Hartz IV – ein Nachtrag

Die Positionen in dieser Debatte waren konträr. Viel bleibt nicht mehr hinzuzufügen. Nimmt man einmal die aus, welche das System Hartz IV im ganzen gut und in Ordnung finden, weil sie selber (scheinbar) nicht betroffen sind und in Lohn und Brot stehen, so ergeben sich im Grunde zwei Lager: Die öko-sozialdemokratischen Reformerinnen und Reformer, die an diesem System, an dieser Ordnung festhalten wollen und die lediglich hier ein Stellschräubchen drehen, da ein Gesetz besser geregelt haben wollen, hier einen Veggie Day und in der Arbeitsagentur mehr Sachbearbeiter, damit diese der Flut von Anträgen Herr oder auch Frau werden. Denn im ganzen war Hartz IV ja gut gemeint, und so konnte es mit den Sozialsystemen nun einmal nicht weiter gehen. Tja.

Und dann die, welche das Ganze an Hartz IV verneinen und den Blick nicht nur auf die individuelle Position, die subjektive Befindlichkeit und die Stellschräublein richten, sondern darauf, wie das System Hartz IV wirkt: Überwache und Strafen. Oder wie es Foucault in jenem Buch sinngemäß schrieb: die Gefängnisse gab es deshalb, damit die Menschen in die Fabriken gingen. Auf genau diese Weise züchtigt auch Hartz IV. Alles ist besser als von den Zahnpasta- und Zahnbürstenschnüfflern von der ARGE mal Besuch zu bekommen. Jede Tätigkeit jede Eigeninitiative unterliegt nun der Überwachung, muß gemeldet werden. Kein Umzug ohne Erlaubnis. Und und und. Der Schikanen ist kein Ende gesetzt.

Um also dieser teils heftig geführten Debatte, wo manche wenig Einsicht zeigten, noch irgendwo an irgendeiner Stelle ihre doch sehr erklärungsbedürftige Position weiter ausführten, ein wenig an Schärfe und analytischer Zuspitzung noch hinzuzufügen, sei Wolfgang Pohrt zitiert:

„Die große Mobilisierungskampagne der Bundesregierung im Jahr 2000 mit dem Verbotsverfahren gegen die vom Verfassungsschutz erst mühsam hochgepäppelte NPD, mit dem Sebnitz-Schwindel und der Massendemonstration gegen Ausländerfeindlichkeit in Berlin, diese große Mobilisierungskampagne also, die von allen Medienkonzernen und überhaupt allen einflussreichen Gruppen in Deutschland unterstützt worden ist, die war eine Art Präventivschlag gegen die Rechte mit dem Zweck, später unbehelligt die sogenannte Agenda 2010 durchziehen zu können, ein Programm zur Verelendung der Armen.

Antisemiten und Rassisten werden bekämpft, weil man sie benötigt. Sie werden gebraucht, weil sie so was wie der Dreck sind, an welchem der Saubermann zeigen kann, dass er einer ist. Sie werden gebraucht, damit Schröder die von ihm geführten Raubzüge der Elite als ‚Aufstand der Anständigen‘ zelebrieren kann. Sie werden gebraucht, weil die Ächtung von Antisemitismus und Rassismus das moralische Korsett einer Clique sind, die sich sonst alles erlauben will, jede Abgreiferei, aber wie jeder Verein für ihren Bestand Verbote und Tabus benötigt.“ (W. Pohrt, FAQ)

Es konnte nur auf diese Weise gehen: Zwei Parteien wie die SPD und die GRÜNEN, die im Bewußtsein vieler noch einen restlinken Anstrich besaßen (und der ewige Alibi-Ströbele in Kreuzberg und die Roth, die war mal bei Ton Steine Scherben). Nur eine solche Koalition der Willigen konnte diesen gigantischen Raubzug starten: von Hartz IV bis hin zu  den Hedgefonds und der Entfesselung der Finanzmärkt: für nichts waren sich die GRÜNEN und die Sozialdemokraten zu schaden. Helmut Kohl samt einer CDU/FDP-Koalition wäre dieses Projekt Agenda 2010 um die Ohren geflogen: Widerstand von der Straße, allerorten. So aber lief es anders. Seeheimer Kreis und Lobbyverbände ächzten erst als sie 1998 diese Koalition kommen sahen, doch schon bald frohlockten sie und sahen ihre einmalige Chance. Und wenn auf Grünen Parteitagen so etwas mitbeschlossen wird … Tja, dann. Dann muß diese Reform der Sozialsysteme doch irgendwie nötig gewesen sein. Denn sozial ist, was Arbeit schafft. Und sei es eine solche für den bekannten Appel und das Ei. (Oder war das jetzt der Apple für die Kreuzberger Medienbohème?) Jutta Ditfurth und Thomas Ebermann wußten sehr genau, warum sie sehr schnell wieder bei den GRÜNEN austraten. Früh rochen sie den Arbeits- und Angstschweiß der nach oben kriechenden Karrieristen.

33 Gedanken zu „Hartz IV – ein Nachtrag

  1. Aufgestossen in diesem Nachtrag ist mir die Formulierung «Denn sozial ist, was Arbeit schafft.» im letzten Absatz. Ich habe letzte Woche in Düsseldorf die kommissarische weil unbezahlte Leiterin einer Waldorfschule im Aufbau kennenlernen dürfen, deren Engagement ich nicht deshalb als sozial bezeichnen würde, weil sie Arbeit hat, sondern weil sie sich eben für etwas engagiert. Ich konnte das sehr gut nachvollziehen, weil ich als selbst SGB XII Betroffener in meiner vita immer eben auch viele Projekte angestossen und oder unterstützt habe, für die ich durchaus auch – gewürdigt oder nicht – Respekt genossen habe, der mit dem zitierten «Apple für die Kreuzberger Medienbohème» niemals abgegolten hätte werden können. Das Menschen existieren müssen – auch materiell – steht außer Frage, doch die soziale Komponente politischer auch so-ge-nannter Parlamentarier ist mir da recht egal. Ich stehe in meiner Existenz da, wo ich mich hinstelle. Das klingt ja fast ein wenig wie Martin Luther.

  2. Die Überwachung garantiert vor allem Zusatzausgaben.
    Die Bürger freuen sich. Sie zahlen für Beratung, sie zahlen für die Überwachung, sie zahlen für die Propaganda etc. etc. etc.
    ABER, warum tun sie es?
    Wer hier im Forum ist noch abhängig beschäftigt?
    Wer hier im Forum zahlt – wie viel – Umsatzsteuer im Monat? (Leider komm ich da auch nicht gänzlich umhin…)

    Kurz, wer hier im Forum spielt noch mehr als unbedingt nötig mit in diesem Irrsinnspiel?

    Ich behaupte mal ganz frech – wir sind doch alle krank inner Birne – nur man kann zumindest das Koma vermeiden – das beginnt damit, dass man als Arbeitsloser nicht traurig, sondern froh ist – froh nicht mehr im Moloch mitfunktionieren zu müssen – wer es unbedingt nötig hat, ok – der soll halt zum Amt gehen, mit etwas Gelassenheit und Kreativität sollte eine möglichst lange Vermeidung von Sanktionen möglich sein – seht es als Systemwiderstand, seht jede Maßnahme als zusätzliche Schwächung des Systems, da es den Steuerzahler noch mehr belastet, …. wartet auf den ´Tag im Jahr, da die Arge ihr Pulver verschossen hat und keine Maßnahmen mehr finanzieren kann – dann könnt ihr euch zurücklehnen – seht jede Einladung als eine Einladung zum Kabarett- a deux – seid höflich und entlarvt subtil Eure Entertainer –

    nur – seid um Himmels Willen nicht deprimiert und traurig arbeitslos zu sein!!!!!!!!!

    Niemand ist ohne Arbeit – es gibt immer was sinnvolles zu tun – organisiert euch, vernetzt euch, nicht nur bezüglich des Kampfes gegen die ARge – sondern bezüglich der Organisation eines Lebens jenseits der etablierten Idiotenprozesse!

    Wie ich immerwieder sage – mit 380 Euro für die Dinge jenseits warmer Bude im Monat kann man ein wirklich sorgenfreies Leben bewerkstelligen, so man keinen Leidensdruck in sich aufbaut, ob der Tatsache nicht mehr zu den etablierten Vollbezahltfunktionsidioten gehören zu dürfen!

    Ich gebe gerne persönlich Tipps – selber beziehe ich kein AlG II – ich organisiere mir etwa 200 Euro im Monat, davon lebe ich nun wirklich gut – die warme Bude besteht aus einem 50 m2 Haus – mit Holzofen.

    Es ist sauber bei mir – man kann vom Boden essen ;-)….
    Ich dusche täglich – gerne sehr lange – warm – in der städtischen Turnhalle (der Beitrag zum Sportverein kostet mich 32 Euro im Jahr – dafür kann ich immer Abends in die Halle ohne aufzufallen – bin ja aktiv.)

    Bücher gibt es in der öffentlichen Bibliothek gratis (so man die Fristen einhält).

    Ich lebe auf dem Lande – sprich – mit Vernetzung ist es da schwierig – bin als Sonderling seit langem ortsbekannt – jedoch unscheinbar genug niemandem in die Quere zu geraten – sprich ich hab meine Ruhe!

    Einmal im Monat fahr ich nach München – manchmal nicht nur Museum (Sonntag Eintritt frei!) sondern auch ein Theaterbesuch ist drin.

    Das Bahnticket kostet mich ca. 7 Euro inklusive MVV – hier ist allerdings Gruppenbildung nötig.

    Meine Hauptbeschäftigung ist das Wandern und der Gemüse- und Obstanbau – ca. 60 % meiner hochwertigen Nahrung produziere ich selber.

    ich predige halt – hört auf mitzuspielen – ca. dreimal täglich ;-)))))

    Krankenversichert bin ich illegaler Weise nicht – nur wie schon oft gesagt – gegen Bezahlung brauch ich keinen Heiler – ich kenne allerdings viele Hausmittel, für mein Alter bin ich topfit – trotzdem ich ein Genussmensch bin!

    Ich liebe die Frauen, den Wein und das Leben – das kann mir das Dasein trotz Armut alles im Überfluss geben!

    Ich bin hier nicht zynisch, auch wenn es für manche von Euch so klingen mag – wie gesagt wer mir seine persönliche Situation schildern mag, dem helfe ich vor Ort immer gerne seine vermeintlichen Zwangslagen zu beseitigen!

    (Ohne Beraterhonorar – es sei den er hat Bienen – meine sind dank der hiesigen Landwirtschaft alle im Jenseits…. – Honig liebe ich – dann kostet es ein Glas – oder soviel er mir geben mag.
    Nur wer selber Bienen hat, der meister sein Leben wohl ohnehin klug und frei selbst.
    Beratung ist ohnehin immer in Zweifel zu ziehen – ihr werdet auch mich in Zweifel ziehen – nur – was soll ich sonst sagen?
    Jedenfalls besteht für die Menschen als Art keine Hoffnung mehr – doch warum sollten wir dann schon Trübsal blasen? Lebet den Moment – nur lebt ihn frei und ohne Leidensdruck!)

    Tja – wie komme ich zum Internet und ich tippe sogar auf einer Holztastatur – (selber gebastelt) – mein Rechner kommt vom Schrott – übrigens ein tolles Feld – elektronische Basteleien – und ihr werdet staunen – wie dankbar Menschen sind – denen ihr ohne Rechnung als Freundschaftsdienst Daten rettet, oder einen vollgestopften PC wieder zum laufen bringt – ihr werdet euch wundern wie wenig Ahnung die meisten von EDV haben. (Damit hol ich mir meist die nötigen 200 Euros rein – aber es gibt auch andere Möglichkeiten ….. )

    Ihr müsst euch nicht das Buch kaufen – wie leb ich ohne Geld – das kostet nur unnötig Geld.

    Wenn es in der Bücherei verfügbar ist – könnt ihr ja reinlesen – ich fand dort keine besonders kreativen Tips. (Nicht einmal mein Duschtip ist dort vorgekommen – ich hab es mal von einem Bekannten geliehen, der meine Lebensweise kennt….)

    Vielleicht lesen das auch einige die Hatz IV betroffen sind.

    In diesem Sinne – versucht endlich autark zu werden – möglichst ganz ohne Arge – und wenn das nicht geht (Kinder – Familie) dann schämt euch nicht, seid nicht traurig – sondern seid Euch eurer Würde bewußt!

    Die kann Euch ein schäbiger, boshafter Sachbearbeiter nicht nehmen – und wenn er euch noch so herablassend und menschenfeindlich behandelt – seid euch immer bewusst, dass in diesem Moment er seine letzte Würde verliert und nicht Ihr.

    Ich wünsche Euch viele gütige und ehrliche Mitmenschen, die mit Euch gemeinsam gegen den Moloch kämpfen – jedenfalls ist es das schlimmste was Euch passieren kann, wieder in Arbeit zu kommen – es sei den, ihr goutiert die Gesellschaft in der wir leben, und ihr möchtet wieder ein “wertvoller” Bestandteil davon werden – dann entschuldige ich mich ganz brav, und wünsche baldmöglichst einen bestmöglich bezahlten Arbeitsplatz.

    Schöne Zeit – bleibt gesund – auch im Geist!

  3. @ Hopla
    Deine subjektive Sicht ist nicht das Maß der Dinge.

    Zudem hast Du – wie auch Julia Seeliger – nicht verstanden, worum es in meinen beiden Texten zu Hartz IV ging.

  4. ja, das stimmt sicherlich, dass dieses Zitat hier passt, und vor allem (was mich betrifft) ist das alles rückblickend wahr. Während draußen alle diese Möchternbildungsbürger mit ihren Kerzen um die Alster sich staffierten, warf ich meine letzten 1,50 DM in ne Musikbox im Hbf. Hamburg, „Wandelhalle“, in irgendsoeinem Imbiss, McDonalds nachenpfunden, und geil, die war richtig laut, und ja, wir gaben unser letztes Geld dafür aus, jetzt Bob Marley so laut zu hören, dass es durch die ganze „Wandelhalle“ (Nord-Bahnhof) schallte, dass es nur so eine Freude war, zusammen mit dieser manchmal und zu dieser Zeit ebenfalls arbeitslosen Schauspielerin.

    Aber das war Anfang Neunziger. Also vor Schröder. Es war schon lange klar gewesen, dass das „teuer“ werden würde. Entweder es würden eh´ schon generationenlang im Stich gelassene Zuwanderer und deren Nachkommen „radikalstmöglich“ abgeschoben oder finanziell ausgelöscht und damit der Kriminalität anheimgegeben oder der Solidaritätsbruch würde etwas weiter oben angesiedelt in der Schichtung der Unterschichtenschichtung erfolgen.

    Ich bin kein Mathematiker und kann und konnte das nicht ausrechnen. Ich lebte in einer Art Slum/Ghetto, hatte einen jahrelangen sozialen Abstieg hinter mir, aber die letzten röchelnden Atemzüge der Kohlregierung hatten mit echt Angst gemacht. Überhaupt je in den Genuss von Sozialleistungen zu gelangen, oder dass ich dafür je noch vorgesehen sein würde, war für mich ein Phantasma geworden, an das ich nicht glaubte. Dass in Zukunft Sozialleistungen überhaupt noch geleistet würden, schien damals so sicher wie heute, dass die Renten sicher seien, angesichts dieser völlig verplanten und völlig anarchistisch vorgehenden Kohlregierung.

    … – nein, Nein! ich will nicht behaupten, dass ich der damaligen Idiotentäuschung von Idioten nicht vielleicht auch aufsaß ! – Oder, schön formuliert, mit dem „Arbeits- und Angstschweiß“ des vermeintlichen „nach oben kriechenden Karrieristen“ genau das zu glauben übernahm, was ich denken sollte. Sicher nicht. Die Ahnung deutete sich jedoch an.

    Aber wenn du damals bereits die Gesellschaft „von unten“ zur Genüge kennengelernt hattest, dann war das verspätete Harz IV kein Wunder. Harz IV ist halt nicht nur die Ursache für eine zu erfolgende gesellschaftliche Entsolidarisierung sondern in mancher Hinsicht auch deren Folge. Ohne Zweifel war diese lange vor Schröder schon längst eingetreten, die Frage war nur, wie teuer das wann für wen werden würde.

    :: Wurde extra lange hinausgezögert, damit umso deutlicher wurde, wie sehr die „Sozailschmarotzer“ den „ehrlichen Arbeitnehmern“ (nachdem die Gewerkschaftsmacht zerstört worden war), den „ehrlichen“, ehem. Arbeitnehmern, „Arbeitslosen“, nun das Blut aussaugen würden.

    Bis das Sozialamt erst einmal vor Gericht „amtlich“ hatte feststellen lassen, dass die Arbeitslosenhilfe tatsächlich nicht für dich zuständig war, konnten schon mal 6 Monate vergehen. Miete ? Sieh an, Du hast die sechs Monate überlebt, also hast Du zwingend, denn das Lebensminimum ist auf soundsoviel festgesetzt, unangemeldete Nebeneinkünfte oder hast Deine Wohnung, die Du gerade stolz bezogen hast, illegal untervermietet.

    Wenn Du jetzt also Geld bekommst, dann nur unter Vorbehalt. Botschaft: Wir können Dich jederzeit auf die Straße setzten.

    Bersarin, nach diesem Blog von Dir glaube ich besser zu verstehen, wie diese abgrundtiefe Verachtung gegenüber GRÜN/Gelb/“Links“ – mit allen Schröderfolgen – zustandekommt. Ich verstehe.

    Nur kommt mir ehrlich gesagt die zweite von Dir oben dargestellten Haltungen etwas theoretisch vor, als etwas von Leuten, die damals, als das „Ratrace“ um die letzten Jobs bereits in vollem Gange war, bereits voll im Gange oder Rennen waren, kein Problem, wenn dafür die intellektuellen Ressourcen vorhanden sind und die materiellen es waren.

    Die ganze Sache hatte sich bereits lange vor „Harz IV“ entschieden.

  5. Ja, sicherlich ist es absehbar gewesen, daß da nach den gemütlich-ungemütlichen 90ern etwas kommen wird. Nach 16 Jahren Helmut Kohl. Nach dem Fall des Ostblocks. Da gibt es dann nichts mehr, wo man rufen kann: „Haut ab, haut ab, sonst holen wir die Russen!“ (Waren so Scherzparolen im Schwarzen Block damals.) Daß dann Wölfe im Schafspelz sich noch als links gerierten, ist die schlimmste Schande. Die SPD hatte 1914 ihren Einbruch. Die GRÜNEN mit Hartz IV und dem Jugoslawienkrieg.

    Ich selber habe in den 80ern die Gesellschaft von unten am Rande kennengelernt, würde mir aber nicht anmaßen wollen, in diesem Bereich Kompetenz zu behaupten. Ich habe mit Jugendlichen aus sozial schwachen Verhältnissen, wie es so schön umschreibend heißt, Jugendferienfahrten gemacht. Ich habe in einer Sozialstation in einem sogenannten Problembezirk gearbeitet und einiges an Elend gesehen. Das war vor Hartz IV schon da und das war danach ebenfalls vorhanden. Hartz IV ist der durch Wirtschaft, SPD und GRÜNEN gezielt betriebene Pauperismus, die Verelendung breiter Schichten unter einer sich links nennenden Regierung, die in Wahrheit die Interessen der Wirtschaft verfolgte. Die Mitglieder von SPD und den GRÜNEN sind bis heute so dumm, dies nicht zu bemerken. Wie die Lämmer und Kälber, die man zur Schlachtbank führt. Helmut Kohl oder W. Schäuble hätten eine solche Tour, einen solchen Diebeszug niemals durchbekommen. Die Gewerkschaften wären Sturm gelaufen.

    Und wenn dann so Dummdrosseln wie Jammer-Julia Seeliger ohne Argument, ohne Sinn und Verstand ihren Salms zu Hartz IV und anderen politischen Themen in ihrer technokratischen Internet-, Nerd- und Hackersprache daherschreiben, sich zudem als politisch links geben, aber in Wahrheit einem neoliberalen Nerd-Ideal anhängen und in einer Partei in Führungsposition tätig waren, die genau dieses Hartz IV möglich machte, dann gilt es mit Polemik und mit Provokation ein paar unangenehme Fragen an die zu stellen, die damals mitwirkten. („Wir haben nichts gewußt“, kann Jammer-Julia wohl schlecht behaupten.)

    Aber schon Ingeborg Bachmann wußte es in einem ihrer Gedichte. „Es kommen härtere Zeiten.“

  6. Nur ob da die SPD 1914 oder so ihren Einbruch gehabt hatte, ob da irgendwelche nicht mal pseudospießerhafte „Linke“, irgendetwas mit grün, sich nicht entblödeten, mit dem Auschwitz-Argument zu kommen, um in den nächsten berechtigten Krieg einzusteigen – das war uns egal. Wir hatten schlicht Angst.

    Noch so zu rechten zw. „Linken“, „GRÜNEN“ oder SPD war immer schon, wenn nicht „old school“, so doch Alt-68er-Geschwätz.

    Das wirst Du sicherlich verkraften, dass ich Dich dieser Schule zurechne. Auch wenn es ungerecht ist. Aber diese Zustände, die Du zurecht einigermaßen vehement kritisierst und vorführst, haben sich vielleicht dann doch diesem Erbe zu verdanken.

  7. DIE 68er gibt es nicht. Es existieren allenfalls sehr heterogene Strömungen. Ich selber bin kein Linker und ich gehöre keiner dieser Strömungen an, weil ich es vorziehe, niemandem zurechenbar zu sein und keiner Partei beizuwohnen. Rechnet nicht mir mir, wie es Brecht schrieb. Ich bin ein Bewohner des Grandhotel Abgrund. Wir sind einige wenige. Wir huldigen hemmungslos der Sinnlichkeit sowie den Abstraktionen der Theorie samt der bestimmten Negation.

  8. … wollte mich gerade auch schon entschuldigen. Dein Engagement ist mit Sicherheit nicht niederzuschlumpfen und Unzurechenbarkeit ist ganz, ganz bestimmt das Allerhöchste.

  9. Das ist schon ok. Wobei ich nicht engagiert bin, sondern vielmehr aus der Sache heraus operiere und denke.Und um Walter Benjamin zu zitieren: „Solange es noch einen Bettler gibt, solange gibt es noch Mythos.“

  10. @“Wie ich immerwieder sage – mit 380 Euro für die Dinge jenseits warmer Bude im Monat kann man ein wirklich sorgenfreies Leben bewerkstelligen, so man keinen Leidensdruck in sich aufbaut, ob der Tatsache nicht mehr zu den etablierten Vollbezahltfunktionsidioten gehören zu dürfen!

    Ich gebe gerne persönlich Tipps – selber beziehe ich kein AlG II – ich organisiere mir etwa 200 Euro im Monat, davon lebe ich nun wirklich gut – die warme Bude besteht aus einem 50 m2 Haus – mit Holzofen“ —- Meine laufenden Verpflichtungen liegen jeden Monat bei 2000 Euro, ich muss also immer wesentlich drüber verdienen, um überhaupt überleben zu können. Und nu?

  11. Trotz aller beschönigten oder echten Besinnlichkeit die dem bevorstehenden Weihnachten immer näher rückt (die meisten Leser sitzen ja bestimmt heute bei ner Weihnachtsfeier der Firma…) , habe ich noch ein paar (Nach- oder) Anregungen zu meinem Beitrag über „psychiche Krankheiten“ & Cie.

    Sie stammen nicht von mir, aber treffen meine Absichten, ein paar Auszüge die mir wichtig erscheinen (ich empfehles es freilich besser im Kontext zu lesen):

    Die Psychologie, die Lehre von den normalen seelischen Verhaltensweisen, hat sich zunehmend zur Hilfswissenschaft der Psychiatrie und der Psychotherapie entwickelt. Diese wiederum erklären immer mehr normale Verhaltensweisen zu pathologischen und schaffen sich damit ein Arbeitsfeld, das sich beängstigend und bedenklich ausweitet. Als Echo darauf zeigt sich eine zunehmende Tendenz zu Zweifeln und zur Kritik. Diese Kritik zu artkulieren, bringt einen in die gefährliche Nähe des Lynchtodes. Ich will es trotzdem versuchen:

    (…)

    Als peinlich und anmaßend empfinde ich, daß die Dreieinigkeit von Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiatern selbstgesetzte Normen für richtig und verbindlich erklärt und Abweichungen als krankhaft und behandlungsbedürftig deklariert. Ganz normale und übliche Verhaltensweisen werden zur Krankheit hochstilisiert. Kummer und Niedergedrücktsein gehören zum menschlichen Leben wie Durst und Hunger und Müdigkeit. Nennt man das Niedergedrücktsein jedoch lateinisch »Depression«, wird es zur Krankheit. Man schafft auf diese Weise unzählige Kranke – in dreifachem Sinne. Nicht nur, daß man mit der eigenen Definition von Krankheit gesunde Menschen als krank „vereinnahmen“ kann, nein, der Stempel „seelisch krank“ macht die Menschen in der Tat krank. Und wenn sie dann noch therapiert werden….

    (…)

    Suche nach Glück (…)
    Wo – bitte schön – ist der Streß? Trotz all dieser Fürsorge haben wir immer mehr „Depressionen“. Ich wage zu behaupten, weil wir zuwenig – nicht zuviel – Streß haben. Streß ist der physiologische Ausschüttreiz für die biogenen Amine, insbesondere das Noradrenalin. Fehlt der Reiz, fehlen die Amine, fehlt die Antriebskraft, fehlt die Aktivität, fehlt das Erfolgsgefühl.

    Und um es nicht unerwähnt zu lassen: erst die Aktivität, die Leistung, schafft jene Umweltbedingungen, deren Fehlen wir allzugern als soziologische Ursache der Depression anschuldigen. Nicht die Gesellschaft, nicht das soziale Umfeld, macht uns glücklich oder unglücklich. Allein wir selbst haben den Schlüssel dazu in der Hand.

    Aber wir leben eingebettet in die Gesellschaft. Und überall wo Menschen miteinander auskommen müssen, gibt es Grundregeln des Verhaltens, die man nicht ungestraft verletzen oder mißachten kann. Diese Grundregeln haben eine Gesetzmäßigkeit, die sich in allen Kulturen wiederspiegelt. Gesetze, Ethik, Moral sind nicht die Ursache, sie sind lediglich die Folge dieser Grundregeln. Und natürlich haben sie Auswüchse hervorgebracht, die nicht mehr den zwingenden Grundregeln entsprechen. Es gehört zur Kunst der Lebenstüchtigkeit, diese Auswüchse zu erkennen und schadlos zu umschiffen.

    Nur innerhalb der Gesellschaft ist der Mensch imstande, seine Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Robinson wäre ohne Freitag zugrunde gegangen. Die Isolierhaft ist das beste Mittel, einen Sträfling zu zerstören. Unser Problem sind jene Patienten, die an der Ausgliederung aus der Gesellschaft, an der Einsamkeit, der Isolation im Alter, in der Krankheit, nach der Pensionierung, der Scheidung, dem Tod des Partners, dem Wegzug der Kinder leiden. Hilfe für diese Menschen kann es nur geben, wenn sie wieder der Gesellschaft integriert werden. Das aber ist primär kein Problem der Gesellschaft, sondern der Betreffenden selbst. Sie müssen lernen, Kontakte wieder herzustellen oder neu herzustellen. Und. dabei sollte man als Therapeut keine der tausenderlei einleuchtenden Entschuldigungen gelten lassen.

    Hans-Heinrich Jörgensen
    ______________________
    Das vorallem und u.a. findet sich hier (ich denke auch, der Inhalt von dieser auch, nicht nur, psychiatriekritischen Seite geht ganz gut konform mit vielen kritischen Einträgen zur Gesellschaft und Subjektivierung die man auch hier auf dem Blog bei Bersarin finden kann. Falls es explizitere Abgrenzungen aber zu dem geben sollte, außer dem breiten Thema der Kunst, welches von der Perspektive der Psychiatriekritik sicher die kritische Ergänzung schlechthin sein kann evtl. muss, so mache ich mich mal weiterhin gern auf die Suche).

  12. Einmal davon abgesehen, daß vieles in diesem Text über den Status der Wohnzimmerpsycholgie und des schlecht Geschriebenen nicht hinausreicht, denke ich, daß diese Themen hier in meinem Blog kaum richtig aufgehoben sind.

    Bereits die Zumutung für mich, diese Trivialitäten lesen zu müssen, ist für mich an einem Freitagabend so derart degoutant, daß ich nicht einmal mehr gefallen an meinem Spätburgunder von den Klösterlichen Weingütern in Schulpforta finde. Und diese Empfindung ist keineswegs subjektiv, sondern vom objektiven Gehalt (bzw. dem Nicht-Gehalt dieser Äußerungen) getragen.

  13. Ach, sieh an… Bersarin wurde schonaml nicht eingeladen…Das mit dem Wein tut mir Leid, der gute Tropfen.
    Aber es stimmt, wenn der objektive Blick der Kunst, Ästhetik, Wahrnehmung etc.etc. hier dominiert, ist diese nüchterne Gesellschafts- und Psychologisierungskritk hier fragwürdig.

    Was dadran nun so abstoßend und nur gehaltlose „Wohnzimmerpsychologie“ ist, bekommen ich auch noch heraus…schließlich habe ich ja Geduld und finde die Pistolen-Metapher Hegels auch ganz klug.

  14. @Bersarin, dann würde ich gern noch ein Anlauf versuchen.
    Eigentlich bin ich über die Suche nach Nietzsche hier auf diesem Blog gelandet.
    Nietzsche der Meister des Eigensinns und um diesen geht es auch in dem von mir verlinktenText.
    Während Marx und den orthodoxen „Marxisten“ im Bereich der politischen Ökonomie Herausragendes gelungen ist, sind sie -wie Dir bekannt sein dürfte- in der Kulturtheorie im Allgemeinen etwas unterbelichtet. Philosophie- und Literaturkritik wird soziologisierend schematisch auf eine Analyse der Funktion des Werks in der Klassengesellschaft reduziert; aber der Eigensinn des kulturellen Gegenstandes und seines Urhebers wird gering geschätzt oder missachtet. Dass aus diesem Blickwinkel Nietzsche nicht Gerechtigkeit widerfahren kann, versteht sich eigentlich von selbst. Die Missachtung des Eigensinns ist vermutlich Folge einer entsprechenden Interpretation der Feuerbach-These, nach der das menschliche Wesen kein dem Individuum innewohnendes Abstraktum, sondern das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse sei. Die anthropologische Konsequenz, die orthodoxe Marxisten daraus gezogen haben, lautete, dass das Individuelle dem Menschen unwesentlich und dass dieser in erster Linie ein objektives Gemeinschaftswesen sei. Dass diese Schlussfolgerung nicht die einzig Mögliche ist, zeigen libertäre „Marxisten“ wie beispielsweise Daniel Guerin (Pour un marxisme libertaire, Paris, Laffont, 1969).

    Nietzsche sagte: „Ich bin ein Geländer am Strome: fasse mich, wer mich fassen kann! Eure Krücke aber bin ich nicht.“ Nein, das ist er nicht, auch keine Krücke für den Klassenkampf. Ebenso wenig ist er Krücke für Faschismus und Nationalsozialismus. Wohl aber ist er Geländer am Strome für Leute auf dem Wege zur Einsicht in den Eigensinn ihrer eigenen Existenz.

    In diesem Sinne ist mir auch Eigensinn wichtig.

    Stellen wir das in den Zusammenhang. Der Brief datiert vom 26. November 1888. Er beginnt: „Ich habe nöthig, in einer Sache allerersten Rangs mit dir zu reden. Mein Leben kommt jetzt auf seine Höhe: noch ein paar Jahre und die Erde zittert von einem ungeheuren Blitzschlage. – Ich schwöre dir zu, dass ich die Kraft habe, die Zeitrechnung zu verändern. – Es giebt nichts, das heute steht, was nicht umfällt, ich bin mehr Dynamit als Mensch.“
    Wenig später, im Januar des folgenden Jahres fällt Nietzsche in „geistige Umnachtung“. Manche zeigten sich geneigt, diesen Brief als Vorboten seines Zusammenbruchs zu deuten, wenngleich er in diesem seine Gesundheit als vorzüglich und sich selbst als auf der Höhe seiner Schaffenskraft sich befindend bezeichnet. Seinen „Zarathustra“ hält er für einen „Ausbruch des menschlichen Genius“; das Buch werde in Zukunft wie die Bibel gelesen werden. Es mag ja sein, dass sich in diesem Brief eine sehr hohe Meinung von sich selbst ausdrückt – aber „größenwahnsinnig“ war das nicht. Der Mann war ja tatsächlich einzigartig.

  15. Nein, ich bin nirgends eingeladen, und darauf lege ich großen Wert, da ich meine Ruhe haben möchte. Wie bereits Proust habe ich alles erlebt, was zu erleben ist. Ab einem bestimmten Punkt wiederholen sich die Dinge.

    Was die Psychologie und die Psychiatrie betrifft, so ist dies alles hier faktenloses Gerede. Es bleibt abstrakt, weil ich nicht mit Patienten, mit Irren im klinischen Sinne zu tun habe. (Obwohl ich mir beim Internet nicht ganz sicher bin: In den Kommentarenspalten tummeln sich manche.)

    Nietzsche ist ein besonderer Fall. Aber wir beschäftigen uns hier nicht mit Nietzsche selber, sondern mit seinem Text. Und auch der „Fall Nietzsche“ ist uns, da dieser tot ist, nur noch als Text, als Bild zugänglich. Was ist „Ecce homo“? Ausdruck von Größenwahn oder eben jenes Dynamit, das dann das 20 Jahrhundert in der Tat in Brand steckte? (Zumindest als Subtext. Denn um Geschichte zu machen, bedarf es mehr als einiger Bücher. Wesentlich sind in diesem Zusammenhang ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen. Nietzsche jedoch witterte vom kommenden Zeitgeist einiges.)

    Zur Kulturtheorie der sogenannten „Marxisten“ (wer immer die um Gotteswillen sein mögen. Über ein paar Namen freute ich mich): „Philosophie- und Literaturkritik wird soziologisierend schematisch auf eine Analyse der Funktion des Werks in der Klassengesellschaft reduziert; aber der Eigensinn des kulturellen Gegenstandes und seines Urhebers wird gering geschätzt oder missachtet.“ In bezug auf eine dialektisch-gesellschaftskritische Theorie bzw. in bezug auf Adorno und Benjamin ist dieser Satz schlicht falsch. Und in dieser Allgemeinheit sowieso nur eine Pauschalaussage, die alles und damit nichts trifft.

    ______________

    Da ich übers Wochenende unterwegs bin, jenseits der Kommunikation, bleibt die Kommentarfunktion abgeschaltet. Wer schreibt, landet in der Warteschlange. Am Sonntag schalte ich dann frei und antworte, sofern ich mag.

  16. Vielen Dank für diesen Hinweis, der den Begriff des Eigensinns noch einmal in einer anderen, freilich historischen Perspektive verortet. Von der Gegenwart gedacht, sehe ich allerdings einige Probleme: zum einen, daß sich kaum noch jemand als Arbeiter versteht, zum anderen, daß Solidarität und Gemeinsamkeit (auch im Eigensinn) verloren gingen. Der Angestellte als Arbeitstypus der Spätmoderne kämpft alleine, und wenn es in Gemeinschaft geht, dann im Grunde nur noch, wenn Betriebsschließungen bevorstehen. Solidarität und Bewußtsein für Arbeit zeigen sich allenfalls noch in Ausnahmesituationen. Die Individualisierung der Menschen, die im Grunde Raum zum kritischen Bewußtsein hätte geben sollen, schlug in die Vereinzelung um.

  17. @Bersarin, nichts gegen deine Warteschlange, aber ich kam doch erst heute dazu.

    Zum 1. Abschnitt
    Wunderbar! genau diesesn Eigensinn meine ich auch. Nebenbei, immer wieder: für die Jungen ist das widerholte Alte Neues.
    ( „Wie bereits Proust habe ich alles erlebt, was zu erleben ist.“ Tja, das hätte mir mal einfallen sollen!… die gängigen arbeitssuchenden Profilingangaben / Lebensmotivationen sollen nach Musterbogen klingen: „aufgeschloßen und interessiert an Neuem“, „kann Konflikte konstruktiv bearbeiten“, “ zeige hohes Engagement und Leistungs-/ Lernbereitschaft“, „respektiere andere Meinungen und bin anderen gegenüber kontaktfreudig“ und sowieso „kreativ“, kommt immer gut…)

    Zum 2.
    Was dürfen wir von Philosophie erwarten? Sicher nicht die Lösung einzelwissenschaftlicher Probleme und Betrachtungen. Sie hat eine vornehmere Aufgabe. Sie soll Haltung zeigen – Haltung gegenüber komplexer Wirklichkeit, die sich einzelwissenschaftlicher Betrachtung entzieht – das ist ja auch wichtig. Eines ist aber doch klar, ein verstandener Problemfall von „psychischen Krankheiten“ unterliegt (verstärkt wieder) zu einem großen Teil der Deutungshoheit der empirischen Wissenschaften – und diese können keine empirische Basis vorweisen, dass solche sozialen Devianten Personen mit einer Krankheit sind.
    Und auch erfolgt die Diagnose psychischer Krankheiten auf Basis psyhatrischer
    Diagnosesysteme wie DSM oder ICD. Diese Diagnose-Schemata sind aber a-theoreitisch, d.h. es liegt ihnen kein wie auch immer geartetes Krankheitsmodell zudrunde. Es handelt sich vielmehr um Listen von Kriterien, die sich auf (wie es fachlich so heißt) „Verhalten und bekundetes Erleben“ beziehen. Diese Diagnose-Schemata sind a-theoretisch, weil es keine
    Krankheitstheorien gibt, die von einer Mehrheit aller Psychiater akzeptiert werden.
    …Soviel nur mal grob zu einem Ausschnitt von Fakten, die wir hier gar nicht durcharbeiten müssen/wollen, bloß, abstrakt dürfen sie doch bleiben ?!
    (die Literatur dazu reiche ich gerne im einzelnen mal nach, interessant ist aber allemal dazu ein kritisches Werke zur empirischen Lage der psychiatrischen Diagnostik: Whitaker, Robert. (2010). Anatomy of an Epidemic.“)
    (Psychoanalytische Methoden z.B. halte ich auch nicht für unsinnig oder nicht hilfreich für Menschen die man als Irre begreift.)

    Zu den sich hier herumtummelnden Schreibern: mich betreffend, legte ich ja schon die betroffenen Karten auf den Tisch, wegen meiner erwähnten Gemütsbelastung.

    Zum Eigensinn (da erhoffe ich mir vlt. mit der Zeit mehr, weil es auch, einfach gesagt, um viel Kunst hier im Blog geht), hier geht es (mir) um das Innenleben, Innerlichkeit oder wie man es nennen will.

    „Und diese Empfindung ist keineswegs subjektiv, sondern vom objektiven Gehalt..“
    Das nehme ich auch gerne so hin, ist ja auch nicht meine Empfindung, sondern eine subjektiv vermittelte/objektivierte.
    Es bleibt aber auch dabei -und das ist eben auch gerade was ich hier mit vermitteln will-, das Subjektive lässt sich nicht restlos objektivieren. Und der subjektive Rest, der sich der Beschreibung entzieht, ist der menschliche Eigensinn.
    Anders gesagt: Beziehe ich mich u.a. auf die Dialektische Theorie (vorwiegend so anzutreffen in der Persönlichkeitspsychologie).
    Für die dialektischen Persönlichkeitstheorien ist der Mensch ein widersprüchliches Wesen – und zu diesen Widersprüchen zählt auch die häufige Verleugnung der eigenen Widersprüchlichkeit. Die inneren Widersprüche – z. B. zwischen Pflicht und Neigung, Sex und Liebe, Realismus und Idealismus – sind der Motor jeder Entwicklung der Persönlichkeit.
    Die dialektische Theorie bezieht die Lehre von den Widersprüchen jedoch nicht nur auf den Gegenstand der Untersuchung, nämlich die Persönlichkeit, sondern auch auf sich selbst. Sie versucht, die Persönlichkeit zu beschreiben und ist sich zugleich bewusst, dass eine vollständige Erforschung der Persönlichkeit unmöglich ist.

    Fachkompetenz: Experten sind wichtig! Aber es müssen auch echte sein! Psychiater sind _meistens so_ kompetent für das eigenständige Innenleben wie lästige Marketingstudenten (zum dem Thema vertiefe ich mich ein anderes mal).

    Zum 3.
    Dem habe ich nichts gegen einzuwenden. Für die Brandtaten des 20 Jhd. Nietzsches Werke (oder die Schriften anderer „Gottesleugner“) verantwortlich zu machen, wäre ein Denkfehler. Aber: Zumindest als Subtext.

    Wenn wir von einem irren Philosophen sprechen, ja dann, kommt uns Nietzsche sprunghaft ins Gedächtnis, der war doch geisteskrank, weiß man doch, heißt es.
    Machte doch die Krankheit, schon früh die körperliche, einen großen Teil seines Lebens aus, aber in diesem Kern liegt der strittige Punkt, ob nicht ein großer Teil seines Schaffens nur krankes Werk ist… seine Krankheit soll angeblich doch viel früher eingetreten sein als viele wahrhaben wollen.
    „Nietzsche war doch verrückt; warum soll ich ihn lesen?“ sagt man mir manchmal. Nun, ich lese ihn ab und zu vielleicht gerade deshalb…
    Mir scheint es auch keine gute Idee zu sein, ein „pathologisch-euphorisches Schreiben Nietzsches“ (wie es HIRSCHBERGER nennt), wenn man es nicht schlicht verrückt nennen will, wörtlich zu nehmen.

    Nietzsches Gegenwehr auch mal ganz nett: „Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel.“

    Zum 4.
    Dazu möchte ich mich nicht so vertiefen. Natürlich weiß ich aber, daß Adorno eine Marx-Lektüre vornimmt und zudem ein besonderes Augenmerk auf die Eigensinnigkeit des Individuum legt (gerade wohl auch, weil er von den Schultern Nietzsches aus blickt) und deshalb zähle ich ihn nicht zu den orthodoxen Marxisten. Gewiss war das von mir auch irgendwo pauschal gemeint, wenn ich so allgemein von „den Marxisten“ sprach. Andererseits ist es auch nicht nichtssagend und pauschal verstehbar,
    in dem Sinn, dass Adorno keiner der orthodoxen Marxisten ist, wer letztlich auch immer diese sein mögen. Das heißt, zum Abgrenzen unter all jenes was man allg. in „den Marxisten“ auch packen mag: wenn man ähnlich wie Adorno Eigensinn, Philosophiekritik etc. etc. wahrnimmt, gehört man nicht zu jenen (Neo)Marxisten die das runterbrechen.

    ________________
    Irgendwie tauchen immer neue Fragen bei mir auf (auch durch ein aufklärendes Lesen hier im Blog) und sicher, es ist ein komplexes Thema, eine komplexe Symptomatik und Phänomenlologie bei den sog. „Kranken“ in dieser Thematik – aber ich will das jetzt mal dabei belassen und Dir nicht weiter auf den Keks gehen (nur eine vage Vermutung). Falls ich hier aber auch ab und zu was Kommentierendes „abladen“ darf, mit einer Bemühung dies in einem philosophisch-gesellschaftskritischen oder ästhetischen Rahmen zu halten (auch wenn ich daran noch arbeit muß),
    würde mir das freundlich zusagen.

  18. zum Eigensinn: hätten wir es da nicht – für manche prominent – mit Hermann Hesse zu tun? (Selber „Eigensinn „Hermann Hesse““ googlen – aber hier sei nur mal der der 3. hit verlinkt

    http://www.lyrikrilke.de/index.php?option=com_content&view=article&id=273:1-der-eigensinn-als-wegweiser-zum-ich&catid=66:hermann-hesses-weg-nach-innen&Itemid=124)

    Mit H. Hesse konnte ich allerdings eher wenig anfangen. Insbesondere seinen „Steppenwolf“ fand ich unglaublich mittelmäßig. Bei seiner Lyrik verhält es sich schon anders – die fand ich teilweise jedenfalls zumindest lesbar, gebe aber zu bedenken, dass ich von Lyrik sehr wenig bis fast nichts verstehe. Auch diese muss im Zeitkontext gelesen werden, und so erschienen mir die wenigen Beispiele, die ich mir zu Gemüte führte, recht schlüssig, was er zu sagen suchte, hatte er deutlich genug gesagt. Ob mich das nun noch etwas anging, steht auf einem anderen Blatt.

    Muss wohl im Kontext der Lebensreformbewegungen usw., eben im Kontext jener verzweifelten Aufbruchsstimmungen jener Jahre gesehen/gelesen werden. Aber was soll man von jemandem halten, der begeistert von einem Italienaufenthalt (in einem Brief) berichtet, er würde Aquarelle herstellen – die auch noch dazu eher naiv bis banal erscheinen – und dort in großen Mengen Rotwein und Opium konsumieren (sonst womöglich eher Hunger leiden) ?

    Der „Steppenwolf“ – in unerträglicher Weise ausgwalzt, wie jemand sich selbst gerne gesehen hätte. Also eine Phantasmagorie; die aber zur Selbstvergewisserung des Autors auf etwas vermeintlich Tatsächliches hinzudeuten sucht. Dieser geschilderte Phantast ist aber seltsam blass. Die erotischen Anspielungen/Beschreibungen sind einfach lächerlich. Klischees, die diesem jämmerlichen Möchtegernphantasten offenbar unerlässlich erscheinen, Zettelchen, die herumliegen, Mozart.

    Ähnliche kitschige Mythisierungen übrigens auch in der „Ästhetik des Widerstands“.

    Und dann die offenkundigen Anleihen bei Goethes Märchenerzählungen in Dichtung und Wahrheit ….

    Also, jedenfalls Hessens „Eigensinn“ stehe ich skeptisch gegenüber.

  19. Möglich könnte es sein, daß des Hartzers (nicht nur dem seine) Gängelung (durch System und Mensch) einerseits und der Mangel an Eigensinn dem einen wie dem anderen andererseits, in der Gesellschaft oft die sich nicht erkennend gegenüberliegenden Seiten derselben Medaille sind:
    Von den Menschen in unserer Gesellschaft wird also zunehmend nicht nur erwartet, dass sie sich politisch, sondern auch, dass sie sich psychologisch korrekt verhalten. Was politisch korrekt ist, definieren die Medien und was psychologisch korrekt ist, der Psychotrainer.
    Der Spielraum für Exzentrik und Eigensinn wird immer kleiner – und dies vor allem auch darum, weil die Menschen durch politische und psychologische Korrektheit zur Selbstversklavung erzogen werden. Sie kontrollieren sich gegenseitig. (Das Phänomen lässt sich allerdings allein mit diesem Gesichtspunkt nicht erklären.)

    Jutta Ditfurt wußte schon und schrieb in dem Aufsatzes „Kommunismus und Natur“, der in ÖkoLinX 26, Sommer 1997, erschienen ist:
    Wer unter einem gesunden Menschen einen arbeitsfähigen versteht, ist GegnerIn der sozialen Utopie einer Gesellschaft, in der die Menschen ausgehend von vollständiger sozialer Gleichheit sich nach ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen entfalten können.

  20. aber Thomas, so geht das, glaube ich, gar nicht, wie du versuchst anzufangen zu denken. Weil du nicht beliebst, dir auch nur einmal Gedanken gemacht zu haben, wie auch nur einer deiner am Liebsten benutzten Begriffe zu definieren wären, sind auch alle deine behaupteten Kausalitätsrealtionen haltlos.

    Nur weil – allerdings nur in deiner Perspektive – du glaubst, einige Begriffe in einen scheinbar sinnvollen Zusammenhang bringen zu können – dabei handelt es sich um eine seltsam absurde eigenbrödlerische Pseudo-Mimikri -, wird es dir dennoch nie jemand je zugestehen, dergestalt zu Aussagesätzen übergehen zu dürfen. Mit anderen Worten: Niemand wird je dir ohne hinlängliche Definitionen hin zu irgendeiner Schlussfolgerung folgen.

    Es fehlt einfach die Theorie !! Die du nicht hast. Wie liebe ich da die theorielastigen Elaborate der sog. Adorniten! Bei dir nur eine Aneinanderreihung von Worten! Definitionen würden dich zu einer Theorie zwingen.

    Für Dich also: Zuerst einmal Theorien lernen! Dann lernst Du auch Definitionen, und wie man schöne Sätze schreibt. Bitte nicht mehr dieses pseudo-kritische Nachgeplappere des eigenen Nichtverstandenen. So geht das nicht weiter.

    Von solchen intellektuellen Schwachmaten will ich mich, der ich auch mal ne Psychiatrie von innen gesehen habe, nicht verteidigt sehen. Es gibt bekanntlich intellektuelle Unzulänglichkeit, die auch schonmal als psychiatrisch behandlungsbedürftig diagnostiziert wurde.

    Pass also lieber auf.

  21. ok., ich habe geblöfft.

    trotzdem habe ich zwingend geschlossen. einige psychische Erkrankungen haben intellektuelle Nachlässigkeitenj, kleine Schwächen zur Folge. Das scheint erwiesen. Wer also solche an den Tag legt, ist psychisch krank. Ist das logisch oder nicht?

  22. @ Neuköllner Botschaft
    Interessantes Programm, es gefällt mir gut.

    @ Thomas
    Zur Frage der psychischen Krankheiten schrieb ich es bereits: Ich kenne mich in diesem Bereich nicht aus, da ich weder Arzt noch Psychologe bin. Insofern halte ich diesen Blog für ungeeignet, diese Dinge hier zu besprechen. Da ich bestrebt bin, kompetente Texte zu schreiben, muß ich diese Aspekte aussparen. Selbst die Psychoanalyse ist in meiner Lektüre eine solche, die sich auf Kunstwerke bezieht bzw. philosophisch konnotiert ist.

    „Und der subjektive Rest, der sich der Beschreibung entzieht, ist der menschliche
    Eigensinn.“ Dieser Eigensinn oder die Innerlichkeit anderer interessiert mich ebenso wenig wie die Psyche von Menschen, die in Blogs schreiben. Ich kenne Dich nicht, Du kennst mich nicht. Wir schreiben hier Texte, und insofern geht jegliches Diagnostizieren fehl; mich interessieren Texte: Solche zur Kunst, solche zur Philosophie, solche der Literatur. Innerlichkeit oder Persönliches oder Subjektives ist für mich im Kreis meiner Freundinnen und Freunde bedeutsam. In der Blogwelt sind mir die Menschen, die ich nicht persönlich kenne, egal. Und ich interessiere mich bei den wenigsten Texten für den Menschen hinter oder unter oder über dem Text.

    Mit Derrida kann man im Hinblick auf Nietzsche sicherlich schreiben: „Ein ‚Wahnsinn‘ muß über das Denken wachen“

  23. @wortanfall, geblöfft – Ziggev:

    „einige psychische Erkrankungen haben intellektuelle Nachlässigkeitenj, kleine Schwächen zur Folge. Das scheint erwiesen. Wer also solche an den Tag legt, ist psychisch krank. Ist das logisch oder nicht?“

    Die Wissenschaft sagt unmissverständlich, dass die Validität psychologischer Erkenntnisse fast immer höchst fraglich ist. Je näher ein psychologisches Experiment dem Ideal naturwissenschaftlicher Erkenntnis kommt, desto weniger lässt es sich auf das reale Leben übertragen. Je lebensnäher eine Studie jedoch ist, desto schwieriger ist es, aus ihr logisch zwingend allgemein gültige Erkenntnisse abzuleiten.
    Nein, in deinem geblöfften Text orientiert um ein/mein Berechtigungskonzept, steckt viel mehr Berechtigtes drin als du ihm vielleicht wieder nehmen willst durch die logische Frage. Also, erstmal sich fragen was ist eine so genannte psychische Erkrankung…

    Die Formulierung deiner Frage ist logisch! (Aber was lernen wir daraus?)
    Auch wenn sich die Argumentation zu solchen „Erkrankungen“ nicht gerade durch eine zwingende Logik aus zeichnet.

  24. also, meiner Erfahrung nach wissen erfahrene Psychiarter, dass sie nichts wissen.

    nur Möchtegerne und Anfänger gehen von einem Schema aus, das strikt von Symptomen auf Diagnosen schließt. Diagnosen, mit denen sie ohnehin fast nix anfangen können. Deswegen folgern so nur Ungebildete und Möchtegerne. Die ganz blöden Psychiarter wollen dieses Wissen Dir, falls Du Patient bist, vorenthalten. Sie sagen Dir die Diagnose nicht, wissend, dass die Diagnostik so gut wie nichts besagt. Als wissender Patient weißt Du das aber und hast diese „Fachleute“ sowieso nicht nötig.

    Joggen, Meditation. Auf diese Weise, durch ein meditatives pragmatisch orientiertes Bewusstsein, habe ich schon so manche Psychiarter mit hochschulmäßigen Ambitionen Matt gelegt. Je höher sie sich in akademischen Hierachien wänten, umso leichter war es.

    Ich war mal in ner Psychiartrie. Nach unserem ersten Gespräch nahm der Stationsarzt nur noch Reisaus, wenn er mich sah. Aber die schlanke und blonde und sportliche Praktikantin mit den blauen Augen, die bei jenem Gespräch dabei gewesen war, traf sich von nun an mit mir zur bestimmten Stunde an einer überschatteten Stelle. War ich nun gesundet? Ja, mehr als das.

  25. @Bersarin, „Zur Frage der psychischen Krankheiten…“ ist ja in Ordnung, ich hatte halt etwas, im Normalfall könnte man sagen, normalen Gesprächsbedarf.

    Und ich empfand es auch nicht zu arg abschweifend oder aufdringlich und dachte mir, daß so etwas, aus der Nähe, wie Strategien der Lebensbewältigung, Verständnisfragen über dieses „Irre sein“ nicht ganz bei so einem philosophischen Blog falsch sein könnte – mit interdisziplinären Bedeutungen und Anmerkungen meinerseits.

    Ja, das ist m.E. gut beschrieben @Ziggev.
    Im Zusammenhang mit meinen eigenen Erfahrungen habe ich auch die Arroganz, ja ich benutze diesen Begriff ganz bewusst, von Psychiatern kennengelernt, die mit ihren Patienten nicht über die “Diagnose”, die sie ihnen hatten zukommen lassen, sprachen, obwohl die Patienten (die ich kenne) die KAUSALITÄT einforderten; ebenfalls die Arroganz von den jenigen “therapierenden” Psychologen, die das Thema gekonnt umschifften. Sie hatten die Diagnose schließlich nicht erstellt.
    ( Ich bin kein Patient, hatte aber persönlich die Rolle des Patienten schonmal )

    Meditation oder Selbsttherapie, genau, ja, ja, das sind mir bekannte Begriffe, natürlich ist da Vorsicht geboten, wir wollen ja nicht in der Esoterik landen. Aber andersherum, vom klinischen Blicke her ist diese auch geboten: Ein „Spinner“ beispielsweise, sanft wie ein Schaf, der sich hin und wieder vor den Ausgeburten seiner Phantasie fürchtet und dem dann das Etikett „Schizophrenie“ – gleichsam von Amts wegen – durch die Psychiatrie angeheftet wird… dieser „Spinner“ muss damit rechnen, dass ihm Menschen, dem allgemeinen Vorurteil entsprechend, so begegnen, als sei er potentiell gefährlich oder gewalttätig, obwohl seinem Naturell nichts ferner liegt als dies.

  26. … um die Sache rund zu machen. es hilft nicht nur, siche ohn Erbarmen in die Arme der Esoterik zu werfen und nicht weniger entschlossen die Praktikantin zu ficken, beides ist nur eine „Technik“, wie Osho zufolge sowieso jede Form von Meditation, ohne Meditation geht´s allerdings nicht, – das reicht aber so nicht hin. hinzukommen muss die richtige Lektüre. meine Empfehlung: zuerst einmal Proust, das sind ca. 3500 Seiten. reicht natürlich nicht, also Adornos Minima Moralia, ein schmales Bändchen, also mindestens 2 mal. Sprache, das muss sein, als Gegengewicht, da sich einmal bedingungslos in die Arme der Esoterik geworfen, es gibt keinen Ausweg, daher Th. Manns Doctor Faustus. Virginia Woolf. Ganz groß. Weniger bekannt: Comenius, aber auch mal bei Grimmelsausen vobeischauen. (großartige Neuübertragung jetzt im Eichborn Verlag), nicht vergessen, Meditation und Joggen oder Yoga (wenn der Miniskus nicht mehr so mitspielt), aber Proust, Adorno und Thomas Mann, die letzteren beiden in syntaktischer Höchstform, sind unerlässlich.

    Einmal angefixt kommen natürlich noch Aristophanes und Thykidides hinzu. Du hast dich immer noch nicht aus esoterischer Umklammerung befreit? Kein Problem, es gibt ja noch Aristoteles´ Metaphysik; immer noch nicht gesund? Adornos Syntax, Proust.

    So wird ne runde Sache draus.

  27. wirklich nicht erfunden: beim „Einstellungsgespräch“, als ich aus freier Entscheidung diese Klinik aufsuchte, bot mir die Psychiarterin sonne Pille an, wirklich eklig, probieren Sie doch mal das hier, der Film, in dem der schmierigste Drogendealer dargestellt wird, und der es mit ihr hätte aufnehmen können, muss erst noch gedreht werden. ich habe sie erstmal, in Sachen Kausalitätsfragen, u.A. mit Verweis auf die INUS-Bedingung derart zusammengeschissen, dass sie original am nächsten Tag buchstäblich ihre Sachen packte.
    Also: ich, der Patient, saß dort draußen, nach meiner Meditation, trank seelenruhig meinen Kaffee, Zigarettchen dabei und mit einer barock-gekünstelten Geste abaschend, die ich mir vom Goldschied, den ich kenne, abgeschaut habe, und sah zu, wie sie ihre Kartons einlud.

    Diese Kausalitätsrelastion ist natürlich bloß Vermutung. Aber als ich gerade so richtig in Fahrt gekommen war, um sie so richtig zusammenzuscheißen, hechtete sie auf einmal rüber zum Tisch, um das Aufnahmegerät, das ich nicht bemerkt hatte, hastig auszuschalten.
    Wie ich erfuhr, wechselte sie in eine Klinik für die wirklich „harten Fälle“, wo sich die „Behandlung“ in der Tat auf die Verabreichung von Medikamenten beschränkte.

    Und als ich, wie gesagt, mit dem Stationsarzt fertig war, wich der mir nur noch aus und vermied es, mir in die Augen zu sehen.

    Von da an war der Klinikaufenthalt supergute Ferien, von der AOK bezahlt. ca. 60 % der depressiv Erkrankten sind junge Frauen – in deren Herumschwirren ich mich unauffällig hineinbegeben konnte. dann waren da die anhimmelnden Blicke der Praktikantin …

    Ich muss wohl thearpieresitent sein. Jedenfalls habe ich bisher jede Psychiarterin, die mit meinem Fall betraut war, erbarmungslos in mich verliebt gemacht, wenn ich sie nicht, wie oben beschrieben, weggebissen habe. Erst recht mit diesen (männlichen) Möchtegernhelfern.

    Wenn mir jemand etwas zu Essen gibt, wedele ich mit dem Schwanz, wenn mir jemand dumm kommt, dann beiße ich ihm ins Bein. So etwa soll Diogenes gesagt haben.

    Daran habe ich mich gehalten, und das habe ich diesen Psychologengesocks Spüren lassen.

    Aus lauter Mitleid mit diesem Berufsstand habe ich es aufgegeben, mich weiter therapieren zu lassen.

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