Hegel für Anfänger (1)

Es gibt Menschen, die kommen in der „Phänomenologie des Geistes“ und überhaupt in der Hegellektüre nicht voran, haben aus unterschiedlichen Gründen ihre Schwierigkeiten mit Hegel: aufgrund seiner Sprache, der Struktur des Denkens oder aber, weil sich der Text Hegels entzieht. Ja, die Texte Hegels sind, wie die aller Philosophinnen und Philosophen, auch der vermeintlich einfachen, komplex und in der Struktur kompliziert, weil sie ein Wissen voraussetzen, das beim anfänglichen Lesen eigentlich erst erworben werden soll. Aber wie schrieb es Hegel schon in seinen Vorlesungen in Nürnberg: „Abstrakt denken lernt man nur durch abstraktes Denken.“ Und Schwimmen lernt man bekanntlich nicht am Beckenrand, indem man zuschaut, sondern dadurch daß die oder der Schwimmwillige ins Wasser springt. (Dies war – nebenbei gesprochen – auch Hegels Kritik an der Kantischen Erkenntnistheorie, die mit allerlei Präliminarien und Vorerwägungen über die Bedingungen von Möglichkeiten anhebt, ohne dabei zu realisieren, daß bereits diese Form des Denkens eine Weise der Erkenntnis ist. Dazu werde ich später in meiner Lektüre von Hegels „Phänomenologie des Geistes“ kommen, sofern ich die Lust habe, das Projekt durchzuhalten.)

So las ich vor einige Zeit in einem Blog, auf den ich aus Gründen der Fremdscham nicht verlinke: „Ich besorgte mir auch mal diese ‚Phänomenologie‘, las mich sogar widerwillig bis Seite 251 durch. Doch da war Schluss: ‚Die sittliche Welt, das menschliche und göttliche Gesetz, der Mann und das Weib.‘ So doof war ich damals schon nicht mehr, dass ich nicht gemerkt hätte: Das geht mich schlicht nix an, wie sich da der eine in der anderen zu erkennen glaubt, von der er nicht mal den Hauch einer blöden Ahnung hat.“ Hier gelangte eine nicht einmal über das Umblättern von Seiten hinaus, vom Hauch einer Ahnung ganz zu schweigen. Man sollte diese mechanische Handlung freilich nicht Lesen bis Seite 251 nennen, denn das Übertragen von Buchstaben in Zusammenhänge des Sinns ist eine Kulturleistung, die – hermeneutisch gesprochen – mit Verstehen zu tun hat. So als Phasenlernmodell gedacht, um innerhalb der Hermeneutik bei Stufe 1 anzufangen – von dekonstruktiven oder gar dialektisch inspirierten Lektüren Hegels wollen wir in diesem Falle gnädig schweigen. Ich frage mich zuweilen, auf welche Weise an deutschen Universitäten Doktortitel verliehen werden. Blättern hingegen ist – auch im Sinne des Hegelschen Arbeitsbegriffes im Kapitel zum Herrn und zum Knecht – ineffizient. Ausgenommen es geht darum, die lästige Zeit totzuschlagen.

Dagegen sei auf den Philosophen Michael Theunissen verwiesen, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte und in dessen Seminaren es streng zuging. Nicht Schwadronieren, Blahfaseln sowie das Festhalten an der eigenen Vorurteilsstruktur waren gefragt, sondern die Genauigkeit am Text wurde zum Maß gelingender Interpretation und Kritik erhoben. Und da kann es dann geschehen, daß Studentinnen und Studenten in der Lektüre eines einzigen Satzes von Hegel stundenlang verharrten, weil der Teufel und die Logik der Sache immer im Detail stecken. Bei den Texten Hegels bietet sich diese intensive, detailversessene Lektüre geradezu an. Nicht der flüchtige Blick, der irgend etwas vom Text auf sich selber applizieren will, sondern die Erfahrung von Fremdheit zeichnet das Lesen von Philosophie aus: die Möglichkeiten eines Textes werden durchgespielt; neu komponieren sich die Struktur und der Gehalt in der Lektüre. Mit der Philosophie Hegels kommt einerseits die Moderne als Struktur der Entzweiung zu sich selbst, andererseits bäumt sich in Hegels Philosophie das 17. und 18. Jahrhundert ein letztes Mal auf, indem eine Systemphilosophie geschaffen wurde, die in ihren Verschlingungen und in ihrer Komplexität die Welt systematisch auf ihren Begriff bringen wollte. Aber die Negativität des Negativen schlug im Gang der Geschichte nicht mehr in die Positivität um. Dennoch: Die Philosophie Hegels zeichnet es aus, den Blick nicht von der Schwärze abzuwenden und in die Seichtigkeit eines Denkens zu flüchtigen, das die Widersprüche verwischt oder in omnipotenter Selbsterhöhung verdrängt bzw. leugnet aber zugleich auch nicht in die Schwärze der Verzweiflung verfällt. Mit Hegels großem Antipoden Schopenhauer läßt sich im Hinblick auf die Figuren des Hegelschen Textes sagen „Schwarzes Denken – schwindelfrei“:

„Der Tod ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die größte Kraft erfordert. Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und vor der Verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes. Er gewinnt sich nur, in dem er in der absoluten Zerissenheit sich selbst findet. Er ist diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt.“ (Hegel, Phänomenologie des Geistes, S. 36

Ja, es ist dieses „Verweile doch, du bist so schön“. Aber dieses Verweilen entwickelt sich im Lauf der Dinge und zum Ende hin häufig zu der Tragödie zweiter Teil: am Anfang war das Spiel als deren anfänglicher Part –, was eine/r zum Augenblicke sagte, ist die Aufhebung der Existenz in dieser Welt, zumindest dann, wenn jemand einen unheilvollen Pakt schloß. Dableiben und betrachten: denn auch dies bedeutet der Terminus „Phänomenologie“ bei Hegel, die Arbeit des Begriffes und das Verweilen an der Sache. Es reicht diese Bewegung des Denkens bis in das Aisthetische hinein. Wenngleich Hegels Begriff von Phänomenologie noch stark sich differenziert von jener Bewegung des 20. Jahrhunderts, die mit Edmund Husserl oder Maurice Merleau-Ponty die Phänomenologie als eine Methode der Philosophie ins Spiel brachte.

Zu diesem Motiv des Todes, jenem Todesspiel, das den Tod und die absolute Negativität im ästhetischen Spiel zu überwinden trachtet und sie dennoch ins Denken aufnimmt, aufhebt und bewahrt, läßt sich der Schluß von Adorno Beckett-Essay mit Hegels oben genanntem Zitat kontrapunktieren:

„Zur Substanz des Lebens, das der Tod ist, werden dem Stück die Exkretionen. Aber das bilderlose Bild des Todes ist eines von Indifferenz. In ihm verschwindet der Unterschied zwischen der absoluten Herrschaft, der Hölle, in der Zeit gänzlich in den Raum gebannt ist, in der schlechterdings nichts mehr sich ändert, – und dem messianischen Zustand, in dem alles an seiner rechten Stelle wäre. Das letzte Absurde ist, daß die Ruhe des Nichts und die von Versöhnung nicht auseinander sich kennen lassen. Hoffnung kriecht aus der Welt, in der sie so wenig mehr aufbewahrt wird wie Brei und Praliné, dorthin zurück, woher sie ihren Ausgang nahm, in den Tod. Aus ihm zieht das Stück seinen einzigen Trost, den stoischen:
CLOV: Es gibt so viele schreckliche Dinge.
HAMM: Nein, nein, es gibt gar nicht mehr so viele.“
(Adorno: Versuch, das Endspiel zu verstehen, in GS 11, S. 321)

Die Produktion von Bildern im Modus der Kunst kann die absolute Negativität oder den Widerspruch nicht tilgen und sie soll ihn schon gar nicht mildern, aber zumindest läßt er sich im Modus des Ästhetischen austragen und in ein Bild bringen – sei es auch nur ein flüchtiges. Becketts grandioser Text ist die ästhetische Fortführung der Philosophie Hegels – und dies nicht nur in bezug auf jenes wirkungsmächtige Kapitel zu Herrschaft und Knechtschaft in der „Phänomenologie des Geistes“.

***

Meine erste Hegellektüre fand in einer Philosophiestunde der Obersekunda statt: Auf dem ekeligen Matrizenpapier, das immer nach Alkohol roch, so saß ich meine Nase und im Verlauf der Schulzeit auch mein Gaumen sich situativ daran gewöhnte, standen ungeheuerliche Sätze, wie ein Schlag gegen alles, was ich bisher gelesen hatte. Und zu diesen Sätzen sollte ich in einer Klausur etwas Gescheites schreiben:

„Der Herr ist das für sich seiende Bewußtsein, aber nicht mehr nur der Begriff desselben, sondern für sich seiendes Bewußtsein, welches durch ein anderes Bewußtsein mit sich vermittelt ist, nämlich durch ein solches, zu dessen Wesen es gehört, daß es mit selbstständigem Sein oder der Dingheit überhaupt synthesiert ist. Der Herr bezieht sich auf diese beiden Momente, auf ein Ding, als solches, den Gegenstand der Begierde, und auf das Bewußtsein, dem die Dingheit das Wesentliche ist; und, indem er a) als Begriff des Selbstbewußtseins unmittelbare Beziehung des Für-sich-seins ist, aber b) nunmehr zugleich als Vermittlung, oder als ein Für-sich-sein, welches nur durch ein Anderes für sich ist, so bezieht er sich a) unmittelbar auf beide, und b) mittelbar auf jedes durch das andere. Der Herr bezieht sich auf den Knecht mittelbar durch das selbstständige Sein; denn eben hieran ist der Knecht gehalten; es ist seine Kette, von der er im Kampfe nicht abstrahieren konnte, und darum sich als unselbstständig, seine Selbstständigkeit in der Dingheit zu haben, erwies.“ (Hegel, Phänomenologie des Geistes, S. 150)

Da mach mal einer was draus, wenn man ein junger Mensch mit wilden Ambitionen ist!

Ich war es durchaus gewohnt in Deutsch, Sozialkunde, Geschichte gute bis sehr gute Noten einzufahren, und so ging ich, wie auch in anderen Fächern, seinerzeit, sehr unbefangen, geradezu locker an die Sache heran. Es wurde ein Scheitern, eine vier minus, ein Desaster. Aber es erwies sich als ausgesprochen produktiv. Aber genug des biographischen Geplappers.

23 Gedanken zu „Hegel für Anfänger (1)

  1. Hallo, ich bin ein junger Mensch mit wilden Ambitionen und würde mir selbst eine 4- in Sachen Hegel geben. Jetzt etwas zu dir: Dein Projekt wird mir nicht bloß ein Begleiter werden, da bin ich sicher. Ich verfolge deinen Blog schon länger und kann behaupten ich freue mich darauf. Ich sage im Vorraus schonmal Danke.

  2. Ehrfurchtsvoll staunend las ich Ihren Text und habe mir folgende Anmerkungen zum Text gemacht:

    Zu Absatz 1:
    Netter Versuch Ihrerseits, in eine Welt der Banalitäten die Fackel der Weisheit zu tragen. Auf das ihr Schein, Licht bringe in das philosophische Dunkel von Lehmhütten und glitzweltigen Großstadttempeln. Dies ist so ganz in meinem Sinne und ich versuche es mal mit geliehenen Worten aber ganz im Duktus meiner Zunft;
    Man kann einem Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen es in sich selbst zu entdecken.
    -Galileo Galilei-

    Zu Absatz 2:
    Leider schon wieder! Setzen, ungenügend. An diesem Punkt sollte noch gearbeitete werden. Ich empfehle an dieser Stelle dringend die Lektüre; Friedemann Schulz von Thun; „Miteinander reden“. Bei Verinnerlichung dieses Standardwerkes menschlichen Miteinanders klappt`s garantiert auch mit dem Nachbarn.
    Oder wie Sascha Lobo unlängst empfahl; öfter mal im Netz in die Rolle der Gegenposition schlüpfen und aus Sicht des Gegenübers den eignen Standpunkt in Frage stellen; wozu haben wir schließlich 1- 7 Netzidentitäten?
    Zu Absatz 3:

    „Das Erfahren von Fremdheit, zeichnet das Lesen von Philosophie aus…..“sehr schön klingt nach Perspektivwechsel oder in die Rolle des Gegenübers geschlüpft. Klingt wie eine Methode aus dem Psychodrama oder nach dem Öffnen neuer Horizonte. Aus „Schwarz denken- schwindelfrei“ bin ich fast geneigt „Schwarz- Weiß denken – schwindelfrei“ zu machen. Dies wäre doch ein toller Titel für einen Lebensratgeber. Wer hätte gedacht, dass der olle Hegel tatsächlich als Ratgeber Autor in der postmodernen Borderline Gesellschaft taugen könnte.
    Das Zitat ist wunderschön und passt gut in den Gedanken, welchen ich entwickelte( Hegeln für Borderliner oder Widersprüche weghegeln, das gefällt mir)

    Zum weitern Text fällt mir auf die Schnelle nichts ein, man(n) bitte das zu entschuldigen ich habe noch weltliche Verpflichtungen.

  3. oh nein; weghegeln ist Mist. vll auf Irgendetwas herumhegeln oder etwas zerhegeln? Oder etwas abhegeln?

  4. Sehr gut! Ich wünsche Ihnen die Lust, durchzuhalten!

    Nur eine Rüge zum „Durchblättern“ von Büchern: Ich verlasse mich da ganz auf Thomas Bernhard, der Herrn Reger sprechen lässt:

    „meine Art zu lesen ist die eines hochgradig talentierten Umblätterers, also eines Mannes, der lieber umblättert, als liest, der also Dutzende, unter Umständen Hunderte von Seiten umblättert, bevor er eine einzige liest; aber wenn der Mann eine Seite liest, so liest er sie so gründlich, wie keiner und mit der größten Leseleidenschaft, die sich denken läßt.“ (Alte Meister, S. 39)

  5. @ svor/hinz und kunz
    Na, wenn ein Projekt so schnell Reaktionen von mir bisher nicht bekannten Leserinnen bzw. Lesern hervorruft, dann heißt es wohl weitermachen. Danke für das Lob.

    Der Hinweis auf Bernhard ist richtig. In diesem Falle, aber das ist eben ein Sonderfall, da stimmt es, daß man sich beim Blättern treiben läßt, weil es Reger um eine Form von Geistesintensität geht, die nur funktioniert, wenn eine(r) bereits einen gehörigen Vorrat an Wissen angesammelt hat. Diese Art des Blättern ist mit dem Flanieren verwandt.

    @ Frau Wunder
    Schön, daß Sie so viele Absätze auf Banalitäten verschwenden. Es scheint sich um ein Gebiet zu handeln, auf dem Sie über gutes Expertenwissen verfügen.

    Für Sie ist die Philosophie auf der Ebene der Lebensratgeber angesiedelt, was sich an der von Ihnen zitierten Literatur zeigt. Das kann jede(r) halten, wie sie oder er es mögen.

    Bei dem Zitat von Galilei läßt sich nachfragen wie diese Dinge, die da im inneren so brav und ruhig vor sich hinschlummern, hineingekommen sind. Sicherlich nicht von außen, sondern der liebe Gott polsterte sie dort sanft wie Geschenke unterm Weihnachtbaum.

    Meine Netzidentität beschränkt sich übrigens auf eine einzige, was man nicht von jeder sagen kann.

    Ach, es fehlt hier noch die Phrase vom Selberdenken. Die vermisse ich bei Ihnen diesmal. Der Hinweis auf das Selberdenken zeugt übrigens von einer ganz enormen Fähigkeit zum Selbstdenken. Er ist so schrecklich originell.

  6. mein lieber. ich wollte meine anmerkungen als kompliment verstanden wissen. ausgenommen absatz 2.

  7. mensch herr B.; humor ist die weisheitsform des heiter resignierten überwinders.
    (jacob burckhardt) ;-)

  8. Aber haben Sie denn nicht meinen Humor, den Wortwitz, den Sprachwitz samt dem Funkeln der Begriffe herausgelesen?

    Wo bekommen Sie nur die vielen Zitate her? Das hier wird noch ein Bildungsblog, ein Bildungsthreat.

  9. Nein, habe ich nicht, vll sollte ich auch ein neues theama eröffnen, drüben im gesichtsbuch; ironisieren für anfänger. allerdings hätte ich gedacht, sie eher dem fortgeschrittenen bereich zuordnen zu können. aber wem nicht geläufig ist, dass der schulz von thun, sozusagen der adorno der kommunikationstheorie ist, der muß nachsitzen….leider!

    tja und was die zitate anbelangt, da verlasse ich mich, wenn es schnell gehn soll, auch hin und wieder mal auf die www-bibliothek.

  10. Schulz von Thun ist der, den alle Oberstufenschüler(innen), die sich für (Sozial-)Psychologen und Kommunikationstheoretiker halten, zitieren. Ihn mit Adorno zusammenzubringen, ist ein wenig befremdlich. Und auch ich durfte in der Oberschule seine Texte bzw. jenes bekannte Buch lesen. Schulz von Thuns Wichtigkeit mag in seinem Felde unbestritten sein. Diese Dinge zum Exzeß gebracht, führen allerdings zum Zerpopeln jedes Textes.

    Was ich von diesen Psychologisieren im Zusammenhang mit den Diskursfeldern halte, wo ich mich bewege, nämlich der Philosophie und der Ästhetik, das erspare ich mir mal zu schreiben. Und wenn Sie schon bei den Ebenen sind, die es nicht zu verwechseln gilt, damit es mit irgendwelchen Nachbarn klappt: Meine Metaebene ist eine andere als die der Motive für diese oder jene Kommunikationsweise. Ich pflege die Polemik, und zwar da, wo sie angebracht ist, weil es um eine Sache geht. Diese ganzen Psychologisierungen lassen sich übrigens – das ist das Tolle an ihnen – wunderbar rückbeziehen, auf den oder die, welche sie ins Spiel bringen. Und da ist man dann bei einem ganz anderen Diskurs. Der Innwendigkeit und den psychologischen Zergliederungen. Und als nächstes gelangt man dann (im Feld von Texten) hin zu jenem identifikatorischen Schulfall von Banauserie: Was wollte uns die Autorin, was wollte uns der Autor damit sagen und was waren die sie dabei treibenden Motive? Insbesondere bei Kafka ist das eine beliebte und leider zugleich falsche Weise des Umgangs mit seinen Texten. Vom Gehalt seiner Prosa eröffnet sich dadurch nichts. Aber ich komme vom Hölzchen aufs Stöckchen.

  11. An der Phänomenologie d. Geistes bin ich aus Ungeduld und Zeitmangel kürzlich gescheitert, aber jetzt lese ich das Buch von Charles Taylor über Hegel. Zumindest für den Laien scheint mir das eine sehr gute Einführung, obwohl man dann natürlich dem Interpreten vertrauen muss, weil einem der eigene direkte Blick auf den Text erst mal fehlt. Ich habe aber das Gefühl, dass man viele Begriffe und Probleme von Hegel nicht recht verstehen kann, wenn man mit den geistigen Strömungen der Zeit nicht vertraut ist, auf die er ja teilweise sogar eingeht und sie kritisiert ohne sie beim Namen zu nennen (etwa wenn er Kant oder Fichte kritisiert). Und gerade da ist das Buch von Taylor nützlich.

    Ich werde also auch die Serie verfolgen… ich hoffe jetzt kommt nichts in der Art wie: „Taylor versteht Hegel völlig falsch, Verfälschung etc.“ Ich habs nämlich schon halb durch.

    Und wo man von Verfälschung spricht: Komisch, dass Bersarin in seinem Blog noch nie Slajoj Zizek erwähnt hat, der ja sehr dazu beiträgt den heißgeliebten Hegel wieder cool zu machen. Dafür gibt es sicher gute Gründe?

    Ansonsten gibt es hier noch gute Ratschläge für den angehenden Hegelkenner:
    http://pervegalit.wordpress.com/2012/06/09/how-to-fake-your-way-through-hegel/

  12. stimmt; wieder eine ähnlichkeit zu adorno, das war doch der, auch allen( besonders den blaßen, stubenhockenden, männlichen) oberstufenschülern bekannte, schlechtgelaunte, humorfreie, hornbrillentragende kultursnob der zu falle kam, auf diese tragische weise. sie wissen schon, mittels der weiblich, lüsternen brust.

  13. @ detroit music
    Ich habe es fast ein wenig befürchtet und zugleich gehofft, auf Slavoj Žižek angesprochen zu werden. Ich muß gestehen, daß ich zu wenig von ihm gelesen habe, und was ich las, wirkte an manchen Stellen auf mich sehr geholzt. Zudem bin ich mit der psychoanalytischen Lektüre, die Žižek an Hegel ansetzt, nicht ganz einverstanden, weil das wesentliche Bereiche an Hegel verfehlt. Aber ich will diese Lektüre zugleich nicht in Bausch und Bogen verdammen, weil bereits Lacan in verschiedenen Seminaren sich immer wieder einmal auf Hegel bezieht und diese Konstellation entfaltet Žižek. (Überhaupt wäre diese ganze Hegellektüre aus Frankreich, die ja von Sartre bis Foucault wesentlich über Alexandre Kojève geht, interessant und in den Blick zu nehmen. Ach, vielleicht sollte ich an der Universität doch Privatdozent werden. Es gibt so viele spannende Aspekte bei Hegel.)

    Aber es ist die Lektüre von Žižek lange her. Es scheint mir aber eine gute Idee zu sein, im Zusammenhang mit Hegel, auf Žižek einzugehen. Interessante Herausforderung. Insbesondere „Die Nacht der Welt“ (welch schöner Titel!), damals bei Fischer als Auszug aus: „Psychoanalyse und die Philosophie des deutschen Idealismus“ bei dem tollen Verlag Turia + Kant

    Das Buch von Taylor ist hilfreich, um hineinzukommen. Ein Streit würde lediglich am Detail entbrennen. Ich selber kann bei der Lektüre von Hegel – sozusagen aus der eigenen Erfahrung – nur raten, sich mit einigen Menschen, die das interessiert, zusammenzutun und Hegel gemeinsam zu lesen. Satz für Satz, und das, was man gelesen hat, durchzusprechen, und zwar im Detail. Über die vielen Stimmen und die vielfältigen Positionen, das unterschiedliche Wissen, das jede(r) in eine solche Gruppe mithineinbringt, kommt man beim gemeinsamen Lesen dem Gehalt seiner Texte oft erstaunlich nahe, und das laute Lesen eröffnet noch einmal ganz andere Dimensionen fürs Verständnis. Bei uns schloß das ganze dann mit einigen Flaschen Wein und den obligatorischen Zigaretten ab. Es waren dies ziemlich intensive Erfahrungen. In vielfältiger Hinsicht ;-)

    Ansonsten, wenn man es alleine lesen muß, weil niemand da ist: Da sollte man sich (von Zeit zu Zeit und wenn es gar nicht mehr weitergeht) nicht scheuen, auch die Sekundärliteratur zu Rate zu ziehen: Sehr einführend Gottfried Gamms Buch zum Deutschen Idealismus. Dann H. Schnädelbachs Hegeleinführung bei Junius. Und für die Phänomenologie vielleicht von Ludwig Siep bei Suhrkamp „Der Weg der Phänomenologie des Geistes“. Aber es gibt da zahlreiche Textkommentare, die dieses Buch Stelle für Stelle kommentieren. Ich würde am Ende aber raten, den Primärtext selbst zu lesen, weil diese Kommentare nie die Fülle des Textes ausschöpfen können. Sowieso gibt es einige Texte der Philosophie, die man immer wieder neu lesen muß und an denen Leserin und Leser immer andere Facetten entdecken. Das kann einem keine Sekundärliteratur abnehmen. Denn wenn man den Primärtext nicht versteht, begreift man im Grunde auch nicht die Sekundärliteratur. Hegel lesen lernt man nur durch Hegellesen. Und über manche der „wolkigen Stellen“ muß man hinweggehen oder eben gerade den Finger dort hineinlegen. Wichtiger als das Grübel, wie man es packt, ist es, anzufangen.

  14. Wein oder Bier, wo ist da der Unterschied? Da nie alles gesagt ist, wäre es möglicherweise nicht so schlecht, das Ungesagte ungesagt weiterarbeitenzulassen. Dies nun, gibt es nicht da dieses Nietzsche-Zitat concerning Bier-Konsum und dt. Geist an den Universitäten? – unterbindet der Alkoholkonsum. Ich bin da also etwas skeptisch. Bekannterweise unterlassen zeitgenössische Autoren (oder selbst Übersetzer, wenn ich das in aller Bescheidenheit anmerken darf, jedenfalls nach Möglichkeit) den Konsum desselben während der Dauer eines Buchprojekts. (hmnja, beim Bloggen ist es da schon etwas anders.)

    Das nenne ich einen Fortschritt. Wie ist es überhaupt möglich, Alkoholkonsum mit philosophischer Tätigkeit zu assoziieren? Mir eher unverständlich. Wir hatten sie doch alle schon: Jean Paul, Kerouac, Rühmkorf, … Hegel? Ahhh ! Diese mir unverständliche Stelle in Quines Two Dogmas of Empiricism … erst mal ne Flasche Wein, so geht das sicherlich nicht. Blind durch deutsche Romantik – woher kommt nur diese folkloristische Anhänglichkeit des sogenannten Geistes an solchen Rausch? Ich weiß nicht, wie weitverbreitet dieser Philosophiestudentenwitz ist: „Was machst Du so?“ – „Jogging und Wittgenstein“. Ging in HH-Uni um in den 80ern. Da hat es schon mal ganz gute Ansätze gegeben. Es ist vielleicht doch eine Sehnsucht nach einer Art mereologischem Feeling. Oder die jugendliche Sehnsucht, das jugendliche Aufbegehren gegen bestehende Verhältnisse, welches jedoch mit dem Fehler anhebt, mit der Zerstörung bei sich selbst zu beginnen. Es arbeitet in einem weiter, am nächsten Tag setzt das Lesen oder Schreiben wieder mit, ja, ich möchte sagen: mit neuer Qualität an. Und dann gibt es entweder gar kein Denken oder wenigstens etwas weniger Redundanzen.

    Klar, ich habe ebenfalls große Sympathien für widerständige Texte, und nachdem ich zwei, drei Sommer lang auf meiner in der Nähe des Balkons sich befindenden Zweitmatratze mit Proust, Minima Moralia, Thukydides, Aristophanes, etwas Horkheimer, einer deutschen Grammatik, Käte Hamburger (Logik der Dichtung) verbracht hatte, für die U-Bahnfahrt dann Aristoteles und noch ein bisschen B. Russell, kurz, nachdem ich hier alles ausgelesen hatte, und noch was zur griechischen Geschichte, was nach dem Tod eines nahen Verwandten sonst woanders nutzlos herumgestanden hätte aber widerständig genug gewesen war, damit es zur weiteren Lektüre anregende Modifizierungen in meinem Hirn hinterließ, Darwins Notizheft M befand sich bereits in meinem Besitz, da dachte ich: nach sogar etwas Joyce und Nietzsche, den ich allerdings als für uninspiriert befunden sogleich wieder weglegte, bist du jetzt reif für Hegel. Immerhin waren ja bereits die Ästhetischen Vorlesungen unterdessen ebenfalls einige Wochen lang Matratzengenossin, während draußen der Sonnenwind über die Bäume strich und Singvögel ihre Laute von sich gaben, gewesen. Mit dieser Erwartung eines sperrigen Textes fiel ich aber in eine Enttäuschung. Ich fand den Anfang der Phänomenologie etwas sehr bedächtig-langsam anhebend. Wie eine eben phänomenologische Untersuchung; auch wenn ich den Witz, wie ich glaube, bei Descartes damlas nicht verstand, fand ich ihn doch zuerst etwas langweilig zu lesen, dasselbe nun bei Hegel. Zugleich ist der wohl zeitlich noch zu dicht dran, als dass sich der Charme etwa eines Textes von Kepler in seiner Einfachheit entfalten könnte. Nachts schmökerte ich dann etwas bei Lichtenberg. Hinzukommt, dass ich gerade ca. 1400 Seiten Osho hinter mir hatte. Enttäuscht, und etwas gelangweilt legte ich die Phänomenologie wieder beiseite. Mit viel Zeit und Muße, also langen Pausen, wird das ja vielleicht noch mal etwas. Ich sehe also nicht, warum Gelesenes immerzu gleich in einem riesigen Palaver und Schall und Rauch untergehen sollte.

    Zum Lautlesen: Um den Stil Kants zu verteidigen brachte ich einmal im Übersetzer-Forum diese eine bekannte Stelle, die unser Professor zum selben Zweck vorzulesen pflegte, und erntete großes Erstaunen bis zur Entrüstung. Ich hatte vergessen, Kant: laut lesen!

    Was ich allerdings auch meide, ist Sekundärliteratur. Soweit kommt es leider gar nicht erst. Zuerst will das Buch einmal gelesen werden; und dann nocheinmal – dann, und erst dann ! darf ich es wagen, Anstreichungen, Notizen etc. zu machen. Ich hasse diese zerlesenen, mit Anmerkungen zerwüteten Bücher.

    Du kannst aber gerne mit dem Hegel-Projekt loslegen. Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich mich zu den so berühmten Stellen vorgearbeitet habe.

  15. Nur sehr kurz – die Philosophie und der Alkohol: Hegel soll, so heißt es, jeden Tag eine gute Flasche Wein geleert haben. Sein Arzt machte ihm Vorhaltungen. Hegel verstarb in Berlin an der Cholera.

    Aber es geht nicht um diese Dinge, sondern es bleibt die Frage, wie zu lesen sei.

  16. @ Frau Wunder
    Ihre Analyse zu Adorno gefiel mir halbwegs nur. Gut daß ich in der Oberschule keine Brille trug, schlank, vorlaut und verwegen war. Was mir bei der Frau, in die ich mich verliebte, nur bedingt nützte. Ich sah lediglich ein wenig aus wie ein zartes Stubenküken. Meine Haut war damals so weich wie sie auch heute noch ist.

    Adorno verstarb an den Folgen einer nicht behandelten Diabetes sowie an ungesunder, sehr fleischhaltiger Ernährung. Es gab eine Vielzahl an Frauen, die um ihn trauerten. Da ergäbe sich zu mir eine Parallele.

  17. Zum Thema Hegel und Wein zu empfehlen ist das Buch „Hegel & Hegel oder der Geist des Weines“ von Otto A. Böhmer (Tübingen 2011), dort klingt es zuweilen aber doch so, als dass man sich den täglichen hegelschen Weinkonsum eher im Bereich von zwei Flaschen zu denken hat. Dem Bier war er dagegen offensichtlich nicht sehr zugeneigt – sehr zum Missmut der Schwiegereltern Tucher aus Nürnberg.

    Ob es, für den Anfänger, es leichter macht, Hegel gleich mit Adornos Endspiel zu lesen, da bin ich mir nicht so sicher. Aber mit der „Vorrede“ zur Phänomenologie liegt man bestimmt nicht falsch, da ist doch schon sehr viel enthalten (wenn auch nicht entfaltet) von dem, was man so meint, dass es das hegelsche Denken ausmachen würde.

    Ansonsten ist es nach wie vor so, dass es vielleicht auch einmal ganz interessant sein kann, sich mehr mit den Schriften von vor 1807 zu beschäftigen, statt gleich mit Logik, Rechtsphilosophie oder Ästhetik. Jedenfalls wenn man von Kant, Fichte oder den Romantikern her kommt.

    Immer schön und anregend, hier etwas über Hegel zu lesen!

  18. @Ur-Teilung
    Genau auf dieses Buch wollte ich gestern ebenfalls hinweisen, war aber zu müde, um Verfasser und Titel zu finden.

    Ja, die Vorrede und die Einleitung halte auch ich für eine gute Einführung in die Philosophie Hegels. Sie sind, obwohl sie gefüllt mit den Bezügen zur Philosophie sind, dennoch gut zu lesen, auch für die, welche anfangen sich mit Hegel zu beschäftigen.

    In bezug auf die Schriften vor 1807 geben ich Ihnen recht. Der zweite Teile meiner Hegellektüre geht ein wenig auf die Differenzschrift. Insbesondere deshalb, weil dort die Positionen von Kant, Fichte, Schelling, Jacobi entfaltet werden, so daß geneigte Leserin, geneigter Leser ein wenig in das eingeführt werden, was dann in der Logik und in der Phänomenologie als immanente Kritik durchgeführt wird.

  19. Ich erinnere mich noch gut an ein Seminar zur Hegelschen Logik, in dem wir während eines ganzen Semesters gerade mal 5 Seiten geschafft haben – und niemand das Gefühl hatte, das Tempo sei zu langsam. Und dabei handelte es sich um den halbwegs leichtverständlichen Anfang der Logik. Die Logik des Urteils ist mir immer noch ein Buch mit sieben Siegeln – irgendwann beiße ich mich da noch einmal Silbe für Silbe durch…

    Žižeks Hegelinterpretation kann ich nur empfehlen, insbesondere für Marxisten und noch mehr für solche, die sich dafür halten. Auch wenn mir das immer auf eine vorbegriffliche Art und Weise bewußt war, daß es sich bei der Dialektik keineswegs um eine Entwicklungslehre handelt, hat mir erst Žižek wirklich bewußt gemacht, daß sich in der ominösen „Synthese“ keineswegs etwas Neues ereignet, sondern sich in ihr die These als das Andere entpuppt, was sie immer schon war. Die beiden (inzwischen wohl vergriffenen Bücher) Der erhabenste aller Hysteriker und Verweilen beim Negativen waren für mein Hegel-Verständnis grundlegend (und haben dann in meiner mündlichen Philosophieprüfung für ziemlichen Ärger gesorgt). Leider hat Žižek sein damaliges Niveau nicht gehalten…

  20. Ja, an den Žižek geht es demnächst heran. Ich will das in meine Hegel-Lektüre einbauen. Im nächsten Beitrag zu Hegel kommt da auch etwas – zumindest ein Anreißer. Und vielleicht nehmen meine Texte dann doch noch einmal eine andere Richtung, ich bin da leider wenig systematisch veranlagt und lasse mich gerne ablenken.

    Es freut mich aber, daß ich in Dir einen kritischen Mitleser habe.

    5 Seiten in einem Semester aus der Logik: das haut in etwa hin und es geht, wenn man den Text Hegels mit der gebotenen Gründlichkeit lesen will, auch gar nicht anders. Auch deshalb griff ich diesen Schwachfug aus einem andern Blog noch einmal hier bei mir auf. Wenn man von Hegel und überhaupt von der Philosophie keine Ahnung hat, so ist das nicht schlimm. Man sollte dann allerdings auch nicht drüber schreiben und Dämlichkeiten als Essay oder als literarischen Text (zudem noch von minderer Qualität) verpacken.

    Die Wesenslogik und die Begriffslogik: da kann einem schon der Atem stocken. Ich habe das seinerzeit in einer Arbeitsgruppe gelesen. Es geht auch gar nicht anders. Diese Lektüre alleine zu bewältigen und alle die Bezüge herzustellen, erfordert eine Menge Erfahrung. Schade eigentlich, daß wir beide so weit auseinander wohnen, Es wäre so etwas sicherlich ein feines Projekt. Und dazu ein paar Flaschen badischen Wein.

    Die beiden Bücher von Žižek gibt es in einem Band bei „Turia + Kant“ – schöner Reim, schöne Werbung. Ich besitze die reduzierte Ausgabe aus dem Fischer Verlag „Die Nacht der Welt“, hole mir aber der Vollständigkeit halber auch die Ausgabe bei Turia + Kant. Das Buch heißt nun: „Psychoanalyse und die Philosophie des deutschen Idealismus“, zu finden hier:
    http://www.turia.at/navig/indxp.html

  21. Das Schopenhauer-Zitat „Schwarzes Denken – schwindelfrei“ finde ich sehr interessant. Google und Co wollten mir aber nicht verraten, aus welchem Werk oder Briefwechsel Schopenhauers es hervorgeht.

    Könnten sie mir da aushelfen?

  22. Okay. Trotzdem danke für die Antwort! Vielleicht stoße ich ja eines Tages mal darauf.

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