Misreading Nietzsche: phallisches Medusieren

 
14_01_31

Die letzte Schlacht, der tiefe Fall des Patriarchats, der letzte Mann, muskulös und in Fesseln geschlagen. Nietzsche führt uns im „Zarathustra“ (und in der „Fröhlichen Wissenschaft“ ebenso) den letzten Menschen als Ausdruck des vollendeten, bei sich selber angelangten Nihilismus vor. Dieser letzte Mensch, der die Erde bevölkert, ist das Gegenbild des Übermenschen. Es ist der andere Mensch, der Übermensch im Konzept Nietzsches jene Entscheidung, jener letzte Moment, der als Wahl und Möglichkeit in einer Art von Hochsteigerung des Triebes bleibt. Nietzsches Zarathustra beschwört ihn herauf – diesen Übergang zum Übermenschen. Ansonsten: Götterdämmerung oder Führerbunker. Die letzte Schlacht und die letzte Möglichkeit als geschichtliches Kairos und zugleich als immer wiederkehrendes Motiv bei Nietzsche geschehen im Zeichen jenes Anderen. Der Wille zur Macht jedoch kommt im letzten Menschen zum Versiegen. Dieser ist ein Pragmatiker: Der Mensch der Moderne, gut eingerichtet, zweckfrei, ohne (Fall-)Höhe, der Mensch der Erkenntnis und der Bequemlichkeiten. [Beliebte Motive nebenbei, die gerne und begierig von den Kulturkonservativen und denen, die zu Höherem sich als Herrenreiter berufen fühlen, aufgegriffen werden. Nietzsche teils miß-, teils richtig verstehend. Aber dies ist wieder eine andere Geschichte.]

„Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.

Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird.

Wehe! Es kommt die Weit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.

»Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern« – so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

»Wir haben das Glück erfunden« – sagen die letzten Menschen und blinzeln.

Sie haben den Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben: denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme.“
(F. Nietzsche, Also sprach Zarathustra)

Doch es endet diese Rede Zarathustras vor den Menschen auf dem Marktplatz ohne Hoffnung:

„… denn an dieser Stelle unterbrach ihn das Geschrei und die Lust der Menge. »Gieb uns diesen letzten Menschen, oh Zarathustra, – so riefen sie – mache uns zu diesen letzten Menschen! So schenken wir dir den Übermenschen!« Und alles Volk jubelte und schnalzte mit der Zunge.

Zarathustra aber wurde traurig und sagte zu seinem Herzen:
Sie verstehen mich nicht: ich bin nicht den Mund für diese Ohren.
Zu lange wohl lebte ich im Gebirge, zu viel horchte ich auf Bäche und Bäume: nun rede ich ihnen gleich den Ziegenhirten.

Unbewegt ist meine Seele und hell wie das Gebirge am Vormittag. Aber sie meinen, ich sei kalt und ein Spötter in furchtbaren Spässen.

Und nun blicken sie mich an und lachen: und indem sie lachen, hassen sie mich noch. Es ist Eis in ihrem Lachen.“

Der gesamte „Zarathustra“ wird von einer eigentümlichen Redestruktur getragen. Von der pathetischen Verkündungsrede angefangen über eine fast lutherische Sprache – halb Parodie halb Ernst – bis in die Redeweisen, in denen gelehrt, gezeigt sowie überzeugt werden soll, und bis in die Konstellation der Figuren hinein reicht diese Rhetorik. Dieses rhetorische Moment im Zarathustra wird von den meisten überlesen. Es ist eine Rhetorik des Wissens und zugleich eine Rhetorik der Macht, eine Rhetorik der Wahrheit und eine Rhetorik der Phronesis, die in diesem Text wirkt (Text verstanden als Gewebe): Kennen und Können müssen als (Selbst-)Praktik in eine Deckung gelangen, ohne dabei identisch zu werden – eine (Text-)Praktik, in der sich das Spiel von Identität, Differenz und Wiederholung zur Darstellung bringt.

Das Performative der Schrift: die rechte Weise, wie zu leben sei und wie sich ein Neues als Zeichen und Umpolung (in der Schrift als Rede eingegraben) ankündigt, ohne daß sich dieses Denken in irgendeiner Weise mit der Geschichtsphilosophie befleckte: der andere Übergang. Nietzsche selbst (in Sils Maria und andernorts bis nach Turin), Nietzsches Zarathustra, der Text Nietzsches (je nach Position und Perspektive) versuchen jene drei wesentlichen Gedanken, die in diesem Werk entfaltet werden, in eine Anordnung zu bringen und für die vielen auf dem Markt, für die Leser, für die Gefährten des Zarathustra und auch für die ihn begleitenden Tiere, die eigentümlich wissend sind, einsichtig zu machen: das Auftreten des Übermenschen, die ewige Wiederkunft des Gleichen und die Überwindung des Geistes der Rache. Insbesondere dieses letztgenannte Motiv wird von vielen zugunsten der ersten beiden Positionen überlesen.

Im Grunde ein geradezu sokratisches Unterfangen an Überzeugung, die getätigt wird, das den Zarathustra, den Text Nietzsches antreibt. Wenn wir es denn nicht besser wüßten und Nietzsche als Verächter des Sokrates kennen würden. [Größtenteils zumindest – es gibt abweichende Passagen, wo Nietzsche dem Sokrates durchaus eine gewisse Hochachtung entgegenbringt.]

Noch erschreckender als der Übermensch erscheint manchem der Gedanke einer ewigen Wiederkunft des Gleichen. An den Begriff der Wiederkunft knüpft sich sicherlich auch, in christologischer Lesart, der der Parusie an. Der am höchsten Mittag erscheinende Gott. Pan, Dionysos und Christus in einem. Diese Wiederkunft, die ein ums andere Mal und immer wieder statt hat, bedeutet zugleich aber eine stillgestellte Welt, eine Welt des Mythos, das Rad des Ixion: „In Zarathustra 4: der große Gedanke als Medusenhaupt: alle Züge der Welt werden starr, ein gefrorener Todeskampf.“ So schreibt es Nietzsche 1884/85 in seinen Aufzeichnungen zum Zarathustra.

Doch zurück, in jene Photographie hineingleitend: Hier in der Welt der Bilder finden wir zumindest in einem Medium, für das manche den Ausdruck Graphic Novel gebrauchen, den letzten Mann. Kaum bekleidet, nicht anders als jene Frauen mit einem Lendenschurz. Kalt und zugleich warm muß es in dieser Welt der rächenden, der bösen, der zornigen und aufbegehrenden Frauen sein, denn diese tragen einerseits wärmende Puschelfellmützen, zugleich aber erotische Fellbikinis, die auf eine gewisse Erhitzung schließen lassen.

An eine Art Totem- oder Ritualpfahl gefesselt, finden wir den Mann, aber nicht wie Prometheus am Kaukasus gebunden, wo ein Adler von seiner Leber aß, sondern von den Furien, den Musen, den Töchtern der Gaia oder irgendwelchen wilden Stammeskriegerinnen umschlängelt. Mit bösem Blick und Messern in den Händen umstehen sie das gefesselte Wesen. Doch der Held schaut wie ein Held schauen muß – mit kantigem Kinn und klarem Blick, unbeirrt und zugleich ein wenig dumpf. Aber vielleicht ist dies der Blick im Angesicht des Endes. Ob sich diese Frauen von seiner Haartolle und dem relativ haarlosen Oberkörper beeindrucken lassen werden, bleibt dahingestellt. Ich fürchte, die letzte Stunde des letzten Mannes hat geschlagen.

Was die Darstellungsweise des Phallus – eben jene Aufrichtung, seine Erektion – sowie seine Annihilation betrifft, die sich im Spiel oder im Trieb ereignet, wenn der Phallus in jener sinnlich-schönen Spaltung der Frau verschwindet oder aber einfach in seiner Entfernung, wie bei Uranos und Agdistis, ohne dies aber in der psychoanalytischen Terminologie der Kastration zu benennen, so muß diese Darstellung des Phallus und sein Verschwinden (anhand des Textes von Nietzsche) naturgemäß aufgeschoben werden. Aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Und das trifft für Nietzsche sehr gut, der einerseits Hegel tief bewunderte und andererseits jeglichen Diskurs der Dialektik in einer Ökonomie des Wider-Sinns sowie des nicht-dialektischen Übergangs als Verwandlung auszusetzen trachtete. Man lese nur im Zarathustra jene Passage von den drei Verwandlungen: „Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele wird, und zum Löwen das Kameel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

All diese Verhüllungen, Enthüllungen, die Metamorphosen, die Segel und Schleier, die Fetische und das Stoffliche, die sich an einer einzigen Photographie aufzuhängen vermögen, während ich als Flaneur durch das Dickicht der Stadt mich schlage.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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47 Antworten zu Misreading Nietzsche: phallisches Medusieren

  1. rosbladanne schreibt:

    Wirklich, die Diagnose des gegenwärtigen Menschen als „letzten Menschen“ war stark und hebt den Philosophen als Kulturkritiker meilenweit über das hinaus, was anders um ihn herum noch geschrieben wurde; aber die Lehre vom Übermenschen war schwach.

  2. rosbladanne schreibt:

    Gerade hier war er noch allzu sehr ein Kind seiner Zeit – Romantiker! Wer hätte das gedacht?

  3. Bersarin schreibt:

    Ich habe Nietzsche in meiner Jugend – anders als viele – nicht sonderlich geschätzt, weil mir Übermenschentum und Heroisches, das viele junge Männer anzog, als pubertär und nicht genug mit der Analyse verschränkt erschien. Spät erst fand ich zu Nietzsches Text.

    Nietzsche ist – und ich mag das sehr, solche Verbrennungen und Einstiche – ein heißes Eisen, wie man so sagt. Es ist vieles in seinem Denken unausgereift, es ist ins Blaue geschrieben, es ist vage. Aber: Es ist ungeheuer prognostisch und in der Intuition, die Nietzsche besaß, sehr hellsichtig gedacht. Durchaus: seine Schrift war Dynamit, wie er es in „Ecce Homo“ schrieb.

    Der Übermensch nun ist ein problematischer Begriff, weil wir ihn ex post facto und das heißt vom Faschismus her lesen. Diese Höhersteigerung, die da im „Zarathustra“ und in anderen Schriften beschrieben wird, ist jedoch als eine Weise von Moralphilosophie zu denken, die weder mit der utilitaristischen, noch mit der deontologischen Ethik kompatibel ist, sondern mit dem Begriff der Selbstpraktik sich verbindet. Die französischen Moralisten, insbesondere Montaigne, hatten es Nietzsche angetan.

    Nietzsche war auch Romantiker – contre cœur zwar, aber dennoch bleib er seiner Epoche verhaftet. Die Überwindung konnte er nicht diskursiv aufzeigen, sondern allenfalls aphoristisch umkreisen. Aber das gerade macht seine Stärke aus.

  4. rosbladanne schreibt:

    Man kann eben nicht Moralkritiker u n d Moralverkünder, Skeptiker u n d Prophet in einem sein (auch der Typus des von ihm so überschätzten Renaissancemenschen konnte dies nicht sein). Aber er (F.N.) hat mit seiner ´Genealogie der Moral` einen ersten, vielleicht den entscheidenden Schritt hin zu einer „Umwertung aller Werte“, und zwar nicht nur der moralischen Werte, aber eben auch dieser, gemacht.

  5. ziggev schreibt:

    „wenn der Phallus in jener sinnlich-schönen Spaltung der Frau verschwindet oder aber einfach in seiner Entfernung, wie bei Uranos und Agdistis, ohne dies aber in der psychoanalytischen Terminologie der Kastration zu benennen, so muß diese Darstellung des Phallus und sein Verschwinden (anhand des Textes von Nietzsche) naturgemäß aufgeschoben werden.“ Verehrter bersarin, ganz leichtt ist das nicht merhr zu versetehen.“

    Wer kann das noch versetehen?

    „Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch“

    Das ist – es gibt keinen Zweifel – einer der großen Sätze Nietzschens. (Um mal Goethe anzuziteren.)

  6. Bersarin schreibt:

    @ rosbladanne
    Doch, in gewisser Weise funktioniert das bei Nietzsche. Man kann diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen als eine Art von Aufspaltung bezeichnen oder aber es als Perspektivismus lesen.

    @ziggev
    Der Satz ist doch klar: Es geht darum, daß ein Phallus unsichtbar wird. Entweder indem er in einem Loch verschwindet oder aber indem ein Loch oder eine Leerstelle erzeugt wird und es findet eine „Entmannung“ statt. (Wieweit das eine Kastration ist, darüber wäre zu debattieren.)

  7. rosbladanne schreibt:

    Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen (ich glaube es ist ein geschichtsphilosophischer Terminus des marxistischen Philosophen Ernst Bloch) mag es realhistorisch geben. Ob so etwas aber in eines Menschen Hirn, von mir aus auch in eines Philosophen Hirn, zusammengeht? Bloch steht gerade für die andere Seite, für die utopische. Im Grunde gibt es bei diesem Denker gar keine Skepsis; sogar aus den Zuckerstangen der Jahrmarktsbuden schimmert ihm Desiderat. Nietzsche: „Je weiter einer blickt, desto schwärzer sieht er.“ Bloch: „Heimat ist, was allen in die Kindheit scheint, und worin noch niemand war.“

  8. rosbladanne schreibt:

    Das Nietzschezitat muss hier vollständig sein: „Je weiter einer blickt, desto schwärzer sieht er. Daher die ewige Heiterkeit des Volkes.“

  9. summacumlaudeblog schreibt:

    ..den Übermenschen mag man auch als Utopie verstehen, wenn auch nicht als eine marxistische. Mittlerweile ist er vollkasko- und privat krankenversichert. In dieser comfortablen Lage lässt sich trefflich jammern, dass kein Mann mehr sei… Es ist übrigens teilweise auch der Jammer der Frauen! Und auch die sind natürlich vollkaskoversichert.
    Vollkaskoversichert also auf adventure-trecking-tour! Das ist die Lage des Übermenschen. Möge es so sein, dass er sich nie wieder nach „echten“ Abenteuern sehnt. Der Hang hin zur sog. Authentizität lässt schlimmes ahnen.

    @ziggev Der Phallus verschwindet auch in der Kultur. Freud – meine jugendliche Leseerfahrung VOR Nietzsche und diese einseitig prägend – nannte das Sublimierung. Aber keine Kultur verdeckt die Natur vollständig, so wie auch die reine, unkultivierte Natur eine weitere Utopie bleiben wird. Durch den Asphalt bricht immer wieder das Gras, respektive der Phallus durch.

    Nietzsche bleibt für mich bis heute übrigens genau das: Der große Diagnostiker vor aller Utopie.

  10. viktor schreibt:

    @ rosbladanne & Bersarin

    Man kann aber auch mit Nietzsche – „Ich brauche kein Wort für mich“ – darauf verzichten, solche Benennungen überhaupt zu verwenden. Gerade in Nietzsches Schriften und besonders in seinem mäandernden Nachlass findet sich zu nahezu jedem Gedanken immer auch sein Gegenteil. Wenn man aus gewissermaßen lehrpragmatischen oder philosophiehistorischen Gründen daher überhaupt eine Bezeichnung sucht, dann ist Perspektivismus m. E. die einzig sinnvolle. Aber nur dann, wenn man sie nicht wiederum reifiziert, sondern eher als stetiges Perspektivieren versteht. Nietzsche hätte auch aus dieser Art zu denken, die ja gerade keine Methode ist, keine Lehre machen wollen und können. Die Texte der achtziger Jahre sind ja größtenteils im Gehen entstanden und erst hinterher für die Publikation zurecht geschnitten worden. Nietzsche selbst hat die Geburt des Gedankens immer an dessen konkrete Situation zurückgebunden. Die Gegend, durch die er wanderte, sein aktueller Gesundheitszustand, das Wetter, all dies waren für ihn Faktoren, die im dann Gedachten eine sehr schwer zu bezeichnende Rolle spielten.
    Was den „Übermenschen“ betrifft, so ist er wohl eher ein Rätsel, auch für Nietzsche selbst. Die heutige Semantik ist ja doch sehr von der Blut-und-Boden-Rezeption verseucht, woran Nietzsche mit seiner Herren- und Sklavenmoral und anderem natürlich auch nicht unbeteiligt war. Meine Lesart ist aber eher durch den von Nietzsche immer wieder abgestrittenen Bezug auf Darwin angeleitet. Nietzsche hat den Wandel der Formen sehr ernst genommen und so Foucaults spätere Formulierung, deren Nietzsche-Bezug ja deutlich ist, vom Gesicht im Sand vorweg genommen. Was bei Foucault dann strukturalistisch und diskurshistorisch dekliniert wird, trägt bei Nietzsche aber noch die Zeichen der Naturgeschichte. Über-mensch wäre dann schlicht die Art, die in einer evolutionären – darüber kann man sicher streiten – Geschichte diejenige ist, die sich aus dem Menschen entwickelt und diesen dabei hinter sich lässt. Dass Nietzsche in diese Entwicklung eine moralische Projektion einbaut – jenseits von Rache usw. – , das ist dann wohl eher als rhetorischer und polemischer oder besser philosophie-agonaler Aspekt denn als ontologische Systematik aufzufassen. Die utopische Variante, von der summacumlaude spricht, sehe ich eher im Begriff des letzten Menschen, der von allem Übel befreit ein betreutes Leben führen. So hat es wohl auch Max Weber verstanden, der diese Formulierung aufgegriffen hat..
    Aber wie alle Nietzsche-Interpretationen ist auch diese nur möglich, wenn man sich die Gedanken aus dem Werk herausliest – man könnte hier an λεγειν im Sinne von Sammeln denken – , indem man anderes ignoriert. Eben deshalb scheinen mir solche Dispute wie „Romantiker oder Moralzerstörer oder Neovorsokratiker usw.“ ziemlich fruchtlos.

  11. ziggev schreibt:

    ah, so, Sublimierung! – so langsam komme ich trppel-trippel tripptrapp auf den richtigen Trip, um nicht zu sagen, den richtigen Weg.

  12. summacumlaudeblog schreibt:

    @ziggev okok Bemerkung war leicht überflüssig
    ansonsten muß wohl anne zugestimmt werden: Der Übermensch naja – aber als Kulturkritiker, ich nenne es Diagnostiker, bleibt Nietzsche stark.
    @viktor über die mehrfach überlagerte Beziehung N.s und seiner Anhänger zu Darwin haben wir hier – oder war es bei Hartmut? – schon vor 1 1/2 Jahren ausgiebig diskutiert (ich glaub es war bei Hartmut). Meine These damals war, dass Darwin in das deutsche Bürgertum über die Schaltstelle Nietzsche gekommen ist. Eine fatale Schaltung, weil naturwissenschaftliche Erkenntnis 1:1 auf gesellschaftlich-kulturelle Verhältnisse übertragend. Und der damals noch nicht diskreditierte Begriff Rasse spielte dann auch schnell mit hinein. Gewissermaßen Vulgär-Nietzsche gepaart mit Vulgär-Darwin.
    Grüße an alle.

  13. viktor schreibt:

    @ summacumlaude

    Obwohl ich keine mir unbekannte Diskussion wieder aufwärmen will, möchte ich der These doch widersprechen. Der Darwinismus war seit den 60er Jahren des 19. Jhdts. ein, wenn nicht der zentrale Topos, um den die Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Bildungsgesellschaft sich drehte, auch und besonders im deutschen Bildungsbürgertum. Die Debatte war längst vorbei und alle wesentlichen Streitpunkte – auch die vulgärdarwinistischen wie der Sozialdarwinismus, die Annahme eines Fortschritts in der Evolution, die moralische Beurteilung von Überlebensfähigkeit usw. – waren längst im Alltagswissen verankert, bevor eine breitere Öffentlichkeit von Nietzsche überhaupt Kenntnis nahm, was ja erst nach 1900 der Fall war. Eher würde ich umgekehrt sagen, dass die Initialzündung für die Rezeptionsmöglichkeit solcher Autoren wie Nietzsche aber dann eben auch der sonstigen klassischen literarischen Moderne von der Wissenschaft selbst ausging. Es gab, nachdem Theologie und Religion schon im 18. Jhdt. durch Philologie und Philosophie gemordet worden waren, schlicht kein ontologisch-normatives Fundament mehr, das sich den Formen der experimentellen Anordnung und der Amoralität hätte entgegen stellen können. Eher verlangte der Prozess von dessen Auflösung selbst nach einer Interpretation. So konnten Philosophie und Kunst erst in die paradoxe Situation geraten, mit Perspektivenpluralismus zu einer Orientierung beizutragen. Ganz steil formuliert: Ohne Darwin hätte es den Kubismus nicht geben können.
    Die Orientierung durch Desorientierung gelang in der klassischen Moderne selbst nur unzureichend. Der Kampf der Fundamentalismen, der bis 1945 ja auch blutig geführt wurde, ist möglicherweise erst mit der Postmoderne wirklich beendet worden.
    Diese zugegebenermaßen sehr zugespitzte geschichtsphilosophische These aber nur nebenbei. Mir ging es eher um Nietzsches von Kontingenz und Perspektivenabhängigkeit geprägtes Denken, das sich zum Teil sicher eben auch auf Darwin zurückführen lässt. Nichts ist zeitlos, alle Formen unterliegen dem Wandel und die ‚Mechanik‘ dieses Wandels ist nur aus der Gesamtheit der historischen Situation zu verstehen, dem Zusammenspiel von Individuum, Umwelt und Zufall. Das wird bei Nietzsche so radikalisiert, dass er sich selbst nicht mehr als konstantes Subjekt wahrnimmt, sondern seine Gedanken als Produkt einer jeweiligen konkreten Situation ansieht. Nicht die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, sondern die Differenzen im Nacheinander sehen wir in seinen Texten. Und die Annahme einer Konstanz, die dieser Erzählung eines ‚Subjekts‘ von sich selbst zugrunde liegen würde, hätte er – meist, bezeichnenderweise eben nicht immer, Ecce Homo sicherlich nicht – verneint oder zumindest verneinen müssen. Aus dieser Interpretation erscheint mir der Versuch, Nietzsche mit geistesgeschichtlichen Klassifizierungen einordnen zu wollen, ziemlich sinnlos.

  14. viktor schreibt:

    Und weil ich gerade Zeit und Lust auf Zynismus habe, noch ein Nachtrag: Diese Diskussion ließe sich auch sehr schön mit Bersarins Beitrag zu Aleatorik etc. verknüpfen, mit seinem Zweifel, ob der ‚Tod des Subjekts‘ und damit des Autors eigentlich immer noch nicht in der Literaturkritik angekommen sei.
    Hier würde ich eher eine Resurrektion sehen, die vielleicht auch in gewissen Ermüdungserscheinungen des kulturellen Betriebs begründet liegt. Die Theoriedebatten der 60er bis 80er, die ohne die insbesondere französische Nietzsche-Rezeption nicht denkbar gewesen wären, sind zum einen längst als unbewusstes Wissen in jedem Feuilleton angekommen. Andererseits ist das Reflexionsniveau heute – mit Absicht, denke ich -, auch wieder dahinter zurück gefallen. Der Freiheitsgewinn, der es erlaubt, alle möglichen Formen kultureller Produktion zuerst einmal als gleichrangig zu betrachten, wird gerne kassiert. Ungern nimmt man aber die Arbeit auf sich, die ästhetische Bedeutung in einer genauen Analyse der Verweisstruktur der ‚Werke‘ selbst aufzuweisen. Plakativ gesagt: Auf der Fundamentlosigkeit der Dekonstruktion fühlt man sich frei, alles mögliche daher zu schwatzen und so auch Klatsch und biographisches wieder als Kriterien – diesmal zweiter Ordnung – zu benutzen, solange man von den Anstrengungen des close reading nicht behelligt wird.
    Das haben wir in gewisser Weise auch Nietzsche zu verdanken. Sein Glaube, das man einst Lehrstühle für das Studium des Zarathustra einrichten werde, hat sich in quasi ironischer Form als Bachelor-Abschluss in Medienkultur erfüllt.

  15. Bersarin schreibt:

    @ summacumlaude
    Ja, der Zusammenhang von Übermensch und Vollkaskoversicherung ist trefflich formuliert. Der von Nietzsche geprägte Begriff des Übermenschen bleibt vage, ein Konzept wird man das, was Nietzsche entwickelte, kaum nennen können, weil dazu viel zu wenig Anhaltspunkte in seinem Text gegeben sind, wie Viktor ganz richtig schrieb. Meist diente der Begriff dazu, sich über andere zu erheben oder einen schalen Nationalheroismus herumzutrompeten, damit begeistert in die Schlacht gezogen würde. Nietzsche war vor 100 Jahren nicht unaktuell zu nennen.

    @viktor und summacumlaude
    Ja, es ist genau dieser Perspektivismus, der als Spiel sich immer weiter treibt: Ein Fluß des Erzählens, ein Meer von Blicken. Und kein Subjekt mehr: völlig richtig: so schreibt Nietzsche in „Jenseits von Gut und Böse“, daß es keine Täter, sondern nur Tun gäbe. Nicht: „Wer wirkt?“ muß gefragt werden, sondern „es wirkt“ müsse es heißen. Zahlreiche sind die Stellen, wo die Instanz des Subjekts infrage gestellt wird. Explizit ja schon in seinem frühen Text „Über Wahrheit und Lüge …“: Das Subjekt ist eine schöne Erfindung, eine Metapher, ein Diskurseffekt. Dies ist sicherlich einer der Gründe, weshalb Nietzsche (zusammen mit Heidegger) einer jener Geister ist, auf die sich die verschiedenen Positionen des Poststrukturalismus einigen können, weil sie das Subjekt nicht mehr als unhintergehbare Instanz setzen (was allerdings schon Hegel nie tat), sondern vielmehr als einen Effekt. (Was in bestimmter Weise auch Hegel und Marx konstatierten.)

    Richtig ist, daß man bei Nietzsche mit dem Entweder-Oder nicht weiterkommt. Überspitzt könnte man sogar schreiben, es handele sich um ein Denken, das in einem Akt der Rhetorik und des poetischen Sprechens jegliche Dialektik oder überhaupt jegliche längerfristige Bestimmung aussetzen läßt. (Oder sie gar überbordet.) Allerdings könnte der Hegelsche Dialektiker hier entgegnen, es handele sich um Figuren der Unmittelbarkeit, die bis hin zum unglücklichen Bewußtsein gehen und die vom Körper als Maßstab nicht wegkommen. Womit wir bei einem weiteren Motiv im Text Nietzsches wären: der Körper selber oder besser: Der Leib als Motor der Philosophie. Glattes Eis, ein Paradeis für den, der gut zu tanzen weiß, so wußte es Nietzsche, der Ghost-Dancer, der mit dem Kopf tanzte und sich den Körper imaginierte. Kaum eine Vorrede zu seinen Büchern, in der es nicht um seine eigenen Krankheiten geht. Der Diskurs der Krankheit durchzieht sein Werk ebenso wie der des Lebenswillens, und so beschwört Nietzsche in seinem Text an zahlreichen Stellen den Leib als Instanz, aus der heraus erst gedacht werden kann, herauf. (Auch dies führte zu zahlreichen Mißverständnissen und vor allem dazu, daß Nietzsche von der Lebensphilosophie des beginnenden 20. Jhds in einer eigenwilligen Weise eingemeindet wurde. Gründe dafür gab es sicherlich. Vieles läßt sich mit dem Text Nietzsches veranstalten und schwierig ist eine zunächst bloß rekonstruierende Lektüre, die nicht in die laute Trompete stößt.)

    Das Bürgertum und Nietzsche und dazu Darwin: dies ist so eine Sache für sich. Jene Bürger, die bereits im beginnenden 20. Jahrhundert kaum noch als solche zu bezeichnen sind und die vollmundig ihren Kleist, ihren Hölderlin, den Goethe und den Schiller bei sich im Buchregal stehen hatten und später dann diese Bücher im Tornister trugen, waren leicht für manche Töne, die sich bei Nietzsche finden, zu haben. „Was fällt, das soll man stoßen“ heißt es im Zarathustra. Diesen Satz kann man in verschiedene Richtungen hin lesen. Gemixt mit dem Vulgär-Darwinismus terminiert er einerseits in die Methoden der SA und der SS, andererseits ist dieser Satz eben ganz textimmanent innerhalb des „Zarathustra“ zu lesen: als eine Praktik.

    Wie schrieben es Adorno und Horkheimer in ihrer „Dialektik der Aufklärung“? Nietzsche – der schwarze Schriftsteller des Bürgertums.

  16. summacumlaudeblog schreibt:

    Der „Kampf“ gegen Darwin war in den 60er Jahren noch ein zunächst kirchlicher, mit durchaus biblischen Thesen. Über den Umweg Nietzsche wurde dann auch Darwin salonfähig – auch das eine durchaus vertretbare These, für die sich Belege finden würden.
    Ich fliehe nun ein paar Tage aus der digitalen Welt. Bis dann! Grüße im Guten an alle.

  17. summacumlaudeblog schreibt:

    Zur Ergänzung der Prae-Nietzsche-Rezeption des Darwinismus seien noch die Namen Büchner (der Bruder!) und Haeckel genannt, ersterer durchaus zunächst noch materialistisch gesonnen (späeter dann nicht mehr so), letzterer muß als Präludes der Eugenik gesehen werden. Das alles verband sich dann mit einem bestimmten Wild-Bürger-Nietzsche zu dem von mir anskizzierten, explosiven Gemisch.
    So Tschüß aus dem Offline, diskutiert schön weiter, bis Sonntag…

  18. Bersarin schreibt:

    Im Detail kann ich zu diesen Verbindungen wenig sagen. Mir ist der Text Nietzsches relativ gut und der Rezeptionsrahmen zum Teil bekannt. In den einschlägigen Kreisen ergaben Nietzsche und Darwin dann eine gewünschte Gemengelage. Nietzsche: das ist vielfältig zu lesen. Was das Ambivalente betrifft, so verweise ich, wie schon mehrfach hier im Blog, und auch Hartmut erwähnte es, auf B. Taurecks Buch „Nietzsche und der Faschismus“. Ungeheuer instruktiv, ausgewogen, ohne die Peitsche der Verdammnis zu schwingen, wie Lukács in seinem unsäglichen „Die Zerstörung der Vernunft“ und ohne bestimmte Muster bei Nietzsche zu beschönigen.

    Gute Reise ins Reale.

  19. viktor schreibt:

    Haeckel ist natürlich der prominenteste Name, über dessen Rolle man bei Gelegenheit genauer diskutieren müsste.
    Als Fußnote zu meinen Posts verweise ich auf die von Kurt Bayertz herausgegebene Quellensammlung „Der Darwinismus-Streit“, gerade als Neuauflage wieder erschienen bei Felix Meiner. Der Band ist Teil einer Trilogie, welche die wichtigsten kulturphilosophischen Debatten zu den Wissenschaftsentwicklungen des 19 Jhdts. gut dokumentiert, Die anderen Bände sind „Der Ignorabimus-Streit“ und „Der Materialismus-Streit“. Für meine Darwin-Nietzsche-Foucault-These stütze ich mich teilweise auf Philipp Sarasins „Darwin und Foucault“, erschienen bei Suhrkamp 2009. Das Buch kann ich auch als Lesevergnügen empfehlen – nicht für ziggev allerdings, da es in einigen Passagen sehr narrativ ist – sowie als gute Einführung in das Denken Darwins.
    Das Thema Ambivalenz und Faschismus behalte ich weiter in der Reserve, bis Heidegger wieder auf der Agenda steht. Nächste Woche sollte der erste Band der Hefte dann endlich erscheinen, nur mal zur Erinnerung.

    Offline ist die Welt ganz anders, wenn ich mich richtig entsinne: Gute Erholung!

  20. ziggev schreibt:

    also, my dears,

    ich interpretiere Nietzsche doch wohl etwas anders. Allerdings die Vorwanung: meine Motto lautet: sei schlau, bleib dumm! Nietzsche verzweifelte daran, dass der Naturalismus aufkam, dass etwas wie „Geist“ nicht mehr denkbar war. Alles wurde unter dem Vorzeichen des Naturalisamus aufgefasst, Biologismus in der Frühphanse. Nietzsche verstand nun diese Entwicklung ganz richtig, daher seine vehemente Kritik etwa des Christentums und jeder „Philosophie“, die noch etwas mit „Geist“ – oder meinetwegen „Subjekt“, eine ohnehin idiotische Konzeption – oder ähnlichem zu tun hatte. Mit diesem frühneuzeitlichem Biologismus war alle Philosophie im Herkömmlkichen Sinne tod. Nietzsche stellte sich nun dieser Herausforderung. Zugleich flippte er total aus, weil er letztlich eine traditionell, wahrscheinlich schon von seiner (protestantisches Pfarrhaus) Herkunft/Ausbildung her, geprägte philosophische Haltung nicht aufgeben konnte. So entstand dieses paranoide System Nietzschens.

    Nietzsche nahm sich vor, jeden „Geist“ – den vollkomen verblödeten Kram mit „dem“ Subjekt, denn jeder, der oder die ehrlich ist, wird feststellen, dass es eine Illusion ist, mal wieder und nat6ürlich beiseite – zu zerstören, wollte ihn aber zugleich erhalten. Das ist seine Tragik. Wir verdanken ihm aber desh. ein paar der schönsten Texte in der deutschen Literatur. Ich möchte daran erinnern, dass er nackt tanzend in seinem Arbeitszimmer angetroffen wurde. Der Typ flippte total aus, was ja begrüßenswert ist. Es musste doch noch etwas weiteres geben als einen schnöden Biologismus. Ich oute mich mal wieder gern als Osho-Anhänger. Lieber nenne ich mich Bhagwanisten. Osho sagte, ohne an dieser Stelle die Quelle zu nennen, natürlich Nietzsche, den er allerdings in „The Books I have loved“ an erster Stelle (oder zweiter oder dritter, jedenfalls mit den ersten Sätzen) nennt, der Mensch sei eine Leiter, ein Übergang.

    Mit anderen Worten: wir sind noch nicht am Ende, trotz Biologismus. Hier ahnte Nietzsche (und tanzte nackt in seinem Schreibzimmer). Nietzsche stand kurz vor der Erleuchtung: Der Körper ist die höchste Weisheit. Nur leider erreichte er sich wahrscheinlich erst in seinen letzten Lebenssekunden, sodass er das, was sowieso nicht sagbar ist, nicht mehr aufschreiben konnte. Mit seinem rhetorischem Talent hätte er es aber vielleicht doch hinbekommen.

    Dawrin, der Sohn eines Veteri|ärmediziners, war übrigens der Überzeugung, dass Pferde die schöne Wiesenlandschaft Englangs genössen.

    Deswegen lese ich die Biologismusverächter eigentlich zumeist als Nietzsche-Nichtkenner, also als Banausen, denn bei Nietzsche handeslt es sich schließlich doch um einen Autor, der uns mit die schönsten Texte in deutscher Sprache hitnterlassen hat !

    Zu Dawin von mir herztlichst empfohlen, im original (die deutsche Ausgabe) ‚Sind Affen rechtshändler?`- Notizhefte M und N und „Biographische die Skizze eines Kindes“‚

    Das sind die Tagebücher aus der Zeit, als er zu seinem „Durchbruch“ für seine Evolutionstheorie kam. (Bekanntlich verwendete er dann den Rest seines Lebans darauf, sie empirisch zu untermauern.)

    Ernst Heackel, diesen Verdienst kann man ihm aber nicht absrechen, hat ganz wundervolle Bildtafeln von Meeresmullusken, Schnecken, Wasserkrebsen und anderem kleinen Meeresgetier, z.B. auch Quallen, hinterlassen und damit entscheidenden Einfluss auf den Jugenstil ausgeübt.

    PS @ viktior: Deinen letzten Hinweis auf mich habe ich nicht so recht verstanden : klar: ich bin alles andere als ein Foucault-Experte. Vor Darwin habe ich aber den allerhöchsten Respekt. Vielleicht eine kleine Andeutung, wie das zu verstehen gewesen ist ?

  21. ziggev schreibt:

    … und es ergab sich schnell, dass Dawrin mit diesem Heackel nichts mehr zu tun haben wolle.

  22. viktor schreibt:

    @ ziggev

    Steht doch klar geschrieben: „da es narrativ ist“. Die Studie wurde in der Zeitschrift für Ideengeschichte sehr gelobt, was für Dich ein Nichtlese-Kriterium sein müsste, wenn ich mich recht entsinne. Um den methodischen Stil des Buches ging’s, nicht um die behandelten Autoren. Aber mit Deiner Nietzsche-Interpretation stimmt Sarasin in weiten Teilen überein. Ohne Osho (schon allein aus Unkenntnis) und ohne das Entzücken am Nackttanzen bin ich auch nicht weit weg davon. Zumindest als eine von mehreren möglichen Lesarten scheint mir das sehr plausibel.

  23. ziggev schreibt:

    neinneinnein, ich wage mich zwar manchmal etwas kritisch hervor, was ich aber als Haupt-Charakteristikum hervorgetan haben wollte, ist die Offenheit. Ich irre mich schlicht einfach manchmal. Selbstverständlich würde ich nie die Zeitschrift für Ideengeschichte absolut für verdammenswert erklären ! Im Zuge Oshos Erklärung, dass Offenheit, einfach alles zuzulassen, Religiosität ohne Religion, eine Möglichkeit ist, möchte ich meinerseits erklären, dass da, wenn eins einfach alles zulässt, auch teuflische Einflüsse hinzukommen können. Offenheit und das Narrative sind für mich die höchsten Werte.

  24. viktor schreibt:

    @ ziggev

    Es war auch nicht so fürchterlich ernst gemeint. Wo kämen wir denn hin, wenn schon historische Zeitschriften verdammenswert wären? Was wären dann echte Verbrechen?
    Narrativität kann aber doch kein Wert sein, schon gar nicht in Verbindung mit Offenheit. Die master narratives der Religionen z. Bsp. sind ja meist gegen die Offenheit erzählt. Aber auch hier: Ich denke, ich verstehe, was Du meinst. Ist nur ein logischer Einwand im kleinen Karo.

  25. Surajprasad schreibt:

    Narrativ beschreibt das Buch auch sehr gut, mir gefällt es aber sehr, vor allem, weil ich mich noch nie wirklich mit Darwin auseinandergesetzt habe, obwohl seine Bedeutung, nicht nur für Nietzsche und Foucault, sondern das ganze moderne Denken, sehr einleuchtend ist. Danke für die Empfehlung.

    (Ich habe vor langer Zeit mal sein Buch über „Anthrax – Bioterror als Phantasma“ gelesen. Für mich ein Beispiel für gelungene Kulturwissenschaft, wo ja gerade die Rede von war.)

  26. ziggev schreibt:

    doch, Narrativität ist und bleibt für mich das höchte Gut, weil ich teils als Übersetzer unterwegs gewesen bin, gleichzeitig natürlich als Lektor, weil sich die Buchverlage solche Leute nicht mehr leisten zu können scheinen. Verstehst Du? Du stehst als Übersetzer blank da, ohne Lektorat! Die Sachen, die ich übersetzt habe, teilweise bis zu 14 Stunden am Tag Arbeit, wurden so 1 zu 1 so abgedruckt. Da kamen auch bei 640 Seiten auch mal 3 bis 4 Fehler vor. Aber die haben mich in diesem Punkt einfach im Stich gelassen. Für mich gibt es kein höheres Gut, als die Narrativität. Wie gesagt, du sitzt als Übersetzer da ohne Lektorat. Was ist das nicht für eine kathastrophale Situation ?

  27. Bersarin schreibt:

    Die Wichtigkeit des Lektors ist – in vielerlei Hinsicht – nicht gering zu schätzen.

    Allerdings habe ich eine ganz große Bitte. Können wir für zwanzig Jahre den Begriff „Narrativ“ streichen? Das Narrativ der Moderne, das Narrativ der Bildung, das Narrativ des Narrativen. Es ist dieses Narrativ überflüssig wie Kropf und Hartz IV. So wie früher alles und nichts ein Diskurs war, ist heute jegliches ein Narrativ. Selbst dann, wenn dort gar nichts erzählt und kein oder nur minimaler Sinn gestiftet wird. Das Narrativ der Narrationslosigkeit.

  28. viktor schreibt:

    Die Genervtheit kann ich nachvollziehen, aber gleich ganz streichen? Sicher, ich hätte auch sagen können, dass das Buch in einem erzählenden Duktus geschrieben ist, logisch-analytische Passagen eher selten sind und ich hätte mir nichts vergeben. Aber ich benutze narrativ zumindest als Adjektiv schon seit Zeiten, als es mir der ubiquitäre Diskurs Kopfschmerzen bereitete. Das Dispositiv, sein Nachfolger, hat nicht ganz diese Frequenz erreicht, scheint mir. Die Zeiten, in denen alles kritisch sein musste, kenne ich nur aus Erzählungen. Die Krise, bei der Carl Schmitt einmal eine solche erlitt, hält sich dagegen sehr viel länger.
    Also: Ich bin bereit, mich hier jedes mal ohne Murren korrigieren und vielleicht sogar beschimpfen zu lassen, wenn die Verwendung von narrativ prätentiös oder gar sinnlos ist, aber ich würde ungern ganz auf das Wort verzichten, nur weil einige Wichtel ihre Argumentationsleere mit diesem Wort der Saison camouflieren. Ist das ein akzeptabler Kompromiss?
    Und trotzdem ich Dich verstehe, ziggev und trotzdem ich – ohne Deine private Situation zu kennen – den Verlust des Lektorats in vielen ehemals renommierten Verlagen bei der Lektüre insgesamt inzwischen schmerzlich spüre: Erzählung (!) kann kein Wert sein, da bleibe ich stur. Es ist eine Form der Darstellung, die zum Guten wie zum Schlechten, zum Schönen wie zum Abstossenden, die gelungen und sehr miserabel verwendet werden kann.

  29. Bersarin schreibt:

    Der Kompromiß ist akzeptabel. Es ging mir bei dem Begriff des Narrativs jedoch ein wenig so wie mit den Wörtern Verdinglichung, Diskurs und Paradigmenwechsel, die sich in der Inflation entleerten. Insofern reagierte ich darauf ein wenig harsch und mit einer gewissen Idiosynkrasie.

    Auf der Kritik kann man aber nicht genug beharren, wenn sie denn nicht zum kreiselnden Selbstbezüglichen des Jargons wird, sondern an der Sache orientiert bleibt: Ich nenne als Namen nur: Kant; Hegel, Marx, Benjamin, Adorno, Foucault. (Und bedingt Derrida, sogar Husserl und Heidegger) Mit Kant gesprochen: „Nur der kritische Weg ist noch offen.“ („Die dornichten Pfade der Kritik …“ heißt es an einer anderen Stelle der „Kritik der reinen Vernunft“)

    Fast würde ich überspitzt sagen, Philosophie ist per se Kritik.

    Nein, Erzählung ist kein Wert – das sehe ich ähnlich. Sowieso gibt es in der ästhetischen Theorie keine Werte. Weder einen Wert des Kunstwerkes (außer es verkauft sich auf dem Markt) noch wertvolle Bücher.

  30. ziggev schreibt:

    naja, weil ich diese Inflation des Begriffs des Narrativs ohnehin nicht mit- oder nachvollzogen habe, habe ich damit sowieso keine großen Probleme. Meine Kommentare sind sicherlich orthographisch manchmal höchst mangelhaft, ich hoffe das vermindert nicht meine Glaubwürdigkeit. Bitte mich nicht falsch verstehen: ich sehe Web 2.0 in allererster Linie als Lernumgebung. Ich darf also von bersarin und viktor lernen. Stattdessen vieleicht das Schriftstellerische, ich hatte diesen Begriff vielleicht etwas zu unbedacht benutzt. Als Übersetzer gibt es für dich nur einen Gott: und das ist die Autorin oder der Autor und die Sprache. So meinte ich das. Und der Duden – trotz allem – und die sensomotorische Synchronisation mit der Tastatur.

    Ich bin darin freilich kein Meister, ich übe, „Erzählung ist kein Wert“, stimmt, wie den auch? Aber der Stil ist doch nicht zu vernachlässigen. Und da wären wir wieder bei Nietzsche.

  31. Bersarin schreibt:

    Stil, das ist der Begriff, zentral insbesondere im Zusammenhang mit Nietzsche, bei dem freilich Stil nicht mehr im Singular gebraucht wird. Es läßt sich nur noch von den Stilen Nietzsches sprechen. Es ist dies der Punkt, einer jener seltenen Glücksfälle, wo sich literarisches und philosophisches Schreiben berühren, ohne jedoch in purer Unmittelbarkeit und qua Proklamation die Gattungsgrenzen einzuziehen. Der einzige Philosoph, der dieses Projekt mit anderen Mitteln fortsetzt, ist Derrida.

  32. summacumlaudeblog schreibt:

    @viktor Nach einigen Tagen digitaler Abstinenz melde ich mich noch einmal zum Thema. Und zwar deswegen: „Die Debatte war längst vorbei und alle wesentlichen Streitpunkte – auch die vulgärdarwinistischen wie der Sozialdarwinismus, die Annahme eines Fortschritts in der Evolution, die moralische Beurteilung von Überlebensfähigkeit usw. – waren längst im Alltagswissen verankert, bevor eine breitere Öffentlichkeit von Nietzsche überhaupt Kenntnis nahm, was ja erst nach 1900 der Fall war. “

    Mhhh, guter Mitkommentator, räusperräusper, das kann man so wohl nicht ganz stehen lassen. Diskussionen können einschlafen, zwischenzeitlich eine langsamere Taktzahl haben, um dann wieder an Fahrt aufzunehmen, aber abgeschlossen ist eine wichtige Diskussion doch fast nie. Und diese gar um 1900? Da spricht einiges dagegen.
    Um 1900 waren die Grundbegriffe in der Folge Darwins etabliert – das siehst Du selbstredend richtig – aber die Richtung der angewandten medizinischen Forschung war noch nicht klar. Gerade in der Medizin entwickelten sich nach der Jahrhundertwende neue Fächer, die mit Darwin aber auch z.B. mit Mendel zu hatten. Neben Darwin spielte Mendel in der Entwicklung hin bis zur sog. Rassenhygiene eine überragende Rolle, und der wurde genau um 1900 erst wieder entdeckt, genau in dem Jahr, in dem Nietzsches Werk die Öffentlichkeit erreichte. Zufall?
    Weiterhin kam ein Forschungszweig auf, der ebenfalls im ausgehenden 19. Jhd. erste sensationelle Erfolge zeitigte: Die Mikrobiologie und das ihr folgende hygienische Denken (Auch wenn aus einem Mißverständnis heraus Koch und Pettenkoffer zunächst „Gegner“ waren).
    Diese Richtungen zusammen – Eugenik, Vererbungslehre und Hygiene – etablierten aslo neue Fächer, u.a. das Fach Sozialhygiene. Dabei war die Richtung, in die der Troß reiten sollte, keineswegs klar. Sozalhygiene verstand sich durchaus in der Tradition R. Virchows auch als eine soziale Medizin. Die sozialen Ursachen von Erkrankungen sollten bestimmt werden. Der Begriff Hygiene wurde in dieser Tradition als präventiv verstanden.
    Daneben entwickelte sich natürlich auch eine sich eher genetisch verstehende Medizin, die die Genetik mit Darwin verband und einer gerichteten Auslese der als gut definierten Eigenschaften das Wort redete. Diese Auslese, die zunächst nur versuchte, sog. erbkranken Nachwuchs zu verhindern, verstand sich als Familien- später als Gesellschaftshygiene.
    Man sieht: Äquivalent zu der zeitgleich (1900!!! sic!) aufkommenden Lebensreformbewegung waren auch diese neuen, aus den medizinischen Grundlagenforschungen geborenen Fächer keineswegs eindeutig fortschritlich oder reaktionär ausgerichtet sondern diesbezüglich vor allem: Unbestimmt.
    Erst in dem nach der Niederlage narzistisch gekränktem Deutschland radikalisierte sich die Eugenik, und die zuvor lediglich als obskure Einzelgänger da stehenden Rassebiologen vermehrten sich rapide. Die Entwicklung zuvor – Eugenik! – war europäisch/nordamerikanisch gewesen. Diese nunmehr einsetzende Radikalisierung blieb ein deutsches Phänomen.

    In diese, zunächst rein fachliche Diskussion/Entwicklung hinein kommt nun Nietzsches erste öffentliche Wirkung. Da muß man schon in naturwissenschaftlicher Reagenzglastradition fragen dürfen, ob die oben beschrieben Radikalisierung der Eugenik und das zeitgleiche Auftreten Nietzsches koinzidentiell oder kausal zu werten ist.
    Nun, die Frage nehme ich zurück, sie ist schon falsch gestellt, weil geschichtliche Prozesse nicht im Reagenzglas ablaufen. Ganz ohne Zusammenhang scheint mir dieses zeitliche Zusammentreffen von Nietzsche, Darwin, Mendel und dem hygienischen Denken aber nicht zu sein.
    Ich meine doch, dass in dem Konglomerat von Motiven und Gegenmotiven, die zur beschriebenen Radikalisierung der deutschen Medizin und der Gesellschaft überhaupt geführt haben, Nietzsches Werk durchaus eine Schalterfunktion darstellte. Sicherlich: Hauptmotiv ist die eingebildete narzistische Kränkung so vieler Deutscher nach der Niederlage sowie die unbestreitbare wirtschaftlich bedingte Verschärfung der Lebensumstände in der damaligen Gesellschaft.
    Aber als einen „Sukkurs“ dieser Radikalisierung kann man sein Werk schon sehen. „Sukkurs“, „Durchschaltung“ das sind Zitate von Th. Mann. Womit mein Horizont bei diesem Thema trefflich abgesteckt ist. „Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung“ eben. Ich frage mich und damit letzlich Euch/Dich nur, inwieweit die doch seinerzeit sehr einseitig betriebene Herausgabe seiner Werke eine andere Lesart verhindert hat. Oder muß man im Angesicht des schwesterlichen Bärendienstes gar von bewußter Zensur reden?

    Und letzte Frage: Gab es im Rahmen der erneuten genetischen Dominanz im med. Denken der 90er Jahre (human genome project, mittlerweile sind die großen Hoffnungen zerstoben!) ebenfalls einen geisteswissenschaftlichen „Sukkurs“? Sloterdijk vielleicht?

    Grüße und sei nicht böse, es sollte eine konstruktive Kritik sein.

  33. Bersarin schreibt:

    Danke zunächst für die detailreichen und lehrreichen Ausführungen in ein Gebiet, das ich nicht gut kenne, da ich nicht aus den Naturwissenschaften komme. Wobei in diesem von Dir thematisierten Bereich von Biologie und Medizin (und damit eben in den Naturwissenschaften) die Grenze zu den kulturellen Ausprägungen einer Gesellschaft immer fließend ist. Reine Naturwissenschaft gibt es nicht. Sie sind, wie auch die kulturellen Bedingungen, zu einem guten Teil Phänomene des Überbaus, und immer werden naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit einem bestimmten herrschenden kulturellen Diskurs, mit gesellschaftlichen Bedingungen vermittelt. Die Erfindung des Kompaß in China und in Europa in etwa zur selben Epoche zeitigte ganz und gar unterschiedliche Auswirkungen. China nutze diesen zur Seefahrt ganz anders als Europa. Die Theorien Darwins sind an bestimmte Bedingungen geknüpft und sie wurden, insbesondere in Deutschland, unter bestimmten Bedingungen, aufgegriffen und gesellschaftlich transformiert. Nietzsche Leib-Philosophie kam da gerade recht. So entstand im deutschen Bürgertum, das sich gerne überlegen dünkte, wie jedes Bürgertum, dem der Begriff seiner selbst verlustig ging, ein trübes Konglomerat aus natur- und geisteswissenschaflicher Sicht. Begründungstechnisch durch die Naturwissenschaften abgesichert.

    Insofern ist es konsequent, daß im herabsunkenen Bürgertum und zu einer Zeit als sich Natur- und Geisteswissenschaften immer weiter auseinanderdifferenzierten, eine trübe Gemengelage entstand. Den Nietzsche hatte das konservative Bürgertum, zu dem bis in die frühen 20er Jahre in gewisser Weise auch Thomas Mann zählte – man lese die „Betrachtungen eines Unpolitischen“ – auf eingewillige Weise okkupiert. Er war mit einem Male im common sense angekommen. Nietzsche kommt als Name und Metapher, der in seiner heruntergebrochenen Variante für einen bestimmten Subtext steht, gerade recht. Was fällt, das soll man stoßen im „Zarathustra“ und die blonde Bestie in der „Genealogie der Moral“ wurden begierig aufgegriffen, und dennoch bieten diese beiden Wendungen genug Raum für die vielschichtige Interpretation.

    Was Elisabeth-Förster-Nietzsche betrifft, die mit einem namenhaften Antisemiten verheiratet war, läßt sich mit Fug und Recht von einer bewußten Verfälschung des Nietzsche-Textes durch selektive Editionspraxis sprechen. Nebenbei: Nietzsche verabscheute den Antisemitismus und insbesondere seinen Schwager. Und fraglich ist es, ob er eine Textsammlung unter dem Titel „Der Wille zur Macht“ herausgegeben hätte.

    Auch heute noch greifen Intellektuelle aus den Geisteswissenschaften die Erkenntnisse der Naturwissenschaften bzw. der Medizin auf. Als Beispiel sei nur die Hirnforschung genannt, wo dann Philosophen im Sine einer Metábasis eis állo génos eine deterministische Bewußtseinstheorie zimmern. Ohne Sinn und Verstand. Ebenfalls Sloterdijk. Wobei diese Rede über den „Menschenpark“ ambivalent ist. Sie wurde leider von den Habermas-Anhängern im Streit der Schulen hochgeputscht zugunsten eines Vulgärdarwinismus. Es läßt sich dieser Text jedoch ebenso als eine kulturelle, als eine zynische Kritik an den Züchtungsphantasien einer Gesellschaft lesen. (Details dazu müßte ich jedoch nachlesen.)

  34. viktor schreibt:

    @ summacumlaude

    Bei solcherlei Kritik, die ich primär gar nicht als solche verstehe, sondern als wohlbegründete andere Meinung, bin ich nicht nur nicht böse, ich bin sehr angetan. Zwingt sie mich doch zum Nachdenken beim Schreiben. Ganz grundsätzlich: Nichts wäre langweiliger, als einfach nur recht zu haben. Diese Diskussionen könnte man sich sparen, weil man offensichtlich hinterher nicht mehr weiß als vorher.
    Grob lassen sich an Deinem Gedankengang drei Komplexe differenzieren. Das allgemeine kulturelle Klima mit Nietzsche und seiner Rezeption als Symptom, die medizinisch fachwissenschaftliche Entwicklung und die Gesellschaftspolitik, in der die ersten beiden zusammen kommen und ihre konkreten Ergebnisse hervorbringen.
    Ich fange hinten an, weil ich hier die Traditionslinie länger ziehen will und dadurch die beiden ersten Punkte in einen Kontext stellen kann, in dem ihre, etwas paradox formuliert, signifikante Kontingenz vielleicht besser hervortreten.
    Anschließend an Foucaults Theorie der Gouvernementalität lässt sich im 18. Jhdt ein Wandel der politischen Theorie und der Regierungspraktiken feststellen, der mit dem Terminus „Biopolitik“ gut bezeichnet ist. In der Nachfolge der Geburt der Ökonomie als empirischer Wissenschaft wird die Bevölkerung zur Grundlage der Macht des Staates. Damit rückt die Verwendbarkeit der Untertanen zur Expansion von Macht in den Fokus. Galt es vorher, das, was an Menschen nun mal da ist, zu beherrschen, geht es nun darum, Menschen zu ‚produzieren‘, die im Wettkampf der Nationen von Vorteil sind. Die Einführung der allgemeinen Schulpflicht geschah nicht primär aus Bildungsliebe, sondern deswegen, weil Lese- und Rechenkompetenz Fähigkeiten sind, die man nutzen kann. Die Hygienepolitik bauit auf dieser Entwicklung auf und ist früher anzusiedeln, als bei Dir beschrieben. Sie ergab sich schon als Notwendigkeit aus dem Prozess der Urbanisierung, der sich im 19. Jhdt. rasant entwickelte, sie hatte aber auch das Ziel, gesunde und somit leistungsfähige Bürger herhorzubringen. Der Mensch insgesamt wird zum ökonomischen und politischen Projekt, seine Fähigkeiten, sein körperlicher Zustand, seine Verwendbarkeit werden zu ökonomischen Ressourcen oder, wie es heute heißt, zum Humankapital.
    Gleichzeitig werden die Prozesse, die sich hieraus ergeben, immer schwieriger steuerbar, so dass das Indiviuduum nun sich selbst regieren, das Ziel seiner optimalen Nutzung als eigenes inkorporieren und als Selbstverwirklichung verfolgen muss. Zwei Logiken, die individuelle der Erschaffung eines ökonomischen Selbst und die staatsorganisatische als Bereitstellung der dazu nötigen Organisationsformen – Städte, Schulen, Spitäler, Universitäten usw. – greifen ineinander und verändern im 19. Jhdt. den gesellschaftlichen und staatlichen Aufbau. Der klassische Liberalismus entsteht als Selbststeuerungmechanismus, der Sozialstaat als Art der Daseinsvorsorge – ein erst später durch Ernst Forsthoff geprägter Begriff -, um die Umbauten und ihre Folgekosten bewältigen zu können.
    In diese natürlich nur grob skizzierte Veränderung der Gesellschaftsstruktur fügen sich nun die Philosphie als reflexive Semantik und die Natur- und Ingenieurswissenschaften einschließlich der Medizin als technokratisches Herrschaftswissen ein. Mit Darwins Theorie wird die Grundlage geschaffen, das Individuum als ein veränderbares Wesen zu verstehen, das sich stetig anpassen muss, um im Kampf ums Überleben und die Macht nicht unterzugehen. Der Mensch sieht sich nun auch weltanschaulich gezwungen, den vorsorgenden Gott abzuschaffen und all seine Anstrengungen auf die dauernde Veränderung seiner Leiblichkeit zu richten; Leiblichkeiit als Körper und Geist in einem phänomenologischen Sinn umfassenden Begriff.
    In diesem Prozess verändert sich dann auch die Rolle der Medizin. Nicht mehr Kranke heilen, sondern präventiv die Grundlagen schaffen, dass Krankheit in einem statistischen Bevölkerungsschnitt minimiert wird, das ist jetzt das vordringliche Ziel. Die Medizin als Vorsorgewissenschaft, die z. Bsp. in der Stadtplanung eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich deutlich bei der Bekämpfung der Cholera. Hier verweise ich der Kürze halber auf Richard Evans „Tod in Hamburg“, der die sozialgeschichtliche Details sehr treffend darstellt.
    Den literarisch-philosophischen Ausdruck hierfür finden wir eben bei Nietzsche. Gott ist tot, der Mensch muss sich stetig neu selbst überwinden, auf den jetzigen Menschen folgt der nächste, der Übermensch, wir alle befinden uns im daseinsvorsorgenden Staat, alles wiederholt sich insofern, als es immer nur auf den nie endenden Kampf hinausläuft usw. Ziggev hat das hier, denke ich, richtig beschrieben. Nietzsche sieht denkerisch keine Möglichkeit, dem Materialismus als einziger Grundlage zu entkommen, seine dichterischen Bemühungen wollen aber imer noch genau dem einen Sinn abgewinnen.
    Elisabeth Förster-Nietzsche hat nicht zensiert, sondern gefälscht. Die Editionsphilologie Nietzsches ist ein eigenes Kapitel. Worauf es hier ankommt, ist, die Entstehung seiner Popularität als Ausdruck der Radikalisierung der geschilderten Tendenzen zu verstehen. Aus der Unübersichtlichkeit und dem stetigen Wandel entstehen Bewegungen, die bestimmte Aspekte zum alleinigen Schlüssel einer neuen Weltinterpretation hypostasieren und so die Lösung der „Welträtsel“ (Haeckel) für sich in Aspruch nehmen. Lebensbewegung, Rassismus und was dergleichen mehr sind, sie alle entwickeln sich aus dieser Gemengelage, sie sind Symptome.
    Mendels seltsame Rezeptionsgeschichte ist m. E. wirklich Zufall. Tatsächlich war seine Theorie das dringend benötigte Erklärungsstück für die Erklärung des Mechanismus der Evolution, aber wer konnte ahnen, dass ein Mönchlein diesen Schlüssel entdeckt hatte.

    Hier abschließend, wobei ich dies nur als diskutablen Entwurf betrachte: Es sind signifikante Kontingenzen, wie oben angedeutet. Es hätten auch andere Autoren sein können, keine Schrift, keine Entdeckung, keine Maßnahme hätte so und nicht anders sein können, niemand war in diesem Prozess unersetzlich, auch nicht Nietzsche. Sein Interpretationsangebot war die Geburt der Moderne aus dem Geist des Nihilismus und ist als solches der zumindest für Deutschland treffendste Ausdruck gewesen. Weniger bei Thomas Mann, der zu sehr Literaturliterat war, eher bei Gottfried Benn, der als Arzt und Lyriker die beiden diskutierten Facetten in sich vereint, können wir den Einfluss bestens sehen. Von den Morgue-Gedichten über die Rolle 1933ff bis hin zum Mann im Schutt nach 1945, der sich und seine ganze Generation als bloße Epigonen Nietzsches betrachtete,.

  35. summacumlaudeblog schreibt:

    Dank für die umfänglichen Antworten. Von mir nur eine kleine Selbstkorrektur: „… wurde genau um 1900 erst wieder entdeckt“
    natürlich nicht wieder sondern erstmals. Er war in Brünn als Außenseiter tätig, und schon damals hatte Publizität auch mit dem Ort zu tun, von wo aus man einsandte. Paris, Berlin, Wien waren die damaligen med. Zentren. Wer von Brünn aus die wissenschaftliche Welt ansprach, wurde erst einmal nur milde belächelt.

    Schön, dass hier noch einmal an Evans erinnert wird.

    Zur Hirnforschung und den trivialen Schlußfolgerungen, die Pädagogen, Radio-feature-Autoren und andere Wichtigtuer sehr voreilig ziehen, habe ich in den verschiedenen Blogs schon immer wieder was gesagt. Eine Lehrerin unserer Kinder gab auf die Nachfrage, ob man schon nach wenigen Tagen in der ersten Klasse gleich ohne Geduld mit dem sog. Förderunterricht beginnen müsse, die unglaubliche Antwort: Hirnforschung habe „bewiesen“, „je früher desto besser“… (mein Gott, was für ein bullshit).

  36. Bersarin schreibt:

    Benn scheint mir im Hinblick auf die Literatur bzw. Lyrik noch einmal eine, weitere, eine wichtige Position im Feld der Nietzsche-Rezeption abzugeben . (Wobei ich ihn nicht zum Bürgertum zählen würde. Insofern ist in dieser Variante der Einfluß Nietzsches wieder anders gelagert. Und zwar – gleichsam zurück zu den „Wurzeln“ – wieder hinein ins protestantische Pfarrhaus.) Aber es zeigt sich sehr gut, wie unter den Bedingungen er Moderne, der „Entzauberung der Welt“, im materialistischen Stahlgehäuse der Rationalität sich in den Eiswüsten des Lyrischen der Text Nietzsches als Morgue und Kritik der Moderne einschlängelt.

    Dennoch spannend aber Benn und Mann, dazu noch Jünger, im Denken zusammen und zugleich gegeneinander zu lesen. Der „Zauberberg“ ist dann ja auch Thomas Manns große Kehre und Mann nahm ganz andere Wege als Benn und Jünger.

    Die Selbstoptimierung des Individuums als Resultat der Biopolitik, wie wir es bei Foucault lesen können, ist ja bis heute hin und insbesondere im Hinblick auf die Arbeitswelt interessant. Von der Disziplinar- hin zur Kontrollgesellschaft: Selbstkontrolle durch Sport, Zen, Fitness, medizinische Vorsorge, Einklang von Beruf und Freizeit. Das konstatierte ja bereits Adorno, daß Beruf und Freizeit von ihrem Aktivitäts- und Organisationsgrad nicht mehr zu trennen sind. Insofern kann man – freilich sehr weit ausgreifend-abschweifend – da sehr schöne Linien ziehen. Gerade über den Aspekt des neuen Körperbewußtseins und der neuen Leiblichkeit, die mit der Seele im Einklang schwingen möchte.

    (Jemand wie Byung-Chul Han koppelt das dann sogar noch mit Heidegger, wie wir in seinem Buch „Der Duft der Zeit“ lesen können. Philosophie als Kontemplationswissenschaft.)

  37. ziggev schreibt:

    „kurz“ was zur Hirnforschung.

    Letztes Jahr brachte der dlf übrigens einen kleinen Beitrag zur Hirnforschung: Und es gibt ihn doch ! Hirnforscher finden Indizien für den freien Willen

    hier wird noch einmal die Kritik am Neurobiologismus recht umfangreich zusammengestellt.

    Ach, und dann ist mir noch was eingefallen: Wiederum sehr umfangreich, bei dtv erschienen:

    Hillebrand, Bruno (Hrsg) Nietzsche und die deutsche Literatur. 1: Texte zur Nietzsche Rezeption 1873-1963. 2: Forschungsergebnisse. 2 Bände. Herausgegeben und eingeleitet von Bruno Hillebrand. bei zvab schauen !

    Zum Inhalt (Text der Hinterseite):

    Texte von: Lou Andreas-Salomé, Bahr, Ball, Begher, Benn, Bleibtreu, Biilsche, Broch, Conrad, Dauthendey, Dehmel, Döblin, Friedläinder, George, Halbe, H. und J. Hart, Hesse, Hiller, Hofmannsthal, Holz, Jünger, Kraus, Landauer, Liliencron, Lublinski, H.und Th. Mann, Morgenstern, Musil, Pannwitz, Rilke, Schlaf, Schnitzler, Sorge, Stadler, Sternheim, Weigand, Wolfskehl, A. Zweig, St. Zweig und anderen.

    Insgesamt 209 Texte !

    Hatte heute mit dem oben verlinkten „Das Elend des neurobiologischen Determinismus“ zu tun und kann nicht mehr so richtig; nur kurz überflogen. Was Döblin aber so schreibt, scheint mir recht vernünftig – und sogar unterhaltsam und polemisch zu lesen zu sein. Es geht wohl auch um den „Geist der Naturwissenschaft“ und Biologie, das „physische Leben. – Und war der nicht ebenfalls, wie Benn, Artzt ?

  38. Bersarin schreibt:

    Danke ziggev für den Literaturhinweis, und auch Dank an Viktor. Das Buch „Tod in Hamburg“ ist zwar vergriffen, aber ich habe es mir antiquarisch bestellt.

    Auch Döblin war Arzt. Und wenn Du, ziggev, einen eigenwilligen Sound der Großstadt und eine mäandernde Sprache schätzt, die auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Weisen spricht, kann ich Dir nur „Berlin Alexanderplatz“ ans Herz legen.

    Das schöne am Bloggen ist, daß sich immer neue Wege auftun. Und in dieser Weise schätze ich das Gespräch sehr. (Gerade auch im Hinblick auf Benn gilt es weiter nachzudenken. Benn, der Antipode Celans?)

  39. rosbladanne schreibt:

    Den ganzen Tag humpelte dieses „der Antipode Celans“ in meinem Kopf herum. Ich habe alle hermeneutische Barmherzigkeit, zu der ich in der Lage bin, drein gegeben. Aber hier ein Verhältnis zu setzen, und sei es noch so entfernt, wollte mir nicht gelingen.

  40. Bersarin schreibt:

    Fast die gesamte Büchnerpreisrede Celans, die den Titel „Der Meridian“ trägt, ist eine Antwort auf Gottfried Benn. Und ganz direkt berührt, umkreist und widerlegt Celan die Begriffe Benns: Landesgrenzen (und damit Landschaft), das Mysterium der Kunst, gegen das Celan die Dichtung setzt.

    Was zudem in Frage steht: Das absolute Gedicht. Auch hier bezieht sich Celan auf Benn.

  41. rosbladAnne schreibt:

    Es gibt in der nämlichen Rede zwei Anspielungen auf Gottfried Benn oder besser, auf eine bestimmte lyrische Verfahrensweise, wie sie bei Benn (oder auch bei Mallarme) anzutreffen sind.

  42. rosbladAnne schreibt:

    Also dann eher nicht. Im Zweifelsfalle für die Verteidigung.

  43. summacumlaudeblog schreibt:

    In einem Interview mit Thila Koch sagte Benn: „…damit hängt auch zusammen, daß ein Lyriker ganz für sich lebt, in sich drin, in den Worten…Ein Gedicht bekommt ja immer etwas Sphinxhaftes, das sich schwer deuten lässt, und es entsteht eigentlich immer nur ganz allein.“

    Und Celan im „Meridian“: „Das Gedicht ist einsam. Es ist einsam und unterwegs“ das scheint Benns poetischen Grundannahmen zu untermauern, aber dann schreibt Celan: „Das Gedicht will zu einem Anderen, es braucht dieses Andere, es braucht ein Gegenüber.“

    Von diesem Gegenüber ist bei Benn keine Rede, respektive die Gedichte sind manchmal „so dunkel“, dass man „nichts darüber erfährt“, „selbst wenn man selber Lyriker ist.“

    Der Versuch des Anderen, der utopische Versuch, den ich hier bei Celan lese, findet also bei Benn nicht statt.

    Ist das ausreichend für den Begriff Antipode?

  44. Bersarin schreibt:

    Auch wenn der ungemein kompetente Durs Grünbein es anders sieht, würde ich weiterhin vom Antipoden sprechen. Zumindest aber handelt es sich um eine Absetzbewegung und um ein Gegenkonzept von Dichtung, das Celan aufstellt und auch praktiziert, wie auch summacumlaude es darstellte.

    Das Dialogische der Dichtung Celans sei ebenfalls genannt. Gadamer hat einen kompletten Kommentar zu Celans „Atemkristall“ mit dem Titel versehen: „Wer bin ich und wer bist Du?“ Ob sich dieses lyrische Sprechen kommunikationstheoretisch wenden läßt, ist wohl eine komplizierte Frage. Ich würde sie zunächst eher verneinen. Aber in jedem Falle ist es eine – schwarz verhüllte – Utopie und ein Gegenüber, auf das das Gedicht zusteuert. Und ein anderes Sprechen, bis hin zur Musik. Was man in „Singbarer Rest“ oder bei „Celloeinsatz“ sehen kann. Wobei beide Titel eben auch doppeldeutig sind. Das Aufspielen der Musik ist zugleich das der Musik im Lager, wenn die Häftlinge als Begleitmusik zum Tode aufspielen.

  45. ziggev schreibt:

    @ bersarin, eins später Kommentar zum Tipp Berlin Alexanderplatz zu lesen.

    Doch, ich kenne Berlin Alexanderplatz – als Hörspiel. Lief mal auf NDR3 und ich habe nur wenige Folgen verpasst. Vage hatte ich noch ein zwei Bilder aus Fassbinders Verfilmung im Kopf, aber da ich damals, als Kind, eh nichts verstand (und bei Fassbinder ist die Tonqualität ohnehin immer unfassbar schlecht; Gott weiß, warum Hanna Schygulla immer so leise spricht. Tscha, so war das damals eben: alle waren über alle Maßen von sich selbst ergriffen), verschwanden sie beim Zuhöhren, und diese in ihren Lauten nur allzu greifbaren Sprache im Ohr, mit der Zeit. Dieses Lauschen habe ich damals wirklich sehr, sehr genossen. Außerdem war das ja auch meine Arno Schmidt-Zeit gewesen.

  46. Bersarin schreibt:

    Das Lauschen ist wichtig. Mehr als wichtig. Im „Meridian“ heißt es:

    „Und doch: Gibt es nicht gerade in ‚Leonce und Lena‘ diese den Worten unsichtbar zugelächelten Anführungszeichen, die vielleicht nicht als Gänsefüßchen, die viemehr als Hasenöhrchen, das heißt also als etwas nicht ganz furchtlos über sich und die Worte Hinauslauschendes verstanden sein wollen?“

    Immer wieder bemerke ich, aufs neue, und bei jedem Lesen, wie wichtig diese Büchnerpreisrede von Celan unter dem Titel „Der Meridian“ ist. Zeit, darüber einen Blogbeitrag zu machen. Zum unendlichen Datum.

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