„1913“ – ein Jahr als kulturelles Fragment

Es ist nicht ganz einfach, über Florian Illies‘ Buch „1913“ eine Besprechung zu schreiben. Mit einem generellen Abwatschen machte es sich der Kritiker zu einfach. Aber hier auf diesem Blog gibt es andererseits nichts für lau und schon gar keine Gefälligkeitskritiken oder gar: gefällige Kritiken. Warum nur die guten und gelungenen Werke besprechen, wenn es auch mit Schimpfen, Wettern und Zerreißen geht, zumal das Zerlegen von Büchern und von Dampfplauderer:innen viel Freude bereiten kann? Weshalb bespricht ein Blog, der sich beständig mit der Aura des Elitären und Preziosen umgibt, überhaupt dieses Werke aus dem Bereich der populare culture?

Aber worum geht es in „1913“ eigentlich? Illies schildert anhand dieses Jahres, nach Monaten geordnet, kursorisch und anekdotisch Ereignisse, Geschehnisse, Biographisches – allesamt Schnurren aus dem Kulturleben, wenige Passagen fallen länger als eine Seite aus, meist sind es Skizzen und Impressionen aus der Welt des Geistes, der Kultur und – selten – auch der Politik. Marcel Duchamps Bild „Akt, eine Treppe herabsteigend“ wird in den USA heftig diskutiert, Freuds Couch oder Schnitzlers Theatergestalten, Benn in Berlin liebt Else Lasker-Schüler, die 1911 aus dem Louvre gestohlene Mona Lisa taucht wieder auf, Kokoschka malt die von ihm innig geliebte , freilich sehr umtriebige Alma Mahler-Werfel als „Windsbraut“, Sidonie Nádherný von Borutin trifft Karl Kraus: der Beginn einer wunderbaren, schwierigen Liebe, Lou Andreas-Salomé, Rainer-Maria Rilke, Franz Kafka schreibt Felice Bauer, Thomas Mann baut sich seine Villa in München und beginnt mit dem „Zauberberg“, Musil schreibt, Picasso malt: alle diese Menschen tauchen auf, und es eröffnet sich vorm Leser ein Reigen an Begebenheiten – sozusagen eine kleine, freilich zusammenhangslose Kulturgeschichte, die aus den flüchtigen Momenten, Geschichten und Anekdoten gewebt ist. Ob es sich um die Erfindung der Droge Ecstasy handelt, Spengler mit seinem „Untergang des Abendlandes“ beginnt, Ernst Jünger von Afrika träumt, Gertrud Stein schreibt „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, die erste Prada-Filiale öffnet, ob die Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ sich auflöste, Strawinskys „Le Sacre du printemps“ in Paris uraufgeführt wurde, was in einen handfesten Streit ausartete, Schönbergs Gurrelieder in Wien gefeiert wurden oder Hitler und Stalin wie durch einen Zufall am selben Tag im selben Park des Schlosses Schönbrunn spazierten: 1913, es ist das letzte Jahr des 19. Jahrhunderts, das Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. „Der Sommer des Jahrhunderts“ wie es im Untertitel etwas verklärend heißt. Illies sammelt Impressionen.

Und selbst die Geschichte scheint nicht mehr von den Notwendigkeiten samt den Strukturbestimmungen getragen, sondern von eigenwilligen Konstellationen, die sich dem Zufall schulden: Als Stalin und Trotzki sich zum ersten Male im Februar 1913 treffen, wird in Barcelona Jaime Ramón Mercader del Río Hernández geboren: jener Mann, der Trotzki 1940 im Auftrag Stalins in Mexiko mit dem Eispickel ermorden wird. Diese Zusammenhänge des Zusammenhangslosen trägt Illies ohne Kommentierungen zusammen. Die Aspekte, die Fakten, die Ereignisse stehen für sich selbst und ergeben ein sehr eigentümliches Nebeneinander, das einerseits die Leser anregt und neugierig macht.

Um es kurz zu fassen: ich mag das Buch nicht bedingungslos empfehlen, möchte es aber auch nicht derart verreißen, wie es sich im Grunde geziemte, weil es auf eine nicht uninteressante Weise konstruiert ist: das Fragment und die Auslassungen als eine Möglichkeit, Kulturgeschichte zu schreiben, und zwar ohne daß der Text etwas erklärt, kommentiert oder in geschichtliche Zusammenhänge rücken möchte. Zusammengetragene Fakten, die für sich stehen. [Oder eben auch nicht. So spricht die Zwischenstimme.] Ich las „1913“ einerseits gerne, gerade weil es so plaudernd und zugleich geistreich-amüsant unterhaltend im Stil der Anekdote daherkam und in mancher Passage lehrreich sich gab. Und dann wieder nervte dieser Ton, der manchmal oberlehrerhaft oder jugendlich-forsch sich daherschreibt. Ob es die Quintessenz dieses Buches sei, daß man Tiefe auch in der Oberflächlichkeit verbergen können, wie Illies Hugo von Hofmannsthal zitiert – „Die Tiefe muß man verstecken. Wo? An der Oberfläche.“ –, möchte ich allerdings bezweifeln. Dafür ist das Werk nicht komplex und vielschichtig genug gebaut und schreibt sich relativ eindimensional am Fluß der Zeit entlang. Jedoch: als Skizzenbuch dieser vertrackt-verschlungenen Klassischen Moderne samt ihres Tratsches im Treppenhaus liest sich „1913“ gut.

Illies schriebt insbesondere an den Stellen gut, wo er Situationen, Erlebnisse aus dem Blickwinkel des Schriftstellers oder des Malers in ein Bild, in einen kurze Geschichte bringt: so zum Beispiel als Emil Nolde in die Südsee nach Palau reiste und dort nicht das unberührte Paradies vorfand, was er suchte und das Gaugin in jene Bilder brachte, sondern einen von europäischer Zivilisation überzogenen, profanen Ort erblickte. Illies verdichtet die Szenerien, und an Stellen wie diesen gelingt ihm die Zuspitzung gut: „Es entstehen Aberduzende Aquarelle in diesem Dezember in Neu-Pommern, melancholische Studien der Agonie einer unter europäischem Druck gebrochenen Kultur. Mütter und Kinder schmiegen sich aneinander wie auf einem sinkenden Schiff. Das also ist das Paradies, von dem er jahrelang träumte und in das er sechzig beschwerliche Tage lang angereist ist.“ Der Blick auf ein Geschehen und die Interpretation dieses Geschehens durchdringen sich, und das macht an manchen Stellen die Stärke dieses Buches aus.

Kurz nur muß Illies ins Jahr 1912 greifen: als sich im August Franz Kafka und Felice Bauer das erste Mal begegnen: „… sie hatte nasse Füße bekommen, er sehr schnell kalte. Aber seitdem schreiben sie sich nachts, wenn ihre Familien schlafen, hochtemperierte, zauberhafte, seltsame, verstörende Briefe. Und nachmittags meist noch einen hinterher.“ Ja, so etwas soll es geben, und es sind diese Zusammenhänge und Details, die mich weiterlesen lassen, die Leserin und Leser reizen und neugierig machen. Von Kafka zu Proust, von Benn zu Kraus, von Kirchners Kokottenbildern, die die Huren am Potsdamer Platz zeigen, zu Edmund Husserl.

Es sind die zufälligen Konstellationen sowie die singulären Momente, die Illies anordnet und mit Fleiß in einer Art Wunderkammer kulturellen Wissens zusammenträgt und dem Leser – in freilich eingeschränkter Perspektive – präsentiert, wobei Illies über manches Beziehungsdrama flapsig hinwegschreitet: seien es nun Benn und Lasker-Schüler oder Kafka und Felice Bauer. Kultur-Geschichte ereignet sich aus jenen zufälligen Momenten, und die Gleichzeitigkeit eines Ungleichzeitigen bestimmt das Konstruktionsprinzip von „1913“. Es fällt der Blick so aus, als würden die einzelnen Begebenheiten aus einer Position erzählt, die annimmt, es gäbe ein Jahr 1914 nicht, an dem das 19. Jahrhundert so abrupt endete inmitten der Menschen- und Materialschlachten. Diese – scheinbare – Ahnungslosigkeit des Was-wäre-wenn, nämlich den Blickwinkel so zu setzen, als sei er von dem großen Schrecken und dem großen Morden ungetrübt, macht – teilweise zumindest – den Reiz des Buches aus. „1913“ liest sich aus dieser Sicht heraus so, wie man Anekdoten und Schwänken zuhört. Und vielfach trägt dieses Konstruktionsprinzip der Fragmentierung. Einerseits.

Andererseits aber wirkt „1913“ in seiner Aneinanderreihung beliebig, und es kehrt – was ungleich schlimmer ist – wesentliche Aspekte unter den Tisch. Und damit gerät das Buch zur Coffee-Table-Lektüre. Es verplaudert sich vielfach in Seichtigkeiten. Es mag eine Leistung sein, diese Geschichten, Histörchen und Begebenheiten chronologisch zusammenzutragen. Dennoch: etwas fehlt, und zwar der Blick in den Maschinenraum der Welt. Es kommt kein Krupp, kein Thyssen und kein Siemens vor, und schon gar nicht die, welche dort anschaffen gehen. Während Illies den kulturgeschichtlichen Überbau und insbesondere Wien als eines jener Zentren der Klassischen Moderne gut ausleuchtet und kulturgeschichtlich perspektiviert, spart er sich den Blick in die „Freudlose Gasse“, in der es nicht ganz so angenehm, wohlig und kulturig zugeht. Selbst wenn es nicht die Absicht dieses Buches ist, auch solche Perspektiven aufzunehmen, vergibt sich „1913“ durch diese Aussparungen ein wichtiges Moment.

Am Ende bleibt mit Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ festzustellen:

Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?

[…]

Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?
So viele Berichte. So viele Fragen.

Der junge Brecht taucht – natürlich – auch in Illies „1913“ auf.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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10 Antworten zu „1913“ – ein Jahr als kulturelles Fragment

  1. FrauWunder schreibt:

    Der junge Brecht taucht natürlich auch auf in Illies „1913“ und auch gleich wieder unter in Mutter Brechts Bett, weil so warm und kuschelig und Schutz bietend bei neurasthenischen Anfällen. An welchen scheinbar im Jahr 1913 alle litten, außer Alma, die litt an Wolllust, kann man daran wirklich leiden….?

  2. Bersarin schreibt:

    Nein, an Wollust kann man nicht leiden, wenn sie sich entlädt – auf welche Weise auch immer.

    Es kann ein Mensch höchstens dann darunter leiden, wenn diese ins Leere läuft. Unglückliche Liebe zu Benn, so wie Else Lasker-Schüler es erfuhr. Ja, diesen ganzen Reigen der Irrungen, Wirrungen der Liebe schildert Illies gut. Alma Mahler-Werfel ist eine sehr eigenwillige Frau – interessant und nicht zu halten: die Windsbraut eben.

    Neurasthenie: was für eine herrliche Krankheit! Ob sie wohl ein modisches Accessoire für den Blogbetreiber ist, das er sich zulegen sollte? Oder trägt er sie bereits in sich? Was meinen Sie, liebe Frau Wunder?

  3. summacumlaude schreibt:

    Über das Buch kann ich in Ermangelung der ein Urteil erst erlaubenden Leseerfahrung nichts sagen; ob das bisher Erfahrene ausreicht, meine Lesegeister zu wecken – mal sehen.

    Aber das Thema Neurasthesie ist natürlich äußerst anregend. Womit man schon mitten in der Sache ist: Neurasthenie, die schwachen Nerven, die Schwäche, die Dekadenz, die Antriebslosigkeit. Bei Christian Buddenbrook waren „auf der linken Seite alle Nerven zu kurz“; solche Erscheinungen musste man mit „anregenden Mitteln“ begegnen: Opiate, Alkohol! Wen wundert bei diesem damaligen therapeutischen Konzept die Häufigkeit der Diagnose Neurasthesie um 1913.

    Später in den furchtbaren Zeiten der Volksgesundung waren „schwache Nerven“ verpönt. Wer den Stellungskrieg nicht aushielt und zappelnd-taumelnd fortan der Welt begenete, war unnütz, fürs Vaterland nicht mehr zu gebrauchen. Man googele hierzu auch den Begriff „Kriegsschüttler“ oder „Kriegszitterer“. In meinem Besitz befinden sich noch familienererbt-erworben die „Kriegsärztlichen Vörträge“ 1914-18. Es ist eine bange machende Lektüre zwischen medizinischer Grausamkeit, aufziehender Eugenik und unfreiwilliger Komik. Eigentlich müsste man diesen Kram zum Jahrestag der „Urkatastrophe des 20. Jhd.“ kommentiert neu herausgeben. Kaum besser kann man dokumentieren, wie unglaublich radikal die doch in der Selbstwahrnehmung abgeklärt wirkende, konservative Elite seinerzeit war. Als Korrespondenz zu Illies? Aber – ich kenne sein Buch nicht…
    Immerhin hat einmal mehr Dein Artikel bei mir Assoziationsketten wachsen lassen.

  4. alterbolschewik schreibt:

    Schade – ich hatte nach der Ankündigung ein spektakuläres Abwatschen erwartet (ohne daß ich das Buch gelesen hätte und es auch je lesen werde; ich lese Bücher von Illies ebensowenig wie ich einen Film von Oliver Stone anschauen würde). Aber vielleicht ist genau das typisch für Illies: Er ist weder Fisch noch Fleisch und liefert so noch nicht einmal Stoff für einen ordentlichen Verriß.

  5. hf99 schreibt:

    ich lese Illies eigentlich auch nicht; Bücher a la Generation xyz-Blabla finde ich wenig anregend.

    das hier gehört zur Vorgeschichte von 1913: http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegsrat_vom_8._Dezember_1912

  6. Bersarin schreibt:

    Auch ich habe bisher keines von Illies Büchern gelesen. Bekannt ist er mir lediglich, als er in der „Zeit“ im Feuilleton schrieb. Im seit über einem Jahrzehnt vollständig belanglosen Feuilleton der „Zeit“ mit Redakteurinnen wie Iris Radisch et al. war Illies zumindest eine Abwechselung. (Mittlerweile mag ich sogar Thomas Assheuer) Aber frei nach Norman Mailer: Die Blinden und die Einäugigen.

    Das Buch ist – ganz klar – im Stil feuilletonistisch und soll von vielen und insbesondere vom Bürger mit Restbildung gelesen werden. Und Illies gehört zu den Meinungsmachern, die die Seichtigkeit der Kunst im Grunde zu befördern sich anschicken. Daß er 2004 das Kunstmagazin „Monopol“ gründete, paßt in den Geist der Zeit: jene Neoliberalisierung, Geldumverteiluung und Züchtigung der Gesellschaft durch die damalige Seeheimer-Kreis-SPD-CDU-Grünen-Regierungskoalition (Die CDU/FDP waren in dieser Regierung so etwas wie stille Teilhaber, die in ihrer unendlichen Bescheidenheit nicht namentlich genannt werden wollten.) Kunst als sich kapitalisierende, geldvermehrende Religion.

    Illies‘ Buch kann man als Appetizer lesen. Man muß es im Grunde gegen Illies lesen, und es gälte, dieses Projekt um eine Kriegs- und Sozialgeschichte zu erweitern. Diese von Illies gewählte Form reicht nicht aus – zumal Illies Historiker ist, und er das hätte besser wissen müssen. Die ewige Schöngeisterei, der jeder Stachel gezogen wurde: Die von ihm getupften Impressionen scheinen einerseits interessant, regen zum Weiterlesen an, aber zugleich ist das ein Schöner-Schein-Ästhetizismus, der sich mit Seichtigkeit paart und gut zu den anregend-spannend eingerichteten Lofts der Kunsthändler- und -käufer, jener Schöngeister paßt, denen die Welt nur als ästhetisches Phänomen gerechtfertigt zu sein scheint, ohne daß dabei noch die Abgrundstrukturen in den Blick kommen. Dionysos samt seiner gesellschaftlichen Vermittlung werden dabei ausgeblendet.

    Womit ich @summacumlaude bin: Für diese Hinweise auf die „schwachen Nerven“ danke ich Dir, und Du beschreibst diesen Doppelaspekt sehr richtig. Christian Buddenbroock ist dafür in der Tat die Figur, in der sich der Zustand einer Epoche verdichtet. (Wobei wir Thomas und vor allem Hanno nicht vergessen wollen.) Überhaupt: das medizinische Vokabular bei Thomas Mann: auch im „Doktor Faustus“, wenn von der faulenden (Zahn-)Wurzel gesprochen wird, die auszureißen sei.

    Was die Kriegsschüttler und diese von Dir genannten Dokumente betrifft, so tust Du da ein hochinteressantes Projekt auf, zu dem ich Dir nur zuraten kann: Aber am Ende wird es (leider) am Mangel an Zeit scheitern, weil das Sichten, Ordnen, Analysieren, Komponieren und Schreiben sich nicht nebenher zu Beruf und Familie erledigen lassen. Es wäre ein solches Buch allerdings die adäquate Antwort auf Illies. Nicht chronologisch geordnet, sondern in Konstellation mit Freud, Benn, Kafka, Hofmannsthal, Schnitzler, Karl Kraus, Erich Mühsam, Rosa Luxemburg und vielen mehr. Der Blick auf Medizin, auf Technik und ihre Auswirkungen auf Kunstwerke scheint mir spannend und sollte forciert werden: die Stelle, wo Diskurse sich überschneiden.

    Es grüßt Dich der EBV-durchseuchte Bersarin.

  7. Bersarin schreibt:

    @ hf
    Dank auch für den Link, Es sind dies die Aspekte, die im Wohlfühlkuscheldiskurs komplexitätsreduzierender Ästhetik gerne übersehen werden.

    (Andererseits ist mir eine Reih-Dich-ein-in-die-Critical-Whiteness-Front-Ästhetik und überhaut das unmittelbar Politisierte in der Ästhetik ebenfalls zuwider.)

  8. hf99 schreibt:

    Videos von Kriegszitterern:

    http://youtu.be/SS1dO0JC2EE (dämliche Pathosmusi, aber die Bilder sind beeindruckend)

    Der Krieg als inneres Erlebnis…

  9. hf99 schreibt:

    weitere

    in Wickis Film „Die Brücke“ sagt eine der Jungs, als sie ein älterer Mann auffordert, nach hause zu gehen:

    „Wohl schwache Nerven, was?“

  10. Bersarin schreibt:

    Danke für diese Links. Ja, wer vom Krieg als innerem Erlebnis schwadroniert, ohne das auch vollzogen zu haben, weiß nicht worüber er spricht. Aber meist sind es die, welche als Profiteure bequem am Schreibtisch sitzen und das Kanonenfutter vorbereiten.

    Es ist dieser Nietzsche-Jüngersche (Anti-)Ästhetizismus, der mit äußerster Vorsicht zu genießen ist, und zugleich steckt darin in Indikator, der auf Wesentliches innerhalb der Kunst der Moderne verweist. Interessant in diesem Zusammenhang scheint mir immer noch K. H. Bohrers Studie „Die Ästhetik des Schreckens“. Oder wie es Adorno/Horkheimer in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ festhalten: die dunkle Seite dieser Epoche, die schwarzen Schriftsteller des Bürgertums, de Sade als die Variation Kants – frei nach Goyas Caprichos und insbesondere nach jenem „El sueño de la razón produce monstruos“.

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