Dresden Dolls

Es ist, so meine ich, zu Dresden alles geschrieben. Ich könnte allenfalls noch die Notizen eines alternden Flaneurs nachtragen, der durch diese Stadt schlendert. Ein wunderbar kalter Wind zumindest streift die Haut, wie ich es mag. Der Winter läßt frösteln, es weht kalt aus dem Osten von der Elbe her, es stürmte gar. Und nachts fahren Straßenbahnen. Alles modern hier.

Das Interessanteste an Dresden bleibt die im sogenannten real existierenden Sozialismus erbaute und leider nach der Wende aufmodernisierte Architektur sowie die Gläserne Manufaktur von Volkswagen, denn darin wird der VW Phaeton montiert – von Hand versteht sich. Die Böden der Werkshallen sind mit Parkett ausgelegt, in der Kantine gibt es die Original-VW-Currywurst. Was will man mehr?

Hätte ich Tellkamps „Der Turm“ gelesen, tätigte ich eine Lektüre oder parallelisierte oder schriebe etwas zu diesem Buch, von dem ich nicht weiß, ob ich es je lesen werde oder ob es mich nicht vielmehr kaltläßt. Loschwitz ist ein Stadtteil, der mich an Kunstgewerbe erinnert, vielleicht ist es dort aber im Sommer ganz schön. Ich kann es mir allerdings nicht vorstellen. Der Ort sieht aus, als könnte ein guter Serienregisseur (oder für die Quote: eine gute Regisseurin) in den Gassen und Häusern dieses Stadtteils die deutsche Variante von „Walking Dead“ drehen. Wer sich für die Brückenbaukunst interessiert, wird womöglich staunend vor dem „Blauen Wunder“ (Loschwitzer Brücke) stehen. Sie verbindet zwei Villenviertel miteinander, es handelt sich um eine der ersten freitragenden Hängebrücken, erbaut 1893. Vielfach wurde die Brücke aufgrund ihrer Form vom biederen Bürger gescholten: sie verschandele in ihrer Industrieoptik die Landschaft. Heute wird diese Brücke gefeiert, sie gilt als eines der Wahrzeichen von Dresden. Der Waldschlößchenbrücke wird es irgendwann ähnlich gehen.

Den ersten Teil einer Photoserie zu Dresden gibt es auf Proteus Image zum kontemplativen oder assoziativen Betrachten dargebracht.

4 Gedanken zu „Dresden Dolls

  1. Der Pfarrer von Maranello läutet nach jedem Formel-1-Sieg Ferraris die Kirchenglocken.

    Das Ende der Geschiche hat sehr unterschiedliche Gesichter.

  2. Darf ich Ihnen – zum Ausgang einer jeden Geschichte – halb metaphysisch, halb im Kitsch antworten?

    Musik zum Fahren mit einem schnellen Automobil ist das. Und immer links überholen und auch links blinken. Lust heißt, den Gebrauchswert zu aktivieren, ohne affirmativ zu hypostasieren als sei das Leben dem Ikea-Idyllisch-Kleinfamilienkatalog entsprungen.

    Wissen Sie was das Wunderbare an dem Philosophen, Metaphysiker, Materialisten, Essaiisten Walter Benjamin ist?: er schlüge auch aus solcher Lust an der Geschwindigkeit und am Gebrauchswert noch den Funkenflug einer Existenz jenseits jeden Zwanges. Manchmal benötigen Subjekte solchen Rausch des Tages.

    „Geben Sie Luxus, auf das Notwendigste kann ich verzichten!“ (Oscar Wilde)

    Schön haben Sie das geschrieben: das Ende der Geschichte hat in der Tat sehr unterschiedliche Gesichter. Mit Nietzsches Perspektivismus ist das ganz richtig gesehen.

  3. Ich hatte gehofft, es sei ein Artikel zu der Band von Amanda Palmer, die, wie ich neulich las auch zum Steampunk gerechnet wird….

  4. Das ist im Kapitalismus so, das ist manchmal bei Menschen so: Nicht immer findet man das vor, was sich eine/r erhoffte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.