Berlin, 26.4.: Keine NPD-Demonstration in Kreuzberg

Für die Leserinnen und Leser ohne Berlin-Kenntnis sei soviel berichtet: Am Samstag versuchte die NPD, eine Demonstration durch Kreuzberg zu starten, und zwar bis zum ehemaligen Flüchtlingscamp am Oranienplatz. Diese Route wurde ihnen nicht genehmigt, stattdessen sollte es über den Moritzplatz in die Rudi-Dutschke-Straße gehen. Die Kundgebung der NPD begann am S-Bahnhof Jannowitzbrücke, es reisten rund 100 Faschisten an. Sie kamen etwa 100 Meter weit, weil sämtliche Zu- und Ausgänge nach Kreuzberg als auch nach Mitte hin von tausenden Menschen blockiert wurden. Ich habe von diesem Protest einige Photographien gemacht, die es auf Proteus Image zu sehen gibt.

Immer wieder hat die Polizei aus der Menge heraus einzelne Gegendemonstranten verhaftet. Ich zeige aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes diejenigen Photographien nicht, wo die Person zu identifizieren ist. Das bedeutet leider für mich, daß ich einige spektakuläre Bilder nicht präsentieren kann. Gesichter mache ich ansonsten auf meinen Photographien grundsätzlich nicht unkenntlich, weil das der Ansicht eines Bildes abträglich ist. Photographien von Menschen leben von dem Gesichtsausdruck und nicht von Querbalken oder kreisförmig unscharf gesetzten Gesichtern. Das gilt auch für Photographien auf Demos.

Für mich bleibt die Frage, ob ich am 1. Mai photographieren soll. Meine Kondition ist schlecht, ich habe kein Lauftraining absolviert und eigentlich habe ich keine Lust mehr, daß Böller neben mir einschlagen.

Wie sehr eine Dokumentar-Photographie am Ende vom Kontext und der Beschriftung lebt und eben nicht als Dokument für sich selber sprechen kann – keine Dokumentar-Photographie vermag dies, sie muß immer durch einen Text beglaubigt werden – zeigt jenes Bild:
 
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Darauf ist ein Mann zu sehen, der gestikuliert. Man könnte meinen, er schimpfte auf die Polizei oder auf die Nazis. Aber das ist nicht der Fall gewesen. Jener Mann gehört jedoch ebensowenig in den NPD-Kontext, sondern er offenbart vielmehr die Skurrilität des Lebens. Denn es fragt jener Mann die um ihn stehenden Polizisten, ob sie die Rufe der Demonstranten gerade eben gehört haben, dies könne die Polizei nicht einfach hinnehmen und es sei die Pflicht der Beamten, gegen solche despektierlichen Äußerungen vorzugehen und die Rufer sofort festzusetzen und ob so ein Verhalten hier und heute denn üblich sei, das könne nicht akzeptiert werden, schon gar nicht von der Staatsmacht, die Polizei habe sich gefälligst ein solch freches Verhalten nicht bieten zu lassen. Einsam schwieg der Polizist, die Sonne brannte unter dem Himmel Berlins auf Schwätzer und Weise, auf Gerechte, Selbstgerechte und Ungerechte gleichermaßen.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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