Daily Diary 51

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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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14 Antworten zu Daily Diary 51

  1. irisnebel schreibt:

    das ist hier wieder so ne serie, ueber die ich ziemlich schmunzeln muss.
    der vorstellbare ablauf eines abends, in dem es sich langsam im kopf dreht und man schliesslich wieder auf der strasse landet. das gesoeff oder de wurscht war schlecht. nach einem brechstolpergang wird man ploetzlich wieder klar… und der abend muss gerettet werden… von dir einsortiert im strassenstrich. :)

  2. Bersarin schreibt:

    Nein, nein, das Essen, das es an dem Ort gab, wo ich weilte, war besser. Die Currywurst stammt von einem Photo, das dort, wo ich weilte an einer Wand hing. Sozusagen ein Photo vom Photo. Selbstreferenz und kreisender Bezug. Wie auch die Frauen keine Frauen, sondern Photos von Frauen sind.

  3. irisnebel schreibt:

    hehe. ja, du scheinst generell u.a. auch gern printmedien zu fotografieren… in zusammenhaengen mit einigen details ihrer umgebung, wodurch oft etwas groteskes ins spiel kommt.

  4. Uwe schreibt:

    ja, wieder eine serie, deren zusammenhang im dunklen bleibt, was mir aber gefällt: so öffnen sich der eigenen fantasie die tore. man kann erzählungen hinzuerfinden, die sequenz sozusagen als eine abfolge begreifen. aber man kann, und dazu tendiere ich eher, einzelne shots anschauen oder intere reihen bilden.
    so finde ich bei dieser serie hier die fotos spannend, die werbe-pin ups zeigen, ohne den kontext ganz auszublenden, in dem sie im städtischen umraum erscheinen. wir irisnebel erscheint mir interessant, wie hier die kontrastkopplungen zu bedeutungserweiterungen und irritationen, zu diversen lektüren führen können: die oberflächen der stadt als labyrinth der zeichen.
    da fällt dann eben nicht so sehr der sexismus der werbebranche ins auge, sondern da wird ein solches girl mit lsd assoziiert, die belederten frauenpos scheinen durchgehend geöffnet zu sein oder die beauty queen mit den high heels bekommt wanderlust – sehr ergiebig, solche unerwarteten montagen, die eine vielzahl an möglichen korrespondenzen im hirn des betrachters entstehen lassen. nicht immer zündend, aber meist unterhaltend.
    gruß, uwe

  5. Bersarin schreibt:

    Ich kommentiere und erläutere meine Photographien bewußt nicht, weil das Bild für sich sprechen soll. Die zusätzlichen Kommentare und Texte schieben sich bereits während des Betrachtens dazwischen. Wie ein geschriebener Text auch, spricht das Bild ebenfalls für sich selbst.

    Meinen Hintergrund und Referenzrahmen gebe ich aber gerne Preis. Es ist Walter Benjamin, sein Passagenwerk, seine Text „Über den Begriff der Geschichte“. Überhaupt die Philosophie Walter Benjamins, die mein Photographieren teils trägt.

  6. svor schreibt:

    allein die gleichzeitige Veröffentlichung deiner Bilder, eins unterm anderen in einem Post lässt aber nicht gerade auf sein für-sich-sein schliessen. Auch hier im Internet nicht. Es bleibt so bei der Behauptung. Als verschleiere es seinen Zweck.

  7. Uwe schreibt:

    danke für den referenzrahmen, der mir nicht geläufig ist.

    von benjamin kenne ich nur „einbahnstraße“, „berliner kindheit“ und seinen ‚klassiker‘: „das kunstwerk im zeitalter seiner technischen reproduzierbarkeit“. das waren im studium pflichtlektüren, von denen noch so manches halb- oder missverstandenes in meinem hirn herumgeistert.

    aber auch so ist es schön, deine fotos anzusehen – und zu kommentieren.
    ich darf und kann ja.

    gruß, uwe

  8. Bersarin schreibt:

    @ svor
    Daß Photographien für sich stehen, heißt: ich schiebe den Bildern keine Interpretationen und keine Erklärungen (zu Ort oder zur Zeit) unter. (Und im Grunde war mein Hinweis auf W. Benjamin bereits zu viel.) Diese Textlosigkeit schließt nicht aus, Serien oder so etwas wie eine Art „Reportage“ zu machen. Jedes Bild steht – selbst im Rahmen der Anordnung – dennoch für sich, sonst wäre es kein Bild, sondern ein Verbund von Bildern. Trotz seines Für-sich-sein kann eine Photographie zugleich mit anderen Bildern kommunizieren oder auf sie verweisen. Es verhält sich hier wie beim Geschriebenen: Texte verweisen auf Texte. Dennoch kann das Bild wie auch ein Text als solches und singulär betrachtet werden.

    Und etwas allgemeiner gesprochen: Alles was als Ding, Objekt, Gegenstand in der Welt existiert, besitzt ein Für-sich-sein, denn sonst wäre es nicht.

    @Uwe
    Sicherlich: es lassen sich die Photos auch einfach ansehen. Wer Bilder betrachtet, steht in ein komplexen Verhältnis von Bezügen. Der Blick wird ja unter anderem auch geprägt durch die kollektiven Bilderströme und das Ikonographische eines Bildes.

  9. Uwe schreibt:

    nicht einfach ansehen, sondern die souveränität des eigenen blicks gegenüber den bildern wahren und zugleich bereit sein, sie in frage stellen zu lassen – darum geht es mir, wenn ich bilder resp. fotos betrachte. dabei kann ich auf einzelne fotos eingehen, aber auch reihen bilden oder deine sequenz nach den impliziten absichten befragen.
    als autor musst du dich dazu nicht äußern. das steht dir frei.
    allerdings ist es etwas befremdlich, da du sonst mit ästhetischen theorien und der verwörterung deiner seh- oder leseerfahrungen nicht gerade geizt.
    woher also diese zurück-haltung in eigener sache?
    das soll keine kritik an deiner auffassung sein, sondern pures interesse, vor allem deshalb, weil ich in dieser sache so ganz anders gelagert bin.
    gruß, uwe

  10. genova68 schreibt:

    bersarin,
    hast du hier schon einmal etwas zu deinem Referenzrahmen geschrieben? Zu dem Passagenwerk und den anderen Texten und zu der Verbindung zur Fotografie? Täte mich interessieren.

    Das Bild spricht für sich selbst oder auch nicht und spricht eine von vielen Sprachen oder auch mehrere oder gar keine. Das entscheidet der Betrachter.

  11. Bersarin schreibt:

    @ genova und uwe
    Nein, ich schrieb zu den Referenzrahmen bisher nichts, und ich bin gegenüber solchen Selbstbefragungen oder -erklärungen skeptisch. Um dies ein wenig zu erklären: In bezug auf Kunstwerke halte ich es so: die Autorin/der Autor ist nicht sonders gut geeignet, sein eigenes Werk zu verstehen. Denn Künstlerin und Künstler sind zu nahe dran. Ich selber will meine Photographien damit nicht als Kunstwerke bezeichnen, da mein Ansatz eher ein dokumentarischer ist. Aber ich denke generell, daß man sein eigenes Werk (egal ob Kunst oder nicht) schwierig interpretieren kann, weil der Abstand fehlt und sich zudem ein Bild verselbständigt. Auch will ich mit meinen Erläuterungen keinerlei Autorisierung eines Werkes geben. Ich streite mich, wie mache Leserin, mancher Leser womöglich wissen, gerne über fremde Werke und über Ansätze der Deutung. Aber zu meinen Photographien kann im Grunde jede/r lesen, was sie oder er mögen. Ich kann und möchte zu ihnen jedoch nichts schreiben. Ich fände es zudem vermessen, meine eigenen Bilder in die Lektüre zu nehmen. (Es kann sich ein Mensch ja auch nicht selber einer Psychoanalyse unterziehen.)

    Allerdings würde ich die Sicht auf eine Photographie nicht nur darin verorten, daß Betrachterin oder Betrachter entscheiden. Der Blick der Subjekte ist bereits vielfältig präformiert und determiniert die Lektüre einer Photographie.

  12. Uwe schreibt:

    ok und zur kenntnis genommen.
    ich bin am austausch interessiert, auch über selbstverfertigtes. die notwendigerweise fehlende distanz zum eigenen wird dann im multilog im wörtlichen sinne und im besten falle zurechtgerückt.
    im übrigen bin ich deiner meinung, dass es das unschuldige auge nicht gibt.
    schönen abend, uwe

  13. ziggev schreibt:

    hmn, naja, wenn wir im ästhetischen Feld Schaffende darauf verpflichten könnten, auszusagen, was ihre Werke ‚bedeuten‘, dann würde ich mir das Betrachten von Bildern als überflüssiges Beiwerk sparen, allen Ansprüchen wäre Genüge getan, wenn ich mir kurzerhand durchläse, was dann zu Papier gebracht würde. Wenn wir die Schaffenden dazu nicht verpflichten können, bedeutet dies aber nicht notwendig im Umkehrschluss, dass ein Diskurs gar nicht möglich ist. Zu fragen wäre dann jedoch, warum wir solche die Werke überflüssig machende Texte nicht einfordern können. Ohne darauf antworten zu können kann ich von mir sagen, dass ich glaube, mit dieser Situation, dass also tatsächlich immer noch Bilder und andere Werke existieren, noch eine Weile ganz gut weiterleben zu können.

  14. Bersarin schreibt:

    Ich denke, daß sich unsere Perspektiven nicht einmal ausschließen, Es handelt sich nur um unterschiedliche Herangehensweisen an ein Bild, an ein Werk. Das Werk steht für sich. Wenngleich es der Deutung harrt und darauf angewiesen ist.

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