Daily Diary (96) – 12:44:17, 12:44:45, 12:44:54

Diese drei Bilder liegen auf folgender Datums- und Zeitachse: 17. Februar 2013 (Berlin, Neukölln), 12:44:17, 12:44:45 und 12:44:54 Uhr. Einzusehen in den Metadaten, die in eine digitale Aufnahme eingeschrieben werden. Und insofern gebe ich diesen drei Bildern genau diese drei Titel. Es ist der Auftakt zu einer Neukölln-Serie, die demnächst hier im Blog folgt. In der Photographie bilden Zeit und Datum manchmal eine eigenwillige, eine spezielle Anordnung, die auf den Punkt paßt. Solche Anordnungen sind dem Zufall geschuldet, genauso wenn sich zwei Menschen treffen, die sich berühren. Dennoch entsteht ein zunächst lesbares Bild. In der Stimme überbetont, könnte ich schreiben: Das Wesen der Photographie ist immer die Zeit und das Es-ist-vorbei. Dieses eine Mal, dieses Datum. Während ich Drogen zu mir nehme, gehen die Zeiten und die Daten vorbei. Kloster Schulpforta im November. Virusinfektion. Die Weinflaschen. Jeder Punkt und jedes Zeichen. „Platons Pharmazie“. Stimmlich vernommen. In die Schrift gebracht. Jedes Bild, jeder Laut erzeugt einen Text. Supersonic.

 
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Unterbrechung des Standbildes durch das Bewegungsbild einer Tonspur zum Sonntag.
 

 

Und dazu eine ganze Schleife von Musikstücken, in die Nacht hinein gehört, von Holes „Nobody‘s Daughter“ über „Georgia on my Mind“ bis Placebos „Every you every me“. Es bleiben die Reste eines Datums.

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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2 Antworten zu Daily Diary (96) – 12:44:17, 12:44:45, 12:44:54

  1. Iris schreibt:

    „Jedes Bild, jeder Laut erzeugt einen Text.“
    Schreibt sich ein ins Gewebe namens Zeit?, Geschichte?, …?, prägt Struktur und Textur dieses Gewebes. Und bleibt/ bliebe auch ohne Ablichtungs- oder Aufzeichnungsbeweis. (Aber das frage ich mich eher, als dass ich’s sicher behaupten würde.)
    Jedenfalls klasse diese zufällige Bilderfolge.

  2. Bersarin schreibt:

    Ja, es sind dies Fragen und auch die von mir geschriebenen Passagen beinhalten Fragen bzw. es sind Suchbewegungen für eine Theorie, aber auch: für eine Praxis des Textes. Inwiefern sich Sprechen, Denken, Fühlen, Wahrnehmen in eine Schrift verdichten können. Wie kann ich das Idiom schreiben? Dieses eine Mal, dieses Datum, dieses einzige Mal des Momentes? Proust hat dies verschiedentlich in seiner „Recherche“ vorgeführt, inwiefern sich das Denken (als literarischer Text) auf die Vorgänge des Wahrnehmens und Erlebens richten können.

    Über diese Zufallsfolge und diese eigenwillige Korrespondenz bin auch ich erstaunt und halte das für einen der gelungenen Zufälle. Weshalb gerade diese Bilder, die mir ins Auge stachen und nichts anderes?

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