„Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu …“ Monika Zeiners „Die Ordnung der Sterne über Como“

„Sie standen und lächelten. Er hier, sie dort.“

9783351050009 Liebe ist an die Zeit gebunden, an eine bestimmte Zeit, und der Tod bedeutet das Ende jeglicher Zeit und damit auch jeglicher Liebe. [Zumindest für den, der tot ist.] Was aber ist die Zeit? Jeder Roman strukturiert, sichtet und schneidet sie auf eine ihm eigene Weise. Das Thema eines jeden Romans ist – versteckt oder offen – der Fluß der Zeit und wie diese in einer Erzählung zu ordnen oder aber zu dekomponieren sei. Vielfach ist dabei die Frage zentral, was es heißt, sich zu erinnern und wie trügerisch solche Erinnerungen sind. Julian Barnes z. B. erzählte in seinem Roman „Vom Ende einer Geschichte“ von einem solchem Trug der Erinnerung, der zum Betrug wurde.

Manche halten die Situationen ihres Lebens auf den Fotografien fest, um sich zu erinnern, andere schreiben diese Geschichten des Lebens auf. Oder sie besprechen, wie Krapp, Tonbänder. Die Liebe aber verliert notwendigerweise den Kampf gegen die Zeit. Grundsatzfragen. Monika Zeiner schildert in ihrem Romandebüt „Die Ordnung der Sterne über Como“ eine jener klassischen Dreiecksgeschichten von intensiver Freundschaft, Zuneigung sowie den Irrungen, Wirrungen der Liebe, die sich nicht binden und auf eine Person fixieren läßt – schon gar nicht in den bewegten, in den wilden in den jungen Lebensjahren. Der Roman erzählt diese Geschichte dreier Menschen, die sich in Freundschaft und Liebe zugetan sind, in versetzen, ineinander geschachtelten Perspektiven – rückblickend auf die Ereignisse in jenen Jahren.

Nach einigem Vorspiel in der Gegenwart, das uns den Akteur des Romans inmitten seines gegenwärtigen, leicht aus den Fugen geratenen  Lebens zeigt – Thomas Holler Mitte vierzig, aus dessen Perspektive erzählt wird, Pianist und Existenz im Mittelmaß, gerade von seiner attraktiven Ehefrau Hedda verlassen worden –, gleitet der Roman in jene vergangenen Jahre der Studentenzeit hinüber. Holler erinnert sich, und wir befinden uns in den frühen 90er Jahren. Da sind jener Protagonist sowie Marc Baldur und Betty Morgenthal. Alle drei studierten in Berlin Musik: Holler mit dem Schwerpunkt Klavier, Baldur absolvierte ein Kompositionsstudium, er ist hochbegabt, Stipendiat, die Kunst fällt ihm zu; nicht Fleiß, sondern Genie bzw. Einfallsreichtum zeichnet ihn aus. Betty Morgenthal studierte Gesang, obwohl sie, nach dem Wunsch ihrer Eltern, eigentlich Ärztin werden sollte, und so studierte sie heimlich, ohne daß ihre Eltern es wissen, zugleich Medizin. Ja: Kinder aus geordneten Verhältnissen sind sie alle drei, wenngleich Holler durch seine kleinbürgerlichen Eltern abfällt.

Marc und Thomas sind unzertrennliche Freunde. Sie begegneten sich bei einem Aushilfsjob, irgendwo im Brandenburgischen, wo sie als Musiker auf einer Verkaufsveranstaltung gebucht waren, und es funkte zwischen ihnen auf den ersten Blick. Es entsteht eine jener intensiven Freundschaften, wie sie nur in der Zeit des Studiums möglich ist, wo zwei Menschen Leidenschaften für Theorie und für Kunst teilen, sich im Überschwang der Jugend aneinander abarbeiten und eine gemeinsame Gedankenwelten in Disput und Gespräch Kontur gewinnt. Bei Thomas und Marc ist es die Musik: Musik als Rausch, Musik als eine Form, sich im Klang auszudrücken. Musik dient als eine Möglichkeit, die Zeit anders zu strukturieren als in den herkömmlichen Sprach- und Denkkonstruktionen. Dies eben macht für Marc das Besondere der Musik aus.

Fortan teilten Marc und Tom alles, zogen zusammen, verbrachten Nächte inmitten von Zigarettenrauch und in alkoholgeschwängerter Atmosphäre: Feiern, Diskussionen im Kunst- und Bohème-Milieu des Berlins der 90er: Kunststudentinnen und -studenten allerorten. Zeiner schildert dieses Milieu auf eine zwar zuweilen leicht ironische, aber nicht bösartige Weise. Wir wissen ja selber, wie es damals war: All diese (teils absurden, nie zu realisierenden) Kunstprojekte, die Vielfalt an Ideen, jede eine Künstlerin für 15 Minuten, jeder ein Schriftsteller, und sei es bloß für eine Lesung lang. Inmitten dieser Lebensbohème jener wunderbaren Jahre tummeln sich Marc und Thomas. Auf einer dieser Feiern in einem Club, wo sie Musik machten, brachte Thomas Betty mit. Marc verliebt sich in Betty. Betty ist in ihrem Herzen in Thomas verliebt – aber noch spürt sie es nicht –, doch Thomas hat eine Affäre mit seiner 25 Jahre älteren Klavierschülerin im feinen Dahlem. Unsterblich verliebte Naivlinge sind sie, wie man es schöner in der Jugend nicht sein kann.

Und so nimmt eine am Ende tragische Ménage-à-trois ihren wundersamen Lauf. Marc und Betty lieben einander, Thomas ist der dritte im Freundschaftsbund. Sie leben zusammen, sie machen zusammen Musik und spielen gemeinsam in einer Band. Zeiner versteht es, diese Intensitäten von Liebe und Leben, diese Szenen, in denen sich Menschen näherkommen, in eine Sprache zu bringen, die den Sound jener wilden Jahre trifft. Mit einem leichten Ton, von Wortwitz und Wortspiel, von Ironie getragen, beschreibt sie das Geschehen. Zudem besitzt Zeiner die herrliche Gabe, Szenen auszumalen und zu schildern, sie in die Länge zu ziehen, dem tragischen Moment, so zum Beispiel als sich Hedda und Thomas trennten, noch einen Witz oder eine spitze bzw. zugespitzte Beobachtung abzuringen. Es ist aber „Die Ordnung der Sterne über Como“ zugleich ein philosophisch aufgeladenes Buch über die Möglichkeit und die Unmöglichkeit von Liebe, das sich nicht einfach nur in den heiteren Hype fügt und so mit distanzierter Ironie über die Fügungen gleitet. Dem Text geht es um die Intensität eines Gefühls, das sich an eine bestimmte Person zu einer bestimmten Zeit bindet, und zwar samt dem Scheitern daran.

„Zuerst verschwindet der Schmerz, dann verschwindet die Sehnsucht, dann ist da noch ein bisschen Sehnsucht nach der Sehnsucht, dann verschwindet auch das, und was bleibt ist: blauer Himmel, oder Nichts, Indifferenz. ‚So ist das mit der Liebe‘, sagte Tom. Er hätte es nie für möglich gehalten.“ (S. 386)

Es ist der Wunsch des Ästhetikers mit dem Hang zur Melancholie, die Zeit in jenem einen Moment, der nicht vergehen sollte, festzuhalten, sie einzufrieren, die Zeit stillzustellen, die gewöhnliche Ordnung der Zeit aufzuheben. Der Fluß der Zeit setzt aus. Eine andere Zeit!: Der Melancholiker leidet unter dem Vergehen der Zeit, aber nicht, weil die Zeit in ihrer Leere und Abstraktheit vorbeizieht und immer weiter treibt, sondern es ist das Begehren, diesen einen Moment, das Schöne, das, was gerade in der Intensität sich abspielt, für immer zu bewahren und auf eine Dauer zu stellen, die dann aber, wenn solches Fixierung gelänge, ins bloß noch Dingliche gleitet. Im Grunde möchte der Melancholiker die Verdinglichung der Welt betreiben. Und so motiviert sich auch Nietzsches Gedanke der ewigen Wiederkehr des Gleichen, wie der Protagonist Thomas in einer Umkleidekabine im Rom sinniert: es ist die Erinnerung samt ihrem Begehren, einen Zustand festzuhalten. „Dieses leiernde, immer dasselbe abspielende Erinnerungsvermögen des Menschen.“ (S. 460)

Es steuert dieser Roman, sein ganzes Unterfangen, die Arbeit des Begriffs – mal flapsig im Ton, dann wieder philosophisch, mal nach der gelungenen, treffenden oder metaphorisierenden Wortwendung suchend und eine Szene pointierend, im Glanz des Bonmots oder des gewitzten Wortes – auf die eine Szene zu: nämlich diese einzige, der wunderbare, wesentliche Moment, an dem – zumindest fürs Bewußtsein des Subjekts – die Zeit stillsteht. Stillzustehen scheint. Ich bin mir nicht sicher, ob Zeiner hier am Ende doch den Kitsch produziert oder ein wunderbares Bild dafür findet, wenn zwei Menschen sich in Liebe vereinen. In einfachen Worten, aufgeladen mit den Bedeutungen: „dass die Zeit hier endet, sie bleibt stehen, weil sie einmal stehen bleiben muss, und kein Morgen niemals.“ Gefrierend, erstarrend, wie in eine Photographie gebannt: Wenn sich zwei Menschen küssen, und dies verbotener Weise, weil Betty nun einmal – so geht die Ordnung der Liebe – die Freundin Marcs und nicht die Toms ist, wenn die Liebe brandet und sich Haut an Haut schmiegt, wenn die versehrten Körper sich berühren, dann „legt sie den kleinen Finger ihrer Hand auf seinen. Ungefähr zwei Quadratzentimeter ihrer Haut berühren sich. Wie bedeutend zwei Quadratzentimeter sein können.  Er sieht sie nicht an, kann sich aber vorstellen, wie sie aussehen muss im Sternenlicht, also schaut er lieber nicht, schaut ins Universum, das sich vermutlich im See im Spiegel betrachtet“.

Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu, und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei. [So schrieb’s ein anderer vor ihr, der sich mit den Wirrnissen der Liebe gut auskannte.] An einem See, auf einem Campingplatz in Como, unter dem bestirnten Himmel; der Ordnung der Sterne, jener von Menschen gemachten Ordnung, die den Sternen Anordnungen und Namen wie Kassiopeia gibt, so daß wir kein wüstes Feld aus Lichtpunkten wahrnehmen, sondern Strukturen und Linien uns denken. Dieser Ordnung des Himmels korrespondiert nun keinesfalls die ordo mundi. Sondern es geht in der Welt nach diesem Kuß und als das Begehren ausbrach und die Körper ineinander keilte, ein Riß: die Ordnung des Himmels und die des Herzens sind zweierlei Muster. Während der Himmel unter den Küssen und Berührungen in seiner menschgemachten Ordnung behaart, verwirren sich die Gefühle und Gedanken der Menschen. Sie taten das, was sie nicht hätten tun sollen. Daß diese Ordnung des Himmel (oder auch: die des Seins) und die des Menschen selten übereinstimmen, darauf verweist der Roman insbesondere in seinen philosophischen Diskursen, die vor allem über den Gelehrten Breitenbach in den Text fließen.

Es sind die winzigen Entscheidungen, der Bruchteil einer Sekunde, ein Ja oder ein Nein, intuitiv geäußert, aus einer Laune heraus gesprochen: Dieser eine Satz, der gesagt oder nicht gesagt hätte werden können, und der ein Leben in die andere Bahn wirft. Der Konjunktiv II, wie Tom sinniert: Wenn er beispielsweise 1997 mit Marc im Auto sitzengeblieben und nach Luzern gefahren wäre, statt mit Betty am Comer See auszusteigen, dann hätten alle drei weitergelebt wie bisher. So aber kam, im Fluß der Zeit und diese dennoch nicht ändernd, den Lauf des Geschehens umpolend, alles anders. Doch „das nächste eigene ‚morgen‘, das zeitlich so nah, dem Einzelnen aber unendlich fern ist, ferner, weil unbekannter und geheimer als die entlegensten Jahrhunderte im alten Ägypten, Jahrtausende in den Wäldern des Holozän.“ Marc Baldur zumindest ging in den Selbstmord. Er kehrte nach einem Spaziergang im Gebirge nicht mehr zurück, verschwand im Schneegestöber. Später fand man seine Leiche.

„Die Ordnung der Sterne über Como“ ist ein Buch über die Zeit, und zwar in ihren vielfältigen Bezügen: von der Musik als Zeitkunst, über die Zeit, die vergeht und die vergessen läßt (oder eben auch nicht) bis hin zur Photographie als Verräumlichung und Fixierung der Zeit im Bild, Zeit als Erzählung dessen, was nicht mehr da ist und im Ton der Prosa oder der Poesie wieder in die Gegenwart gebracht werden möchte. Die Zeit einer tragisch endenden Liebe.

Viel nimmt sich Monika Zeiner über eine lange Textdistanz vor. Sie findet jenen Ton, in dem sich Unterhaltung und Ernst, Philosophie, Tiefsinn, Pathos und die unendliche Leichtigkeit des Daseins berühren, der Roman treibt einerseits mit einer feinen Eleganz und mit Witz in der Sprache daher, aber an manchen Stellen geschieht dies überambitioniert und sprachlich nicht immer ganz geglückt, so daß sich über eine Strecke von 600 Seiten zuweilen ein Sound entwickelt, der zum Selbstzweck gerät. Lesenswert bleibt dieses Buch dennoch.

 
Monika Zeiner, Die Ordnung der Sterne über Como, Blumenbar Verlag, 19,99 EUR
 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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6 Antworten zu „Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu …“ Monika Zeiners „Die Ordnung der Sterne über Como“

  1. Aléa Torik schreibt:

    Den folgenden Text hatte ich gestern Abend eingestellt, er scheint verschwunden zu sein. Vom System oder von Bersarin verschluckt. Vielleicht war er nicht gut genug. Er hatte noch genug Güte, aber nicht genug vom Gutsein. Es kann eben nicht alles gleich gut sein, es muss auch schlechtere Kommentare geben, es muss auch mal abfallen, damit es wieder aufwärts gehen kann. Das erläutere ich ja gerade in diesem Kommentar. Denselben Text, dieses Mal ohne den Link auf den Lektor vom Blumenbar Verlag.
    ————-
    Lieber Bersarin,

    die Dreiecksgeschichte als nicht linearer Bezug zwischen zweien?

    Wie wohl viele Spießer_innen (Gender Gap sieht einfach nicht gut aus) (und liest sich nicht gut) bin auch ich keine Freundin von Dreiecksgeschichten. Sie leben sich nicht gut und sie lesen sich meistens nicht besser. Und hier soll‘s also anders sein? Was Du in diesem und dem vorhergehenden Text schreibst, macht neugierig. Mehr kann so eine Besprechung meist nicht leisten. Ich verstehe, dass Monika Zeiner mit ihrer Dissertation und dem Roman bei Dir einige Saiten zum Klingen bringt. Da sind nicht wenige schwierige Themen dabei: Liebe sowieso, weil immer kurz vorm Kitsch. Melancholie: da muss man den Ton treffen, da darf man nicht nur melancholisch sein oder seine Figur so ausstatten, sondern muss wissen, in welcher Tradition das in Europa steht. Und vor allem die Zeit ist ein verdammt schwieriges Thema. Dass auch ich das Thema interessant finde, habe ich ja schon einmal berichtet (seltsamerweise bin ich mit meinem neuen Text über die Zeit sogar schon fertig, ich bin damit entgleist, finde es aber derzeit gar nicht so schlecht, mal sehen was die Verlage sagen).

    Was Deine Kritik betrifft, bin ich ja sowieso nicht interessiert: den Roman, der keine Schwäche hat, hat zumindest die, dass er seinem Leser keine Erholung gönnt und er sich nie im Tal der Belanglosigkeit auf den nächsten Gipfel der Lust freuen kann. Einen solchen Text möchte ich gar nicht lesen. Ich finde gerade das Auf und Ab im Textverlauf spannend. Ich finde von den anspruchsvollen Passagen erholende Textstrecken sogar wichtig. Was die von Dir monierten Sätze angeht, die vielleicht wirklich nicht sonderlich geglückt sind: das passiert. Keiner hat‘s gesehen, der Autor nicht, der Lektor nicht. Das passiert, weil ein Text eben keine chronologisch entstandene Leistung ist, sondern selbst in sehr vielen Textschichten und Sedimenten daliegt und man vielleicht schon nicht erkennt, dass gewisse Anschlüsse gar nicht mehr da sind oder die Aussage im Hin- und Herschieben der Worte verlorengegangen ist. Der Blumenbar Verlag hat übrigens einen Lektor. Aber ein Lektor hat auch keinen Rechenschieber, der ihm anzeigt, was richtig und was falsch ist, sondern bestimmte Vorstellungen und ein Lektor hat, so war das bei mir, ein Vorschlagsrecht. Nicht mehr. Der Titel ist übrigens exzellent.

    Aléa Torik

  2. Bersarin schreibt:

    Liebe Aléa Torik, zu Deinem Text über Zeit kann ich nur noch einmal schreiben: Weitermachen, mehr arbeiten, besser arbeiten. Wenn dieses Buch genauso gut gelungen wird, wie Deine beiden vorherigen Roman, dann ist doch alles gut! Besprochen wird er hier im Blog sicherlich.

    Ja, der Roman von Zeiner liest sich gut und flott, wer von der (relative realistisch konzipierten) Geschichte einmal infiziert wurde, der möchte mehr lesen. Wobei das Kriterium, daß ein Buch sich flott lese, nicht immer ein Urteil über hohe Qualität bedeuten muß, sondern es kann ganz im Gegenteil geradezu vernichtend gemeint sein. Aber in Zeiners Fall ist es ok. Trotz einiger Schwächen fand ich das Buch nicht uninteressant. Und das ist schon einmal gut, denn so kann ich mich auf mehr freuen und bin gespannt. Das ist die brennende Frage: was folgt aufs Debüt? Gelingt es noch einmal? War es nicht eher eine Eintagsfliege? Vom Ton, vom Sound, vom Stil her wird Zeiner sicherlich nicht zu meinen Favoriten bzw. Favoritinnen gehören: da bleibe ich, was die deutschsprachige Literatur betrifft Clemens Meyer treu. Dennoch bin ich darauf gespannt, was folgen wird. Wie es immer bei Schriftstellerinnen und Schriftstellerin ist, die ich schätze: alles offen.

    Mit den besten Grüßen aus dem Grandhotel Abgrund.

  3. Aléa Torik schreibt:

    Vielleicht interessiert Dich das hier, ich fand den Trailor ganz viel versprechend: http://www.literaturwissenschaft.de/buch/subjektive-geschmacksaeusserung-oder-fundierte-rezension.html

  4. bersarin schreibt:

    Vielen Dank für diesen Hinweis. Ich werde schauen!

  5. laura schreibt:

    Lieber Bersarin, nach zweifacher Ankündigung nun deine Besprechung zur „Ordnung der Sterne“, auf die ich schon, zugegebenermaßen gespannt, wartete. Vielen Dank für den facettenreichen Blick auf einen Roman, den ich im Spätsommer las und sehr mochte! Gerade weil es der Autorin in ihrem Debüt gelingt, einen sowohl flott zu lesenden als auch gleichzeitig nicht an philosophischem Anspruch mangelnden Roman vorzulegen.
    Obwohl es um Liebe und Melancholie geht, driftet sie nicht ins Kitschige ab (einzelne überambitionierte Metaphern mal ausgenommen, das sehe ich genauso). Was diese beiden, Liebe und Melancholie, eint, ist die Zeit – und damit geht M. Zeiner ganz wunderbar um, wie ich finde: Beim erzählerischen Ineinanderübergehen der vergangenen und aktuellen Zeitebenen in der Geschichte, beim subjektiven Erinnern der Figuren Tom und Betty an damalige Ereignisse und auch ganz zum Schluß, wenn sich die beiden, die sich über Jahre nur als Relikte ihrer damaligen Freundschaft / Liebschaft in Erinnerung behielten älter und eigenartiger geworden wiedersehen und wie sie dann verbleiben… Man kann nichts festhalten in dieser ewig dahinrinnenden Zeit, das ist eine der wunderbaren melancholischen Subtöne dieses absolut lesenswerten Romans, an den ich mich durch deine Besprechung gern zurückerinnere :) Beste Grüße und einen schönen Abend, Laura

  6. bersarin schreibt:

    Liebe Laura, es scheint, wir lesen Zeiners Roman ähnlich: Ja, sie legt den Fokus auf Zeit und auf Liebe. Beide stehen in einem besonderen Verhältnis und das Resultat dieser Korrespondenz kann (aber muß es nicht) eine Form von Melancholie sein. Sowieso ist die Melancholie, wenn sie sich an mehr als nur die (vergangene) Liebe haftet, Reflexion aufs Zeitbewußtsein. (Was mich wieder daran erinnert, meine kleine Serie zur Melancholie/Acedia fortzuschreiben.) Wem jene umfassende , emphatisch verstandene Melancholie fehlt, der oder dem fehlt meist auch das Verhältnis zur und der Blick auf die Zeit. Und so bleibt das Subjekt in seiner leeren Gegenwart gefangen.

    Und als Betty und Tom sich in Neapel nach Jahren wiedersehen, stellt sich diese Frage, die wir nur in Ästhetik, in Text, in Kunst auflösen können: wie war das damals in jener Zeit der Intensität und weshalb läßt sich das niemals mehr wiederholen und in eine Präsenz bringen? Nicht in Neapel, nicht sonstwo? Die einzig adäquate Form von Präsenz ist die Ästhetisierung und wenn diese über einen bloßen Reflex oder über ein Gefühl hinausragt, so transformiert es sich in die Kunst. Es bleibt ein Text, der auf verschiedenen Ebene darauf seinen Blick richtet. So z.B. vermittels der philosophischen Reflexionen des sehr schön gezeichneten Gelehrten Breitenbach. Viele Grüße von Berlin nach Berlin: Bersarin

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