Meine unheilbar wilde, unaufhebbar katholische Obsession – Warschau christlich

Ich kann die Obsession Luis Buñuels für das Katholische und insbesondere seinen Faible für die darin sedimentierte Form von Gewalt gut verstehen, denn Gewalt ist der Inbegriff sinnlicher Erfahrung. Buñuel transformiert diese Koppelung von Katholizismus und (teils lustvoller) Gewalt in das Medium des Filmes. Erst in der Gewalt erfahren wir uns ganz unmittelbar als sinnliche, körperhafte Wesen, und wenn wir dies auf das Sexuelle übertragen, so läßt sich vermuten, daß jenes Geschäft mit christlichen Devotionalien an der Plaza Mayor in Madrid, wo es Dornenkronen, Fesseln und Peitschen gibt, nicht nur von frommen Katholiken besucht wird; so ahnte ich schon 1989, als ich vor diesem Lädchen lungerte, mir interessiert, ach was: mit religiös-begierigem Blick die Auslage betrachtete und über die Formen der Buße nachdachte, die ich tun könnte. Allerdings hielt mich die in mir lauernde Acedia von weiterem Handeln ab. Praxis hat sich in die Theorie vertagt, wie es so schön in einem der Bücher heißt, die ich gerne lese.

Und in diesem Zusammenhang präsentiere ich dann auf Proteus Image einige Photographien aus dem katholischen bzw. christlichen Warschau.

Und wenn wir schon bei diesen langweiligen Sachen in bezug auf das Sexuelle sind, dann möchte ich ebenfalls einen Blick in die gütige und schöne Natur werfen: So steht in der Berliner Zeitung vom 28.8.2012:

„Der Gesang betrogener Singvogel-Männchen ist lauter als der ihrer Artgenossen in einer intakten Beziehung. Die erhöhte Lautstärke sei vermutlich eine Reaktion auf die Abwesenheit ihrer Partnerin, wie das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen (Kreis Starnberg) mitteilte. (…)

Grundsätzlich sei der Gesang von Singvogel-Männchen vielfältig und diene dazu, Rivalen abzuschrecken sowie Weibchen anzulocken. Tempo, Tonhöhe und Lautstärke des Gesanges spiegelten den Fortpflanzungserfolg der Männchen.

Gerade erfolgreiche und ältere Männchen sangen lauter als junge. Allerdings würden gerade Ältere öfter von ihren Weibchen betrogen, schreiben die Forscher. Das würden sie durch vermehrtes eigenes Fremdgehen wettmachen und so ihren Fortpflanzungserfolg noch steigern. Insgesamt sei der Gesang betrogener Männchen – egal, ob jung oder alt – lauter. (dpa)“

Ja, was soll man sagen? Dazu fällt mir sofort der kleine Meisenmann von Helge Schneider ein.

17 Gedanken zu „Meine unheilbar wilde, unaufhebbar katholische Obsession – Warschau christlich

  1. Aber wird der Gesang durch den Betrug lauter? Oder wird der Singvogel betrogen, gerade weil er so laut singt? Um einmal wie „Sphinx“ aus „Mystery Men“ zu argumentieren.

    Viele Dank für die Erwähnung des „Meisenmanns“, eines der wenigen Lieder das mich zu Tränen rühren kann – wo ich sonst so ein harter Knochen bin. Denn der Meisenmann erinnert mich sehr an meine eigene, sehr traurige Existenz. Aber ich singe leise, sehr leise.

  2. Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
    Er flattert sehr und kann nicht heim.
    Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
    Die Krallen scharf, die Augen gluh.
    Am Baum hinauf und immer höher
    Kommt er dem armen Vogel näher.

    Der Vogel denkt: Weil das so ist
    Und weil mich doch der Kater frißt,
    So will ich keine Zeit verlieren,
    Will noch ein wenig quinquilieren
    Und lustig pfeifen wie zuvor.
    Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

    Wilhelm Busch

  3. eine andere nette kleine Ankedote aus der Welt der Singvögel:

    In der Zeit, in der sie singen, so fanden Forscher heraus, schwillt das Gehirn der Sänger an, und es wurde eine beträchtliche Gewichtszunahme desselben gemessen.

    Danach schwillt es wieder ab, wird leichter – damit sie sich wieder besser in die Lüfte erheben können. – zum Fliegen!

    Wir lernen: Nie ganz den Kopf hängen lassen!

  4. hier möchte ich die hirngeschwollenen, kopfschweren, melancholischen und fluguntüchtigen Sangeskünstler etwas vor den motzig auftrumpfenden Schreihälsen und Schürzenjägern unter den Singvögeln, denen – kopfschwer oder nicht – einfach nichts mehr einfällt, ein wenig in Schutz nehmen. Denn es korelliert die Gesangsbegabung, die bei einer Art zu beobachten ist, mit der Intensität der Revierverteidigung derselben. Man sieht sie geradezu, die auf der Stirm prangende Schweißperle, die an der Stirn klebende Haarsträhne solchen Hans-Damfp-in-allen-Gassentums, welche Verausgabung mit Sicherheit die Verdauung dieser wildgewordenen, alternden Libertins anregt.

    Bei einem Bekannten saß, selbst dann, wenn das Lagerfeuer brannte, eines solcher Exmplare stets auf dem Gartenzaun, keine 2,50 m entfernt, keifte uns gerazu an, stundenlang, derart, dass dein eigenes Wort dir nur schwer verständlich ward. Obwohl offenbar (und ich sehe ein, das ist sicherlich nicht besonders romantisch) es in der Art der koplexere musikalische Gebilde hervorbringenden Singvögel liegt, „aggessives Verhalten“ gegenüber Artgenossen an den Tag zu legen und sich „solistischer“ (Wicki) zu geben, ganz im Gegensatz zu künstlerisch anspruchsloseren Sängern wie den Haussperlingen, die ein viel geselligeres, gemäßigt-verträgliches Verhalten zeigen, hat es für mich dann doch wenig Stil, musikalische Parameter (hier Lautstärke) zu Mitteln der Gewalt zu machen.

    Gleichwohl ich mir eine gewisse Bewunderung für die Gesangskünstler unter den Arten dieser Taxa (man sagt wohl ‚Ordnung‘) und deren Leistungen nicht verhehlen kann, fühle ich mich bei meinen eben angebrachten Überlegungen fatal an die bei Hartmut jüngst zitierten Äußerungen eines gewissen F. N. erinnert.

    Aber die Erinnerung an das unmusikalische, rechthaberische Herumgekeife jenes Amsel-Mannes, dem H. Schnieder einen Song zu widmen nie eingefallen wäre, sitzt mir immer noch wie heute in Mark und Bein. Genuss an echtem, animalischen künstlerischen Können setzt – viellicht doch – eben nicht eine romantische Grundstimmung voraus.

  5. Zunächst: Warum schreibt eigentlich keine(r) etwas über den Katholizismus? Das wäre mir lieber gewesen. Aber mit Vögeln kennen sich halt alle besser aus. Gut so. Wobei mir in diesem Zusammenhang das Gedicht von W. Busch gut gefällt, und auch die Antwort von Hannes Wurst. Schön auch die Verbindung, die Ziggev zwischen F. Nietzsche und dem Gesang der Vögel herstellt, Ich nannte dazu bereits im Rahmen meiner Ausführungen zum Naturschönen eine Stelle bei Adorno und möchte das dann auch noch wörtlich wiedergeben:

    „Die Anamnesis der Freiheit im Naturschönen führt irre, weil sie Freiheit im älteren Unfreien sich erhofft. Das Naturschöne ist der in die Imagination transponierte, dadurch vielleicht abgegoltene Mythos. Schön gilt allen der Gesang der Vögel; kein Fühlender, in dem etwas von europäischer Tradition überlebt, der nicht vom Laut einer Amsel nach dem Regen gerührt würde. Dennoch lauert im Gesang der Vögel das Schreckliche, weil er kein Gesang ist, sondern dem Bann gehorcht, der sie befängt. Der Schrecken erscheint noch in der Drohung der Vogelzüge, denen die alte Wahrsagerei anzusehen ist, allemal die von Unheil. Die Vieldeutigkeit des Naturschönen hat inhaltlich ihre Genese in der der Mythen.“ (Adorno, Ästhetische Theorie,104-105)

    Man kann über diese Stelle trefflich streiten. Sie zeigt aber die Ambivalenz von Natur.

    ________________________

    @ Hanneswurst (zum Posting 30. August 2012 um 11:18)

    Da ich keine Existenz besitze, sondern nur Sein („Sein ist kein reales Prädikat“ Kant), lagert sich bei mir der Fall ein wenig anders. Zudem muß ich solche Stücke wie das von H. Schneider als Melancholiker gut finden. Ich habe da keine freie Wahl. So wie Sie, der frei wählen kann.

  6. @ FrauFriederikeWunder

    Liebe Friederike, diese Frage drängt sich im Zusammenhang mit Ihrem schönen Gedicht von Wilhelm Busch unwillkürlich auf und bleibt im Raum: Wer ist wer? Und da möchte ich Ihnen gerne mit R. Gernhardt antworten:

    Kröten sitzen gern vor Mauern,
    wo sie auf die Falter lauern

    Falter sitzen gern an Wänden,
    wo sie dann in Kröten enden.

    So du, so ich, so wir.
    Nur – wer ist welches Tier?

  7. Da nun der geheilige Tag anbricht, möchte ich doch noch etwas zur Buße schreiben. Nur wenige Emotionen sind so exklusiv menschlich wie die Reue. Jedoch haben vielleicht einige Leser schon erlebt, wie sich ein Hund benimmt, der in einem unbeobachteten Moment einen Teller voller Pfannkuchen, der als Mittagsmahl der ganzen Familie dienen sollte, heruntergeschlungen hat. Der Hund drückt sich in eine Ecke, leckt sich nervös über die Lefzen, und sieht insgesamt schuldbewusst aus. Ist das schon Reue? Ich meine: nein, denn eine Handlung als falsch zu erkennen, bedeutet nicht, dass der Wunsch besteht, die Handlung nicht begangen zu haben. Der Hund wird auch bei der nächsten Gelegenheit die Pfannkuchen verspeisen, sofern er nicht so hart bestraft wird, dass der Vorteil der Pfannkuchenverspeisung den Nachteil der Strafe überwiegt.

    Der reuige Mensch jedoch erkennt aufgrund einer komplizierten Verdrahtung einer hohen Zahl von Spiegelneuronen das Verwerfliche seiner Handlung. Er besitzt die Fähigkeit zur Empathie und erkennt, welche Grausamkeit er den Hausgenossen antut, wenn er die Pfannkuchen ganz alleine verspeist. Das Gefühl der Reue wird ihn dazu bewegen, nach Möglichkeit sein Vergehen aufzuheben, zum Beispiel indem er neue Pfannkuchen backt. Was jedoch, wenn sein Vergehen nicht so einfach aufzuheben ist, wenn er beispielsweise einen Geschlechtsverkehr zum ausschließlichen Zwecke der körperlichen Befriedigung ausgeführt hat? Dann gibt es für den Menschen, anders als für den Hund, immer noch den Ausweg der Buße.

    Es ist Sünde, Geschlechtsverkehr zum ausschließlich Zweck der körperlichen Befriedigung auszuführen. Es ist ob der Alltäglichkeit dieser Sünde kein Wunder, dass mancher Häretiker über die Kirche spottet, weil sie die Sündhaftigkeit dieser Handlung vertritt. Sogar eine gewisse Lust- und Lebensfeindlichkeit wird der katholischen Kirche unterstellt, da sie Hilfsmittel zur Empfängnisverhütung auch in Regionen verbietet, in denen diese Hilfsmittel als Schutz gegen Infektionskrankheiten üblicherweise empfehlenswert sind. Diese Kritik an der Kirche greift jedoch zu kurz, denn diejenigen die die Existenz der Sünde leugnen, haben das Konzept der Buße nicht begriffen.

    Die Buße ist ein beliebiger Willensakt, den Sünder ausführen können, um über ihre Sünden zu reflektieren. Nicht mehr und nicht weniger. Dieser Willensakt kann in Form einer Beichte, einer Selbstkasteiung oder – bei lässlichen Sünden wie Sexualität ohne Kinderwunsch – einem kurzen Nachdenken darüber bestehen, dass die Kopulation so eigentlich keinen Sinn macht.

    Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über „einen“ Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. (Lukas 15,7)

  8. Stehen denn Reue und Buße (im Sinne der alleinseligmachenden, der Katholischen Kirche) in einem Verhältnis? Bedeutet Reue auch Buße? Ich würde den Gang des Katholizismus mitgehen (obwohl ich nicht gläubig bin), wäre da nicht dieser normativ-präskriptive Komplex: wesentlich die rigide Sexualnormierung, die bestimmte Weisen des Lebens ausschließt. Ohne diese Aspekte könnte die Buße durchaus etwas für sich haben.

    Aber wie schaut es aus, wenn diese Kasteiung der Buße nicht mit Reflexion, sondern mit einer Lustmaximierung erkauft wird? So kann die Praktik der Selbstgeißelung durchaus eine erotische Komponente beinhalten, weil der Schmerz etwas Wohltuendes besitzt. Ist das dann noch Buße? Ich denke insbesondere an jene Szene aus „Der Name der Rose“, wo jener Mönch sich um Gottes Willen (wie interessant, wer den alles kennt, beansprucht und darüber Aussagen tätigt) selber geißelt und es am Ende doch nicht aus dem Grunde tut, Gnade zu erlangen, sondern weil er es autosexuell erregend findet? (Verstehen Sie mich nicht falsch, Herr Hannes Wurst, mich interessieren diese Dinge nicht als Eigenpraktik, so wie mich auch die Sexualität seit dem 31.8.2012 nicht mehr interessiert: sei es als Möglichkeit, sich fortzupflanzen oder um bloße Lust zu gewinnen. Ich selber bewege mich seit dem 1. September nur noch in den Reflexionsschleifen sowie den Dispositiven der Sexualität: d. h.: ich schreibe darüber und führe Reflexionen dazu im Grandhotel Abgrund. Vielleicht auch im Sinne Michel Foucaults, der es jedoch bekanntlich recht wüst, intensiv und interessant getrieben hat, was ich an Foucault bewundere. Mit Buße hat das freilich wenig zu tun, wie ich gerade bemerke und ich schweife wohl ab. Zumindest erinnert es mich jedoch an die Lektüre von „Sexualität und Wahrheit“.)

    Der Weg der Buße im Sinne des καθολικός, des kat holos scheint mir aus verschiedenen Gründen schwierig zu begehen. Und was die Pfannkuchen betrifft, so möchte ich mit dem großen Spötter, Dichter und Juden Heinrich Heine kontern: aus einem der besten, klügsten und bissigsten Gedichte des 19. Jhds, immer wieder gerne zitiert:

    Ein neues Lied, ein besseres Lied,
    O Freunde, will ich Euch dichten!
    Wir wollen hier auf Erden schon
    Das Himmelreich errichten.

    Wir wollen auf Erden glücklich sein,
    Und wollen nicht mehr darben;
    Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
    Was fleißige Hände erwarben.

    Es wächst hienieden Brot genug
    Für alle Menschenkinder,
    Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
    Und Zuckererbsen nicht minder.

    Ja, Zuckererbsen für jedermann,
    Sobald die Schoten platzen!
    Den Himmel überlassen wir
    Den Engeln und den Spatzen.

    Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
    So wollen wir Euch besuchen
    Dort oben, und wir, wir essen mit Euch
    Die seligsten Torten und Kuchen.

    Ich denke aber, daß mich Ihre theologischen Spitzfindigkeiten doch wieder einmal dazu animieren sollten, mich mehr den theologischen Texte zu widmen. Nebenan übrigens höre ich die junge Nachbarin, die gerade dabei ist, mit einem Manne zu kopulieren und beide machen diese eigenwilligen Geräusche. Dies ist der Nachteil der zu dünnen Altbauwände. Soll ich klingeln gehen und nachfragen, welcher Art ihre Sexualität sei? Soll ich den jungen Mann und die junge Frau mit einer Predigt zur Buße auffordern, wenn es sich nicht um die korrekte sexuelle Praktik handelte? Lust hätte ich ja. Aber ich vermute zugleich, dies könnte erhebliche Schwierigkeiten nach sich ziehen. Zumindest nerven die Geräusche beim Schreiben.

  9. Sie tun Buße für die Missetaten der Nachbarn, so war das nicht gedacht. Jedoch empfinden Sie keine Reue für das, was dort geschieht. Das wäre ja auch Unsinn. Sie bereuen es jedoch vielleicht, ihren Wohnort schlecht ausgesucht zu haben. Aber dafür werden Sie keine Buße tun. Was ist also Reue? Das Bedauern eigener Entscheidungen. Buße wiederum bedeutet, aus dieser Reue eine Konsequenz zu ziehen, sich selber in bestimmter Weise für die Fehlentscheidung zu bestrafen. Und zwar, weil man die Entscheidung als sündig identifiziert hat. Auch das Erkennen einer Sünde ist ein delikater Vorgang, denn eine Sünde ist nicht unbedingt objektiv, sie fällt auch nicht unbedingt mit einem Gesetzesbruch zusammen.

    So ist es zum Beispiel mit der Diätsünde, die – wenn sich die Reue einstellt – vorzugsweise mit Selbstvorwürfen, öffentlicher Selbstanprangerung oder selbst herbeigeführten Erbrechen gebüßt werden kann. Auch Selbstkasteiung ist natürlich ein gangbarer Pfad der Buße, aber das gilt nicht für Masochisten, bei denen die Selbstkasteiung ja der Sünde noch einen draufsetzt. Ich glaube auch nicht, dass die Selbstkasteiung in „Der Name der Rose“ als ein Akt der Lust zu interpretieren ist, sondern als tatsächliche Buße für die nächtlichen Sünden des wollüstigen Fleisches. Jedenfalls zeigt die Diätsünde: es kommt nicht darauf an, was in der Bibel steht oder was der Papst erzählt, Sünden haben etwas mit einem Wertekanon zu tun, und wer diesen ablehnt, dem sei dies gegönnt, aber ein gefährlicher Tor ist, wer die Existenz der Sünde an sich bezweifelt.

    Wenn Du mal wieder zu Besuch kommst, dann bring doch den Aal mit vom letzten Mal. War lecker gewesen. Es grüßt Dich Deine Freund Heinrich Heine Komma Helge Komma Tschüss.

  10. @ Was Buße und Reue betrifft: ja, wo ist denn der Unterschuied? Buße hat ja Konnotationen im Sinne von „Buße tun„, d.h. hein Zeichen setzen, im Büßergewand herumlaufen, Kasteiungen zu vollziehen usf.

    andererseits ist sie theologisch – ein Punkt, den ich interessant fand und den ich mir desh. gemerkt habe – innerliche Abkehr, UMKEHR auf dem falschen Weg.

    beim Hund nun ist es für mich Glaubenssache, ob er reuig ist oder ob er bloß Reue Zeigt, Buße zu tun wäre sicherlich zuviel verlangt. Dazu ist er aus anatomischen und psychologischen Gründen nicht fähig.

    Reue: ‚hätt´ich´s doch lieber nicht gemacht!‘, („Das Bedauern eigener Entscheidungen.“ – keine Einwände.)

    Buße: ‚da war ich deutlich auf der falschen Fährte, ich habe etwas prinzipiell falsch gemacht, das sehe ich, wenn ich zurückschaue auf die Spuren, die ich selbst hinterlassen habe, und erkenne, dass mich Gott, vor dem ich weglief, nie verlassen hatte. Jetzt kehre ich um.‘

    zum Hund nochmal: ich finde es etwass fies, dem Hund etwas aufzubürden, was er einfach nicht kann. Ob es sich um wirkliche Buße handelt oder nicht, ist ja schließlich auch beim Menschen letztlich nicht entscheidbar, ist halt Glaubenssache.

    „Buße“ bedeutet, dass Abkehr von Gott die Sünde ist; nicht ein Sündenbewusstsein imaginierter „Sünden“.

  11. Nein, der Hund kann keine echte Reue aus Liebe zu Gott empfinden, denn er empfindet auch nicht die Zerknirschung des Herzens. Und täte er es doch – ich wenigstens würde dann jede Wette eingehen, er wäre ein verzauberter Mensch.

  12. Die meisten Menschen sind Hunde, aber keine verzauberten. Wobei ich nichts gegen Hunde gesagt haben will: wenn ich die Wahl zwischen Mensch und Hund habe, ziehe ich den Hund vor.

    Ich halte Buße und Reue nur im Rahmen der ästhetischen Inszenierung für gangbare Konzepte. Es verhält sich hierbei wie mit der Liebe und ähnlichen Dingen. Man lese hierzu Kierkegaards „Tagebuch des Verführers“ aus „Entweder-Oder“: Der Akt der Inszenierung, des Spielens, der Lüge, der Ästhetisierung, des Schauspiels zählt. Sonst nichts. Und wenn Gott ein ästhetischer Theoretiker ist, so vermute ich, wird ihm dieses Art des Umganges Wohlgefallen bereiten.

  13. Hinzuzufügen sei der Aspekt der Metanoia, den ziggev nennt und der auch in er Buße steckt. Erkenntnistheoretisch sehr interessanter Aspekt.

    Mir selber fällt nichts, ein wofür ich Reue empfinden könnte: außer im Akt der Inszenierung, und aus diesem Grunde wollte ich sogar einmal Pfarrer werden, weil ich diese Rituale liebe. Und wenn junge Frauen mir beichten, was sie so alles angestellt haben: Also das hat was!

  14. Ihr Nominalismus lässt keine ontologischen Fragen offen. Für mich als Idealisten zählt natürlich auch nur die Schau und das Spiel.

    Wir wäre es mit einem Aufruf zu Laienbeichte?

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