Jenseits, diesseits, inmitten der Welt: Schopenhauer zum 225. Geburtstag

Todestage – Geburtstage: einerlei – im Fluß des Lebens und im Wirken des Willens, in der Bewegung von Werden und Vergehen. Arthur Schopenhauer feiert in einer Welt jenseits aller Vorstellungen und als bloßer Strom und Wille, als Brahman oder Weltseele gar (nicht aber als Weltgeist, in dieser Weise jubiliert sein großer Antipode) seinen 225. Geburtstag. Eine Würdigung zu seinem 150. Todestag schrieb ich hier.

Daß der Kern der Schopenhauerschen Philosophie das Überschreiten der Welt als Vorstellung sei, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber es existieren in seinen Texten Passagen, die einen sehr diesseitigen Philosophen uns zeigen:

„Die Spaßphilosophen kennen nicht ein Mal das Problem der Philosophie. Sie vermeinen, es sei Gott. Von dem gehn sie, als einem Gegebenen, aus, mit dem haben sie es durchweg zu tun, ob er in der Welt oder draußen sei, ob er sein eigenes Selbstbewußtsein habe oder sich des Menschen bedienen müsse, und solche Possen ohne Ende. Die Welt, die Welt, ihr Esel ist das Problem der Philosophie, die Welt und sonst nichts!“

Spaßphilosophen, welch schöne Wendung und bis ins Heute hin noch passend. Schopenhauer – das ist auch ein Stilist ersten Ranges, an dem sich Schreiben, Denken, Lesen lernen lassen.

Aufglitzern einer fast schon materialistisch gewendeten Philosophie.

Auch über die Weiber wußte der Junggeselle Schopenhauer manches zu berichten (Achtung, große TRIGGERWARNUNG, es kann nach dem Lesen dieser Zeilen zu bestialischen Rückfällen in das alte abgeschaffte, abgehalfterte Patriarchat kommen):

„Daß das Weib, seiner Natur nach, zum Gehorchen bestimmt sei, giebt sich daran zu erkennen, daß eine Jede, welch in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgend einem Manne anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen läßt; weil sie eines Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber; ist sie alt, ein Beichtvater.“

Na ja, wer groß denkt, der irrt auch groß. Manchmal.

Schwarzes Denken – schwindelfrei! Dies mag eine der großen Maximen Schopenhauers bleiben: Oder wie es Hegel in der Vorrede seiner Phänomenologie formulierte: beim Negativen zu verweilen und ihm ins Angesicht schauen. Manche trauen es sich nicht und schreiben lieber im Seichten, baden gerne lau, wie es Herbert Wehner einmal über Willy Brandt sagte.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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