Heidegger-Debatte

Freundlicherweise hat die „Berliner Zeitung“ in einem Artikel von Dirk Pilz auf meinen Blog verlinkt. Und zwar geht es in diesem Beitrag in einer umsichtigen und die Themenfelder differenzierenden Betrachtung um Heideggers Antisemitismus sowie um das Verhältnis von Vita und Text. Diese Debatte wird hier im Blog auf alle Fälle weiter verfolgt werden, und sobald die „Schwarzen Hefte“ in den entsprechenden Bänden der Gesamtausgabe im Klostermann Verlag erschienen und damit der Öffentlichkeit zugänglich sind, werde ich darüber weiter schreiben. 

Nebenbei bemerkt: Sehr gut gefiel mir diese Formulierung von Dirk Pilz: „auf eher boulevardesken Plattformen wie Spiegel online“: So ist es!

Da der Betreiber dieses Blogs nicht nur um Theorie, sondern auch um den Service bemüht ist, sei auf die beiden Artikel zu Heidegger noch einmal verlinkt, damit Leserin und Leser die entsprechenden Texte schneller finden. Und zwar auf diesen Beitrag, wo ich einen Überblick über diese Debatte gebe und wo sich im Kommentarteil eine sehr interessante Diskussion findet, und dann hier, wo ich auf den polemischen Beitrag von Georg Diez auf der eher boulevardesken Plattformen wie Spiegel online Bezug nehme. Leider geht in diesen Kommentaren  einiges aus den Fugen, denn wenn die Produktionsweise der Agrarindustrie mit der industriellen, verwaltungsmäßig organisierten Tötung von Millionen Menschen in eins gesetzt wird, fällt es dem Blogbetreiber am Ende  schwer, nicht polemisch zu werden. Da müssen dann doch Roß und Reiter mal genannt werden.

Insbesondere möchte ich mich aber bei dem klugen und kenntnisreichen Kommentator Victor bedanken, der in dieser Diskussion ganz entscheidende Hinweise und vor allem auch Literaturangaben lieferte. Solche Kompetenz ist auf diesem Blog immer willkommen.

Demnächst folgt hier ein kurzer Text zum Geschichtsbegriff bei Heidegger.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
Dieser Beitrag wurde unter Heidegger abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten zu Heidegger-Debatte

  1. summacumlaudeblog schreibt:

    „Freundlicherweise hat die „Berliner Zeitung“ in einem Artikel von Dirk Pilz auf meinen Blog verlinkt.“ und auch darüber freue ich mich…
    Einen Gedanken kann ich mir nicht verkneifen: Immer wieder wurde der abwägend diskutierende, kritische „Qualitäts“journalist als Antipode zur Stammtischposaune mit Namen Blogger dargestellt – v.a. von „Qualitäts“journalisten selbst.
    Dass das nicht stimmt – und wohl nie gestimmt hat – , beweist Dein schöner Eintrag über Heidegger sowie die nachfolgende Diskussion, die insbesondere durch Victor Deinen Eintrag qualitativ fast noch übertraf. Wohingegen die Stammtischposaunen auf dem Spiegel-online-Forum ihren Blech absondern…

    Sehr gut übrigens Deine Methode, „freumich“ sich mit einigen Kommentaren um Kopf und Kragen reden zu lassen. Ihm ist offenkundig entgangen, wie er von einem Näpfchen ins nächste schlidderte und seine klebrigen Kommentare dann gar nicht mehr los wurde. Das Dokumentieren solcher Haltungen ist in der Tat immens wichtig.

  2. Bersarin schreibt:

    Was den Gegensatz zwischen Qualitätsjournalismus und Blogs betrifft, würde auch ich – da spreche ich sicherlich pro domo – diesen nicht künstlich betonen wollen, und manches, was ich im Feuilleton lese, könnte man besser schreiben, besser gestalten, besser betreiben, ohne daß es sogleich auf dem hohen Niveau einer Fachzeitschrift landet und nur noch für die eingeweihten wäre.

    Andererseits gibt es derart viele Blogs, wo die Seichtigkeit System ist und mit Kunst und mit Texten im Lenorweichspülgang gekuschelt wird oder wo es über Behauptungen und Geschmackskundgebungen zur Kunst oder zur eigenen Gefühlslage nicht hinausreicht. Was Literaturkritik betrifft, muß man da schon sehr genau hinschauen.

    Heidegger ist auf alle Fälle ein schwieriges, vermintes Feld, weil es da zahlreiche Aspekte zu beachten und viele Texte zu lesen und Lebensbezüge zu deuten gilt. Meine Lektüre von „Sein und Zeit“, der Hölderlin-Vorlesungen, des Kunstwerkaufsatzes und anderer Texte ist nun bald 20 Jahre her. Da schreibt es sich dann, anders als bei Adorno, nur noch aus dem Gedächtnis heraus. Oder aber ich schaue in meine Exzerpte und auf die Textmarkierungen in den Büchern. Dennoch lohnt sich die Auseinandersetzung mit Heidegger. Und angestoßen durch die gegenwärtige Debatte, bleibe ich sicherlich am Ball.

    Was freumich betrifft, so zeigte er schön, wie einer ein Thema versucht, in eine ganz andere, ihm gemäße Richtung zu bringen. In der Tat bin ich der Meinung, daß man solche Kommentare durchaus freischalten muß. Angesichts der Zensurmania bei Mädchenmannschaft, den Blogs der Gendertröten, bei Zensursula Seeliger oder in anderen Blogs die mit abweichenden Kommentaren nicht umgehen können,weil ihnen alles was anders als sie selber denkt, suspekt ist, ist eine offene Diskussion um so wichtiger. Andererseits sollte die Diskussion bei ihrem Gegenstand verbleiben, und da ist es dann wiederum erforderlich moderierend einzugreifen. Bücher zu diskutieren, die die Schuld der Amerikaner am faschistischen Deutschland zum Thema haben, um vom eigentlichen Thema „Heidegger und der deutsche Faschismus“ abzulenken, ist nicht zielführend – zumal die Strategie, die dahinter steckt, eindeutig ist. Man muß nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird. Zumal wenn es nicht Thema ist, sondern als Strategie dient, einen Diskurs umzupolen.

  3. viktor schreibt:

    Der Unterschied zwischen etabliert journalistischen und Blog-Angeboten scheint mir inzwischen eher einer des ökonomischen Modells und natürlich der Reichweiten zu sein, weniger einer der Qualität von Beiträgen und Diskussionen.
    Das „Qualitäts-Feuilleton“, ob als Blog oder als Zeitungsplattform, kommt ja aus der Tradition der klassischen Moderne. Von der Weimarer Republik (Tucholsky, Kracauer, Kerr, um nur ein paar Namen zu nennen) über die amerikanische Beat-Generation und den New Journalism bis hin zu postmodernen Publikationen wie Tempo in den achtziger Jahren hat sich eine Art der kulturellen Reflexion entwickelt, die ihre Relevanz weniger mit den behandelten Inhalten begründet – da ist Bach eben nicht ‚an sich‘ interessanter oder hochwertiger als Jazz -, sondern mit der Form der Auseinandersetzung. Solche Entwicklungen zu mehr Pluralismus sind zu begrüßen, bringen aber auch immer die degenerativen Erscheinungen wie Herrn Diez auf SPON mit sich. Diesen Autoren und ihren Anhängern geht es um gar nichts mehr, außer sich selbst und ihre ganz persönliche Borniertheit permanent zu feiern. Damit lassen sich dann zwar Produkte verkaufen, aber sonst nur Belanglosigkeiten aufwärmen und Gruppenidentitäten festigen. Das findet sich auf den etablierten Plattformen jedoch ebenso wie in der Blogszene. Die technischen Möglichkeiten schaffen also heute ein riesiges Angebot, man muss nur danach suchen.
    Was speziell diesen Blog dann interessant macht, ist die Mischung aus dem durch die Betreibereinträge vorgegebenem Diskussionsniveau und der Offenheit der Debatte. Dann reizt es eben, sich mit vertieften Kenntnissen zu beteiligen, ohne die formalen Standards und vor allem die Rücksichtnahmen der reinen Fachdebatte permanent beachten zu müssen. Was der eine an jahrelanger Lese- und Denkerfahrung zu einem Autor oder Problem mitbringt, hat der andere zu einem anderen beizusteuern. Wenn primär neue Lese- und Denkanregungen gesucht werden und nicht die reine Selbstbestätigung, wird das Gespräch interessant.

  4. Bersarin schreibt:

    Das Ökonomische spielt in der Tat eine wesentliche Rolle, wobei ich fast als Advocatus Diaboli, schreiben muß, daß dadurch vielfach eine gewisse Qualitätssicherung und Sichtung von Text geschieht. Ja, diese Art des Feuilleton bzw. des feuilletonistischen Bloggens steht in einer bestimmten Tradition: im Grunde seit Baudelaires Essais zur Kunst, dem Aufkommen der ästhetischen Kritik: mehr als ein Zeitungsbericht – nämlich mit inhaltlicher Analyse und philosophischer Betrachtung angereichert – weniger als eine wissenschaftliche Arbeit: Texte für ein gebildetes und interessiertes Publikum. In der Welt der Blogs fällt es allerdings schwer, den Überblick zu behalten, da es derart viel gibt. Und meist ist es so, daß die, die selber schreiben, bei anderen sich wenig an den Debatten beteiligen.

    Im Grunde wäre die Zeit reif für eine Art von Zeitschrift, in der solche Beiträge, wie es sie auf verschiedenen Blog gibt, in einem Heft und auch Online erscheinen. Am besten Themenhefte. Aber es sei nicht zu viel an Ideen verraten. Machen tun es dann immer andere, nicht ich.

    Interessant ist auch die inhaltliche Ausrichtung, und aus genau diesem Grund nannte ich meinen Blog „Aisthesis“, weil dort von Madeleine und Photographie über Tabakrauch und Texttheorie alles versammelt werden kann, was ästhetisch, aisthetisch und philosophisch oder im Sinne der (Kunst-)Kritik relevant ist. Mein Vorbild in diesen Dingen, insbesondere im Hinblick auf eine (praktizierte) Theorie des dialektischen Bildes, bleibt Walter Benjamin.

    Für Dein Lob meines Blogs danke ich Dir, und kann das Kompliment nur zurückgeben (wenngleich wir sicherlich nicht uns das Lob hin und her schieben wollen). Konstruktive und Beiträge ergänzende, erweiternde oder kritisch begleitende Leserinnen und Leser sind mir hier hochwillkommen. Und im großen und ganzen will mir scheinen ist das Niveau der Diskussionen im Blog in Ordnung. Ausnahmen gibt es immer, und manchmal fliegen auch die Fetzen oder zwei echauffieren sich, wie manchmal Frau Wunder und ich.

    Genau dieses Ergänzende, wenn sich jemand mit einem Thema sehr intensiv beschäftigte und andere daran teilhaben läßt, schätze ich sehr, ohne das es zugeht wie im Oberseminar, weil die Form eben freier ist und auch Unkonventionelles beigesteuert werden kann. Insbesondere die Heidegger-Debatte und Deine Texthinweise haben das gut gezeigt.

  5. summacumlaudeblog schreibt:

    Hallo Ihr, wir sind im wesentlichen d`accord.
    Der Begriff Qualitätsjournalismus ist eine Selbstbeschreibung und zugleich eine Reaktion der alten Medien auf neue Konkurrenz, z.B. das Internet. Da muß man schon einmal fragen dürfen, ob gerade im Bereich des Feuilleton der behauptete Qualitätssprung auch tatsächlich vorhanden ist.
    Im Angesicht Deines Blogs (aber auch Hartmuts kritikundkunst oder – gerade erst so richtig von mir wahrgenommen – shifting reality) ist meine Antwort eindeutig: Nein!
    Es mag allerdings sein, dass das Verhältnis der Arrivierten zum Blogjournalismus mittlerweile entkrampfter ist und ich da noch die Anfangsdissonanzen im Ohr habe.

    Wo die Arrivierten noch im Vorteil sind und auch bleiben werden: Investigation und Nachrichten! Das ergibt sich allein aus den finanziellen Möglichkeiten.

    Ein Themenhaft verschiedener Autoren? Nun, denk an den „Freibeuter“ oder das „Kursbuch“. Beide eingegangen, weil die Debatten sich auf die schnelleren Tageszeitungen verlagerten, wenn ich mich noch richtig an die Begründungen erinnere. Oder: Gibt es das Kursbuch nicht wieder?
    Grüße!

  6. Bersarin schreibt:

    Ich denke auch, daß sich Texte zur ästhetischen Theorie, Kunstkritik und tiefer gehende politische Analyse zu einem großen Teil genauso gut in der Blogwelt finden – neben den Spezial- und Fachzeitschriften oder Heften. Was die Analyse von Gesellschaft und Gesellschaftstheorie betrifft, kenne ich mich wenig aus und komme über die oberflächliche Kenntnis von arranca! oder analyse & kritik nicht hinaus. Angebote gibt es reichlich, problematischer scheint mir die Orientierung im Lese-Dschungel zu sein.

  7. ziggev schreibt:

    was ich an Prinstsachen leider mal abbestellen musste, ist: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. Ziemlich „breit aufgestellt“, wie es so schön heißt. Es ist wirklich mal ganz schön, wenn eins keinen tragbaren Rechner besitzt und etwas gegen Tablett-PCs hat, längere Texte zu lesen, wofür sich Papier einfach besser eignet: mal ne Unterstreichung machen, ein Fragezeichen, oder eine Anmerkung skizzieren – geht leider nicht immer bei Blogs, wenn die Tonerkartusche mal wieder alle ist.

    Und bei meinen langen Gräten (die Beine) habe ich es nicht so mit Sitzfleisch am Computer, immerzu muss das Herz das Blut wieder von unten nach oben pumpen. Es ist eher eine Art Sport und im Stehen kriege ich ebenfalls Kreislaufprobleme; im Gehen zu lesen ginge zwar, aber wir kennen ja die Geschichte mit der Magd. Was sollen denn die Leute denken! Lieber auch mal in der Küche die Beine hochlegen oder sich in der U-Bahn mehr oder weniger gefleezt hinsetzen und sich die Zeit vertreiben. Es soll sogar Schriftsteller gegeben haben, die es bei zugezogenen Vorhängen vorzogen, im Liegen zu schreiben …

    Auch hin und wieder Muße üben! Das Internet ist halt dennoch ein eher schnelles Medium. So gesehen fand ich es doch recht entspannend, dort zu lesen.

    Hier haben wir es mit redigierten Texten zu tun und unter „wissenschaftlicher Beirat“ finden sich solche illustren Namen wie Hilary Putnam (!), Karl Otto Apel, Jürgen Habermaß, Jürgen Mittelstrass, Charles Taylor, Dieter Thomä und Herbert Schnädelbach! – So steht´s dort jedenfalls.

    Besonders interessant finde ich, einen Einblick in das heutige (akademische) philosophische Denken und Sprechen zu bekommen. Oft fast, was die deutsche Philosophie betrifft, im Stil einer Philosophie vorgetragen, die die angelsächsisch/analytische Philosophie/Tradition unterdessen mehr oder weniger verdaut hat.

    Es sind Aufsätze, die auch laut vorgelesen zugänglich sein müssten – also keine Formelkollonen. Ein Wissenschaftler berichtet, mehr oder weniger entspannt, und nie übermäßig gedrängt, von seinen Forschungen. So in etwa. Durchaus mal etwas mehr von der Metaebene aus und insofern für mein Gefühl nicht nur an ein Publikum aus Spezialisten gerichtet, manchmal fast im Plauderton (im Verhältnis zum besprochenen Thema).

    Es finden sich aber auch literarischen Essays, etwa „Walter Benjamin als Gemeinplatz. Auswege aus der Kristallisation der Benjamin-Rezeptionen von Lateinamerika aus“ (wo es u. A. um Übersetzungsfragen geht. – Was die Komposition, die Quellenwahl angeht – und so gesehen -, sprachlich mit ein paar überraschenden Wendungen). Auch mal Heidegger: „Einheit des Selbst nach Heidegger“. Aufsatzsammlungen zu Themen: Philosophie der Artefakte (es geht dann bald um die Ethik des Kopierens von Artefakten). Mal esoterisch anmutende Themen: „Postmoderne Rechtstheorie als kritische Theorie“. (Alles 61. Jahrgang – 2013 – Heft 2.)

    Was mir sympathisch ist: „Wahrnehmen, Fühlen, Verhalten / Denken: Was können Tiere?“ (60. Jahrgang – 2012 – Heft 3.) „Naturwissenschaften und manifestes Weltbild. Über den Naturalismus“. Oder Spezialstudien der Art „Moral und Glück. Hoffnung bei Kant und Adorno“ (beides 60. Jahrgang – 2012 – Heft 1.) Im selben Heft dann wieder Buchbesprechungen zum Thema „Logik in der Philosophischen Lehre“ (insgesamt 8 Lehrwerke) – wo es dann sogar eine Antwort gab und sich fast soetwas wie eine Debatte entwickelte.

    Dann wieder auch, wiederum im 60. Jahrgang – 2012 – Heft 3, „Archiv: Drei Sitzungsprotokolle aus den Frankfurter Seminaren Theodor W. Adornos“.

    Dort ist dann sozusagen im livestream nachzulesen, wie dazumals Philosophie betrieben wurde. Na ja, zugegeben, so leichte Kost nun wieder auch nicht. So jedoch kann eins sich auch mal wieder „in Muße üben“.- Und wieder anders: Ein interessanter und netter Bericht über die Situation der akademischen Philosophie in Irland (oder war es Schottland?).

    Es gibt halt unendlich viele Themen: „Kann die Sprachphilosophie von der Rhetorik lernen?: Über Andreas Hetzel: Die Wirksamkeit der Rede“ (Buchbesprechung), Jahrgang 60. – 2012 – Heft 3 …

    PS.: Bei Perlentaucher.de schaue ich nur noch selten vorbei: Zu selten wirklich Interessantes gefunden. Manchmal was in der NZZ.

  8. Bersarin schreibt:

    Die DZfPh habe ich vor einiger Zeit wieder abbestellt, weil ich ganz einfach zu wenige dieser Texte gelesen habe. Die Namen sind illustre, nur hat das nicht viel zu sagen: die stehen da, um die Zeitschrift zu schmücken, selber tragen die Namensträger aber meist wenig dazu bei, das sind eher die aktuellen Herausgeber und Redakteure, die das Programm machen. Ehemals war die Zeitschrift beim ehrwürdigen Akademie Verlag. Der ist abgewickelt und nun ist sie bei de Gruyter.

    Ich selber lese solche Texte übrigens auch lieber auf dem Papier. Wie die Bücher. Beim e-book fehlt das haptische und die Möglichkeit des Schreibens mit einem Stift. Aber es gibt durchaus Argumente für das e-book. Platzmangel. Nur den habe ich nicht. Noch nicht.

  9. ziggev schreibt:

    jaja, das ökonomische Prinzip … ich weiß mittlerweile nicht mehr so richtig, wo die DZfPh-Bände unterbringen soll. letzlich landeten die meisten sie vergraben unter Notentexten und Verlagsbröschüren des esoterischen Verlags, für den ich mal arbeiten durfte, oder eim Kloregal, wo sich auch eine Jazzharmonielehre befindet – oder zeitweise sogar Nietzsche … und, also ehrlich, was ein e-Book sein soll, ist mir immer noch nicht klargeworden. es es ist eine contradiction in terms.

  10. viktor schreibt:

    Die DZPh ist Pflichtlektüre in der Bibliothek, die taugt nicht für die heimische Lektüre. Was ich dafür empfehlen kann, ist die „Zeitschrift für Ideengeschichte“. Erscheint 1/4-jährlich bei C. H. Beck. Die wird getragen von den deutschen Forschungsbibliotheken Marbach und Wolfenbüttel und bringt Schwerpunkthefte mit einem allgemeinen Teil. Wie der Name schon sagt, hat sie einen historisierenden und keinen systematischen Ansatz. Sie ist auch typographisch gelungen, lässt sich gut lesen. Die Artikel sind nicht überakademisiert, sondern recht quellennah und eher narrativ. Ein zeitlicher Schwerpunkt liegt auch in der klassischen und in der Nachkriegsmoderne. Einziges Manko ist, dass die Beiträge manchmal zu sehr ins archivarisch Geschwätzige abgleiten. Da ist dann die Verliebtheit in die Quellen zu groß. Aber das ist so recht eine Publikation, die man mit den Füßen auf dem Sofa lesen und dabei trotzdem lernen kann.
    ( http://www.z-i-g.de/probeheft.cfm ) Sonst natürlich noch Merkur oder Lettre International.

  11. ziggev schreibt:

    dear viktor,

    ich befleißige mcih einfach weiter des „Dus“. Aber nur die analytisch angeheizten Texte stellen für für mich eine wirkliche Anreizung dar. Nur um den Rest, den ich nicht verstanden habe, zu verstehen, oder mich einem solchen Verstehen zumindest anzunähern, lese ich hier mit. Besser als ZEIT, FAZ onder NZZ.

    Natürlich habe ich mal bei “Zeitschrift für Ideengeschichte” vorbeigeschaut. natürlich lege ich mal gerne die Füße hoch. Natürlich verschaffen mir aber nur sperrige Texte, auch wenn ich rein gar nichts versetehe, den seltenen Genuss der Muße.

    Dies sind aber nur Texte mit analytischem Flair. Als Gegenprojekt lese ich natürlich bersarins Texte, sonst wäre der Lerneffekt, den die sog. sozialen Netzwerke zu bieten vermögen, ja völlig vergeben!

    Es geht mir im Grunde nur um analytische Texte. Wie idiotisch wäre es dennoch, nicht zu versuchen, die ‚Gegenseite‘ zu verstehen? ich habe die sog. sozialen Netzwerke ohnehin nie anders denn als Lernumgebungen wahrgenommen. Sorry für für meine laxe Ausdrucksweise, und nichts von meinem ausdrücklichen Dank für die neulich erteilten Literaturhinweise ist zurückgenommen, aber mir geht es hier – so dilettantisch, wie ich nun mal bin – nur ganz allein um analytische Philosophie: es muss das ‚Andere‘ sein, das mich zum Denken anregt – nicht “Zeitschrift für Ideengeschichte” oder ähnliches, sorry, Langweilertum.

    – bitte hör nicht auf, hier zu kommentieren !!

  12. Bersarin schreibt:

    Antworten folgen heute Abend, sobald die Erwerbsarbeit beendet ist.

  13. viktor schreibt:

    @ Ziggev

    So schnell bin ich nicht beleidigt, zumal ich den Einwand durchaus nachvollziehen kann. Aber mit den Jahren bin ich zu einer geradezu Heideggerschen Gelassenheit gelangt, die auch der Langeweile ihr periodisches Recht belässt. Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden.

  14. ziggev schreibt:

    klar, war natürlich frech und dann noch ungerecht von mir gegenüber der Zeitschrift für Ideengeschichte. hätte ich mir überhaupt nicht leisten zu können meinen. mich reizen aber gerade die internationalen Sachen – gerade das, was ich nicht verstehe.

    aber wenn bersarin sein Tageswerk vollbracht hat, können wir uns ganz vielleicht weiter über lange Weile unterhalten …

  15. ziggev schreibt:

    …. zu meinen dürfen, so hätte es lauten sollen.

  16. Bersarin schreibt:

    Als Zeitschrift würde ich „Information Philosophie“ empfehlen, da dort ein guter Überblick über die „Szene“ und zu Neuerscheinungen publiziert wird. Und in jedem Heft gibt es Themenschwerpunkte der Philosophie.

    Die DZfPh, das ist wahr, scheint mir eher für die Lektüre in der Bibliothek geeignet zu sein.

    Danke natürlich dafür, daß hier von manchen gerne im Blog gelesen wird. Ja, und ich erlaube es mir auch, Urteile zu fällen und die Dinge nicht nur im seichten Meinen und Dafürhalten zu belassen.

  17. ziggev schreibt:

    könnt ihr, liebe bersarin und viktor,mir erklären, was das Lesen in einer Bibliothek bedeutet ? denn ich habe vor zwanzig Jahren mal Husserls Vorlesungen von 1910/11, glaube ich, mal bei einem unsäglichen Besäufnis anlässlich eines Todesfalles verloren und traue mich seither in keine Bibliothek mehr herein?

    natürlich trug ich diese Ausgabe nur Edith Steins wegen immer mit mir herum.

  18. Bersarin schreibt:

    Da ich in der Philosophie meist die Primärtexte gelesen habe, brauchte ich keine Bibliothek. Die Sekundärliteratur habe ich mir ebenfalls gekauft oder aber, wenn nicht unbedingt käuflich benötigt, mir kopiert. So konnte ich schön zu Hause lesen: mit Kaffee und Zigaretten und abends mit Wein oder Bier. Schöne Zeit war das.

    Insofern kann ich da keinen guten Rat geben. Mich stören zudem in der Bibliothek die vielen Menschen. Und wenn schöne Frauen da sind, dann schaue ich, auf ihre Körper, um durch sie hindurch einen Blick auf ihr Wesen zu werfen. Insofern lenken mich Bibliotheken nur vom Lesen ab. Leider.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s