Post Privacy, mediale Darbietungen oder wie man in der Wahrheit verschweigt – anhand eines Zitats von Wolfgang Pohrt illustriert

Sozusagen als kleines Zwischenspiel, eingeschoben in den Raum zwischen Heidegger, NSA, Internet und Kommunikation, möchte ich ein Zitat von Wolfgang Pohrt bringen, bevor ich dann morgen in einem weiteren Text an die Heidegger-Debatte anknüpfe. Diese Textstelle aus dem Buch „Ausverkauf“ kann, freilich mit den nötigen Abwandlungen versehen, für viele Themen gelten, die uns im Reigen der Medien um die Ohren gespielt werden. Die Aufmerksamkeitsökonomie treibt die Themen wie sie kommen und fallen über den Äther, durch die Glasfaserkabel und aufs Papier. Für den Hinweis auf das Buch „Ausverkauf“ danke ich dem Nörgler, der hier im Blog auf dieses Buch vor einiger Zeit  im Hinblick auf die Diskussion um den deutschen Faschismus hingewiesen hat. Ich werde auf diesen vom Nörgler genannten Text hier demnächst eingehen.

Insbesondere für das, was sich Post Privacy und Aufmerksamkeitsökonomie nennt, bilden diese Passagen von Pohrt einen angemessenen Reflexionsrahmen – ach, verliefen doch mehr dieser Debatten über solche Texte und nicht auf der Ebene privater Nudelkochshows oder manifestierten sich als Befindlichkeitskundgebung, wo Hartz IV als Kreuzberger Spaßfaktor für grüne Ulknudeln herhalten muß.

„Ein Geheimnis zu hüten, indem man es in seinem Herzen oder im Tresor verschließt, ist heute eine veraltete Methode, denn weder Herzen noch Tresore halten modernen Nachforschungstechniken stand. Viel sicherer ist es, die Dinge, über die niemand nachdenken oder reden soll, zu publizieren. Was einmal vom kulturindustriellen Medienverband gedruckt oder gesendet worden ist, wird von niemandem mehr ernst genommen und von allen sofort vergessen. Kein Weg, seine Absichten geheimzuhalten, ist sicherer als der, sie in programmatischen Propagandaschriften millionenfach zu verbreiten. Als Hitler unermüdlich versprach, die Juden umzubringen, hat niemand das geglaubt. Was herauszufinden keine Mühe gekostet hat, wird auch nichts wert sein, denken die Leute und haben meistens recht. Es muß nur fett genug gedruckt in der Zeitung stehen, daß mit einem Schlag die Welt in die Luft gesprengt werden kann, und alle werden diese Tatsachenmeldung für die gewohnte Sensationsmache oder Propagandalüge halten.“
Wolfgang Pohrt, Ausverkauf. Von der Endlösung zu ihrer Alternative, S. 12, Rotbuch Verlag, Berlin 1980)

Instruktiv und pointiert steht über dieser Passage ein Zitat von Walter Benjamin, das aus seinen Aufzeichnungen im Umkreis der geschichtsphilosophischen Thesen sowie seiner Paris- und Baudelaire-Arbeit stammt, und zwar trägt diese Sammlung von Fragmenten den schönen Titel „Zentralpark“:

„Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit – und das ist immer die gleiche: der Tod.“ (W. Benjamin, Zentralpark)

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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20 Antworten zu Post Privacy, mediale Darbietungen oder wie man in der Wahrheit verschweigt – anhand eines Zitats von Wolfgang Pohrt illustriert

  1. Partyschreck schreibt:

    Lieber Bersarin,

    es ist ein interessante und überzeugende Beobachtung, dass in unseren Medien Themen durch eine gewollte Überpräsenz quasi bewußt verwässert und totgeritten werden – zugleich ist es interessant zu beobachten, dass parellel andere Themen von den Springer Medien nach wie vor offenbar ganz bewußt totgeschweigen werden.
    Am letzten Donnerstag hat es bei Markus Lanz ein skandalöses Interview zwischen diesem und Sahra Wagenknecht gegeben, welches bereits zu einer, wie ich finde, sehr plausibel begründeten Online-Petition für die Absetzung von Herrn Lanz geführt hat:

    https://www.openpetition.de/petition/online/raus-mit-markus-lanz-aus-meiner-rundfunkgebuehr

    Auch wenn hierzulande auf der einen Seite offenbar gezielt mit inflationärer Überinformation gearbeitet wird, sollte man als Web-Gemeinde dort die „Schwarm-Verbreitungsmethoden“ nutzen, wo offenbar gezielt Skandale wie dieses Interview unter den Tisch fallengelassen werden!
    Schauen Sie selbst:

  2. Bersarin schreibt:

    Es sind nicht nur die Springer-Medien, sondern fast die gesamte Presse. Wer sich kritisch informieren will, muß sehr viele Zeitungen lesen, um den Überblick zu bekommen und die Positionen zu sichten.

    Richtig ist, daß all diese Talk-Shows, derer es am Tag gefühlt mindestens alle zwei Stunden eine gibt, nichts als Nebel verbreiten und Bestandteil der Bewußtseinsindustrie sind. Der sogenannte Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Medien ist ausgesprochen selektiv. Wenn in einer Talk-Show drei Personen sitzen, die unterschiedlichen Parteien oder Positionen entstammen, aber alle drei Personen bei der INSM in irgend einer Weise unter Vertrag sind oder dort wirken, dann hat ein Sender die Pflicht darauf hinzuweisen, daß es sich um drei Personen handelt, die im gleichen Verein verstrickt sind.

    Solche Sendungen wie die oben genannte schaue ich mir prinzipiell nicht an, weil sie, was die Wissensbildung betrifft, Zeitverschwendung sind. Moderne Arena, moderne Gladiatorenkämpfe. Schlimm ist bereits, daß es so etwas in dieser Form überhaupt gibt.

    Wer mit Markus Lanz über Politik debattiert, könnte genausogut mit der Micky Mouse oder mit Ahörnchen und Behörnchen über Politik sprechen. Daß eine Sender allerdings solche Arschpratzen wie Lanz auf diesen Stuhl setzt, ist bezeichnend für das Politikverständnis des ZDF.

  3. Bersarin schreibt:

    Weshalb aber hat das ZDF eigentlich in dieser Show Andreas Baader eingeladen? Krieg gegen das System?

  4. neumondschein schreibt:

    http://www.openpetition.de gehört demnächst zu meiner Tageslektüre. Dort erfährt man ja mehr als aus der Tageszeitung! Vielleicht gelingt es ja doch noch, die internet-typischen Filterblasen anzustechen und aus ihnen herauszutreten! Was die Menschen in Deutschland alles umtreibt! Die Moscheehasser gibt es noch immer! Außerdem zanken sich Hundehasser und ihre Gegner. Und wozu brauchen nordrhein-westfälische Gymnasiallehrer heute noch Latein? Na, um nordrhein-westfälischer Gymnasiallehrer zu werden! Leider beschäftigen sich Foucaultisten nie mit der gesellschaftlichen Praxis. Sie reden immerzu nur von Gesellschaft.

  5. Bersarin schreibt:

    Wie es denn so ist in der Theorie: sie handelt von etwas, sie geht über dies oder über das, ohne dabei selber die Sache zu sein oder sich in die Praxis zu bewegen. Eine Theorie über die Schwerkraft ist selber nicht schwerkraftförmig, eine über den Mond wird deshalb nicht selber zum Mond. In der Ästhetik ist das etwas anders: ästhetische Theorie begibt sich nich tnur in ihren Gegenstand hinein (das tun auch andere Theorien), sondern sie verwandeln sich dabei und werden im besten Falle selber ästhetisch. Siehe dazu die Jenaer Romantik und der Begriff der Symphilosophie. Gesellschaftstheorie macht das nicht. Ansonsten würde ich morgen eine soziologische Theorie über blonde Sexarbeiterinnen anfangen.

  6. Partyschreck schreibt:

    Ist doch schön zu lesen, dass die Berliner Zeitung ganz im Gegensatz zu Ihnen „neumondschein“ die Petition gegen Markus Lanz politische Meinungsmache innerhalb der Öffentlich Rechtlichen ganz offensichtlich keineswegs so arrogant und selbstgefällig abtut wie Sie das hier getan haben!

    http://www.berliner-zeitung.de/medien/wagenknecht-bei-lanz-online-petition-gegen-lanz,10809188,25940676.html

  7. neumondschein schreibt:

    Lieber Partycheck! Ich denke, wir haben uns mißverstanden: Ich verstehe die Verärgerung der Fernsehzuschauer und GEZ-Betrogenen durchaus. Ich selbst habe bereits vor 20 Jahren mein Fernsehen abgestellt. Ich sah damals schon kommen, was das Fernsehen mir zumuten würde, und jetzt muß ich trotzdem doch noch GEZ-Kopfsteuer abdrücken, für ein Programm, das ich gar nicht sehen will, und das den Ansprüchen nicht genügt, mit denen die Fernseh- und Rundfunkanstalten die GEZ-Kopfsteuer rechtfertigen, und die der Bürger auch nicht einklagen kann. Ich meinte nur, daß sich mit http://www.openpetition.de vielleicht eine Erwartung an das Internet erfüllt, nämlich die, daß es vollkommen unkommentiert empirisches Material bereitstellt, das ich im real life wohl nie zu Gesicht bekommen hätte.

  8. ziggev schreibt:

    Hierzu möchte ich nocheinmal auf das kurzweilig zu lesende Buch von Maria Bettinti hinweisen. Eine Geschichte der Lüge. Von Odysseus bis Pinocchio Wagenbach,2. Auflage im Juni 2003.

    In dem Kapitel „Lügen, die Geschichte gemacht, und Wahrheiten,die getrogen haben“, dort im Unterkatpitel „Die Macht der Wahrheit“ zitiert sie aus „Mein Kampf „.

    Aber zunächst ein kleiner Exkurs: eine recht lustige Koinzidenz: gerade an dem Tag, an dem dieses Blog veröffentlicht wurde, wurde eine Star-Treck Folge mit dem Titel „Die Voyager-Konspiration“ (Erstausstrahlung in den USA: 1999) ausgestrahlt, in der Seven Of Nine (ein Cyborg) eine Möglichkeit findet, sich die gesamten Daten der Voyager ins Gehirn „runterzuladen“. Unfähig, diesen Datenwust zuverarbeiten, entwickelt sie immer komplizierte Verschwörungstheorien. Am Ende gibt es praktisch keinen mehr, den sie nicht verdächtigt – die Parallele zu der Inflation von Verschwörungstheorien im Netz fand ich eigentlich ganz amysant mir dazuzudenken.

    In der Sendung „Forschung aktuell“ im dlf dann wieder zwei Beiträge. Einer vom Vergessen in soz. Netzwerken, bisher für Smartphones: durch ein App, „Snapchat“, wird bei übermittelten Daten zugleich mitübertragen, wie lange sie auf dem Gerät des Empfängers gespeichert bleiben können. Vergessen ist bei Jugendlichen gerade der große Renner. Schwerpunkt der Sendung ist allerdings, ich kopiere es einfach mal rein: „For your eyes only – Assoziativcomputer sollen NSA-Spione wirksam draußen halten – Synapsen auf der Festplatte – Das Gehirn dient als Bauanleitung für den Hochsicherheitscomputer.“ Angeblich auch ver der NSA nicht knackbar. Theoretisch bereits ausformuliert – jetzt bauen sie aber in Deutschland an diesen Assoziationscomputern.

    Die Sendung war heute morgen noch nicht nachhörbar. (Dazu über ‚Sendungen von A bis Z‘ gehen.)

    Also, wir haben bereits die beiden Gegentendenzen: Das gezielte Vergessen – und die, wie es nun heißt, bald mögliche, sichere NSA-Datenspeicherung. Interessant, dass diese (letzteren) Methoden sich an der Struktur des Gehirns orientieren, und auch, dass Seven of Nine, mit ihrem Halb-Computergehirn, VT-krank wird, und wir Vernetzten, mit unerern Halb-Computergehirnen gerade das offensichtliche nicht mehr wahrnehmen können.

    Ende des Exkurses. Maria Bettinti also zitiert aus „Mein Kampf“ und kommt zu demselben Ergebnis wie Pohrt. Hitler hat alles angekündigt. Sie bietet jedoch eine weniger medientheoretische Antwort. Denn eigentlich ist es ja absurd, dass immer gerade die Wahrheit nicht wahrgenommen wird.

    „Kein ausländischer Beobachter? Keine machtvolle Opposition? Keine Unterstutzung der Opposition durch liberale, Kommunistische oder jedenfalls nicht-nationalsozialistische Staaten? Der vielleicht tragischste Betrug des vergangenen ]ahrhunderts wurde unter Zuhilfenahme der Wahrheit und ihrer Macht begangen. Eben diese Macht der Wahrheit, die auch Mussolini dazu brachte, sich im Parlament des Mordes an Matteotti für schuldig zu erklären und in einem Vorwort (er nannte es »Präludium«!) zum Fürsten von Machiavelli zu schreiben, daß »es Regime, die den Konsens suchen, nie gegeben hat, nicht gibt und Wahrscheinlich nie geben wird«. Nur die Waffen verteidigen die Verfassung, den Staat und das Volk (»Präludiurn« zu Der
    Fürst
    von Niccolo Machiavelli, 1940).

    Auch die Lügen anderer Volksführer, von Robespierre bis Stalin, wiegen natürlich schwer. Hannah Arendt sieht die Wurzel der Lüge in der Illusion, eine Welt schaffen oder aufbauen zu können, die sich von der realen unterscheidet. Diese Illusion treibe die Länder in den Krieg, sie wollen den Stand der Dinge andern, so als Ware etwas »Anderes« als die aktuelle Situation möglich: ein Akt der Gewalt und der Luge zugleich, denn die Gnade der Naivität könne dieser Illusion nicht gewahrt werden. Das ist wahr, doch dürfen Wir die Ermahnung von Alexandre Koyré nicht vergessen, der 1943 auf die »Lüge zweiten Grades« hinwies, also auf dieselbe Lüge, der wir zum Teil bereits bei Luther und danach in verstörender Klarheit bei Hitler begegnet sind: »Es stimmt,« schreibt der Wissenschafshistoriker, »dass Hitler, wie alle, die totälitären Regimen vorstanden, sein Aktionsprogramm öffentlich angekündigt hat. Er hat dies deshalb gemacht, weil er genau wußte, daß ihm die ›anderen‹ nicht glauben würden, daß seine Erklärungen von den Nicht-Eingeweihten nicht ernstgenommen würden; gerade dadurch, dass er ihnen die Wahrheit sagte, war er sich sicher, seine Gegner zu betrügen und in die Irre zu führen«. Es handle sich »um eine alte Machiavellistische Technik, eine Lüge zweiten Grades, die perverseste aller Techniken, denn sie verwandelt die Wahrheit
    in simples Betrugsinstrument.“

  9. ziggev schreibt:

    sorry, nicht alle OCR-Fehler ausgemerzt, aber ich glaube, der Punkt wird klar.

  10. Partyschreck schreibt:

    Lieber Neumondschein,

    bitte entschuldigen Sie das Missverständniss. (Freut mich aber, das dem so ist:))

    Diese Lanz-Affäre hat sich mittlerweile übrigens fast schon zu einem beeindruckenden Lehrstück darüber entwickelt, inwiefern die neue „Schwarm-Kommunikation“ durchaus ein großes Potential besitzt. In diesem Falle haben interessanter Weise nämlich nicht die Springermedien und der Spiegel diese Affäre ans Tageslicht gebracht, sondern das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Mittlerweile scheint der Spiegel offenbar fast die letzte Bastion zu sein, die sich beharrlich weigert, über den schlechten Umgang mit einer linken Politikerin im öffentlich rechtlichen Rundfunk zu berichten – Obwohl inzwischen offenbar pro Sekunde gefühlte 3 Menschen diese Petition unterschreiben… Äußerst aufschlussreich, wie ich finde!

    Kaffesatz lesend vermute ich übrigens, dass Herr Lanz heute Abend (anlässlich seiner ersten Sendung nach dem Debakel mit Frau Wagenknecht) die Strategie fahren wird, der berechtigten Kritik den Stempel „mobhafter Shitstorm“ aufzudrücken. Ich gehe davon aus, dass er sich zum Opfer hochstilisieren wird, und einige unflätige Pöbelleien (die natürlich nie ausbleiben) zitieren wird… Aber man darf gespannt sein:)

  11. Partyschreck schreibt:

    Ich muss einfach nochmal einen aktuellen Stand zum Thema „Links von der Mitte in den Medien“ geben, weil ich´s echt spannend finde…
    Also, Markus Lanz hat entgegen meiner Prognose nicht die Strategie des sich zum Opfer Hochstilisierens gewählt, sondern setzt offenbar dem schweren Vorwurf, dass er „große Probleme damit hat, dem politischen Spektrum links von der Mitte mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen“ Totschweigen und Aussitzen entgegen!

    Die Opferstilisierungsstrategie lese ich stattdessen aus diesem, heute im Südkurier erschienen Artikel, heraus:

    http://www.suedkurier.de/nachrichten/panorama/weltspiegel-themensk/Online-Petition-fordert-Absetzung-Fuer-Markus-Lanz-wird-das-Leben-nicht-leichter;art1003205,6629489

    Hier wird für meine Interpretation das Bild einer „aus eigener Kraft vom Tellerwäscher zum Millionär Ausnahme-Persönlichkeit“ zelebriert, dem die üblen Shitstormer immer wieder fiese mitspielen, woraufhin der gebeutelte Self-Made-Mega-Lanz mit „gedanklicher Klospülung“ reagiert…

    Der schwere Vorwurf, der fehlenden politischen Neutralität im Öffentlich Rechtlichen (so zumindest lese ich das Anliegen der Lanz-Petition) wird hier offenbar mit einer anderen Petition neutralisiert, in welcher „ein Realschullehrer aus Baden-Württemberg, das Thema Homosexualität im Bildungsplan verhindern will“…!
    Und die erstaunlichen 50 000 Unterschriften, die bei der Petition gegen Lanz Stil innerhalb von [b]nicht einmal einer Woche[/b] zusammenkommen sind, werden mit den 150 000 Unterschriften, die bei der anderen Petition [b]seit Ende November letzten Jahres[/b] zusammengekommen sind, offenbar als quasi nicht annähernd so erfolgreich abgewertet…

    Immer wieder interessant zu sehen, wie Medien hierzulande inzwischen funktionieren!

  12. Partyschreck schreibt:

    …Sorry, hatte die falschen Klammern gewählt;)

    Ich muss einfach nochmal einen aktuellen Stand zum Thema “Links von der Mitte in den Medien” geben, weil ich´s echt spannend finde…
    Also, Markus Lanz hat entgegen meiner Prognose nicht die Strategie des sich zum Opfer Hochstilisierens gewählt, sondern setzt offenbar dem schweren Vorwurf, dass er “große Probleme damit hat, dem politischen Spektrum links von der Mitte mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen” Totschweigen und Aussitzen entgegen!

    Die Opferstilisierungsstrategie lese ich stattdessen aus diesem, heute im Südkurier erschienen Artikel, heraus:

    http://www.suedkurier.de/nachrichten/panorama/weltspiegel-themensk/Online-Petition-fordert-Absetzung-Fuer-Markus-Lanz-wird-das-Leben-nicht-leichter;art1003205,6629489

    Hier wird für meine Interpretation das Bild einer “aus eigener Kraft vom Tellerwäscher zum Millionär Ausnahme-Persönlichkeit” zelebriert, dem die üblen Shitstormer immer wieder fiese mitspielen, woraufhin der gebeutelte Self-Made-Mega-Lanz mit “gedanklicher Klospülung” reagiert…

    Der schwere Vorwurf, der fehlenden politischen Neutralität im Öffentlich Rechtlichen (so zumindest lese ich das Anliegen der Lanz-Petition) wird hier offenbar mit einer anderen Petition neutralisiert, in welcher “ein Realschullehrer aus Baden-Württemberg, das Thema Homosexualität im Bildungsplan verhindern will”…!
    Und die erstaunlichen 50 000 Unterschriften, die bei der Petition gegen Lanz Stil innerhalb von nicht einmal einer Woche zusammenkommen sind, werden mit den 150 000 Unterschriften, die bei der anderen Petition seit Ende November letzten Jahres zusammengekommen sind, offenbar als quasi nicht annähernd so erfolgreich abgewertet…

    Immer wieder interessant zu sehen, wie Medien hierzulande inzwischen funktionieren!

  13. Partyschreck schreibt:

    …soeben hat sich auch die Süddeutsche nach Gala, Bild und Hamburger Abendblatt, Augsburger Allgemeinen… zu Wort gemeldet:

    http://www.sueddeutsche.de/medien/aerger-um-zdf-sendung-linke-gegen-lanz-1.1868787

    Hier zitiert man den Deutschen Journalistenverband, der auf die Petitions-Empfehlung von 2 von 52.446 Befürwortern der Lanz-Petition, den zwei Linken-Mitgliedern, mit den Worten:
    „Sie müssen sich fragen lassen, ob es ihnen vor allem darum geht, in Zukunft kritische Fragen von Journalisten zu verhindern.“ fast schon einen Angriff auf die Pressefreiheit!

    Da frage ich mich allerdings, ob Herr Lanz überhaupt als Journalist bezeichnet werden kann und wieviel Ignoranz zusammenkommen muss, wenn man die Kritik, dass im Deutschen Fernsehen offenbar die freie Meinungsäußerung von Positionen Links der Mitte brutal unterbrochen wird, offenbar zuerst ignoriert, und dann dadurch konterkariert, dass man eine winzige Minderheit der zigtausend Kritiker durch deren Empfehlung als Linke-Mitgliedern zur Petition „zu Angreifern gegen die Pressefreiheit“ hochstilisiert!

    Es wird immer abenteuerlicher!

  14. Bersarin schreibt:

    Tja, ich habe nichts anderes erwartet. Das, was sich die sogenannte bürgerliche Presse nennt, schreibt thematisch in eine Richtung. Es gibt Themen, die werden zelebriert, andere nicht sehr: so z.B. die im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge, das Freihandelsabkommen mit den USA kommen so gut wie gar nicht vor, die plötzliche Einrichtung von Gefahrengebieten, wo ohne jeden Anlaß mißliebig aussehende Menschen kontrolliert werden, bleibt ebenfalls am Rande.

    Nun muß man allerdings beim ZDF sagen, daß es sich nicht um einen Berichterstattungssender im Sinne eines guten Journalismus handelt, sondern um geführenfinanziertes rtl oder sat1. Wer einmal das heute-Journal gesehen hat, weiß, was ich meine.

    Journalisten müssen in Interviews hart nachfassen. Das tun sie aber häufig nur in eine Richtung hin. Zudem sitzen viele dieser Journalisten mit den Mitgliedern der Mainsteam-Parteien wie Grüne, FDP, CDU und SPD des Mittags und des Abends an einem Restaurant- oder Bartisch. Da fragt man dann lieber sanft nach, wenn man weiterhin Zugang zum Machtpool möchte.

  15. Partyschreck schreibt:

    @ Bersarin

    Ja, es ist wirklich erschreckend, wie so wichtige Themen wie das Freihandelsabkommen, welches offenbar komplett im Verborgenen und an jeglicher demokratischen Einflussnahme vorbei verhandelt wird, der Öffentlichkeit im Öffentlich Rechtlichen nahezu komplett vorenthalten wird!

    Statt dessen hält man sich einen Kettenhund Lanz, der ganz Bush-patriot-Prinzip-mäßig die Gäste, die berechtigte und zielführende Kritik hinsichtlich der EU äußern, nach dem Motto: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ verbal anfällt und wenn dies auffliegt sucht man sich einfach ein paar der vielen, eifrigen journalistischen Jungmietmäuler innerhalb der hiesigen Presselandschaft, die gar nicht schnell genug „war ja nur Unterhaltung“ schreien können.

    Eine beunruhigende Entwicklung!

  16. ziggev schreibt:

    übrigens: dieser derweil – offenbar ein Lieblingswort der dlf-Redakture, ich bevorzuge ‚unterdessen‘ – zum Kotzprotz sich entwickelt habenden „Stern“-Kolumnist hat noch vor ein paar Jahren, zu Zeiten der schwarz-gelen Koalition, genau dasselbe gesagt, wie jetzt Wagenbach: Die Probleme sind seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten bekannt. Von der Regierung passiert: Nix !

    Nicht nur, dass dieses Wendehalstum zutiefst verachtenswert ist, er wird sich sicherlich, das wäre die einzige Erklärung, dafür bezahlt haben lassen. *ekel, abscheu, fernseh-ausschalt*

  17. neumondschein schreibt:

    Lanz soll bleiben, aber sein Sender soll abgestellt werden. Bitte! Das nenne ich konsequent! Jetzt kann niemand mehr unterstellen, es handle sich hierbei um eine Mobbingkampagne, weil alle Personen aus der Zielrichtung entfernt wurden.

  18. Bersarin schreibt:

    Ich würde gerne unterschreiben, allein: ich schaue so gut wie gar nicht TV. Allenfalls Kulturzeit auf 3sat oder einen Film. Ich habe für Fernsehen, Twitter, Facecbook ganz einfach keine Zeit. Wer liest und sich mit Philosophie, Literatur, bildender Kunst beschäftigt hat keine Zeit zum Twittern. Und wer twittert und fernsieht, hat keine Zeit für Texte.

  19. neumondschein schreibt:

    Ich selbst schaue auch nicht fern, aber jedem, der sich ein wenig für Politik interessiert, sollte es nicht gleichgültig sein, was im ZDF läuft.

  20. Bersarin schreibt:

    Ich bin unendlich froh, daß ich mich nicht für Politik interessiere, sondern lediglich an der Affirmation des Bestehenden mich nicht beteilige.

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