„Lesewesen“: Es weihnachtet, es wichtelt, es julklappt

Demnächst zumindest. Und auch Nikolaus steht vor der Tür, und da möchte der eine oder die andere irgendwem eine Freude bereiten. Weh dem, der keine Freunde hat, der braucht niemandem etwas zu schenken.

An manchen Tagen bin ich so ganz und gar Post-Privacy und da empfehle ich dann etwas, das Menschen, die ich kenne, geschaffen haben. Wer also ein kleines Geschenk für die Party, eine Aufmerksamkeit für eine attraktive Freundin oder einen schnicken Freund, eine Gabe für den Nikolausschuh, eine Wiedergutmachtung für einen Seitensprung sucht und wer zudem Bücher mag oder denkt, daß die Beschenkte eine gewisse Lese- und Buchaffinität besitzt, die oder der sei auf das Buch „Lesewesen“ von Juliane Pieper hingewiesen. Eine Typologie des Lesers in Schrift und in Bild wird uns in diesem Buch vorgestellt. Vom „Papiertiger“ bis zum „Leser schmutziger Heftchen“, vom „Blogleser“ bis zum „Vorleser“, von der „Frauenlesegruppe“ bis zum „Straßenbahn-Mitleser“ reicht das Spektrum – phantasievoll und mit genauer Feder illustriert, hintergründig und witzig geschrieben. Da entpuppt sich der scheinbar banale alltagspragmatische Fahrplanleser als Kunstfreund, der die Welt der Linien und Farben angemessen zu würdigen weiß, und es gibt sogar einen Weinleser, dem als Freund der Natur und der gehaltvollen Getränke sein Lesestoff aus natürlichen Materialien am liebsten ist. Weinpresse und Druckerpresse verbindet in diesem Sinne mehr als nur Kompositum zu sein und ein gemeinsames Morphem zu enthalten. So sag ich das mal in meinen Worten.

Juliane illustriert in schlanken Linien, pointiert ihren Text mit Zeichnung, die mal surreal, mal grotesk, absurd oder eben assoziativ auf’s Thema gehen und karikiert die Szenen so, daß sich im Bild oft eine unerwartete Wendung einstellt.

146_20013_138792_xxl Wer Bücher mag und gewitzte, hintersinnige Illustrationen schätzt, der wird an diesem Buch Freude haben. Ein kleines, feines , subtiles und manchmal bösartiges Stück Text samt Zeichnungen. Nichts Menschliches ist diesen Leserinnen und Lesern fremd, die Juliane Pieper in diesem Buch präsentiert. Denn auch Lesewesen sind nun einmal Lebewesen.

Juliane Pieper, Lesewesen, Heyne Verlag, 4,00 EUR

 

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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