Domäne Darkroom Dahlem/Nymphomania

Es ist wahr: ich vernachlässigte, wie „Neuköllner Botschaft“ mit Bedauern kommentierte, meinen Photographieblog sträflich. Und als ich dort nach langer Abwesenheit einmal wieder hineintrat, sah ich da Verschimmeltes, Verhungertes und Vertrocknetes. Alles lag verlassen, alles ausgedörrt, alles Asche, fahl und einsam blickte mich diese Welt an, Tod und Teufel, öde und leer – ich fand also eine Landschaft vor, wie ich sie liebe. In meinem Frühjahrsurlaub schwanke ich noch immer zwischen dem heruntergekommenen Südbelgien im Raum Charleroi, also einem ausgewiesen öden Ort, oder aber ein Stück gemäßigter und freundlicher in der kleinen, schottischen Stadt Edinburgh, dafür mit landschaftlicher Kargheit versehen, doch immerhin eine Stadt der Literatur (Hume, Scott, Stevenson, Doyle).

Andererseits, was im Hinblick auf die Photographien den Gang des Erscheinens betrifft (ich meine dies nicht von der Philosophie motiviert im Sinne des Wesens, das erscheinen muß), so kommen auch die Photobücher der Photographen x oder y nicht im Monatsrhythmus auf dem Markt, sondern es braucht Zeit, Zeit, Zeit.

Heute aber zeige ich, damit ich in diesem Blog nur wenige Photographien präsentieren muß, einmal wieder auf Proteus Image eine kleine Serie Bilder, als Gegenschuß zur Reihe „Neukölln“, die ich hier weiterführe, mit dem Thema „Dahlem“.

_________

Ich schätze die Berlinale nicht sonderlich, was schlicht daran liegt, daß ich es als zu mühsam erachte, mich in Schlangen anzustellen, um Kinokarten zu ergattern. Gestern Abend lief Lars von Triers neuer Film Nymph()maniac an. Was ich im Trailer gesehen habe, macht mich neugierig. Die Sexualität als Bild, als lustvolle Gewalt [inszeniert], jenseits des Geordneten. Von Trier ist brutal. Keine schönen Storys. (Kommt aber darauf an, was wir als schön nun setzen.) Schon sein letzter Film „Melancholia“ war großes Kino, die Filme davor sowieso. Diese Mischung aus ungeahntem Pathos in „Melancholia“, der sich zugleich in der Ironie und im Humor, den die meisten nicht vorgenommen haben, durchstreicht, machte diesen Film so außerordentlich: eine Wagner-Oper, die aufs ganze geht. Was, wenn morgen Weltuntergang wäre? Ein Komet rast auf die Erde. Wagner-Musik, Liebestod zu dritt. Kein Mann dabei. Nur ein Junge. Die Zeichen des Untergangs, die überdeutlich hervortreten, so deutlich, so überdeterminiert. Jegliche Melancholie weist zugleich eine pathologische Seite auf.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
Dieser Beitrag wurde unter Fetzen des Alltags, Photographie abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s