Karneval, Frohsinn und Emotion

Nun ist der kalte Bewohner des Grandhotel Abgrund nicht unbedingt für seine Emotionalität oder gar das Bauchgefühl bekannt, jene erweist sich bei ihm als grundsätzlich abwesend (so behaupten manche), dieses ist kaum vorhanden. Vielmehr ist jener sonderbare Gast im Grandhotel Abgrund als rational-dialektischer Metaphysiker, als Verstand, als transzendentaler Strukturalist und Geist verschrien. Aber zum Karneval sieht das naturgemäß anders aus: da berührt sich der intelligible Charakter mit dem empirischen, da gibt sich nicht nur der Betreiber dieses Blogs ganz hin, sondern auch halb Berlin ist auf den Beinen. Allerdings nur bei erlaubten 75 Dezibel, das Werfen von Konfetti ist grundsätzlich verboten. Immer wieder gerne mache ich, trotz einer immer noch währenden Virus-Krankheit, meine Photographien. Diese Photographien gibt es auf meinem Photo-Blog zu sehen. Ich mache daraus zwei Teile; den zweiten zeige ich im Laufe der nächsten Woche. Wie immer geht die Benutzung wie folgt. Auf das erste Bild klicken, dieses vergrößert sich und dann kann man die Serie als eine Art Diashow durchlaufen lassen.

Ach ja, sollte irgend eine/r meiner Leserinnen oder Leser eine Ahnung haben, was man gegen einen über sechs Wochen währenden Epstein-Barr-Virus macht, die oder der kann mir das gerne mitteilen. Es nervt nämlich gehörig, keinen Riesling, keinen Merlot, kein Nichts trinken zu dürfen. Und das ist eine der noch harmloseren Einschränkungen.

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15 Gedanken zu „Karneval, Frohsinn und Emotion

  1. Die Photos sind teilweise richtig großartig (auch wenn eine gewisse Obsession des Photographen für blonde Frauen nicht geleugnet werden kann). Wirklich beeindruckend fand ich die Photos von der an den Laternenmast gelehnten Puppe mit dem umgekippten Glühweinbecher. Trostloser läßt sich Karneval gar nicht auf den Punkt bringen.

    Was Deinen Virus betrifft: Ich wünsche Dir von Herzen gute Besserung – wenn ich noch wirklich katholisch wäre, würde ich eine Kerze anstecken, so aber bleibt nur mein ganz subjektives Mitgefühl ohne Unterstützung des Allmächtigen.

  2. Das mit der Kerze kannst du auch machen, ohne wirklich katholisch zu sein. Du hast eine konkrete Handlung, danach brennt es, es wird warm und hell, es brennt recht lange, aber nicht ewig: Kerze anzünden ist eine hoffnungsfrohe, praktikable und durch und durch positive, verantwortungsvolle Tätigkeit, die ich auch jedem Nichtgläubigen dringend empfehle. Ich mache das öfter in Kirchen, die ich ansonsten ausschließlich aus architektonischen Gründen besuche. Leider sind die Kirchen in Berlin immer verschlossen.

  3. Mache ich auch – gute katholische Erziehung. Und, wenn sonst kein konkreter Anlaß ist, dann bitte ich den nicht existierenden Herrgott, mit der katholischen Kirche möglichst schnell Schluß zu machen. Aber es geht (noch?) nicht so weit, daß ich extra eine Kirche aufsuche, um das zu machen; noch nicht einmal für Bersarin…

  4. @alterbolschewik
    Danke für Dein Lob. Ja, meine Vorliebe zu blonden Frauen ist nicht zu leugnen. Aber ich bleibe da rein auf der Ebene des Geistes.

    Den Becher habe selbstverständlich nicht ich umgekippt, sondern ich brauchte bloß zu warten bis irgend eines der Pestilenz-Kinder des Grauens an dem Becher vorübertapperte. Ich mag den Berliner Karneval übrigens, auch wenn die Bilder womöglich dagegensprechen: gerade dieser leicht morbide Charme und diese Dennoch-Fröhlichkeit faszinieren mich.

    Die Virusinfektion geht nun wieder zurück; sehr langsam zwar, aber es tut sich etwas. Am Ende können aber weder Medizin noch Kerze wirklich helfen.

    @genova
    Ich zündete noch nie in einer Kirche eine Kerze an. Ich betrete Kirchen ausschließlich aus kunstgeschichtlichen Gründen und/oder wegen ihrer Architektur. Dennoch habe ich als Ethnologe des Alltags für Rituale etwas übrig: seien das nun religiöse Handlungen, Kunstbetrachtungen oder Menschen, die sich verlieben: mich interessieren dabei insbesondere die Funktionsweisen dieser Handlungen und welchem Zweck sie dienen.

  5. bitte zündet alle mehr kerzen an. springt über eure zahlreichen schatten und zeigt demut. es wird euch guttun und allen anderen auch.

  6. Ich mag es nicht einmal, in Restaurants bei Kerzenlicht zu essen, weil ich dann nicht sehe, was ich auf dem Teller habe,

    Anderen will ich nichts Gutes tun. Andere interessieren mich nicht einmal. Im Eispalast ist für andere kein Platz. Und Kerzen machen sich auch da nicht so gut.

  7. Nein, nein Berlin ist im Grunde das Gegenteil vom Karneval. Ich stehe dem Karneval ambivalent gegenüber. Aber mich interessieren diese Dinge vor allem aus der Perspektive des Beobachters, des Photographen.

  8. Da hast du Recht, aus der Beobachter-Perspektive ist das spannend. Ich würde auch die Menschen nicht verurteilen, die Karneal zelebrieren – sollen sie machen. Ich persönlich kann dem aber weder etwas Humorvolles abgewinnen, noch etwas Tiefgründiges … Aber jedem das Seine. Als Kind hab ich an Fasching auch gern Indianerin oder Pipi Langstrumpf „gemacht“, was der DDR-Fundus an Kostümen halt so hergab … Naja, Pipi Langstrumpf war dann eher schon nach der Wende in der Grundschule. Mal eine ganz praktische Frage zum Fotografieren – Fragst du die Leute, ob du sie fotografieren darfst oder informierst du wenigstens, dass du die Bilder auf deinem Blog veröffentlichst? Den streng genommen ist das zwar nicht für einen kommerziellen Zweck, aber es geht auch hier um Persönlichkeitsrechte … Oder ist das irrelevant? Das interessiert mich sehr. Gute Nacht =)

  9. Auch ich mag es nicht, mich am Karneval (oder Fasching, wie man in Berlin sagt) zu verkleiden.

    Wenn ich Szenen und Aktionen photographiere, bleibt meist keine Zeit, die Menschen zu fragen, zumal das oft unendliche Gespräche nach sich zieht. Das Wesen der Photographie ist die Indiskretion. Zumindest zu einem Teil. Dort wo ich gestellt portraitiere, teile ich das mit und gebe meine Blogadresse weiter. Aber das ist eher selten.

    Wenn sich Menschen auf einer öffentlichen Veranstaltung befinden, stellt es in der Regel kein Problem dar, Photos zu machen. Problematischer verhält es sich bei Einzel-Portraits. Die sind nicht erlaubt. Hielte ich mich als Photograph an alle diese Gesetze, dann kämen jedoch keine Bilder mehr zustande, sondern ich müßte Menschen zeigen, deren Gesichter ich unkenntlich gemacht habe. In der Tat ist das ein Feld, in dem sich viele Probleme auftun. In Frankreich z. B. soll es aufgrund der Persönlichkeitsrechte bereits so sein, daß Photographen in urbanen Räumen nur noch Straßenszenen ohne Menschen zeigen und auch Logos wie das von dem Großkonzern Apple und auch von anderen Konzernen dürfen z.B. nicht gezeigt werden, wenn diese Bilder kommerziell genutzt werden. In der BRD ist das hingegen kein Problem. Anders verhält es sich bei Werbeplakaten: da dürfen ungefragt keine Menschen im öffentlichen Raum abgebildet und dann überall sichtbar plakatiert werden.. Photographien, die der Dokumentation dienen oder die in Zeitungen veröffentlicht werden, dürfen öffentliche Szenen mit Menschen zeigen – insbesondere dann, wenn es sich um Veranstaltungen handelt.

  10. Pingback: genova: Kerze, 2013 | Exportabel

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