und was für eine Biographie hat der über Kafka geschrieben. Ich kenne alle auf deutsch erschienenen Biographien über Kafka. Weshalb diese nicht? Bis mir der Sinn des Satzes aufging und der Name Ray Charles sich mit, nun ja, einem Jazz-Musiker verband.

    Der Begriff „Aisthesis“ erschöpft sich nicht in der Ästhetik, aber es ist auch keine Anti-Ästhetik. „Aisthesis“ bezeichnet als Begriff ganz allgemein die Wahrnehmung und die Empfindung, aus dem Griechischen kommend: αἴσθησις. Ich habe Vorträge zum Begriff des Geschmacks gehalten, zu Hölderlin, zu Adornos „Negativer Dialektik“, zu seiner ästhetischen Theorie, zur „Dialektik der Aufklärung“ und zu einer Kunst von der Grundfarbe schwarz. Zum Teil in Weimar im Rahmen der Reihe „Kunst Spektakel Revolution“, teils auch an anderen Orten bzw. an Universitäten: so an der HGB Leipzig. (Nicht googeln: das ist nicht auffindbar.) Nein, ich mache das nicht beruflich, ich bin kein Dozent. Ich bin leider zu faul, zu träge, um mich auf irgendwelche Posten und Stellen zu bemühen: und Sie werden es nicht glauben: sobald man im Kunstbetrieb oder in der Universität in einen Arsch hineinkriechen möchte, sitzen schon zehn andere darin. Dieses Prinzip ging mir schon mit 21 Jahren auf. Also beschloß, ich möglichst lange, ausdauernd und effektiv Philosophie und Soziologie und Germanistik und Kunstgeschichte zu studieren. Das ist mir gelungen.

    Was die Liebe betrifft, so muß ich Ihnen wiedersprechen. In dem wunderbaren und von mir hoch geschätzten Film „Laurence von Arabien“ kommt – glücklicherweise – keine einzige Frau und auch keine Liebesszene vor. (Es sei denn der Eros zwischen Männern. Aber der interessiert mich nicht.) Dieser Film war ein Kassenerfolg. Ich zum Beispiel schaue sehr gerne Western: ich liebe es, wenn die rettende Kavallerie einreitet und alle Gegner niederschießt oder mit dem Säbel spaltet, aber genauso mag ich es, wenn Indianer angreifen, sich wehren und kämpfen. Ich bin da leidenschaftslos. Hauptsache es wird ein Konflikt bis zur äußersten Spannung hochgesteigert. Und dann passiert das Schreckliche: der Held blickt eine Frau an: und der gesamte, zuvor spannende Western gerät zum Desaster. Klar, „Zwölf Uhr mittags“ lebt geradezu von dem Konflikt zwischen Liebe und dem Gesetz bzw. der Moral des einzelnen Helden. Und was wäre „Spiel mir das Lied vom Tod“ ohne Claudia Cardinale? Aber „The Good, the Bad and the Ugly“ ist eben besser: keine Liebe, Spannung, Schußwechsel.

    Sie irren übrigens: ich spaziere nicht häufig küssend unter Raffael-Schirmen. Eher selten. Ich habe zu wenig Zeit dazu. Ich finde zu wenig Gelegenheiten. Ich weiß es nicht. Liebe ist ein schöner Begriff. Ich mag die Theorien, auch darin liegt Liebe gegründet. Und was Philosophie vom Griechischen ins Deutsche übersetzt heißt, wissen Sie ja. Alle sehnen sich nach dieser Liebe und keiner ist am Ende fähig, sie zu geben. Liebe liegt im Moment, in den Augenblicken. Und aus diesem Grunde vergeht Liebe schnell und wird dann zur Beziehung, zur Routine. Aber vielleicht ist alles auch ganz anders und ich verallgemeinere unzulässig. Ich bin ein Bewohner des Grandhotel Abgrund: distanzierter Betrachter.

    Schlafen Sie gut, liebe Beobachterin, träumen Sie, sofern es geht. Man kann’s ja nicht beeinflussen.

  51. wolkenbeobachterin schreibt:

    Herr Bersarin, es tut mir außerordentlich leid, dass ich Sie in Grübelei versetzt habe mit meinem Kafka-Biographie-Satz. Mir passiert so was auch, ich kenne das. Ich lese einen Satz, ah, da fällt mir ein Beispiel ein. Da ist es allerdings kein Satz, sondern ein Wort. In der ARD gibt es, rund um die Nachrichten eine kurze Schalte. Das nennt sich: Börseimersten. Und ich weiß nicht, wie es für Sie ist – ich lese da Börseimersten. Und nicht: Börse im Ersten. Wer denkt sich so was aus? Und dann gab es den Moment, während mein Gehirn den Buchstaben unaufhörlich folgte und gleichermaßen nach Bedeutung suchte und suchte, bis es „klick“ machte. Und ich eben erkannte: Ah, das heißt ja Börse im Ersten. :-)

    So in etwa habe ich es mir vorgestellt, als Sie beschrieben, wie es Ihnen ergangen ist.

    Es stimmt, die Formulierung war unglücklich in dem Zusammenhang. Ich muss zugeben, dass ich gelacht habe. Verzeihung. (Jetzt lache ich schon wieder). Es war wirklich keine Absicht, so was kann man gar nicht absichtlich machen, oder? Also ich nicht.

    Also, der Schlenker, den Sie gemacht haben, um von den Zuständen an der ihrigen Universität zu berichten, der ist ja … das hätte ich nicht gedacht. Dass sie solcherlei Ambitionen hatten, das hätte ich Ihnen ehrlich gesagt nicht zugetraut. (Ich lache schon wieder).

    Ich habe mich gefragt, in welchen Bereichen damit, also mit dieser Fähigkeit und näheren Bestimmung der Anschauung, man arbeiten, also konkret arbeiten kann. Und erst fiel mir nur Uni ein. Vorhin, beim Joggen, fiel mir noch die Werbung ein. Da sitzen allerdings auch viele Bewerber, Herr Bersarin. :-)

    Was die „lieblosen“ Filme angeht – ich war nach dem Lesen Ihres Postings nicht mehr sicher Mir war, als hätte ich das mal so gehört und nicht anders. Hm.

    Sie vermögen es, einen Western spannend zu verkaufen. :-) Die Musik „The good the bad and the ugly“ war ausgesprochen erfolgreich und ich habs auch grad im Ohr. Also das, Sie wissen schon. Ich könnte es jetzt (an-)singen, aber ich kann es nicht aufschreiben. Es gibt doch ein ganz furchtbares Lied über Räuber und Indianer, stimmts? Das kenne ich aber wirklich nicht.

    Ich fand es schön, dass Sie mir geschrieben haben, dass Sie unseren dialogischen Austausch ein wenig vermisst hätten. Wissen Sie was? Als dieser dialogische Austausch begann, da hatte ich ein ganz bestimmtes Zitat im Kopf. (Warum auch immer das Zitat da war – aber es war da). Und zwar eines von Paul Celan. Ich meine mich zu erinnern, dass es einem größeren Text entnommen ist, und zwar: „Das Gedicht braucht ein Du“. Das ging mir durch den Kopf. Und heute, als Sie das geschrieben haben, das war – schön. Verstehen Sie, was ich meine?

    Noch etwas Interessantes: Einer Ihrer Sätze über die / zur Liebe ist dem, den ich letzten Montag, im Gespräch mit einer Freundin geäußert habe, sehr ähnlich. Es könnten Verwandte sein. Ich schreibe schon wieder Blödsinn. (Wie geht noch gleich das Zitat aus Fight Club? „Wenn man schlaflos ist, dann ist man nie ganz wach“ – so ähnlich fühle ich mich gerade. Es wird Zeit). Mehr zum Thema vielleicht an anderer Stelle mal.

    Schlafen Sie gut! Und träumen Sie – schön.

  52. Bersarin schreibt:

    Solche falschen Fährten können auch Witziges oder Eigentümliches enthalten: Während meines hundert Jahre währenden Philosophiestudiums ging ich an einem Geschäft vorbei, davor draußen ein Schild stand. Ledermänner 1,19. Ich war interessier, schaute genauer hin. Doch leider erweis sich das Geschäft als ein solches das Milchprodukte und damit auch Käse verkauft. Da war es nur noch Leerdamer.

    Ich hatte zunächst die Ambition, an der Hochschule zu bleiben. Aber wenn Sie sehen, was sich dort alles herumtreibt und wieviel Selbst- und Denkverleugnung erforderlich ist, dann ändern Sie Ihre Meinung schnell. Darüber ließe sich eine Glosse schreiben: über all die, die nach einem Posten schielen und die alle möglichen Verrenkungen auf sich nehmen. Ziemlich lächerlich, nein: ziemlich schlimm. Woanders mag es anders sein, ich weiß es nicht. In einer Agentur arbeite ich nicht. Dazu müßte ich dann ja unbezahlt Überstunden bis in die Puppen machen. Dazu aber ist mir meine Zeit zu schade. Ich bin sozusagen mein eigener Privatgelehrter und Ästhetiker. Wenn ich irgendwo einen Vortrag halten kann und Ergebnisse meines Lesens und Schreibens vorstellen kann, so ist es gut. Wenn nicht, dann auch. Ich habe einen Blog. Darin schreibe ich und zeige Photographien. Ich pilgere nicht zu den Galerien, um einen Ausstellungsraum zu erbetteln. Wer etwas haben will, kann mich anmailen. Und wenn nicht, ist es auch gut. Dann bleiben die Photographien in meinem Altbau hängen, und ich delektiere mich an ihnen. („an Ihnen“ hätte ich beinahe geschrieben ;- Dr. Freud zum Gruß)

    Dieses Zitat von Celan stammt aus seiner Büchnerpreisrede „Der Meridian“. Ja, das ansprechbare du, das ist so eine Sache. Wobei ich gegenüber Modellen von Kommunikation sehr skeptisch bin. Das muß wohl mit meiner Habermasphobie zuammenhängen.

    Ihnen auf alle Fälle einen schönen Tag. Nun wird es wieder wärmer.

  53. Bersarin schreibt:

    Obwohl mir heute nicht sehr zum Lachen zumute ist: Aber das ist schon absurd: während ich das hier schreibe, fährt unter dem Fenster die Kehrmaschine der BSR entlang und macht ihr dröhnendes Kehrgeräusch.

  54. wolkenbeobachterin schreibt:

    ich habs zu ihnen geschickt. :-)

    spaß.

    was hatten sie erwartet, als sie „ledermänner“ lasen?

    philosophie und germanistik muss man doch auch lange studieren. das sind doch inhalte, die sich erstmal im gehirn setzen müssen, um später aufstehen, herumlaufen und andere inhalte umarmen zu können. (ich habe ein paar semester lang mitgemacht). sie schrieben, sie studierten auch kunstgeschichte und soziologie. vier fächer? magister im doppel?

    denken sie, sie können den zusammenhang zwischen habermas, kommunikationsmodell und dem celan-zitat in ein paar sätzen zusammenfassen? ich hatte das zitat bislang „gedichtbezogen“ gelesen und verstanden. das gedachte oder tatsächlich existierende gegenüber sozusagen.

    the „you“ in delectare made me smile.

    ich glaub, ich werde krank. juchu, wochenende! na toll.

    ihnen einen schönen, vergnüglichen und altersentsprechenden abend. :-)

  55. Bersarin schreibt:

    Bekanntlich fängt ja nur der frühe Vogel den Wurm. Vor allem, wenn einen nach wenig Schlaf die Vogeluhr weckte. Denn inzwischen ist mein Schlafzimmer nicht mehr zur Straße, sondern zum grünen Hof hinaus, der nach hinten weit offen ist. Andererseits wäre es mir lieb. wenn der frühe Wurm besser den lauten Vogel finge, weil es dann mit der Vogeluhr ein Ende hätte. Aber Vögeln ist ja auch schön, nein,Vögel, also was nun, ich komme ganz durcheinander von dem Lärm da draußen. Das können Kommunikationsmodelle also anrichten, und seien sie auch nur vogelstimmenhafter Natur.

    Kunstgeschichte habe ich ohne Abschluß studiert. Die übrigen Fächer mit den üblichen Prüfungen und den Examen. Meine Magisterarbeit durfte ich von der Dissertation auf besagte Magisterarbeit zurückkürzen. Ich muß da bei den Ansprüchen eines wissenschaftlichen Textes wohl irgend etwas falsch verstanden haben.

    Zusammenfassung des Kommunikationsmodells am frühen Morgen: Celan: das Gedicht ist dialogisch verfaßt, zumindest wenn man der Lesart von Gadamer in seinem Celan-Buch „Wer bin ich und wer bist du?“ folgt, und zwar im Sinne eines kommunikativen, verstehenden, einander annäherndend Aktes. So in etwa konzipiert Gadamer das Du. Nimmt man hier den Weg von Gadamers dialogischer Hermeneutik, so kann man – ich spare die Zwischenschritte mal aus – gut zu Habermas und seinem Modell der kommunikativen Rationalität kommen. Nicht mehr Subjekt und Objekt oder Subjekt und Subjekt stehen sich gegenüber, sondern beide Begriffe werden unabdingbar durch Kommunikation getragen. (Man könnte jetzt auch Watzlawick nehmen, aber hier ist das Kommunikationsmodell noch anders geartet, eher soziologisch-konstruktivistisch-psychologisch). Habermas geht es in seiner „Theorie des kommunikativen Handels“ um eine unverkürzte kommunikative Rationalität, die den Ansprüchen der verdinglichten Systemwelt trotzt. Wie auch das Gedicht, das auf ein ansprechbares Du zugeht. Dieser Aspekt des Anderen läßt sich in seiner Meridian-Rede nachlesen.

    Ich lese dieses Du bei Celan grundsätzlich anders, es geht nicht in der Kommunikation auf, sondern das Du bleibt der oder die (radikal) andere. Celans Text wird in meiner Lesart von einer ganz anderen Bewegung getragen: der der Differenz und der radikalen Einmaligkeit eines Momentes, der nicht in den Typus herkömmlicher Kommunikation mehr zu überführen ist. Vielmehr geht das Gedicht in eine musikalische Sprache über, die ganz anderen Gesetzen folgt (Die Musik taucht – als Metapher, aber auch als Metonymie – bei Celan vielfach auf: eines seiner Gedichte heißt Celloeinsatz. Das freilich läßt sich auch als das Spiel der jüdischen Musikantinnen und Musikanten lesen, die den Menschen im Vernichtunglager beim Weg in den Tod oder zur Todesarbeit am Wegesrande aufspielten. Dinge, die sich jeglicher kommunikativer Rationalität entziehen. (Ein anderes Gedicht Celans heißt „Singbarer Rest“.)

    Soviel und wenig heiter endend am frühen Morgen. Starten Sie dennoch gut in den Tag. Ich gehe heute – vielleicht – in den Tierpark. Oder in den Zoo. Gefangene beobachten.

    So, nun folgen der Kaffee, die Lektüre der FAZ und der Berliner Zeitung. Samstage sind herrlich.

  56. wolkenbeobachterin schreibt:

    Kurze Meldung aus dem Krankenlager: Beten Sie, dass ich das hier überlebe. Was haben die Vögel heute morgen gesungen? Haben Sie zugehört?

    Ich habe auch eine Anekdote für Sie. Ganz aktuell, von heute. Nach dem Aufstehen zwischen den Schlafphasen ging ich an den Schreibtisch, um dort ein Glas mit (Rest-)Wasser und eine Tasse (mit Kaffee) zu greifen. Ich wollte mit beiden Behältnissen später in die Küche, um dort frischen Kaffee zu brühen und Wasserglas und Becher in die Spüle stellen. Ich hielt beide Behältnisse in den Händen. Der Kaffeebecher sollte in die Küche (Spüle). Das Wasser sollte später auch in die Spüle, aber erst in den Blumentopf. Da ist es aber nicht gelandet. Es war viel zu wenig Wasser drin. Im Kaffeebecher hingegen war noch ausreichend Menge, um den Wäschekorb, das Bücherregal am Bett auf drei Regalböden vollzusauen und den Fußboden zu wässern. Es ist sogar ein wenig ans Bett gesaut. Es roch wie in einem Kaffeehaus. Schade, dass die Katzen keinen Kuchen gebacken hatten, das hätte gut dazu gepasst. Wie sagte meine Mutter früher: „Wer keine Arbeit hat, macht sich welche.“ Dabei stimmt der Spruch überhaupt nicht.

    Sagen Sie jetzt was Nettes. Bitte.

    Ich hoffe, bei Ihnen ist alles in bester Ordnung. Was eben so geordnet werden kann. Lassen Sie die Vögel singen. Freuen Sie sich, dass sie da sind. Sie sind ein Glückspilz, wissen Sie das? Das Zitat von Dostojewski kennen Sie sicher? „Mein Bruder bat die Vögel um Vergebung. Das mag unsinnig klingen, doch er hatte recht; denn alles ist wie ein Ozean, alles fließt und grenzt aneinander. Eine Erschütterung an einem Ort verspürt man noch am anderen Ende der Welt.“

    (Haben Sie das mit dem Kaffee gespürt?)

    Wie es mir geht? Nicht so gut. Die Nase läuft, Halsschmerzen, Kopf ist matschig, ich schreibe deprimierende Texte und kann Ihnen nicht folgen, also inhaltlich da oben, das ist jetzt nicht machbar. Aber vielleicht ist das ja gar nicht der Bazillus.

    Sie haben also Ihr Schlafzimmer ans andere Ende der Wohnung verlegt? Verzeihen Sie, dass ich heute keinen wissenschaftlichen Diskurs mit Ihnen (welches Wort muss da jetzt hin? – > ) beginne, ich bin zu nichts wirklich in der Lage. Ich kann ja nicht mal ein Glas Wasser ausschütten.

    Ich danke Ihnen für die lieben Wünsche. Wie war es im Zoo? Hat jemand den Wald gefegt? Da wären wir also wieder bei komischen Liedern.

    Ich mag das hier mit Ihnen, das Schreiben. Aber wird das nicht langsam zu privat? Jetzt wissen alle, wie intelligent man sein Schlafzimmer überfluten kann. Toll. Ein Unglück kommt selten, … sie wissen ja. Aber ich hoffe, es geht Ihnen gut. Und dass sie den Kaffee getrunken und nicht die Zeitung damit bewässert haben.

    Es ist schön, dass Sie da sind.

    Herzliche Grüße vom Krankenlager, *röchel*

  57. Bersarin schreibt:

    Liebe Wolkenbeobachterin, oh weh, Sommergrippe oder Frühjahrserkältung, beides ist nicht schön. Ich hatte letztes Jahr eine solche. Und das kam so: ich fegte den Balkon, weil er von diesem in der Luft fliegenden Flausch und von diesen kleinen, leicht gelblich-braunen Pollenwesen bevölkert war. Ich fegte und fegte, wie ein Mann in meinem Alter nur fegen kann und wie es einem im Grunde eher faulen Menschen gerade so zu Gebote steht. Es staubte, wirbelte, ich atmete diese Pflanzenpollengemischhölle ein, immer mehr, und ich bekam mit einem Mal ein schreckliches Kratzen im Hals, erst leicht, dann mehr werdend, immer stärker. Zunächst dachte ich, dies sei eine allergische Reaktion. Prima, klatschte ich erfreut in die Hände. Dann brauche ich den Balkon nicht weiter zu fegen. Ich setzte mich aufs Sofa, nahm das Buch, öffnete eine Flasche Riesling. Trank, las, trank, las, und das hätte ich auch sehr lange noch so weiter gemacht, wenn das Kratzen nicht stärker geworden wäre und in mir nicht eine immer größer werdende Mattigkeit aufstieg. Insofern war das Kratzen im Hals also keine allergische Reaktion. Ich stopfte die Weinflasche mit dem Glaskorken wieder zu, taumelte langsam zu Bett, und eine langanhaltende Erkältung brach über mich herein. Und so lag ich dauerhaft nieder. Irgendwie ist dies keine aufbauende Geschichte für eine erkältete Frau, bemerke ich gerade. Aber nun habe ich sie einmal aufgeschrieben und nun lasse ich sie so.

    Ihre Kaffeesache hätte womöglich auch mir passieren können. Früher. Mittlerweile habe ich mir eine gewisse Vorsicht antrainiert. Und zum Glück habe ich in meinem Schlafzimmer keine Bücherregale. Es ist ein relativ leerer Raum. Ein Bett, ein Schrank, ein Sideboard, eine Ecke, wo Dinge stehen, die weg müßten und über die also gerne auch der Kaffee kleckern kann.

    Katzen, die Kuchen backen könnten, gefallen mir. Da habe ich lachen müssen. Fast ein wenig wie im Märchen.

    Im Zoo war ich heute nicht, weil die Sonne zu sehr schien. Das geht für die Photos nicht: Schatten: Licht: Kontraste. Keine gute Ausgangsposition, um die Bilder zu machen, die ich machen möchte. Dafür spazierte ich heute in den Wedding. Vorher brachte ich einer Freundin im Prenzlauer Berg noch ein sehr schweres Geburtstagsgeschenk vorbei, das ich für ihren Freund mit dem Auto von Bamberg nach Berlin transportiert hatte. Ich bin ein guter Mensch, dachte ich mir nach dieser Tat. Und dafür kann man sich dann auch mit einem Besuch im Gesundbrunnencenter belohnen. Wenn Sie diese Photographien aus dem Wedding sehen möchten, schauen Sie in ca. 1 Stunde bei „Proteus Image“ vorbei.

    Morgen oder übermorgen schreibe ich einen Beitrag für Sie, der Sie womöglich aufheitern wird. Ich hatte Ihnen ja etwas zum Botanischen Garten versprochen – vage zumindest.

    Zum Schluß gebe ich Ihnen noch ein paar fürsorgliche Erkältungstips. Zunächst: Inhalieren: entweder mit Salzwasser – das sehen die HNO-Ärzte am liebsten – oder aber mit Pinimentol. Dann für den Hals unbedingt Bronchialtees trinken. Zur Not sich selber einen Mix aus Thymian (mehrere Stunden im Wasser ziehen lassen), heißem Wasser, frisch gepreßter Zitrone und Honig zubereiten und dann trinken. (Nicht über die Bücher und ins Bett kippen! Ich selber weiß in vielfältiger Weise, wozu der Mensch in den Zuständen der Schwäche fähig ist. In jede Richtung hin. Wenn Sie einen Menschen … Führt öffentlich wohl zu weit. Ich kann hier ja keine Augustinisches Confessio ablegen. Wir werden ja immer privater!) Also: Tees trinken! Weiterhin als Lutschtablette für den Hals Prospan und um eine Nasennebenhöhlenentzündung zu vermeiden, Sinopret oder Tonispret einnehmen. Sollten Sie wegen Husten nicht schlafen können: Silomat. Soweit Ihre Privatsprechstunde bei Dr. Bersarin.

    Genesen Sie weiter und gehen Sie nicht zu spät zu Bett.

    Das Lied mit dem gefegten Wald kenne ich übrigens auch. Irgendwie seltsam dieses Lied.

    Ach, sollen doch alle wissen, daß Sie nicht so richtig geschickt sind. Ich bin es auch nicht – und dies ist noch eine meiner läßlichen Sünden. Bei mir ist das allerdings durch den Umstand einer tiefen Vergeistigung und eines zehnjährigen Studiums von Fächern entschuldigt, die viele als unnütz ansehen. Ästhetische Theoretiker sind nur in der Kunst Praktiker. (Da Sie krank sind, verschone ich Sie mit einem Diskurs zum Verhältnis von Theorie und Praxis.)

    In der Nachbarwohnung findet eine Geburtstagsfeier von jungen Menschen statt. Lautes Lachen, ich sehe schon, daß es eine schlaflose Nacht wird. Schlafen Sie wenigsten gut und erholsam.

    Liebe Grüße zum Abend hin und viel Genesung

    Ihr Bersarin

  58. Bersarin schreibt:

    Ach, noch zu den Vögeln: denen habe ich gar nicht richtig zugehört. Das ist immer so, wenn ich mich zu sehr über eine Sache ärgere, dann nehme ich nur noch den Lärmsound wahr. Aber Sie haben recht. Der Gesang der Vögel ist etwas sehr Schönes. Vielleicht werde ich all den Vögeln, die morgens ihre Stimmen erheben, das nächst Mal zuhören und mir merken, was sie singen. Schön haben Sie das formuliert. Und mich inspiriert.

  59. wolkenbeobachterin schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Bersarin,

    wussten Sie, dass Apotheken zeitig schließen? Heute bekomme ich nichts mehr und morgen auch nicht. Wo leben Sie denn? Ach so, das weiß ich ja. Ich bin doch bettlägerig, – nein. Also, es geht schon noch. Ganz so dramatisch ist es dann doch nicht, die Katzen versorgen mich außerdem stündlich mit frisch gepresstem Orang-Utan-Saft (sie verwechseln dauernd die Etiketten beim Einkaufen – > Brille? Stielkamm). Ich beschwere mich aber nicht, schließlich ist es eine 1 A-Versorgung, sieht man davon ab, dass auch das Mittagessen etwas gewöhnungsbedürftig war. Es gab Mützenkrallen, frittiert und als Beilage bayrische Satinkäse. Schmeckte gar nicht so schlecht, wie es aussah (kennen Sie das Märchen mit dem Brei? Durch den sich die Menschen fressen müssen? So in etwa sah es aus, allerdings nicht ganz so umfangreich, es passte leicht in die Küche, lediglich die Farbe war seltsam (lila-glänzend -> den Mützenkrallen geschuldet). Es hat wirklich (fast) sehr gut geschmeckt (vielleicht so, wie ihre Pflanzenschutzwirbelbalkonhölle im Glas). Ich gebe zu, ich habe viel Wasser dazu getrunken, – soll man ja, wenn man krank ist.

    Dass ich früh schlafen gehen soll, (einer ihrer Tipps) – das schaffe ich heute leider nicht mehr (aber dann morgen vielleicht). Es lief eine Doku über David Bowie, eine Stunde lang und die Katzen haben mich nicht ans Telefon gelassen, um dort, also bei arte, eine frühere Sendezeit durchzusetzen. Ich musste das sehen, ich habe währenddessen gelegen, so war es am bequemsten (auch für die Katzen – die waren auch müde nach dem langen Pflegetag).

    Sie fegen also gern. Im Rhythmus von zwei Jahren, nehme ich an? Sie erwähnten, Sie seinen faul – Verzeihen Sie mir, sollte ich falsch liegen mit meiner Vermutung. Noch weiter auseinander der Fegerhythmus? Oder kürzer?). Sie wissen ja, die Buddhisten sagen, dass Hausarbeiten sehr gut sind. Also auch für Männer. Besonders für faule Männer. Wussten Sie nicht? Doch, es stimmt. (-> Kloster – Männer = Regel -> d.h. nicht Menstru… , sondern Verhaltensregel, damit der Charakter gut gerät . Wie geht es Ihrem Charakter seitdem? Haben Sie zwischendurch mit dem Wein trinken aufgehört?

    Wissen Sie, was interessant war – nee, ne? Soll ichs aufschreiben? Dumdidumm. Wollen Sie es wissen? Tadi Tada. Ja? Sie wirken etwas nervös, oder meine ich das nur? Täuscht mich mein Eindruck? Was haben Sie denn?

    Was wollte ich eigentlich erzählen?

    Vergessen. Mist. Fieber habe ich aber nicht, das habe ich schon überprüft. Ah, da ist es wieder. (Nicht das Fieber). Ich fand es interessant, dass ich in Ihrer Beschreibung … (ich sollte es doch erzählen, oder? Warum sagen Sie denn nichts? Nee, also so geht das nicht. Sie müssen schon mitmachen. Das ist hier doch keine One-Woman-Show! *beleidigt guck* Also?
    Schweigen Sie nur. Sie regen mich nicht auf, Sie nicht.

    Kennen Sie die Geschichte mit dem Hammer? Die ist gut, ne? Aber ich sage nichts ohne meinen Anwalt. Ich schreib doch hier nicht für nichts und wieder nichts und wenn Sie es nicht lesen wollen, WARUM SOLL ICH ES DANN AUFSCHREIBEN? Immerhin könnten Sie mal was sagen.

    DANN EBEN NICHT!

    Wirklich. Das regt mich auf jetzt. Ich glaub, ich hab doch Fieber. Ich lege mich jetzt schlafen. Erstmal den Puls wieder runter kriegen. So kann ich doch nicht einschlafen. Verdomminomal. Leute gibt es. Ich unterhalte mich hier nett und freundlich und dann so was. Und dabei wissen Sie doch, dass ich …

    Die Katzen haben gesagt, ich müsse jetzt mal fertig werden hier. Sie haben recht.

    Mit dennoch gerade eben so freundlichem Gruß von nebenan. Ganz schön viele Wolken hier. Ich geh trotzdem.

    Sollten Sie jemanden benötigen, der Ihnen die überflüssigen Möbel versaut, mit Kaffee oder anderen Getränken, ich wüsste da jemanden. Schnell, diskret und zwar etwas teuer, aber wirklich gut. Also danach verreckt jeder Reiniger. Das ist es Ihnen doch wert, oder?

    Ja, ich weiß, dass viel Sonne für viele Photos schlecht sind. Den Link hätte ich trotzdem gut gefunden, oder meinen Sie, ich merk mir hier alles? Ich bin doch nicht die Auskunft. Alles muss ich nun wirklich nicht wissen. Außerdem – wer bezahlt mir das? Niemand.

    Was transportieren Sie denn so durch Deutschland? „Haaaa……….. feinstes Kaschimiiiiiir“.
    Das? Machen Sie das besser nicht.

    Lieber Weinflaschen verschenken. Da gibts preisgünstige bei Aldimeola. Oder teure, bei Obi. Eventuell, da bin ich nicht sicher. Mit Wein kenne ich mich nicht soooo gut aus.

    Was denken Sie übrigens, woher diese plötzlich auftauchende Ungeschicklichkeit meinerseits heute vormittag, Moment – da fehlt noch ein „einmalig“ dazwischen (das können Sie sich aber denken, das muss ich jetzt nicht dazwischen quetschen, oder?). Jahrelang mit meinen Spezialthemen beschäftigt, genau so wie Sie, nur dass ich eben andere Themen hatte als Sie, aber nicht wesentlich anders. Das sieht nur von außen so aus. Drehen Sie sich mal. Wann waren Sie zuletzt beim Friseur?

    Ja, hören Sie den Vögeln gut zu und erzählen Sie mir, was sie gezwitschert haben. Sollten Sie wegen der lauten Party nicht schlafen können – einfach meine Antwort wieder und wieder lesen.

    Gute Nacht.

    Haben Sie noch Kontakt zur Außenwelt?

    Mit freundlichem Gruß,
    „Hatschi“

  60. Bersarin schreibt:

    Liebe Wolkenbeobachterin, ich werde Ihnen nach dem Frühstück, nach dem Kaffee, nach der Zeitungslektüre eine ausführliche Antwort schreiben. Damit Sie sich in der Zwischenzeit weiter erholen und die Zeit sich vertreiben können, hier also die Genesung stiftenden Photographien:
    http://proteusphotographie.wordpress.com/2014/05/17/wedding-nahe-gesundbrunnencenter-2/

    Zur Außenwelt pflege ich durchaus Kontakt. Freilich nur homöopathisch dosiert. Häufig als interessierter Beobachter, der ein Photograph ja sein muß. Ich gehöre nicht mehr zu denen, die jedes Wochenende in einer Bar abhängen. Diese Zeiten sind vorbei – das war während meines Studiums. Wobei der Barbesuch meist das fortsetzte, was schon vorher stattfand: unendliche Gespräche.

    Um mein Wissen von den abends geschlossenen Apotheken Ihnen kundzutun, wollte ich erst noch einen kleine Geschichte von einer Apothekenreise in den Kommentar einbauen. Extra für Sie. Aber dann dachte ich, daß der Beitrag zu lang würde. Ich schreibe sie Ihnen also später.

    Auf jenen Aspekt, von dem ich wissen sollte, daß er interessant war (oder ist) bin ich natürlich nach wie vor gespannt. Schließlich sind alle Männer neugierig. Ob Klosterregel oder nicht. Bei mir manchmal Klosterweinregal. Um ein Leben lang dem Wein zu frönen, lege ich Pausentage ein. Ansonsten geht es nicht, dieses leckerste aller Getränke mit dieser anregenden Wirkung zu sich zu nehmen. Und ich komme ins Fabulieren und Fabulieren, und daran sind sicherlich auch Sie zu einem guten Anteil schuld, daß ich hier mit knurrendem Magen und ohne meine Zeitung sitze.

    Also: den Rest später und ein gutes morgendliches Erwachen mit den bereits Frühstück zubereitenden Katzen wünscht Ihnen

    Dr. Bersarin, der Arzt dem die Frauen vertrauen.

    Ich hoffe die Katzen haben nicht wieder etwas verwechselt und es gibt Brei aus Undefinierbarem. Das Breimärchen kenne ich. Was sind Ihre drei Lieblingsmärchen?

  61. Bersarin schreibt:

    Liebe Wolkenbeobachterin, was die Buddhisten zur Hausarbeit sagen, überzeugt mich wenig. Ich habe ganz einfach zu wenig Zeit, um dabei kontemplativ vorzugehen. Insofern ist mir diese Arbeit eine Last.

    Nun aber zur Apothekengeschichte. Sie ist lang. Meine damalige Freundin (Freundin im Sinne von Partnerin), ist irgendwann bei mir ausgezogen, weil wir uns trennten. Deshalb ist sie eben eine damalige oder ehemalige Freundin. Irgendwann zog sie bei mir für einige Monate wieder ein, weil sie ihren akuten Freund akut verlassen mußte, keine Bleibe fand und für kurze Zeit irgendwo unterkommen mußte. Also bei mir. Eines Nachts wachte sie mit furchtbaren Schmerzen auf. Sie ging in meine Bibliothek, in die ich ein Bett gestellt hatte, damit wir räumlich getrennt voneinander schlafen können. Sie weckte mich. Die Schmerzen wurden stärker. Also beschloß ich, mit ihr zur Notaufnahme eines Krankenhauses zu fahren. Das Prozedere im Krankenhaus erspare ich, es dauerte das alles dort sehr lange und war nicht besonders schön. Nach der Diagnose gab der Arzt Medikamente an, die wir benötigten. (Ich meine, daß er mir Rezepte mitgab. Bin aber nicht sicher.) Damit diese auch sofort verfügbar sind, fuhr ich also jene Frau wieder in die Wohnung und begab mich dann auf den Weg zur nächsten Nachtapotheke. Eine lange Fahrt durch die dunklen Straßen Berlins. Ich kam bei der Apotheke an. Diese war jedoch geschlossen. Der Grund dafür: Ich hatte falsch geschaut. Statt bei Dienstags hätte ich den Mittwoch nehmen müssen, denn es war ja bereits Mittwochnacht (oder Mittwochmorgen, je nachdem wie man es dreht). Also ging die Fahrt weiter, zur nächsten, auf dem Schild der geschlossenen Apotheke angegebenen Apotheke. Weshalb erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Um zu zeigen, wie schwierig ein Gang zur Apotheke sein kann. Aber da Sie nur erkältet sind, ist das in der Regel gut aushaltbar. Mit ein wenig Zuspruch aus der Ferne gut aushaltbar.

    Ich hoffe, meine milden Worte haben ein wenig Sonntagstrost gespendet und Ihnen Freude bereitet.

    Sicherlich werden Sie auch die Bowie-Ausstellung im Gropius-Bau sich anschauen, wenn Sie wieder gesund sind. Das wäre dann womöglich der nächste Lichtblick für Sie, sofern Sie in Berlin weilen sollten.

    Die Vögel haben heute morgen übrigens ausnehmend schön gesungen. Wozu auch schlafen, wenn wir den Liedern der Vögel lauschen dürfen. Heute ist gutes Wetter für den Zoo, wenn es nicht regnen würde. Also: Heute lesen. Und vielleicht schreiben. Heute abend dann Sozialkontakt: Treffen in der Bar.

    Ich sende Ihnen liebe Grüße ins Krankenlager und wünsche Ihnen baldige Genesung.

    PS: Die Geschichte mit dem Hammer kenne ich nicht. Wie geht sie? Oder besser: Wie geht sie aus? Wie mag Ihre Geschichte sein, die Sie erzählen wollten? Die Wirren des Fiebers können arg sein, aber sie versetzen einen manchmal auch in die ästhetizistischen Zustände der Entrückung oder der gesteigerten Wahrnehmung. Zuweilen mag ich Fieber.

  62. wolkenbeobachterin schreibt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Bersarin,

    ich genese, dank Ihrer hochgradig kompetenten, lebenserfahrenen Tipps immer mehr. Aber ganz „on top“ bin ich noch nicht.

    Wie haben Sie geschlafen? Hatte die Party ein Ende? Haben Sie Schlaf finden können, bevor die Party ein Ende gefunden hatte? Haben Sie die Party beendet? War die Party Ihr Ende? Endet die Party erst noch? Haben Sie eine Gegenparty veranstaltet?

    Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Und ausgeschlafen zu sein ist ein Luxus. Aber Sie sagten ja, Sie bräuchten lediglich fünf Stunden. Fünf Stunden Schlaf wäre in meinem Fall der Zustand ständiger Übermüdung. Also der, in dem ich mich meistens sowieso befinde. Es kann so nicht weiter gehen. Schlafen ist ein Traum sozusagen. Und Träumen? Eine eigene Welt. Zurück zum Thema.

    Sie kennen die Geschichte mit dem Hammer nicht? Das muss sofort nachgeholt werden! Es ist eine von mehreren kleinen Geschichten aus dem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick, einem kärntener Philosophen.

    Die Geschichte mit dem Hammer

    Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er ihn nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen ihn. Und was? Er hat ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von ihm ein Werkzeug borgen wollte, er gäbe es ihm sofort. Und warum sein Nachbar nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen ausschlagen? Leute wie der Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet der Nachbar sich noch ein, er sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s ihm aber wirklich. Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er „Guten Morgen“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

    Quelle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Anleitung_zum_Unglücklichsein

    Wo haben Sie gelernt so zu fotografieren? Mir gefällt Ihr Blick. Die Details. Die Ausschnitte. Und die Komposition. Ich mag es, die Fotos anzuschauen und zu bemerken, wie ich mich darin zu orientieren versuche. Wie ich versuche herauszufinden, was es ist, das diese Fotos ausmacht. Es ist, als gäbe es etwas, das diese Fotos zusammen hält, doch ich kann es nicht erkennen (und auch noch nicht benennen). In einer Ausstellung würde ich mich sicher eine Weile auf die Bank setzen mit Blick auf die Bilder um zu lauschen, ob sie mir etwas erzählen. So ging es mir auch mit den Portraits von Barbara Klemm. Ich habe noch nie solche Portraits gesehen, in denen die Abgebildeten in ihrem Wesen so gut getroffen waren. Heiner Müller war auch dabei, Gerhard Richter, Friederike Mayröcker uvm. Ihre dunstig-diesigen Fischmarkt / Hamburg Bilder finde ich übrigens besonders ansprechend. Ich mag Nebel in der Natur. Im Kopf nicht so gern. :-)

    Bestimmt wundert Sie das, wenn ich Ihnen nun schreibe, dass ich kein Lieblingsmärchen habe. Und Sie? Welches ist Ihres, welche sind Ihre Lieblingsmärchen?

    Katzen im Hals. Das war das, was ich gelesen hatte, als Sie über Ihre Fegeerfahrung schrieben.
    Was mögen Sie am Faulsein? Es ist ja nicht unbedingt ein Makel, auch wenn es gemeinhin gern als solches gehandelt wird (gut, es kann schon eines sein), es ist ja durchaus auch eine Fähigkeit. Vielleicht ist es abhängig davon, wie man zum Faulsein kommt. Wie sind Sie zum Faulsein gekommen?

    Bei den Buddhisten geht es, das wissen Sie sicher, um das Einlassen auf den Moment. Das, was man gerade tut zu tun und zwar nur das. Wenn ich esse, esse ich, wenn ich fege, fege ich, wenn ich nicht geschlafen habe, bin ich müde. ( —-> lustig)

    Insofern kann Hausarbeit, besonders das Fegen als etwas sehr Meditatives erfahren werden. Ich verstehe da Ihren Unwillen nicht so recht. Ein altes Sprichwort bestätigt auch: Fegen bringt Segen.

    (- > Ich habe Ihren Witz verstanden).

    Sie machen manchmal etwas mit Sprache, was ich auch mit Sprache mache. -> s. Apothekengeschichte. (hier: akut – akut -> gefällt). Das ist ja ziemlich unangenehm, dieses nächtliche Suchen an den falschen Stellen. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum der Arzt nicht gleich Schmerzmittel mitgegeben hat, wo Sie doch schon im Krankenhaus in der Notaufnahme waren.

    Das finde ich schön, dass Sie den Vögeln zugehört haben. Das macht mich richtig froh.

    Mir geht es wie Ihnen – auch ich mag bisweilen Fieber und die damit verbundene Wahrnehmung. Und Niesen mag ich auch.

    Schön, Sie zu sehen. Und haben Sie Dank für Ihre Grüße ins Krankenlager, Herr Doktor. Was für ein Doktor sind Sie eigentlich?

    Haben Sie einen angenehmen Abend, lesend, trinkend, diskutierend, – wie auch immer Sie ihn verbringen werden. Verbringen Sie ihn auf wohltuende Weise. Es könnte sein, dass ich heute früh schlafen gehen werde. Ich war etwas an der frischen Luft heute, immerhin. Aber vielleicht hatte ich zu wenig Schlaf letzte Nacht. Ich bin plötzlich so müde und mache alles wie in Zeitlupe. Ich glaube, an dieser Antwort an Sie habe ich nun zwei Stunden geschrieben, so kommt es mir vor, vielleicht habe ich auch schon nach dem Frühstück damit angefangen oder noch gestern Nacht nach der Doku, ich weiß es nicht. Ich bin schon mit einem Teil von mir im Traum. Ich schicke es nun mal ab, bevor ich mit dem Kopf auf die Tischplatte knalle. Es ist die Natur, Herr Doktor, die Natur.

    Ich soll Sie von den Katzen grüßen.

    Herzliche Grüße,
    Ihre Beobachterin

  63. Bersarin schreibt:

    Liebe Wolkenbeobachterin, ich komme aus einer Bar, wie ein Mann nur aus einer Bar kommen kann. Die Oranienburger Straße noch entlang geschlendert. Dann ging es nach Hause. Ich werde Ihnen morgen Abend antworten. Nun bin ich zu müde, zu nichts mehr zu gebrauchen. Selbst Ihre Katzen würden mich als unnützes Wesen fortjagen – das zumindest vermute ich. Die Katzen hätten sicher recht. Also: bis morgen, dann können Sie wieder, in gewohnter Qualität, gescheite (oder wollte ich schreiben gescheiterte?) Texte lesen. Formen des gelingenden Scheiterns eben. Das sind so Gedanken, die einem nach einem Besuch in einer Bar (früher im Sprachgebrauch: Kneipe) kommen.
    Beste Grüße an meine Beobachterin. (Ich mag es in der Obhut der Blicke zu sein.)

  64. wolkenbeobachterin schreibt:

    Schlafen Sie gut, lieber Bersarin. Und: Scheitern gibt es doch gar nicht. Nur bei Beckett: „Versuche erneut, versage erneut, versage besser.“ Wenn man genau hinschaut, gibt es das aber bei ihm auch nicht. Alles liebe, drehen Sie sich noch mal um und schlafen noch ein wenig. Erholen Sie sich von Ihrem Männerabend, Ihre Beobachterin

  65. Bersarin schreibt:

    Das Phänomen der Zeit, ihr langsamer oder ihr zu schneller Fluß – eines meiner Lieblingsthemen, weil es das bevorzugte Thema des Melancholikers ist: das Vergehen der Zeit.

    Die Party die Nachbarin habe ich überlebt. Die jungen Menschen feiern nicht mehr so, wie wir gefeiert haben. Trotzdem gab es wenig Schlaf für mich. Der Abend gestern war, wie gesagt, angenehm und anregend. Ich gehe, wie geschrieben, selten aus. Gehen Sie häufig aus? Und wenn ja: wohin?
    Diese Geschichte vom Hammer kannte ich doch. Ich wußte nur nicht mehr, daß ich sie kannte. Ich habe sie wahrscheinlich bei Watzlawick gelesen. So geht es, wenn die Gedanken im Kopf bei sich bleiben und im Karussell fahren, sich aufsteigern. Aufsteigerung der inneren Erlebniswelten. Aber zum schlechten leider.

    Meine drei Lieblingsmärchen: „Die Schneekönigin“, „Das kalte Herz“, „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Aber im Grunde wechselt das. Auch bei den Gebrüdern Grimm finden sich gar gruselige und ungemein ansprechende Märchen. Ich schrieb dazu an dieser Stelle in meinem Blog.

    https://bersarin.wordpress.com/2012/12/20/in-den-alten-zeiten-wo-das-wunschen-noch-geholfen-hat-200-jahre-grimms-marchen/

    Zwei meiner Lieblingsmärchen finden Sie hier:

    https://bersarin.wordpress.com/2009/12/16/zum-150-todestag-von-wilhelm-grimm/

    https://bersarin.wordpress.com/2012/12/24/unsere-geschichten-archive-der-nacht-2/

    Nun aber genug der Blogselbstverlinkungsshow.

    Wie kam ich zur Photographie? (Ich schreibe die immer mit „ph“, ich bin wohl ein altmodisches Wesen.) Mit 10 Jahren stand ich zum ersten Mal in der Kindertagesstätte in einer Dunkelkammer. Ich war sofort von dieser Arbeit und der Atmosphäre fasziniert. Später dann mit 13 bekam ich meine erste Kamera geschenkt. Und noch später dann meine erste Spiegelreflexkamera. Das war eine russische Zenit. (Diese Kamera verhinderte bei einem Tagesbesuch in der Hauptstadt der DDR fast meine Ausreise aus jener DDR, 1982 war‘s.) Eigentlich habe ich mir das Photographieren selber beigebracht. Ich las einige Bücher, beschäftigte mich irgendwann mit Phototheorie, was ja naheliegend ist, wenn man sich sowieso mit Bildender Kunst beschäftigt. Es freut mich aber, daß Sie meine Photographien schätzen.

    Was ich grundsätzlich bei meiner Photoarbeit vermeide, sind Effektfilter. Dies ist eine der schlimmsten Sünden der Digitalphotographie. Das ist eine Form von Überinszenierung. Auf jedes Photo legt sich dieselbe Instagramsoße oder irgendeine Sepia-Tönung oder Weichzeichner. Effekte sollten sehr sparsam eingesetzt werden, wenn man sie denn nimmt. Sie nutzen sich nämlich schnell ab. In meinem Bildprogramm mache ich nur das, was ich auch im analogen Photolabor mit einem Bild machen würde: Kontrast, Helligkeit, Härte des Papiers festlegen. Farben bzw. die Farbtemperatur des Bildes ändere ich nur leicht, und zwar so, daß sie der Bildstimmung entsprechen bzw. der Situation, in der meine Auge (nicht der Apparat) die Farbe wahrnahm. (Ich könnte Ihnen hier im Blog Essays zur Photographie schreiben.) Es hat mich jedoch sehr gefreut, daß Sie sich in einer Ausstellung vor diese Bilder setzen würden. Betrachterin und Betrachter können ja durchaus beides machen: diese Photographien als etwas Serielles wahrnehmen oder aber das einzelne Bild betrachten. Kontemplativ.

    Manchmal denke ich im Akt der Präsentation und der Rezeption, daß weniger mehr sei. Nur eine einzige Photographie zu zeigen. Aber das vermittelt andererseits keinen Eindruck von den Orten. Ich möchte Landschaften und Orte zum Sprechen bringen. Das Sprachlose der Fassaden, der Wände, der Treppen, Bäume und der Dinge. Die Photographien von Barbara Klemm kenne ich natürlich. Das Portrait ist neben der Aktphotographie die ganz hohe Kunst. Den Körper, das Gesicht festzuhalten, Züge des Menschen herauszuarbeiten und einzufrieren. Den Körper in eine sinnliche Form zu bringen, die dennoch nicht vulgär ist. Das ist sehr schwierig. Zumal ich als männlicher Photograph mich nicht von den erotischen Attributen ablenken lassen darf, wenn ich das eine gute, gelungene Bild fertigen möchte. (Das fällt mir sehr schwer.) Eine Frau zu photographieren, erinnert mich immer an Rivettes „Die schöne Querulantin“. Rein assoziativ allerdings. Ob es inhaltlich ganz gedeckt ist, weiß ich nicht.

    Auch ich mag übrigens Nebel. Alles wird verschwommen, kontrastarm, schwindet, die Formen und Konturen gehen weich. Und wenn man dann in einem solchen kontrastarmen Photo die Kontraste beim Entwickeln erhöht, gibt das ungeahnte Effekte.

    Und was sehen Sie. Ich habe schon wieder so derart viel geschrieben! Sollten wir vernünftiger werden und uns kürzer fassen? Ach, egal, es kommt wie es kommt. Es sind Texte, die entstehen. Dialogische Texte.

    Geht es Ihnen heute wieder besser? Konnten Sie arbeiten, sofern Sie einer Erwerbsarbeit nachgehen (müssen/wollen)?

    Das Beckett-Zitat mag ich sehr. Es ist aus „Worstward Ho“.

    Bitte grüßen Sie Ihre beiden Katzen von mir. Aber nicht so sehr, daß mich Ihre Katzen irgendwann vermissen werden. Können Ihre Katzen eigentlich auch Balkone fegen und Wohnungen saubermachen? Andererseits: Wie Sie das Zubereiten der Säfte durch die Katzen schilderten, möchte ich es hier auf einen Versuch lieber nicht ankommen lassen. Nachher sind die Bücher in die Weinflaschen gepreßt und der Wein wurde zum Blumengießen verwendet. Allerdings besitze ich nur drei Zimmerpflanzen. Die übrigen sind irgendwie abhanden gekommen oder haben geglückte Fluchtversuche unternommen.

    Ihr Bersarin, heute ohne Doktor. (Die Macht des Titels schwindet.)

  66. wolkenbeobachterin schreibt:

    Herr Bersarin, die Katzen wollen mit Ihnen tanzen gehen. Ich habe gesagt, das geht nicht, weil Sie nicht tanzen. Ist doch richtig? Jetzt haben sie sich schlafen gelegt und ich kann Ihnen schnell schreiben. Es geht leider noch nicht besser, eher schlechter. Ich war gestern beim Arzt und habe mir eine Überweisung geholt. Ist vermutlich mehr als eine läppische Sommergrippe o.ä. Aber das ist ja alles wieder zu privat und überhaupt. Fühle mich hier ständig im Wechselspiel des für mich okay und nicht mehr okay, weil eben privat, wenn Sie verstehen, was ich meine. Weiß noch nicht so genau, was dies für mich bedeutet, ich gehe dem noch nach. Jedenfalls hatte ich frei gestern, (schon wieder privat, argh) heute nicht. Es geht heute nicht so gut. Ich hoffe, bei Ihnen ist es besser. Lieben Gruß von der Beobachterin
    Ach so, sofern Sie von mir lesen möchten – über die Zeit, – hier:
    http://stadtzottel.wordpress.com/2014/03/18/gedanken-zum-war-ten/

  67. Bersarin schreibt:

    Liebe Wolkenbeobachterin, wie kommen Sie darauf, daß ich nicht tanzen gehe? Wirke ich denn in meiner Außendarstellung so abgekapselt, zurückgezogen und verschlossen? (Eigentlich ja gut so, wenn ich nach außen eine doch eher sperrige Wirkung habe.) Ich gehe durchaus tanzen, auch mit Ihren Katzen. Welche Art von Tanzveranstaltung bevorzugen die Katzen denn?

    Das Wechselspiel zwischen zu privat und öffentlich, das sie beschreiben, kann ich nachvollziehen. Es gibt eine Grenze. Aber alles was wir (also nicht nur Sie und ich) hier im Internet oder in anderen Medien schreiben, ist eben nicht die Person X oder Y, die hinter dem Text steckt oder steht, sondern bloß eine Schreibweise, eine Fiktion, ein Spiel mit der Phantasie, ein Spiel mit dem Text. Ich mag dieses Spiel sehr gerne. Am besten hält man es auf ewig in der Schwebe. Menschen sind Texte, Textspiele, solange sie im Internet verkehren. Schöner Schein.

    Die meisten Menschen sind leider nicht fähig, diese Differenz zu ziehen und lesen jeden Text als bare Münze. Das führt dann zu diesem unendlichen Betroffenheits- und Gefühlssalms in der Internetwelt, dem Blogkuscheln und all das, was dazugehört, Dinge die ich nicht leiden kann. Und weil ich das beständig betone und die Maßstäbe für (Text-)Qualität hoch lege, bin ich da nicht sonders beliebt. Aber das ist mir gleich.

    Sie schreiben übers Warten, was mich daran erinnert, daß ich irgendwann noch eine Besprechung zu Maurice Blanchots Buch „Warten Vergessen“ schreiben möchte. Das Warten(-Können) ist ein hochinteressantes Phänomen. Und zwar eines über die Zeit, wie Sie schreiben, die vergeht und zugleich im Akt des Wartens so gar nicht vergeht. Was geschieht, wenn wir warten (müssen)? Und in welchem Modus der Zeit befinden wir uns dann? Und was für Arten des Wartens gibt es? Das Warten auf eine schöne Frau ist sicherlich anders geartet als das beim Warten an der Supermarktkasse oder beim Arzt. Oder das Warten des Kindes im geheimen Ort, wenn die Kinder „Verstecken“ spielen.

    Liebe Grüße und Ihnen weiterhin gute Besserung, wünscht Ihnen Bersarin aus seinem Versteck im Grandhotel Abgrund. (Mal sehen, ob die Katzen mich finden, wenn sie mich zum Tanzen abholen.)

  68. wolkenbeobachterin schreibt:

    Also DAS glaube ich jetzt nicht. SIE SIND GAR KEIN ARZT? Aber Sie haben doch geschrieben, dass Sie Arzt seien! Sie haben Empfehlungen gegeben, bezüglich Medikation und Behandlung meines Unwohlseins. UND DAS STIMMTE ALLES GAR NICHT? Waaaaas?

    ICH HABE IHNEN VERTRAUT!

    Schuft!

    *Taschentuch zücke*

    Das ist das erleben muss, (Blick zum Himmel … Herr, womit habe ich das verdient? -> Theatralischer Blick, ein Seufzen und scharren im Sand mit dem Fuß. Oh Herr, womit habe ich das verdient?

    – Keine Antwort von oben.

    HALLO?

    Ich sagte: WOMIT HABE ICH DAS VERDIENT?

    – ……………………………….

    Galgenmännchen?

    Ich nehme ein „E“.

    *warte*

    ———-

    Herr Bersarin.

    Die Katzen lassen fragen, ob Sie Tango tanzen?

    Mit freundlichem Gruß
    Die echte Beobachterin, the one and only

    Haha.

    :-)

    Ihnen einen schönen Tag, Herr Bersarin.

  69. wolkenbeobachterin schreibt:

    P.S.: Ich noch mal. Mir ist eben was eingefallen. Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen der Verwendung von Fremdworten und einer Fremdsprache. Also WENN, dann RICHTIG.

    Ich habe geschrieben: „the one and only“

    Ich wollte schreiben: „the real“

    Ich hoffe, ich habe alle Klarheiten beseitigt.

    Kommen Sie gut ins Wochenende.

    Ihre Beobachterin, the real beobachterin

    geht doch.

    :-)

  70. Bersarin schreibt:

    Liebe Wolkenbeobachterin, in gewissem Sinne bin ich schon ein Doktor. Im theologischen Sinne zum Beispiel nennen mich manche einen Doctor universalis. Aber was sag ich: Hochmut kommt vor dem Fall! (Eine der Todsünden, ich häufe derer viele an: neben Superbia auch noch Luxuria und Acedia.)

    Ich gab mich als Doktor aus, damit Sie all diese Mittel auch nehmen. Denn sie helfen. Nachweislich. Bei mir zum Beispiel. Und wenn ich in weißer Hose und einem hellblauen Arzthemd vor Ihnen stünde, dann macht das doch sicherlich einiges an Autorität her. Nur fürchte ich, daß Sie sich den Autoritäten nicht beugen. Insofern bin ich nun ratlos. Nehmen Sie die Mittel trotzdem. Beim nächsten Mal.

    Gerne gehe ich übrigens mit den Katzen Tango tanzen. Nur müssen die Tiere es mir vorher beibringen. Ich hoffe, die beiden werden sich hinterher nicht um mich streiten, wer wie oft mit mir tanzt, wenn die Katzen dann bemerken werden, was für ein vorzüglicher Tänzer ich sein kann. Das habe ich wahrscheinlich von Nietzsche als auch von Marx: Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Nicht nur vermittels Begriffsbestimmungen. Ach, da bin ich schon wieder von der Alltagspragmatik abgeschweift. Ich Hans-guck-in-die-Luft. (Wobei mir im Struwelpeter der fliegende Robert am besten gefiel: „Eskapismus ruft ihr mir zu …“ (so dichtete HME))

    Auch Ihnen ein schönes Wochenende, liebe Wolkenbeobachterin. Genesen Sie weiter, mit oder ohne Doktor. (Mir fällt noch ein Zitat aus Kafkas „Der Landarzt“ ein, aber das lasse ich hier mal fort.)

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