Daily Diary (62)

 

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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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10 Antworten zu Daily Diary (62)

  1. hANNES wURST schreibt:

    Jedenfalls ist es gut, dass die Kriegsberichterstattung nicht Ihre Profession geworden ist.

  2. Iris schreibt:

    Nichts entkommt der Auslöschung. Davor wenigstens einmal wenigsten von einem wenigstens eines Hinsehens für würdig erachtet zu werden. Egal aus welcher Motivation, mit welcher Intention. Das ist schon etwas.
    Ich bin noch nicht dahintergekommen, warum mich diese Fotografien von toten Vögeln so besonders ansprechen.

  3. hANNES wURST schreibt:

    Es hat vielleicht etwas mit den Wechseljahren zu tun.

  4. Bersarin schreibt:

    Das, Hannes Wurst, haben Sie aber nicht nett geschrieben. Sie scheinen mir meinen Platz in bezug auf das Anrempeln anderer Menschen streitig machen zu wollen. Allerdings: ich rempele und reagiere nur dann bösartig, wenn man mir dummes Zeug erzählen will.

    Ich war in den 80ern kurz davor nach Israel zu gehen. Ja, gut daß ich es nicht tat.

    @ Iris
    Das ist richtig: der Auslöschung, dem Tod, dem Ende entgeht nichts. So wie Dich diese Photographien ansprechen, so reizt mich das Motiv selbst: tote Vögel, tote Tiere ins Bild zu bringen. Auf Mallorca sah ich bei einer Wanderung durchs Gebirge – es muß wohl vor zwei Jahren gewesen sein – zwei tote, verweste Schafe am schmalen Wegesrand liegen. Die weiße Wolle war bereits braun und durchgesuppt. Nicht einmal mehr die Fliegen waren an diesen Tieren. Es roch erbärmlich, was mich dann vom Photographieren abhielt. Und zugleich ein kurzer Reflex von Pietät: kann und darf man Totes abbilden? Ich mußte auch an Baudelaires Gedicht „Ein Aas“ denken. Immer wieder interessant, wie dieses Gedicht konstruiert ist. So ging ich weiter, ohne ein Foto gemacht zu haben.

  5. hANNES wURST schreibt:

    Ich finde meine Kommentare stets total geil. Abends lese ich gerne noch einmal alle durch und destilliere ein best of. Niemand beherrscht alle Kommentarniveaus so meisterlich wie ich, vor allem in den unteren Etagen leiste ich Erstaunliches. Ich bin übrigens auch der Erfinder des Sub-Bloggens. Das Sub-Blog rankt wie Efeu an den aufrechten Mühen der originären Blogger und macht alles nur noch schöner. Das hat nichts mit dem köstlichen, dunklen Trappistenbier zu tun, das ich heute erprobt habe.

  6. Iris schreibt:

    @Bersarin
    „darf man Totes abbilden?“ Oder ist das pietätlos?
    Ich empfände Wegsehen als pietätlos. Gut, das Abbilden geht ein ganzes Stück über das Hinsehen hinaus. Auch ein (genaues) Beschreiben tut das. Übrigens gefällt mir das Gedicht Baudelaires, das ich bisher nicht kannte, eben wegen seiner Genauigkeit und Detailliertheit der Beschreibung.
    Hat, ob dieser Akt pietätlos (was ich hier mit respektlos übersetze) ist oder respektvoll, vielleicht eher damit zu tun, ob man sich, sowohl beim Hinsehen als auch beim Abbilden oder Beschreiben, ganz dem toten Wesen zuzuwenden und von sich selbst abzusehen vermag oder ob man mehr bei sich und den eigenen Empfindungen beim Anblick des Todes ist? Eine untergeordnete Rolle würde da für mich spielen, ob das Interesse ein kühl wissenschaftliches oder warm anteilnehmendes oder … ist.
    Die Abbildungen toter Tiere, wie ich sie hier im Blog finde, haben für mich nichts von Zurschaustellung, sondern etwas Würdigendes. Sie lenken den (meinen) Blick auf die Vollkommenheit des jeweiligen Wesens, und darauf wie verletzlich es ist und wie unausweichlich dem Tod und dem Zerfall unterworfen. Das gefällt mir. Ob das nun Deiner Absicht entspricht, kann ich nicht wissen, natürlich spielt da mein eigener Blick mit hinein. Eine andere mag diese Bilder ganz anders sehen.

  7. Bersarin schreibt:

    @ Iris
    Zunächst einmal freut es mich, daß Dir diese Bilderserie gefällt. Du dürftest da wohl zu einer Minderheit gehören.

    Wie wende ich mich dem toten Wesen zu? Ich glaube, ich denke eher über die photoästhetische Inszenierung nach, wie bilde ich ab, welcher Blickwinkel? (Ich verändere die Objekte, die ich in den Straßen photographiere, übrigens nicht. Lasse alles so, wie es daliegt.) Erst im zweiten Akt, wenn ich mir das Bild dann betrachte, geht es hin zu diesem Tier, das nun tot ist. Aber:: Ich bevorzuge die Kühle des Blicks. Ich liebte schon als Jugendlicher die Dandys, die in Distanz stolzierten. Der kalte böse Literaturblick Kafkas. Vielleicht nur deshalb mache ich solche Photographien und weil die meisten Menschen für diese Bilder nur Unverständnis überhaben. Es geht darin nicht um einen Kult des Todes, der zu praktizieren sei, sondern vielmehr, diesen in Bilder zu bringen

    Ja, pietätlos möchte ich ebenfalls mit respektlos übersetzen. Dennoch: es mischen sich bei mir die Sphären zwischen der Faszination und dem Grauen, dem Bedauern, daß es eine Instanz wie den Tod gibt, dem reinen Ästhetizismus eines Körpers, der einst voll und ganz mit Leben angefüllt war und der nun bloßer Körper, Objekt unter Objekten ist. Mithin: tot. Da, wo ein Leben war, ist nichts mehr. Mich hat schon immer das Verschwinden fasziniert. Der fliegende Robert war als Kind meine Lieblingsgeschichte – fein gereimt.

    Wenn der Regen niederbraust,
    Wenn der Sturm das Feld durchsaust,
    Bleiben Mädchen oder Buben
    Hübsch daheim in ihren Stuben. –
    Robert aber dachte: Nein!
    Das muß draußen herrlich sein! –
    Und im Felde patschet er
    Mit dem Regenschirm umher.
    Hui, wie pfeift der Sturm und keucht,
    Daß der Baum sich niederbeugt!
    Seht! den Schirm erfaßt der Wind,
    Und der Robert fliegt geschwind
    Durch die Luft so hoch, so weit;
    Niemand hört ihn, wenn er schreit.
    An die Wolken stößt er schon,
    Und der Hut fliegt auch davon.
    Schirm und Robert fliegen dort
    Durch die Wolken immerfort.
    Und der Hut fliegt weit voran,
    Stößt zuletzt am Himmel an.
    Wo der Wind sie hingetragen,
    Ja! das weiß kein Mensch zu sagen.

    Auch eine Art von Todesbild.

  8. Bersarin schreibt:

    @ Hannes Wurst
    Auch ich weiß Ihre Kommentare sehr zu schätzen, sehe das von Ihnen Beschriebene Ihres Vorgehens ebenso. Sie sind die Weinrebe im Weinberg des Herren. Ihre Kommentare sind das Zierat, das jeder Blog benötigt, wenn er in voller Blüte stehen möchte. Insofern gereicht mir Ihre Kommentaranwesenheit zur Ehre und ich schreibe diese Zeilen an einem Nachmittag ohne Rausch und der mir innewohnenden Ironie und ohne einen Tropfen köstlichen Rheinweins getrunken zu haben. Und der Witz in seiner Abfolge mit den Vögeln, dem Mögen, den Wechseljahren ist an sich auch witzig. Aber da ich die Kommentare von Iris mag und schätze, obwohl wir beide völlig unterschiedlich im Denken sind, dachte ich mir, muß ich Ihren Anflug ein wenig in die rechte Bahn bringen, da es für Iris etwas leicht Beleidigendes haben könnte oder doch zumindest als solches empfunden werden hätte können, was sicherlich nicht in Ihrer Absicht liegt. Und da wollte ich lediglich eine von mir doch geschätzte Kommentatorin vor ihrem dionysischen Übermut ein wenig schützen. Zumal sie hier Gast ist und ich als Gastgeber wirke, der für seine Gäste sorgt. Daß nun ausgerechnet ich zu solcher Sanftheit fähig sein kann, mag Sie verwundern. Aber ich bin sehr wechselhaft. Morgen mag alles wieder anders sein.

  9. Iris schreibt:

    @Bersarin
    Das Verschwinden, ja, das ist das eine. Und das andere der Zerfall der übriggebliebenen Hülle. Auch diesen zu beobachten, finde ich faszinierend. Viel schöner als eine Konservierung.

    Noch kurz zu den Wechseljahren: Den Witz darin habe ich auch gesehen. Und ebenso die Möglichkeit der Beleidung. Ich fand’s einfach daneben, hatte (und habe) aber weder Lust nachzufragen, noch das Bedürfnis zu spekulieren, wie es gemeint war oder sein könnte. Dafür ist es mir nicht wichtig genug.

  10. Bersarin schreibt:

    Den Verfall in ein Bild, in eine Text zu bringen, das versuche ich zu betreiben. Das setzt eben Beobachtung voraus. Und die Frage, wie stelle ich dar? Wie inszeniere ich?

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