November – Fragmente der Melancholie

Novembermond, Novemberabend, Novemberhimmel, Novemberrauch, Novemberrevolution, Novemberassoziationen: November: dem November ist die Farbe schwarz zugeordnet. Mich erinnert November unter anderem an Martinsgansessen, Herbstlaub auf der Straße, das kühle Kleistgrab, unendliche Spaziergänge im Nebel unter kahlem Geäst, die Rotweinnächte mit ihr während des Studiums, Fahrradfahren in der Kälte, ein Seminar über Walter Benjamin, die Musik des Zufalls, Potsdam, am Ende des Monats November, als Du mir entgegen kamst, mit Deiner Mütze und eingehüllt in die Jacke, Dein Lächeln, mich erinnert der November an einen Spaziergang im Park Sanssouci und an eine abendliche Autofahrt nach Westberlin, verfahrene Wege und am Abend einen coq au vin zubereiten. November ist mir der liebste Monat. Bauernregel: „Allerheiligenreif macht zur Weihnacht alles steif.“ Männerträume im Dampfbad. November ist Nebel und nachts nach Hause im ersten Schnee. Morgens der Raureif und Gefrorenes. Schönes kaltes Herz. Frostherz.

Und natürlich erinnert mich der Monat November samt seiner Assoziationsketten und den kühlen Erinnerungsmomenten, die gleichzeitig wieder vergehen, verglühen und zerrinnen (call it hot love, call it simultaneity), an jene gleichnamige Erzählung von Gustav Flaubert:

„Ich liebe den Herbst; die Jahreszeit der Trauer stimmt gut zu Erinnerungen. Wenn die Bäume kahl sind, wenn am Himmel die tiefroten Farben des Sonnenuntergangs schwimmen und das vergilbte Gras übergolden, dann gewahrst du mit Entzücken, wie alles verlischt, was jüngst noch in dir brannte.“

November ist der Monat der Melancholiker. Er ist der Monat derer, die jenes l’art pour l’art als letzten Ort beziehen.

 
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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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8 Antworten zu November – Fragmente der Melancholie

  1. Partystein schreibt:

    …Jetzt aber bitte nicht zu melancholisch werden…!;)

  2. Bersarin schreibt:

    Nein, nein, in Wahrheit sind die Bewohner des Grandhotel Abgrund heiter und frönen dem vielen Wein.

  3. Bersarin schreibt:

    Allerdings: dies ist und bleibt am Ende doch unser Ort: Stranger than kindness.

  4. Partystein schreibt:

    Ja, ja, der gute, alte Herr Bargeld noch zu Zeiten der dreieckig geknöpften Lederhose:)
    Schön melancholisch! Dafür hat man sich doch zurecht die Beine in den Bauch gestanden.

    …Da du es ja versäumt hast, dem lieben Lou Reed hier noch eine letzte Ehre zu erweisen, fühle ich mich mal berufen, dieses für dich zu erledigen, denn ich habe soeben festgestellt, dass ich von Lou Reeds Soloprojekten eigentlich viel zuwenig Ahnung hatte… Vielleicht geht es dir ja auch so?

    War dir z.B. die große Ähnlichkeit zwischen Lou Reeds „Sword Of Damocles“ (…nicht zu verwechseln mit Sophokles…!)

    und „Disarm“ von den Smashing Pumpkins bewusst?

    Ist doch verblüffend, oder?

  5. Bersarin schreibt:

    Leider konnte ich Lou Reed nicht würdigen. Ich habe ihn vor einigen Tagen wegen permanenter Unfreundlichkeit seiner gerechten Strafe beim Tai-Chi-Sport zugeführt.

    Das schmälert nicht seine Verdienste bei VU. Diese sind freilich bereits über 40 Jahre her und insofern aufgebraucht.

  6. Bersarin schreibt:

    Die Stimme der Sängerin von den Smashing Pumkins reicht allerdings nicht an die raue und klare Stimme von Lou Reed heran. Sollte ich doch den Falschen abberufen haben?

  7. Partystein schreibt:

    …Ist das jetzt doch noch nachträgliche, gehässige Lou-Reed-Gedenk-Ironie, oder wusstest du wirklich nicht, dass da keine Frau, sondern Billy Corgan singt?:)

  8. Bersarin schreibt:

    Partystein, das ist eine sehr frauenfeindliche Position, diese Sängerin nun zu einem Mann umzugendern. Ich kannte übrigens auch mal eine Frau, die Billy hieß. Aber es gibt ebenfalls einen Boy names Sue.

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