Die Tonspur zum Transit

Und weil auch dieser Blog einmal im Jahr der Reflexion sich entschlägt und dem vollständigen Kitsch samt hemmungsloser Subjektivität sich hingibt, nun die Tonspur zum Transit, die sicherlich in jeglicher Form kulturindustriell fungibel ist:

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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4 Antworten zu Die Tonspur zum Transit

  1. FrauWunder schreibt:

    das mit dem kitsch gefällt mir insofern, dass dieser lediglich eine ausprägung des theoretischen gefühlsüberschwanges darstellen kann. und somit natürlich auch in ganz gefühlsduseligen produkten seinen ausdruck findet….allerdings ist es , meiner meinung nach,

    nicht möglich, erlebet momente, im hier und jetzt zu verkitschen…..dies sind immer wahrhaftige moment…….womit sich, jede sinnsuche auf abstrahierter ebene, für mich tot läuft, weil es schwierig, ja fast unmöglich scheint ohne das beGreifen einen sinnlichen bezug zu den gefühlen herzustellen……

    oder anders gefragt, kann man kitsch erleben?

  2. Bersarin schreibt:

    Du sprichst Dinge an, die nicht ganz einfach zu klären sind. In einige Punkten gebe ich Dir recht. Zum Begreifen gehört der sinnliche Bezug, was sich im Wort selbst ja schon niederschlägt: das Moment des Haptischen.

    „Wahrhaftige Momente“: da dürfte eine Bestimmung schon schwieriger werden. Können Momente „wahrhaftig“ sein und was ist „wahrhaftig“ an ihnen, wie sieht das aus? Adorno schrieb einmal: Wer sagt, er sei glücklich, der lügt. Denn wer es ist, die/der muß darüber nicht mehr sprechen. Sie oder er sind es: Mehr nicht.

    Sinnsuche (ein Wort zudem, gegen das ich Widerwillen hege): ja die läuft sich tot, das sehe ich gerade auch im eigenen Bereich sehr gut. Da, wo kein Sinn ist, läßt sich zudem keiner suchen. Insofern ist es ratsamer, nach Strukturen und Mustern Ausschau zu halten. Aber dies schreibt sich leichter, als daß es sich bewerkstelligen läßt. That‘s life.

    Meine Frage an Dich wäre: was ist ein theoretischer Gefühlsüberschwang? Das habe ich nicht verstanden. Gefühle und Theorien stehen sich eigentlich gegenüber, da jene lediglich Gegenstand von diesen sein können. (Außer man ist Fritjof-Capra-Leserin oder -Leser und macht‘s zum reduzierten Preis.)

    Über Deine Frage, ob man Kitsch erleben kann, denke ich nach. Intuitiv gesprochen: nein. Kitsch ist ein Kulturphänomen, das teils bewußt, im Sinne von Camp und schlechtem Geschmack als Ausdruck des Geschmacks, eingesetzt wird. Eine Frage der Jugendkultur.

    Und aufgrund der Instrumentalisierung des Kitsches sind die Werke von Jeff Koons auch keine Kunst, sondern Design- oder Gebrauchsobjekte.

    _________________

    PS: Für den „Plunder“ mit dem ich Dich in einem polemischem Vergleich konnotierte, im Kontext der Bild-„Zeitung“-Debatte, möchte ich mich bei Dir entschuldigen. Ich will die Debatte nicht wieder aufleben lassen, aber ich werde bei dieser Zeitung und bei einigen anderen Dingen sehr ungnädig und ungemütlich, und dann schlägt Polemik durch, die der oder dem anderen einen Spiegel vorhält: Ich habe in meinem Verfahren genau das gemacht, was die Bild tut.

    In etwas anderem Zusammenhang und diesen Bild-Rahmen übersteigend: Für diese Reflexionsfigur gibt es die Wendung von der „Mimesis ans Tödliche“.

  3. FrauWunder schreibt:

    theoretischer gefühlsüberschwang meint geistiges konstrukt einer idealtypischen gefühlswelt, eigentlich ein schema, meinetwegen F, wie etwas zu sein hat und wie sich etwas anfühlen sollte. der böse wolf, das rote herz, kalter kaffee, cosmic blues und cosmic love…. wenn ich dies schreibe, weiß ich das du mich verstehst. dies sind klultuell determinierte codes für mehr als kaffee und für mehr als farbspiele ( ganz im gegensatz zu plunder, womit ich eher trödel und kuchen assoziiere und weniger den idealen sexualpartner). kitsch ist nun für mich ein sehr überstrapaziertes und überdehntes aufgreifen dieser codierungen, der gefühlswelt.- kitsch ist eine völlige überzeichnung jener. kunst behandelt die gleichen codes eher spielerisch, abstrakt etc…..fakt ist beides bleibt theoretisch, auch wenn es in kunstgegenständen seinen ausdruck findet….wenn adorno sagt, wer sagt er ist glücklich der lügt, dann könnt er eventuell recht haben. obwohl just in diesem augenblick empfunden und unbehandelt, ist es ja noch ein roh- gefühl, bei manchen menschen soll das sprachzentrum auch direkt mit dem bauch und nicht mit dem hirn verknüpft sein,hörte ich….

    wahrhaftigkeit ist für mich der gelebte augenblick und nicht dessen reflektion, die wäre für mich die zigarette danach, dies auch braucht…..

  4. Bersarin schreibt:

    Für diesen theoretischen Gefühlsüberschwang würde ich dann eher den Begriff der Metapher wählen.

    Der gelebte Augenblick ist ohne Reflexion nicht zu haben, denn sonst wäre er bewußtlos. Das Bild von er Zigarette danach gefällt mir aber gut. Schade, daß ich nicht mehr rauche. Ich habe in letzter Zeit ein paarmal versucht, aber es schmeckt nicht mehr.

    In einem solchen Augenblick ist man. Dieser Moment eines gänzlich erfüllten, wie unendlich scheinenden Daseins hat etwas mit Ekstase zu tun. Mit dem Rausch und der Verausgabung. In der Sprache in der Kunst sollen diese Momente noch einmal und lustvoll wiederholt werden, und sie erscheinen darin notwendigerweise und zugleich auch als gebrochene: Kunst ist im selben Moment auch der Ausdruck von Leiderfahrung. Dies umfaßt ebenso das gesellschaftliche Moment.

    Ja, die Zigarette danach braucht es auch.

    Ich schriebe gerne weiter – als Mensch der Theorie. Aber es drängt die letzte Vorbereitung für einen Vortrag in Weimar dazwischen. Morgen. Und Freitag geht es zu Tübke nach Bad Frankenhausen. Insofern komme ich nicht weiter zum Antworten auf diese im Hinblick auch für den ästhetischen Theoretiker doch sehr interessanten Fragen und Aspekte. Vielleicht aber am Freitagabend mehr.

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