Daily Diary (66)

 

13_06_01

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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8 Antworten zu Daily Diary (66)

  1. genova68 schreibt:

    Hat was von Martin Pfarr und die Mittelklasse.

  2. Bersarin schreibt:

    Martin Parr ist für meine Photographien insgesamt Lehrer und wenn der Begriff nicht so abgeschmackt wäre, würde ich fast sagen, daß er auch ein Vorbild abgibt. Es ist einer der Photographen, die ich am meisten schätze. Allein wegen Parr besuche ich die Strände des Meeres, erfreue mich an den jungen Frauen, die allesamt in 15 oder 20 Jahren welk und unsichtbar werden: Dann beginnt der Photographierspaß. Gleiches gilt für die Männer: vom trainierten Sixpack in der Jugend zum Bauchansatz durchs Leertrinken von Sixpacks. Ich liebe die Verwesung und die Vanitasmotive.

  3. genova68 schreibt:

    Ich habe leider immer Probleme damit, Menschen zu fotografieren und sie in den blog zu stellen, es sei denn, aus großer Entfernung. Ich habe schon des öfteren Leute auf den Fotos wegradiert. Nicht wegen juristischer Befürchtungen, sondern weil die sich nicht wehren können. Ich weiß nicht, wie man damit am besten umgeht. Pfarr zeigt ja, dass es geht. Es kommt wohl wirklich darauf an, wie man die Leute darstellt: entblössend oder in sich stimmig.

  4. Bersarin schreibt:

    Dieses Problem der Darstellung sehe ich ebenfalls. Ich bilde deshalb häufig Menschen von hinten ab. Ich vermeide ebenfalls entstellende und die Person herabwürdigende Situationen. Andererseits ist dies nie auszuschließen. Denn wenn jemand sagt, er fühle sich durch die Darstellung herabgewürdigt, kann ich ihm dies ja schlecht absprechen.

    Es ist dies eine schwierige Situation. Andererseits finde ich es idiotisch und die Photographie entstellend, wenn ich jedes Gesicht nun pixele. Portraits leben vom Gesicht, vom Ausdruck und der Mimik.

  5. genova68 schreibt:

    Nee, pixeln geht überhaupt nicht, in der Tat. Das sieht aus wie ein fetter Gesichtstumor. Das Foto da oben ist schon sehr cool, vielleicht auch wegen der Farben. Hast du die bewusst in eine bestimmte Richtung hin verändert? Es sieht ja kühler aus, als es vermutlich ist, wenn man sich die leichte Kleidung der Touristen anschaut.

  6. Bersarin schreibt:

    Ich habe in diesem Bild nicht viel geändert – es war das Licht, das kalt war. Parr hat übrigens seine Photos teils mit einem speziellen Blitzlich geschossen, so daß dieser kalte Effekt zustande kam.

    Was Du ansprichst, ist zudem eine Frage, die für die Theorie der Digitalphotographie interessant ist. Vor einige Wochen gab es eine Debatte über die Gewinnerphotographie des World Press 2013: es wurde das Bild nachbearbeitet. Siehe z.B. dem Artikel hier: http://www.sueddeutsche.de/medien/streit-ueber-world-press-photo-zu-viel-licht-1.1672199

    Dieser Streit ist insofern absurd als er von Leuten geführt wird, die (vermutlich) niemals in ihrem Leben in einer Dunkelkammer gearbeitet haben. Dort sind Verfahren wie abwedeln, nachbelichten, aufhellen selbstverständlich. (Alles das mache ich auch im digitalen Bild in meinem Programm) Manipulation liegt genau dann und nur dann vor, wenn ich das Bild verändere und Szenen herausschneide oder irgend etwas hinzu füge. Kein Ast, kein Grashalm, kein Zweig, keine Hand, kein Nichts darf entfernt oder eingbaut werden, wenn es sich um ein dokumentarisches Bild und erst recht, wenn es sich um Photo von Journalisten handelt. In der Kunst ist es etwas anderes, wenngleich auch Gursky dokumentiert. Aber dies macht er auf eine andere Weise.

    Insofern: ich ändere manchmal durchaus die Farbtemperatur, ich hätte es, sofern erforderlich, auch bei diesem Bild gemacht. Aber hier hatte ich ausnahmsweise mal Glück und mußte wenig nachbearbeiten. Aber wie gesagt: Nachbearbeiten gehört zur Arbeit in der Dunkelkammer. Selbst die Digitalkamera hat übrigens bei den jpgs Algorithmen, die das Bild bestimmen. Wer es rein möchte, macht raw-Bilder. Besser ist es.

  7. genova68 schreibt:

    Du meinst also, im Journalismus darf man nichts ändern, die Farbtemperatur aber schon? Hm. Man kann die Farbtemperatur vielleicht dahingehend ändern, dass der erzielte Effekt dem eigenen Empfinden am Aufnahmeort entgegenkommt, wenn also eine Art Konkretisierung der Realität hergestellt wird. Aber du kannst doch aus journalistischer Sicht nicht behaupten, dass dieses Atmosphärische keinen eigenen Wert habe. Fotos in Reiseteilen leben von der richtigen Farbtemperatur und ich vermute, man kann einem den geplanten Südseeurlaub madig machen, wenn man die (Farb-)Temperatur auf Islandniveau herunterfährt.

  8. Bersarin schreibt:

    Es sollte in Bildern, die als Dokumente dienen, nichts im Bild so umgestaltet werden, wie es nicht war. Aus Sonne kann ich keinen bedeckten Himmel machen, aus Tag keine Nacht. Photographien von Journalisten sind allerdings in einem bestimmten Sinne immer selektiv oder manipulativ und liefern – allein durch die Wahl des Aufnahmeortes, des Objektivs, der Bildauswahl usw. – einen Ausschnitt der Realität: wenn ich Neapel von einem schönen Aussichtspunkt photographiere, will ich die angenehmen Seiten darstellen, wenn ich Müllberge in einem Reisebericht ablichte, ist auch hier die Absicht klar.

    Im Fotolabor lief es früher nicht anders ab: es wurden Kontraste erhöht und damit eine Dramatik erzeugt. Natürlich kann ich kaltes Licht oder warmes Licht setzen, solange es zumindest an der Annäherung der Aufnahmesituation entspricht. Schon die Umwandlung von Farbe in s/w ist ja eine Transformation, die auch den Blick auf ein Bild berührt.

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