Daily Diary (41) – Die Vielfalt des deutschen Waldes

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Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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14 Antworten zu Daily Diary (41) – Die Vielfalt des deutschen Waldes

  1. Iris schreibt:

    Vielfalt. Ein Faltenwurf. Eine Vielfaltigkeit größer als drei.

  2. hANNES wURST schreibt:

    Wunderbar. Muss eine Heidenarbeit gewesen sein, die ganzen verdammten Stämme zu colorieren.

  3. Bersarin schreibt:

    Das Colorieren war nicht das Problem, schwieriger war es, die Stämme auszuschnitzen, mit den Maserungen zu versehen und dann alle dort aufzubauen.

    In den Bildern zwei bis fünf liegt für mich übrigens das Wesen des Zen.

  4. Uwe schreibt:

    Tolle Fotos, vor allem Nummer 2 – 5, auf denen ein gewöhnliches Motiv fast in eine abstrakte Flächenkomposition verwandelt wird: Vielfalt in der Einheitlichkeit, Individualität in der Masse, Form und Muster, Abstraktion und Konkretion. Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr, dafür aber die individuelle Form- und Farbschönheit jedes einzelnen Stammes, und durch die parataktische Reihung scheinen sie sich über die Ränder des Fotos hinweg auszubreiten. Die Variation des scheinbar Gleichen ergibt so eine endlose Vielfalt. Gruß, Uwe

  5. irisnebel schreibt:

    haha, jetzt musste ich wieder einmal bei dir schmunzeln…
    obwohl Uwe natuerlich vollkommen recht hat, kommst du mir mit deinem titel dennoch auch ein wenig schalkhaft, Magritte nicht ganz unaehnlich, vor. ;)
    du liebst diese wiederholungen, reihungen und das entdecken der kleinen feinen unterschiede in der uniformitaet von aehnlichem… die ruhe, die davon ausgeht und die zeit, die du dir nehmen kannst, dann auf die kleinen, unaufdringlichen details gucken zu koennen… nicht wahr?
    ausserdem steckt wieder eine portion gesellschaftskritik drin… denn dieser, eben nicht natuerlich zusammengestreute/gewachsene mischwald, der i.d.r. gesuender ist, sondern wirtschaftlicher nutzen/sein nutzholz stehen da im vordergrund.

  6. Bersarin schreibt:

    Ja, dieser Wald (Nutzwald in der Tat, es ist nicht schön, wenn man enttarnt wird ;-) ) übte zugleich einen Reiz aus, trotz seiner Monotonie.

    Vor allem gefiel mir dieses Nachmittagslicht der trüben Sonne, wie da der einsame Wald dalag, Es ist schwierig, Wald oder überhaupt: Natur zu photographieren, ohne daß es gleich kitschig wird und da irgendwelche Weichzeichnungsfilter drübergelegt werden oder die Überdramatisierung der Landschaft durch harte Kontraste und Rotfilter erfolgt, zu der ich früher auch neigte. Wir sind in unserem photographischem Blick – ob wir es wissen oder nicht – alle Anselm Adams-Geschädigte.

    Danke auf alle Falle für Euer Lob!

  7. Aléa Torik schreibt:

    @ Bersarin: Ja, tolle Bilder. Ich weiß nicht, ob die Eintönigkeit der einander in der Menge doch recht ähnlichen Stämme oder die Abwechslung des einzelnen Stammes im Vergleich mit den anderen überwiegt. Auf eindringliche Weise schieben sich der Eindruck des Einzelnen und des Ganzen übereinander oder ineinander.

    @ Hannes Wurst: vielen Dank für die schönen Sätze auf Amazon zu meinem Roman, ich habe das heute erst gesehen. Ich kann dort nicht dauernd nachschauen, ob wer was gelesen hat und vor allem wie.

  8. silberfink schreibt:

    Die Darbietung hat Rhythmus… (Hängt da eine Ampel mitten im Wald?)

  9. ziggev schreibt:

    auch ich musste schmunzel, nein ich lachte schallend heraus – zuerst sah ich nur die oberen zwei Drittel des ersten Fotos und bekam einen Schreck: Du machst jetzt doch Landschaftsfotos? Dabei hatten Deine kritischen Einlassungen zur Lanschaftsfotografie zuletzt doch so überzeugend geklungen! Bersarin wird auf einmal inkonsequent? Und wo sollte das enden? Doch dann kamen Foto 2-5 und meine Sorge war schlagartig verflogen.

    Eine Serie! Bersarin, der Schalk! So geht´s natürlich wieder! Zugleich leuchteten mir die Vorteile des Serellen in die Augen. Zu den formalen Aspekten wurde ja bereits in den anderen Kommentaren genug gesagt, was ich dazu sagen könnte, ist jedenfalls so offensichtlich, dass gut und gerne lassen kann.

    Und die Böshaftigkeit des Euphemismus „Wald“ stellt sich heraus als zärtlich-ironische, ich möchte fast sagen: melancholische Haltung gegenüber dem „Objet“. Was eins zu sehen glaubt, ist nie das, was es ist, und gerade deshalb unbeschönigt genau das. Ja, für meine Begriffe hat dieses Nichtbeschönigende „Genau das!“ etwas Zenartiges. Und das Laut-Herauslachen sowieso.

    So gesehen und wie sich im letzten Bild die Formalen Aspekte fortsetzen bzw. aufgehoben werden, bin ich geneigt, es zur Serie dazuzuzählen. Die sich nur anscheinend öffnende Tiefe scheint Illusion; jeder dieser bemitleidenwerten Bäume steht einsam und absurd für sich, und dennoch jeden Anspruch auf „Würde“ beinahe empört von sich weisend. Und die Tiefe, in die sich der „Wald“-Boden erstreckt, liefert noch einmal einen ironischen Kommentar zur „Tiefe“ des Waldes und des deutschen Gemüts, welche der märkische Sanboden offenbar ad absurdum zu führen trachtet. Sie scheint andauernd vom Zweidimensionalen zum 3-D zu springen und umgekehrt, während der Horizont, der sich in der Tat abzeichnet, zwischen den Bäumen verschwindend zugleich vielmehr die Idee der Endlichkeit zu evozieren scheint. Ich hoffe, ich habe jetzt nicht mehr gesagt, als gesagt werden sollte. Jedenfalls: Ganz wunderbar!

  10. Bersarin schreibt:

    Was sind das für Zeiten, wo ein paar Bilder über Bäume so viele Kommentare nach sich ziehen? Na gut, wahrscheinlich liegt es daran, daß ich auch einmal etwas anderes photographiere als ausgesucht öde Ort. Aber es erstaunt mich schon. Wenn ich im Dickicht der Städte meine Bilder fertige, als müßiger Flaneur umherziehe (und nur ab und zu Frauen auf ihre T-Shirts sowie ihre Wölbungen schaue – ich kann meinen Altmännerhumor einfach nicht sein lassen), gibt es meist wenig Kommentare. Auf alle Fälle aber: Vielen Dank für die freundlichen Worte in einer kalten, trüben Welt, und ich bin von meinem eigenen Pathos so gerührt, daß ich eine Träne vergieße, die ich in einer kleinen Phiole einschließe. Ansonsten aber steigt die Freude, weil im Kühlschrank ein angenehmer Weißwein lagert, um diesen letzten warmen Tag des Spätsommers in Berlin auf die für das Grandhotel Abgrund übliche angenehme Art ausklingen zu lassen.

    @ Alea Torik
    Dieses Verhältnis von Einzelnem und Ganzem sehe ich ebenfalls so: mich hat die Vielfalt in der Monotonie interessiert. Es war ein sehr spannender Wald, ich liebe diesen Ort.

    @ silberfink
    Sehr gut gesehen: Der Blick der Photographin: es hängt dort in der Tat eine Ampel. Natürlich nicht mitten im Wald für die Zwerge, die Kaninchen, Bambi und den Wolf, sondern ich saß, als ich auslöste, im Auto. Ich hätte dieses Ampel-Wald-Motiv noch mehr ausreizen wollen, aber ich saß ich war bequem, sah diese Kombination, drückte auf den Auslöser, hatte aber keine rechte Lust mehr, daraus mehr zu machen, weil ich müde war. Eigentlich sollte die Ampel da gar nicht drinnen sein. Aber dann gefiel es mir am Ende doch gut.

    @ ziggev
    Vielen Dank für Dein Lob und Deine Bildbeschreibung/-beobachtung. Ich photographiere gerne die Natur. Besonders wenn sie tot ist. So wie es, nach Hegel, überhaupt darum geht, das Tote festzuhalten:

    „Der Tod ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das, was die größte Kraft erfordert. Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut und vor der Verwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in ihm sich erhält, ist das Leben des Geistes. Er gewinnt sich nur, in dem er in der absoluten Zerissenheit sich selbst findet. Er ist diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm verweilt. Dieses Verweilen ist die Zauberkraft, die es in das Sein umkehrt.“

    Ich werde diese wichtige Passage aus der Vorrede zur „Phänomenologie, welche die Weise dialektischen Denkens darstellt, sicherlich demnächst einmal kommentieren.

  11. hANNES wURST schreibt:

    @Aléa Torik: Leider kann ich den Dank nicht annehmen, denn es handelt sich bei dem Rezensenten um einen gewissen Hans Wurst aus Büstedt an der Wörpe. Auch dieser Wurst liest den Lettre, was für ein Zufall. Jedenfalls bin ich neugierig geworden und werde das Buch lesen, wenn die Vonneguts aus sind.

  12. Aléa Torik schreibt:

    @ hANNNES wURST, da war ich wohl vorschnell. Aber dass Sie einen Doppelgänger haben, konnte ich nicht ahnen. Dann möchte ich Sie, weil die Gelegenheit günstig ist, vor meinem Roman warnen. Der wird Sie nur verderben und Sie werden ewig sinnieren, wer nun eigentlich der andere ist, der Ihnen, wenn auch offenbar in der Lektüre von LETTRE sehr ähnlich, doch einen Schritt voraus ist, da er meinen Roman gelesen hat. Also bleiben Sie um Ihrer selbst willen zurück. Denn wenn Sie ihm jetzt auch noch in seiner Lektüre folgen, werden Sie sich immer und ewig fragen müssen, worin er Ihnen dann wieder einen Schritt voraus ist, und was er gelesen hat, während Sie „Das Geräusch des Werdens“ lasen. Vergessen Sie den Doppelgänger!

  13. genova68 schreibt:

    Ja, tolle Fotos, vor allem das dritte, das vierte und das fünfte. Zum Reinbeißen. Vielleicht liegt es vor allem an der Bildnachbearbeitung, dass die Farben eine gewissen Plastizität bewirken, eine Dreidimensionalität, die meiner Erfahrung nach beim Fotografieren so schwer herzustellen ist. Reale dreidimensionale Tiefenverhältnisse wirken auf den Bildern meist nur halb so tief und dann plötzlich platt. Anders hier. Die Tiefe entsteht vielleicht, weil die Bäume unten andersfarbig sind als oben. Oder es ist eine Frage der Kamera.

  14. Bersarin schreibt:

    @ genova68
    Vielen Dank. Ja, in der Tat erfordert es ein wenig Nacharbeit im digitalen Labor. Allerdings mache ich da auch nichts anderes, was ich nicht auch im analogen Photolabor gemacht habe. ein wenig die Kontraste erhöhen durch die Wahl des entsprechenden Photopapiers, später gab es dann das tolle Gradationswandelpapier, wo man mit Filtern arbeitete.

    Die Tiefe in einer Photographie geht mit einer guten digitalen Kamera mittlerweile immer gut. Das war am Anfang des digitalen Zeitalters in der Photographie nicht so. Ich denke, wer technisch einigermaßen gute Bilder machen will, die nicht aussehen wie zu den Anfängen des Digitalen, sollte mindestens zwischen 400,- und 600,- Euro ausgeben. Ich selber bin mit sehr hochwertigen Kameras unterwegs, je nach Bedarf. (Wobei dazu gesagt werden muß: Teure Kamera hei0t nicht gleich: Gutes Photo.)

    Auf diese Tiefe habe ich aber zugleich auch kompositorisch gesetzt. Doch alle meine Photographiertricks will ich hier nicht verraten. Nur soviel: ich verändere am Objekts nichts. Es ist also kein Gursky- oder ein Demand-Wald. (Wobei ich deren Art zu photograpieren sehr schätzte.)

    Tja, mit Tocotronic kann ich von ihrer wunderbaren Platte aus den 90ern nur sagen: Digital ist besser.

    Ach, die sind immer noch richtig, richtig cool. Bis heute hin!

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