Beobachtungen zweiter Ordnung – Juli Zehs „Schilf“ (2)

Der Mensch ist das mit Vernunft bzw. Sprache begabte Tier, so heißt es in der Philosophie. Und die Natur stattete ihn zugleich mit der Gabe des Spiels und der Phantasie aus. Nicht immer zu seinem Segen, denn Vernunft, Phantasie und Spiel passen häufig nicht gut zusammen, und das Realitätsprinzip versagt zuweilen vor dem Spieltrieb oder den bloßen Launen des Zufalls. Diese Aspekte des Lebens hängen manchmal am Detail, am seidenen Faden, sogar, wie in „Schilf“, an einem einzigen Wort, das nicht richtig verstanden wird. Es ist der Zufall, eine kleine (Laut-)Verschiebung (die sich kaum hören, sondern nur in der Schrift realisieren läßt), die um das Ganze entscheiden, so daß einer der Protagonisten einen Menschen tötet, den er nicht hätte töten müssen und auch nicht töten sollen. Die Konstellation ist wie folgt: Zwei hochfahrende, begabte Physiker: Oskar und Sebastian, ein zehnjähriger Junge – der Sohn Sebastians –, der entführt wird, Sebastians Frau Maike, ein Anästhesist an einem Krankenhaus, eine eigenwillige Ermittlerin der Freiburger Kripo und Kommissar Schilf aus Stuttgart. Am Ende stirbt der Kommissar.

Der Wirklichkeitssinn und der Möglichkeitssinn geben zwei verschiedene Weisen ab, sich in der Welt zu verhalten; es sind diese Begriffe zugleich philosophische Kategorien im Rahmen der Metaphysik bzw. der Erkenntnistheorie: bei Kant in eine Tafel der Kategorien gebracht als Verstandesbegriffe, und zwar unter der Rubrik der Modalität – Möglichkeit, Dasein, Notwendigkeit. Es dreht sich freilich nicht nur im erkenntnistheoretischen oder metaphysischen Sinne, sondern auch in bezug auf die theoretische Physik um die Frage des Notwendigen und des Kontingenten. Sebastians Sucht nach verschiedenen Welten, so Oskar, in denen er verschiedene Möglichkeiten durchspielen kann, ohne die Verantwortung zu übernehmen – auch oder in diesem Roman: gerade im Hinblick auf die Sexualität – bleibt kein rein physikalisches Problem oder ein erkenntnistheoretisches Spiel akademischer Philosophie, sondern es verstrickt dieses Denken sich in die moralphilosophischen Fragestellungen, weil das Perspekivische essentiell auf bestimmte Weisen, wie zu leben sei, zielt. Diesen Weg von der theoretischen Physik sowie von der philosophischen Frage zu Zeit und Perspektive schreitet der Roman ab, und dieses Verhältnis oder eher: die Polarität zweier Weisen von Weltordnung impliziert den Bereich der Moral und damit des Handelns. Eine Viele-Welten-Theorie entbindet von jeglicher Entscheidung, von jeglicher Moral: Es ist, von dieser Theorie der Physik her gedacht, alles möglich, und es kann zugleich alles anders sein, so die These des Physikers Sebastian; wobei er sich nicht ganz klar ist, ob er diese These auch vertritt oder aber dem Publikum nur erläutert, ohne dabei groß Stellung beziehen zu wollen. Schon an dieser Stelle zeigt sich seine Unentschiedenheit. In einer solchen Weise der Wirklichkeitserzeugung läßt es sich jedoch nicht leben, wenn man Leben auch unter dem moralischen oder pragmatischenAspekt von unwiderruflichen Entscheidungen sieht. Es führt kein Weg zurück, um es im Pathos des Romanes auszudrücken.

Aber zugleich verkehren sich die Perspektiven innerhalb des Roman-Textes: der in seiner Theorie so verantwortungslose Sebastian erweist sich als Mensch, der die Verantwortung – dieses schreckliche Wort! – gegenüber seinem Sohn nicht scheut, und Oskar, der zur Verantwortung und zur Verortung in der Theorie steht, ist ein bindungsloser Dandy sowie ein intellektueller Snob, wie es nur wenige davon gibt. Verantwortung bleib bei ihm bloße Theorie – eine Theorie, die am Ende des Romans nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Dieses Prinzip der Verkehrung der Begriffe und der Umpolung der Gegensätze ist in der Literatur ein feiner Trick – von den „Wahlverwandtschaften“ bis zu den vertauschten Namen in Hesses „Narziß und Goldmund“.

Juli Zeh, so heißt es, schätzt den Schriftsteller Robert Musil, und es könnte das von ihr ersonnene Szenario dieses Roman sich gut mit jener Passage aus Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ zusammenlesen lassen:

Es ist die Wirklichkeit, welche die Möglichkeiten weckt, und nichts wäre so verkehrt, wie das zu leugnen. Trotzdem werden es in der Summe oder im Durchschnitt immer die gleichen Möglichkeiten bleiben, die sich wiederholen, so lange bis ein Mensch kommt, dem eine wirkliche Sache nicht mehr bedeutet als eine gedachte. Er ist es, der den neuen Möglichkeiten erst ihren Sinn und ihre Bestimmung gibt, und er erweckt sie.“ (R. Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, S. 17, Reinbek 1981)

Aber es ließe sich auch anders sagen, nämlich mit Siegfried Kracauers Studie zum Detektiv-Roman: „Der durch den Detektiv-Roman abgesteckte Gesellschafts- und Weltbereich ist nur einer von vielen, er bezeichnet eine Stufe menschlichen Seins, der andere Seinsstufen an Wirklichkeitsgehalt übergeordnet sind. Umgreift die Sphäre, die er darstellt, einen lediglich von der emanzipierten ratio verbürgten Zusammenhang, so geben die höheren Sphären mehr und mehr dem Gesamtmenschen Raum, dem die ratio eingetan ist.“ (S. Kracauer, Werke 1, S. 109, Fft/M 2006)

Krimis sind mehr als nur Krimis, ihre Problem- und Erkenntnislage ist gesellschaftlich vermittelt und dem Stand des gesellschaftlichen Bewußtseins angepaßt – dies führte Kracauer in seiner großen soziologischen Studie aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vor.

Diese höheren Sphären zeigen sich bei Zeh (unter anderem) aus der Perspektive der Vögel, die im Roman eine Rolle spielen und von oben herab, aus dem Schwarzwald kommend, auf die Stadt Freiburg schauen, sich darin tummeln und immer wieder in der Stadt und in der Geschichte auftauchen. (Zumindest sympathisiert der auktoriale Erzähler mit diesen Vögeln.) Bis hin zu jenem vogeleigroßen Gehirntumor im Kopf des Kommissars, der ihm den Tod bringen wird. Am Ende kehren die Vögel zurück in die Natur der Berge, nordöstlich von Freiburg.

Die Beobachtung sowie die Position des Beobachters bestimmt, was wir sehen und was wir denken können. Die Beobachtungsperspektive bestimmt die Theorie, um es ein wenig im Sinne des Radikalen Konstruktivismus zu formulieren. Es ist – zum Ende des Romans hin – die Perspektive von oben, die alles zurechtrückt und zerfließen läßt, und diese Frage der Perspektivität ist für den Roman ausgesprochen wichtig, insbesondere im Hinblick auf jene zwei Modelle der Physik, eben der Quantenmechanik und der Multiple-Welten-Theorie sowie der Definition von Kausalität und Zeit. Teilchen und Welle sind nicht zugleich und im selben Blickfeld zu beobachten, es existiert eine Relation der Unschärfe. Aber ebenso im Verhältnis zum Tod als der letzten Instanz kommt der Perspektive und dem Abschied von ihr Bedeutung zu: „Auf Wiedersehen, Beobachter, denkt der Kommissar“ als er stirbt: Jener Beobachter, der sich im Inneren des Kommissars beständig selber ins Visier nimmt und in die Reflexion bringt, die innere Stimme – jener daimon.

Was für eine Welt wäre es, wenn die Wahrheit nur eine Möglichkeit von vielen ist? Dies ist – auch im Hinblick auf Orwells Roman „1984“, wo die Menschen unter der Folter lernen, etwas gleichzeitig für wirklich und unwirklich zu halten, die Frage, um die der Roman kreist. Allerdings – ich verrate es vorweg – löst er diese Frage von der Konstruktion her und im Rahmen der sprachlichen Darstellung sowie seiner ästhetischen Mittel nur unzureichend ein, sondern es bleiben die Wendungen und Windungen des Spiels teils konstruiert und der Problemlage äußerlich. Es fehlt diesem Roman das, was die Amerikaner so gut können: eine Geschichte zu erzählen, die zwar von der Philosophie, von der Theorie getragen wird, ohne daß diese Theorie jedoch wie implantiert oder wie eingespritzt wirkt. Sie kommt in den Sätzen des Textes, in den Äußerungen der Protagonisten nicht (oder selten) vor. Ich verweise hier auf David Foster Wallace – mit dem mich immerhin Lovely Linda verglich (entweder wegen seiner überschießenden Phantasie oder aufgrund seines Endes) –, auf den großartigen Don DeLillo, auf Paul Auster und auf Cormac McCarthy. Natürlich ist es ungerecht, das eine gegen das andere auszuspielen. Ich will Juli Zeh da gar nicht an den Wagen fahren. Aber es gibt bei ihr diese Stellen im Text, die nicht funktionieren.

Der Krimi ist, wie Kracauer schreibt, im Rahmen der Konstruktion eine Chiffre. Juli Zeh verwebt die Stränge und kleidet die Theorie in den Kriminalroman. Ich ginge allerdings nicht so weit, sie aufgrund der vielfältigen Bezüge und Korrespondenzen, die sie liefert, zu einer der Universalgelehrten zu machen, wie mir kürzlich eine wilde und zuweilen bissige, raubvogelfangende Königstigerin mitteilte. Dafür wirkt der Roman – zumindest stellenweise – zu bemüht – es wird in alle Richtungen hin fabuliert. Das postmoderne Wissen kommt gut ohne Wissen aus, sondern braucht und benutzt die Versatzstücke, welche in Variation gebracht werden. Plappern und klappern: Teils plappern die konturlosen Figuren ihre Thesen daher. Der Roman ist vielfach zwar gut gebaut in der Abfolge und im Suspense und dennoch klappern einige der Details darin. Die Kriminalstory als ein Trick, um Fragen der Physik und damit korrespondierend der Moralphilosophie sowie der Schuld (freilich nicht im juristischen Sinne) zum Thema zu machen, ist ein probates, ausgesprochen geeignetes Mittel (sei das bei dem Surrealisten Léo Malet oder bei R. Chandler), und diese philosophisch motivierte Konstruktionsleistung fesselt, aber andererseits funktionieren die Sprache, der Rhythmus des Textes nicht immer so, wie es im gelungenen ästhetischen Objekt laufen sollte. Bilder geraten schief oder sind dick aufgetragen: „Er pfeift seine Gedanken zurück wie ein Rudel tollender Hunde und steht noch einmal auf, …“ oder „Die gnädige Nacht verflüssigt sich und rinnt nach allen Seiten auseinander. Hier wie dort zeigt sich der neue Tag als ein scharfkantiger Fels, bereit, jedem Herausforderer die Haut zu schälen.“ Das lese ich weder ironisch, noch als Spiel des Textes mit übertriebener Metaphernbildung, sondern es stört den Fluß des Textes und macht insbesondere die gelungenen Bilder und Metaphern kaputt.

Auch die Vögel werden als Metapher und als Bild für eine Natur, die sich entzieht und die doch überall wirkt, überstrapaziert. Die Figuren des Romans sind in der Durchführung und in ihrem Auftritt blaß gezeichnet, weil sie bloße Stellvertreter sind. Lediglich Oskar und Sebastian gewinnen Kontur. Was am Anfang in der Lektüre noch fesselte, weil zwei Figuren als Antipoden aufgebaut werden und Leserinnen und Leser auf den ersten Blick wissen: es wird sich um diese Männer eine Tragödie um Liebe, Leid, Erkenntnis spinnen, das verfranst sich im Verlauf. Es wird alles und nichts als Thesenliteratur angetippt. Die Sätze geraten viel zu bedeutungsvoll, kommen daher wie Sätze aus dem bürgerlichen Feuilleton. „Niemand könne sich heutzutage länger als ein paar Tage an etwas erinnern, …“ (S. 58) Stellenweise erschien der Roman mir, als illustriere sich in ihm eine Theorie der Halbbildung. Manches wirkt in der Schilderung wahr und es schießt dieser So-ist-es-Blitz in den Kopf, wenn man solche Sätze liest – Situationen, die jeder schon einmal dachte oder erlebte: „Das schreckliche Gefühl, im eigenen Leben bloß Gast zu sein, kennt er schon lang.“ (S. 67) Anstatt daß diese These bzw. dieses Merkmal, welches Sebastians Charakter ausmacht, im Modus des Erzählens, durch die Sprache sich entfaltete und entwickelte, wird es lediglich proklamiert. Der Roman spielt mit solchen Sentenzen strategisch und bezieht den Leser ein. Aber diese Taktik der Sprache und des Textes gereicht dem Roman am Ende zur Schwäche, weil zu viel nur behauptet und mit Bedeutung aufgeheißt wird, statt daß es sich in der Handlung und der Gestaltung einlöste.

Freilich, das Buch bietet manches Capriccio, an vielen Stellen lebt es von den gegenläufigen Bildern und Wendungen; es erzeugt Spannungen, es treibt die Story im Fluß voran, der Roman hält manchen Aphorismus bereit, der sich gut liest, der paßt: „‚Das Schlimmste (…) geschieht immer danach. Es geschieht dann, wenn die Menschen glauben, dass sich das Schlimmste bereits ereignet habe.‘“, wie der Protagonist Oskar sagt. Eine solche Sentenz enthält einiges an Wahrheit, aber zugleich kommt sie in einem Dialog viel zu groß daher, so daß sie sich selber durchstreicht. Und so schwankt der Leser zwischen Verheißung, Spannung und Überdruß an zuviel Konstruktion.

Es läßt sich Zehs dritter Roman auch als eine Kritik an einer Postmoderne und einem alles vertilgenden Relativismus lesen, die den Begriff von Wahrheit radikal perspektivieren und damit durchstreichen möchten. Und zum Schluß des Textes bleibt doch ein Bild der Natur sowie die Unbestimmtheit im Modus des Erzählens übrig: „So ist es, sagen wir, in etwa gewesen“, schließt der Roman.

Ja, so kann es einem ergehen, und diesen Widerspruch bringt eine gelungene Kritik ins Denken – ich habe den Roman gerne gelesen und er ist dennoch mißlungen, was häufig geschieht, wenn Thesen und Philosophie in einen Text geplustert werden. Aber es folgen weitere Romane von Juli Zeh, die ich hier begleitend bespreche oder in Essays in einen weiteren Text einschreibe. Es sind die Texte wie Gravuren und Tätowierungen.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
Dieser Beitrag wurde unter Buchkritik, Literatur abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Beobachtungen zweiter Ordnung – Juli Zehs „Schilf“ (2)

  1. FrauWunder schreibt:

    Leider, zu meinem großen Bedauern muss ich Ihnen Recht geben. Viel lieber würde ich Ihnen widersprechen, aber das kann ich nicht, da Sie mit Ihrer Rezession, die ein wenig gestelzt und überfrachtet fast im Stile der Zeh daherkommt, dann doch sehr richtig liegen. Dies lässt mich schmunzeln, denn Sie beschreiben und zerkleinern genau das, was mir nach Lesen des Buches vor längerer Zeit an unverdautem, wiederhochgewürgtem, hastig verschlungenem Stoff, noch eine Weile aufstieß.

    Dieses Buch der Zeh hat einen Sog, eine Thrill der einsaugt, fesselt und vorwärts treibt, dies ganz gewiss. Man liest nicht man verschlingt. Sie versteht es gut eine ganze Menge Figuren, Ideen, Handlungen miteinander zu verknüpfen. Ja, sie mutete sich und uns eine ganze Menge zu. Sie stellt uns vor immer neue Türen und somit immer neue Aufgaben und Herausforderungen. Vor keinem noch so überbordenden Thema hat sie Scheu, oder sollte ich Achtung schreiben. Themen der Physik und Themen der Moralphilosophie, die so wunderbar ineinandergreifen, die den Geist stimulieren, die Fenster und Türen zu neuen Welten öffnen, die einen forttragen könnten, mit der Hoffnung endlich Antworten auf Fragen zu finden, die bis dato unbeantwortet blieben. Ja, das zieht an, mich zog es an, extrem sogar….Aber, wie so oft bei den Versuchen, nach dem ganz großen Wurf, bei den Mamut werken und Universaltheorien, sie verfilzen sich in ihren eigenen wilden Verstrickungen und Konstruktionen. Und dieses Unbehagen klingt ein wenig nach, das Unbehagen darüber durch ein doch eher kleines und nicht richtig geputztes Spiegelkabinett geführt worden zu sein. Indem man statt der unendlichen Illusion und Weitläufigkeit, dann doch nur den Budenzauber eines mittelklassigen Jahrmarktes erlebte.

    Ja leider, muss ich das so schreiben, obwohl mir die Grundidee dieses Kabinettes mit all seinen Brechungen undendlich gut gefällt, gefallen hat und ich es gerne gelesen habe…

  2. Bersarin schreibt:

    Selten, aber schön, wenn wir einer Meinung sind. Ich habe es mir fast gedacht, daß Sie diese Parallele zu Zeh sehen. Ich habe gehofft, es würde nicht bemerkt und als ich den Text eingestellt und noch einmal gelesen habe, dachte ich mir sofort: im Grunde mache ich es in meinem Essay nicht anders als Frau Zeh: ich bin ein intellektueller Snob uns zeige meine Belesenheit. Aber ich bin gerne eitel

    Doch freuen wir uns beide daran, daß wir auch einmal nicht zanken und kämpfen. Obwohl ich es mit Ihnen sehr sehr gerne tue.

    Ja, diesen Sog, diese Spannung und dieses Immer-Weiter-Wollen registrierte ich in meiner eigenen Rezeption auch, und es geht mir ebenso darum, dahinter zu kommen, was mich da umtreibt und dieses Treiben zugleich an der Struktur des Textes festzumachen: denn: keine Wirkung ohne Werk. Die Wirkung im Subjekt ist eben nicht das letzte Kriterium für die ästhetische Qualität eines Buches, denn sonst müßten Steven King oder der von der feuilletonistischen Hochkultur so verachtete Konsalik ganz herausragende Schriftsteller sein. Deswegen mein Plädoyer für den Text als solchen, denn nur in ihm finden sich die Momente, die über seine Qualität Auskunft geben. Was zugleich nicht bedeutet, das Außen auszuschließen: Es gibt kein Innen ohne ein Außen.

    Ach, ein weites Feld, und Sie glauben es nicht, ich bin gerade in so viele Dinge verstrickt und kann diese Aspekte nur antippen.

    Schön aber, das wir in dieser Lektüre auf einer Linie liegen. Aber wir werden in bälde sicherlich wieder Streitpunkte finden.

  3. ziggev schreibt:

    neulich lief eine Raumschiff-Enterprise-Folge, in der Picard von „Q“ auf eine Raum/Zeit-Anomalie angesetzt wird, und zwar ist es derselbe Picard in verschiedenen Zeiten, zwischen denen er immer hin und her springt; es stellt sich heraus, dass die Enterprise diese Anomalie erst hervorbringt bzw. durch irgendeinen Teilchenstrahl verstärkt – es handelt sich um ein Kollision von „Antizeit“ und Zeit, wie sich herausstellt, und diese Anomalie dehnt sich rückwärts in der Zeit immer weiter aus, so dass sie irgendwann den gesamten „Quadranten“ verschlungen hätte, einschließlich der Erde und damit die Zukunft der Menschheit. Plötzlich sind es dann nicht mehr nur die verschiedenen Schiffe samt Besatzungen aus den verschiedenen Zeiten, zwischen denen „Q“ Picard herumhüpfen ließ, die sich in der Nähe der Anomalie befinden: Durch irgendeinen Effekt taucht unversehens ein riesiger Schwarm vom selben Raumschiff aus allen möglichen Paralleluniversen auf. Die einzige Möglichkeit, die Anomalie zu zerstören, ist, direkt hineinzufliegen und irgendeine Explosion oder etwas ähnliches zu initiieren. Und selbstverständlich drängt die Zeit.

    Fast alle Besatzungen auf den anderen Schiffen kommen zu dem selben Ergebnis, nur nicht die eine Besatzung, die in ihrem Universum gerade im Begriff ist, eine Schlacht zu verlieren, und die es verhindern will, dass die Enterprise die Anomalie zerstört, denn sie würden in ihr Universum zurückkatapultiert unvermeidlich den Tod finden. Dann doch lieber mit all den anderen aus den anderen Paralleluniversen zusammen noch eine Zeit in der Nähe der Anomalie verbleiben. Sie beschießen die Enterprise, in deren Universum die Handlung spielt, um zu verhindern, dass diese Enterprise in die Anomalie hineinfliegt. „Nr. 1“ ist dann gimmickhaft kurz auf dem „Schirm“, verwahrlost, mit ungepflegtem Bart, undeutlicher Aussprache und Schweiß auf der Stirn; er ist bereit, das Ganze Unternehmen zu sabotieren, nur um sein verkommenes Dasein aufrechtzuerhalten. Ohne jedes Verantwortungsgefühl. Nun, kurz und gut, es wird diese Enterprise beschossen, sie wird vernichtet. Der lakonische Kommentar auf der Brücke der ersten Enterprise: „Naja, die hatten halt eh´ schon ziemlich zerschossene Schilde.“ Das Unternehmen gelingt natürlich, Happy End.

    Eigentlich war mir diese heruntergekommene, verwahrloste Besatzung von offensichtlichen Chaoten ganz sympathisch. Klar, ein netter, selbstreferenzieller Einfall. Ich wunderte mich aber trotzdem, warum in einer hochmoralischen Serie wie „Raumschiff Enterprise“ ein solches Dilemma nicht thematisiert wird. Wenn es sowieso unendlich viele Universen gibt, welchen Verlust bedeutete es da schon, wenn in einem davon die Enterprise vernichtet wird?

    Erleichtert stelle ich fest, dass sich nun Frau Zeh solcher hochnotpeinlichen Fragen angenommen hat.

  4. Bersarin schreibt:

    Ja, aber sie hat das Problem oder besser: diese Frage literarisch gelöst. Der einzige Weg, der bleibt, ist eh die Ästhetik. Er führt nicht zur Erlösung oder zur Utopie (obwohl: wer weiß es schon). Aber es erzeugt dieser Weg die bestimmte Negation und bringt sie in die Darstellung. Zumindest beim gelungenen und in sich durchgebildeten Kunstwerk. Wie gesagt: Zehs Roman Schilf ist nicht wirklich schlecht. Aber mit jener Headline aus dem Gespräch über Utopie, das Bloch und Adorno einst führten, möchte ich entgegnen. „Etwas fehlt!“

  5. ziggev schreibt:

    hmm-hmm, naja, eigentlich ist ja die „Lösung“ dieser „Enterprise“-Folge ja auch eine ästhetische. Oder nicht? Nämlich eine ironische. Diese hochnot-peinliche moralische Sci-Fi-Serie ironisiert sich quasi selbst: Es wird die „Gegen-Enterprise“, die unmoralische, verantwortungslose zerstört, sie explodiert in einer dieser wunderschön anzusehenden, effektheischerischen Fernseh-Explosionen. Die „Anti-Enterprise“ muss zerstört werden. Anders hätte diese Geschichte nicht erzählt werden können. Es heißt dann sogar gegen schluss, wenn ich mich recht entsinne und mit deutlicher ironischem Unterton, „hallo, Herr Captain Picard, da hast Du wieder mal ‚die Welt gerettet‘!“ Es geht ja nie um etwas anderes im Genre und in entsprechenden Computerspielen. Das hätte ich den Autoren der Serie eigentlich gar nicht zugetraut. D. h. diese Geschichte hätte nicht erzählt werden können, wenn nicht die Geschichte selbst (denn „Enterprise“ ist nun mal notwendig hochnot-moralisch) zerstört worden wäre. Plötzlich sind wir mit sanfter Ironie im trashigen, an Douglas Adams gemahnenden Modus. „Raumschiff Enterprise“ kippt eine Nano-Sekunde lang ins Trashige, obwohl an sich selbst Synonym für Fernseh-Trash itself.

    Vielleicht kann dies sogar als eine Verneigung vor der bestehenden Sci-Fi-Literatur verstanden werden („Per Anhalter durch die Galaxis“). Und das werfe ich Zeh vor, nach allem, was ich über dieses Buch bei Dir gelesen habe, sie schreibt blindwütig an mindestens 50 Jahren Science-Fiction-Liteatur vorbei. Wie mir scheint, vermeidet sie jede Eindeutigkeit, die wenigstens für eine Parabel („Die Physiker“, Dürenmatt) notwendig wäre. Und wie ich sie kenne, liegt ihr die Komödie ganz und gar nicht, das traue ich ihr einfach nicht zu. Trotzdem bleibt sie an einem laienhaft-schematischen Verständnis der modernen Physik kleben. Was will sie also? Nach dem, was ich bei Dir gelesen habe, gelingt ihr der Durchstart ins literarisch-postmoderne nicht. Das hätte ich von ihr auch gar nicht erwartet und etwas in der Art will auch niemand von ihr hören.

    Es bleibt also im Modus „potenzieller Literatur“ – aber hat sie zumindest dies durchgehalten oder wenigstens angedeutet? Nein, nach allem, was ich bisher gelesen habe, will sie tatsächlich eine Geschichte erzählen. Herauskommt eine Rumpelkammer halbbekannter, nicht zurückverfolgter Zitationen. Das kommt davon, wenn jemand viel bringen will, sich aber nicht auskennt. Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten. Auf die Potenziale postmoderner Literatur hattest Du ja schon verwiesen. Sich aber ins Phantastische zu stürzen hat sie, wie es aussieht, sich auch nicht getraut. Dann hätte ich ihr alles verziehen. Nicht umsonst haben sich die besten Science-Fiction-Autoren im utopisch-surrealen-phantastischen Bereich versucht. Geht es um einen literarisch aufgepeppten moralistischen Essay? – ach, da hohle ich mir dann doch lieber mal wieder den Montaigne heraus. Geht es um Fragen der Moral vor wissenschaftlich-fiktionalem Hintergrund – hier bietet das Oeuvre von Stanislaw Lem bereits ein kaum überschaubares Spektrum. Auch beim ihr nicht abzusprechenden schriftstellerischen Talent ist es mir heute ein großes Rätsel, warum von der halbwegs ernsthaft immer noch die Rede ist. Ich jedenfalls habe von ihrem ersten Buch keine zwei Absätze ohne schütteld-zuckende Anfälle des Schreckens überstanden. (O.k., diese meine Abscheu hat auch kontingente Gründe …) Sie sollte bei ihrem Engagement bleiben; mit ihrer Intelligenz und Wissenswut ist sie dort genau richtig aufgehoben, und ich freue mich für sie, dass sie diese Nische gefunden hat.

  6. Bersarin schreibt:

    Ich antworte Dir später. Beim Auftakt von „Adler und Engel“ hatte ich zunächst ebenfalls Schwierigkeiten. Aber die gehören dazu. Literatur soll nicht nur gefallen. Ob das Buch nun gelungen ist, kann ich aber erst am Ende sagen. Demnächst zu Deinen Einwänden mehr. Ich muß jetzt einen Ausflug machen.

  7. Bersarin schreibt:

    Bei Juli Zeh lese ich keine SiFi-Literatur heraus. Es ist dies eine Geschichte, die die menschlichen Möglichkeiten, das Spiel damit, die Ehrlichkeit und den Verrat sowie den Zufall zum Thema hat und dies auf unterschiedliche Weise variiert. Zudem verbindet sie Fragen der theoretischen Physik und der Moralphilosophie. Ich bin in der Physik nicht so bewandert, um nun etwas zu der Viele-Welten-Theorie zu schreiben: ob es solche Positionen in der Physik nun gibt oder nicht. Was sie in diesem Rahmen aber darstellt, scheint mir schon stringent, und insofern trifft Deine Kritik nur sehr bedingt zu: Frau Zeh wollte in diesem Buch ja keine Vorlesung zur theoretischen Physik oder zu r Moralphilosophie halten, sondern sie benutzt diese Felder, um eine komplexe Geschichte zu erzählen, die wesentlich von der Liebe, aber auch von Eifersucht handelt. Als Science Fiction lese ich diesen Text nicht. Es ist schon klug gebaut, dieses Buch und es zieht einen in den Rausch hinein. FrauWunder hat dieses Moment der Faszination ganz gut auf den Punkt gebracht. Und ich selber in meinem Essay natürlich ebenso.

    Du berührst die Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Philosophie, diese Grenze ist einerseits beizubehalten. Andererseits gibt es Texte, die fließen: bspw die von Bataille oder die von Blanchot. Und Derridas Postkarte 1. Lieferung steht auch dazwischen. Zeh ist eindeutig Literatur, so wie auch der gelehrige Eco in seinen Romanen. „Der Name der Rose“ oder „Das Foucaultsche Pendel“ wesentlich Literatur macht. Es überwiegt in diesen Büchern das Narrative. Man kann über die Qualität von Zeh streiten, aber Deine Kritik an ihr teile ich nicht ganz. Ich werde aber sehen, wie meine Lektüre weiter geht, und da kann sich ja in der Sicht noch etwas ändern.

  8. ziggev schreibt:

    ach, ich mochte ihren Pathos nicht! (und: Sorry! ich meinte Spieltrieb!) da ich bekamm es sofort mit der Angst zu tun, in irgendeinen Spannungsbogen hineingezogen zu werden. ich hasse Bücher mit Spannung! ich mag keine Krimis. wann soll ich das bitte lesen? morgends? um dann den Rest des Tages mit der „Handlung“ des Romans herumzulaufen? in der Mittagspause? hier gilt dasselbe. abends, vorm Einschlafen? zur Entspannung mit klopfendem Herzen? Ausnahme war allerdings Thykidides. der ist spannend, zugleich kannst du auf der Landkarte die Ereignisse mitverfolgen, und du erfährst etwas übers Medium der Vorstellung. und mit Herzklopfen kommst du da auch nicht weit, dazu ist der Text zu schwer (und gerade weil der so schwer ist und alls so fern, wird die Phantasie angeregt, ersprießlich zu jeder Tageszeit), außerdem stockt der Atem vor Erhfurcht. ich mag überhaupt keine Romane mit Themen; wenn klar wird, dass jemand alles über Schiffe, das Vermessungswesen etcetc recherchiert hat, bin ich als Leser verloren. Beispiel: „Der Schwarm“. da blättere ich bei Glegenheit lieber in logarithmischen Tafeln (eigentlich reicht es, die in der Hand zu halten, schon ist Arno Schmidt da), spaziere durchs Hafengebiet, entwickele Phantasien über die Geschichte der Landschaft, die Mentalität der Leute oder die ahrensburger Knollennase, wenn ich im Bus durch Schleswig-Holstein fahre, lese Biographien über Wissenschaftler, blättere überhaupt in Büchern zu abseitigsten Themen (hier wären eventuell sogar die Zen-Anekdoten zu erwähnen) oder aus fernen Zeiten (Simplizissimus, Aristophanes) oder durchstöbere mein ca. 100 Jahre altes „Meyers Konversationlexikon“, höre den Tauben zu, die vor meinem Fenster brüteten (es war leider kein Maisenmannn!), oder meditiere über die Lebensgeschichte einer Ameise, die ich eine längere Zeit durch den Wald hindurch verfolge und beobachte, höre Verrückten zu, die fünf Minuten für einen Satz brauchen (siehe auch Tante Heetes Selbstgespräche in „KAFF auch Mare Crisium“) …

    anstelle Sebastians stelle ich mir lieber Arno Schmidt vor, wie er Niedersachsen durchstreifend sich einen Roman wie „Die Gelehrtenrebubik“ ausdenkt. das Buch gab ich mal einem damaligen Freund. der rief dann aus: „aber das kann doch jeder, durch die Landschaft laufen, und sich abstruse Geschichten ausdenken!“ Ich dagegen finde es billig, sich solche zwei Physiker zu nehmen und an die altbekannte Multiversen-Theorie die wird alle drei Tage in irgendeiner Doku von zweifelhafter Quaslität auf N 24 oder N TV „erklärt“) zwei unterschiedliche Charaktere zu knüpfen. hieraus etwas „Spannendes“ zu machen, das finde ich, die Charaktere betreffend, einfach unplausibel. ein Zoologe lebt für die Zoosphäre; dass er an Überlegungen über sein Fachgebiet welche über „die Natur“, dass es die nicht gebe, wie ich es von dir gelesen zu haben meine, anknüpft, glaube ich einfach nicht; er wird es jedenfalls bestimmt nicht so tun, dass dies Stoff für einen Krimi einschließlich philosophischer Reflexionen hergibt. ich dachte kurz an G. Benn. aber ist hier eine Biographie über Benn, die Benn gerecht wird, literarisch als Stoff interessant? das wage ich zu bezweifeln.

    Meine Kritik hat nun seinerseits summakumlaude perfekt auf den Punkt gebracht: „ernst und humorlos“.

    Bei „Spieltrieb“ liegt, befürchte ich, ein ebensolcher Fall vor. wenn eins sich Themen und Thesen zum Aufhänger vornimmt, muss eins am Besten Dilettant sein. dann aber ist es am Besten, alles ins Phantastische, Surreale zu wenden. deshalb, dies ist meine Vermutung, gibt es so viele Lektoren, Verleger, Universitätsproffessoren im geisteswissenschaftlichen Bereich, Schriftsteller – alles gewissermaßen unbeschriebene Blätter. bei Zeh stattdessen zur Kompensation unerträglicher Pathos wie mit der Schrotpistole zwischen die Sätze, die Syntax geschossen. Lem z.B., der vielleicht gar nicht als Sci-Fi-Schriftsteller zu bezeichnen wäre, sondern eher der phantastischen, utopischen Literatur zuzuordnen, lässt, selber Wissenschaftler, in seinen Werken sehr oft Wissenschaftler auftreten. nur formulieren die nie explizit irgendeine existierende Theorie, überhaupt selten explizit eine, es bleibt alles im Vagen, es gibt Andeutungen. auf diese Weise funktioniert es, wenn, wie auch bei Lem (aber eben oft nur: anscheinend), sie an ihrem Gegenstand irre werden. und so ist es bei ihm eben oft weniger Sci-Fi, sondern oft mehr phantastisch, utopisch.

    ist Heisenberg ein dankbarar Protagonist für narratives Schreiben – der – nachdem er entdeckt hatte, dass in der Quantenphysik der Beobachter unvermeidlich Teil des Experiments wird und allein dadurch, dass er existiert, sich die Ergebbisse spezifisch gestalten – wirr über die Veden zu faseln beginnt? möglicherweise – wenn die Autorin, der Autor sich ebensogut bei den Veden auskennt wie in der Quantenphysik und die richtigen Mittel wählt, um seine Kenntnisse dem Roman ästhetisch angedeihlich werden zu lassen. auf diesen Roman dürfen wir wohl noch etwas warten …

    für mich gilt: keine Thesn, keine Themen, keine Spannung, keine Handlung, ich werde wohl ewig am Proust klebenbleiben.

  9. Bersarin schreibt:

    Um es sehr kurz zu machen: Auf Arno Schmidt können wir uns sofort einigen. Zeh ist naturgemäß nicht Schmidt. Aber sie sollte es andererseits auch nicht sein, sondern Zeh bleiben. Ich schrieb ja auch nicht, daß es sich hier um eine Ausnahmeschriftstellerin handelte, wobei ich mit ihren Texten ja gerade am Anfang bin.

    Ich habe mal in Bargfeld mit einem Freund im Winter eine Arno-Schmidt-Wanderung gemacht. Ich verstehe also gut, was Du mit dieser Art von Reflexion meinst, wobei dieses Assoziieren bei Schmidt ja auch immer durch die Psychoanalyse gefiltert wird und den Boden der Mehrdeutigkeit enhält, und zwar über Schmidts Etym-Theorie.

    Wie geschrieben: Die Figurenzeichnung bleibt bei Zeh in „Spieltrieb“ eher blaß. Faszinierend sind diese Reflexionsschleifen dennoch, trotz der hineingepreßten Theorien, die sich nicht, wie bei Proust am und im Text entfalten, sondern die postuliert werden.

  10. ziggev schreibt:

    kleiner Nachtrag zu Heisenberg und zur Plausibilität, was mir eigentlich wichtiger war: das hatten wir schon, dass geniale Physiker aus der Quantenphysik philosophische konsequnzen für sich ziehen wollten; was auf mich wie übersteigerter Geltungsdrang schien, besoffen von den eigenen Erkenntnissen und deren letztlichen Unbegreiflichkeit; und diese, Generation machte es nun mal nicht unter den Veden. das ist meines Wissens aber völlig Folgenlos geblieben, bis auf bei einigen Physikstudenten, die ich kennenlernte, die aber keineswegs genial erschienen, eher verwirrt und bedauernswert. stimmt nicht ganz, ich lernte sympathische und intelligente scheinende kennen, fragte, wie das nun sei mit Esoterik und Quantenphysik, etwa Capra ? … und dann, zu meinem Erstaunen, es schien doch Thema zu sein (bei der einen allerdings lediglich ein nettes Gimmick am Rande). Nur die hatten offenbar Wittgenstein gelesen und schwiegen sich wohlweislich und ziemlich deutlich aus. dann gab es noch dieses mit dem „Urgrund“, und das sein sei lediglich der Schaum auf den Wellen von irgendetwas; und durch meditation oder so könne man dorthin gelangen … ächtz. Seit dem Technozeitalter von sowas nichts mehr gehört. mein Eindruck ist: dergleichen ist absolut durch; als gutenachtlektüre von Physikern für Physiker vielleicht eine nette Sache. Aber heutzutage, von Zeh? mir scheint das wirklich ein absoluter Fehlgriff.

    und nebenbei: Lems his masters voice scheint einiges, was ich zu Lem schrieb zu wirdelegen (keine existierenden Theorien) – etwas zu lange her, dass ich das Buch gelesen habe.

  11. ziggev schreibt:

    na gut, vielleicht überwinde ich mich irgendwann doch mal und besorge mit „Schilf“ oder krame das andere wieder heraus; zu den ‚kontingenten Gründen‘ vielleicht an anderes Mal – und dann eher bei mir drüben; nun aber aus Hamburg gute Nacht!

  12. Bersarin schreibt:

    Es geht Zeh am Ende ja nicht bloß um Physik, die sich in Literatur illustriert. Die Physik ist allenfalls ein Anlaß. Was sich dem Roman sicherlich vorwerfen läßt, ist, daß er stellenweise sehr holzschnittartig verfährt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s