Guilty of Romance

Die Erotik liegt im Verrat der Konventionen, während ich schreibe und an jenen Film denke, den ich bei mir im DVD-Spieler liegen habe. Und es ist der Versuch, sich selber und die andere gleichermaßen zu erotisieren, in der Phantasie, während ich an die Oberschenkel einer anderen Frau, einer Fremden denke. Ich werde „Guilty of Romance“ mir ansehen, ich werde von Triers „Nymph()maniac“ im Kino schauen. Und es bleibt die Frage, wieweit ein Text sexualisieren kann.

51I-WPuU-1L._ Eine Theorie des Fetischs? Nein, keine Theorie, der Wunsch nach einem realen Fetisch und nach dem, was darunter liegt und das, was der Fetisch verdeckt. Es ist die Logik der Bilder, die das Begehren strukturiert. Da wo Männer begehren, lieben sie nicht, da wo sie lieben, begehren sie nicht, so heißt es bei Freud. Kann man diese Dualität aufrechterhalten? Was ist die Erotik des Phantasmas? Inwieweit ist das Phantasma selber ein Stück Fetisch? Substitution des Realen. Wenn meine Hand zwischen die Schenkel einer Frau gleitet und weiter hinein. Es gibt ein Buch von Mithu M. Sanyal, das heißt „Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts“, erschienen bei Wagenbach. Es erzählt im Schnelldurchlauf zwar, aber doch instruktiv die Kulturgeschichte des weiblichen Geschlechts. Es zeigt, wie in der Geschichte die Verleugnung des Weiblichen wirkte und es weist auf die Entwertung der weiblichen Genitalien. Von der vagina dentata angefangen, die drohte den Penis zu dem zu machen, wozu der Phallogozentrismus und sein Blick die Vagina meist degradiert hat: „nämlich zu einer Absenz, einem Loch, einer Leerstelle – indem sie ihn abbeißt.“ Keine schöne Vorstellung.

Die Erotik des Blicks, in jenem einen Augenblick, die Sexualisierung des Körpers, ins Dunkle hinein, während wir durch die Straßen dieser Stadt gehen. Mit einer Frau ohne Namen, eine Frau mit einem Namen, der für die Leserinnen und Leser unlesbar, undechiffrierbar bleibt, irgendwo in dieser Stadt, in Berlin, in einem Gebüsch und dahinter eine kleine Rasenfläche und ein Fluß dazu, und wir mieten uns hinterher noch ein Zimmer. Aus dem Nachbarzimmer dringen keine Geräusche. Während wir namenlos bleiben. Anonym. Die ins Melderegister eingetragenen Namen sind falsche Namen. Namen ohne Referenten.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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9 Antworten zu Guilty of Romance

  1. Herr Kommandant, Sie werden ja auf einmal sympathisch.

  2. Bersarin schreibt:

    Es ist nicht meine Absicht, sympathisch zu sein. Ich bin in etwa so sympathisch wie Ernst Jünger.

    Es ist eine Geschichte, die ich erzähle. Es ist Theorie, die einerseits in der Erfahrung ihren Ort hat und diese zugleich übersteigt und die wiederum – im Extremfall – solche Erfahrungen überhaupt erst begründet.

  3. Und niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

  4. Bersarin schreibt:

    Doch! „Die endgültige Teilung Deutschlands – dies ist unsere Aufgabe“ (Clodwig Poth) und mit diesem Motto ist die Seite von DIE PARTEI überschrieben. Wir plädieren für eine bauliche Trennung der alten von den neuen Bundesländern! NACH WIE VOR.

  5. holio schreibt:

    dentata. Wie Dentist.
    Sorry, Pedant.

  6. Bersarin schreibt:

    Das ist völlig richtig und es steht in dem Buch auch dentata. Eben von Zahn. Ich habe es im Text korrigiert. Dr. Freud hätte seine Freude über diesen Fehler und Abwehrreflex.

    (Ich leugne halt die Kastrationsdrohung.)

  7. ziggev schreibt:

    Mein Top-Kandiat auf dieser Liste ist und bleibt immer noch die freudsche Fehleisprung (aus dem Monty Python Kontext).

  8. Bersarin schreibt:

    Der gefällt mir ebenfalls gut. Aber er besänftigt meine Kastrationsangst natürlich nicht. Eigentlich weiß ich morgens wenn ich aufwache nie: Bin ich Ödipus oder Orpheus oder werde ich auf der Arbeit wieder zu Kreon? (Beim Schultheater habe ich den Haimon gespielt.)

  9. Da werde ich meine Parteizugöhrigkeit noch einmal überdenken müssen: Sehe ich doch die „Wiedervereinigung“ als „Feindliche Übernahme“…

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