Wenn mittelalte Frauen sich die Haare blondieren – Cat Power in Berlin in Concert

Schöner Titel, fein reißerisch. Manchmal aber zutreffend. Eine ausnehmend lustig-treffende Konzertkritik hat – wieder einmal – Jens Balzer in der „Berliner Zeitung“ geschrieben. Weil ich nun die Popmusik nicht sehr schätze, deshalb kaum bis selten zu Konzerten gehe und insofern auch keine Konzertbesprechungen mache und weil ich lange nicht so lustig und pointiert schreiben bzw. beobachten kann, denn die Welt der Konzerte samt verschwitzter, mir Übelkeit verursachender Menschenmassen, ist dem Bewohner des Grandhotel Abgrund nur fremd, gebe ich die entsprechenden Zeilen zum Konzert von Cat Powers einfach nur wieder. Im Grunde hätten diese Passagen jedoch aufgrund ihrer Dreistigkeit andererseits auch wieder von mir sein können und nicht von Jens Balzer.

„Auch sieht Chan Marshall auf den ersten Blick ziemlich zerrüttet aus. Trotz der dräuenden Hitze im Huxley’s hat sie sich mit einer zu steifen sowie fraglos zu warmen Lederjacke bekleidet. Und seit ihr Lebensgefährte Giovanni Ribisi sich von ihr wegen des blonden Models Agyness Deyne getrennt hat, blondiert sich auch Chan Marshall die Haare. Allerdings sieht sie damit nicht wie Agyness Deyne aus, sondern vielmehr wie Bärbel Schäfer.

Die Art und Weise, in der sie sich über die Bühne bewegt – sie stakst mit leicht vorgebeugtem Oberkörper herum und lässt die Oberarme wie kaputte Scheibenwischer auf und ab zucken –, erinnert hingegen an Joe Cocker. Zwischen den 16 Songs ihres sachgerecht öden und zerrütteten Auftritts nippt sie an einem Becher, aus dem ein Teebeutel hängt, was auf ihren weiterhin gelingenden Alkoholentzug verweist.

Nach einer Weile fragt man sich freilich schon, ob nicht einmal ein Roadie den Beutel entfernen könnte. Wenn man Tee zu lange ziehen lässt, wird er ja bitter.“

So ist es. Darauf erst einmal eine Flasche Riesling! Was mich daran erinnert, die Rubrik „Der Blogtrinker“ wiederzubeleben. Schlechte Musik bzw. mißratene Konzerte – und das verstehen die Poptröten häufig nicht, die Balzers Stil als herablassend kritisieren – werden mit einer entsprechenden Kritik geahndet.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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2 Antworten zu Wenn mittelalte Frauen sich die Haare blondieren – Cat Power in Berlin in Concert

  1. che2001 schreibt:

    Den Riesling habe ich gerade hinter mir, gab´s zu lecker Spargel.

  2. Bersarin schreibt:

    Spargel gab es gestern. Aber zusammen mit einem Grünen Veltliner, der ausgesprochen lecker und schmackhaft war. Tja, heute werde ich deshalb wohl nur Wasser trinken.

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