Death of the Author – Die Tonspur zum Sonntag

Die Autorin bzw. der Autor sind eine überflüssige Instanz, wenn es um die Struktur des Textes, um den (literarischen) Text als solchen geht. Kein Text ist über seinen Verfasser auch nur annähernd in den Horizont des Lesens, des Sinnes, des Gegensinns samt der Zerstörung des Sinnes und des Gegensinnes zu bringen. Autorin und Autor in ihrer herkömmlichen Weise sind Fiktionen, die von einer bürgerlichen Literaturindustrie geschaffen wurden. Damit sich unendliche Interviews führen und Proustsche Fragebögen beantworten ließen. Der gelungene Text jedoch streicht seinen Verfasser bis zur Unleserlichkeit durch. Es bleibt ein Text übrig, der mit verschiedenen Ebenen und Strukturierungen getränkt ist – dazu mögen sicherlich auch die biographischen Regungen zählen. Nur sind die für uns nie oder schwierig lesbar. Dennoch gibt es ein Leben der Autorin sowie des Autors. Es gibt Auto-(bio)graphien. Aber auch diese Schriften sind wiederum: Texte. Wie ein Leben zu schreiben sei? Dies bleibt die Frage, der sich eine Ästhetik, die die Regung des Körpers durchaus ernst nimmt, stellen muß. Wie ein Leben in einen Text sich transformiert, wie die Umschriften ausfallen, wie die Körper sich wandeln, die Lebensregungen sich vermitteln. Jacques Derrida stellt immer wieder die faszinierende Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Autobiographie, von der Produktion des Eigennamens, wie wir uns in unserem eigenem Namen von einem Datum herschreiben und in den Text bringen. Derrida selbst war der Autobiographie (des Autors) nie abgeneigt: Er wirkte sogar daran mit, und zwar unter dem Titel der „Zirkumfession“ in Geoffrey Benningtons Derrida-Portrait aus dem Jahre 1991.

Roland Barthes formulierte in den 60er Jahren jenen Tod des Autor aus, es wurde dieser Texttitel zum geflügelten Wort: Barthes schränkte die Autorenschaft ein, um für den Leser, für die Leserin Platz zu schaffen. Es sollte der Akt des Lesens an die Stelle des Produktionsaktes von Text treten, gleichsam eine „Lust am Text“ mußte sich in der Lektüre einstellen. Wobei es Barthes in diesem Zusammenhang zugleich um eine Weise von Körperlichkeit geht: die „Verknüpfung von Körper und Sprache, nicht von Sinn und Sprache“, wie er schreibt. In diesen Zeilen, wo der Text zu einem Objekt der Lust sich wandelt, vermag ich Barthes nicht zu folgen. Sie schießen in ihrem Begehren über das Ziel, inthronisieren den Text als körperliche Unmittelbarkeit. Diese ist uns Hegelianern durch und durch fremd. Es gibt nichts Reines, sondern es vermitteln sich die Aspekte, die Dinge, die Lebensweisen, die Sprache, der Sinn und eben auch: der Text.

[Jener einen gewidmet, mit der das Leben jene wunderbare, verwirrende, reizvolle, geheime Achterbahnfahrt ist und manchmal auch eine Fahrt auf der Spree, mit Rieslingsekt von einem phantastischen Weingut vorab. Eine Autofahrt über die Landstraßen an einem Wintertag, jenseits der Stadt und weitab ins Dunkle. Fahrland. Jenseits aller Konventionen und der bürgerlichen Moral. Für die meisten Menschen gänzlich unverständlich. Penthesilea und Achilles sind nicht nur die Metaphern oder die Verweise auf eine Struktur im märkischen Sand und in den Staub der Schlacht gehüllt. Es sind die realen Küsse und die Bisse, die sich reimen, die zusammengehören. Aber am Ende – und hoffentlich – ohne den Riß und das zerschundene, zerstörte Fleisch, das tropft, ausfließt und das in den Fetzen vom Körper hängt. Insofern ist die Sinnlichkeit dieser Musik jener einen gewidmet.]

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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