„Einmal die 5 und dann die 52 bitte!“

Eigentlich wollten wir im guten alten abgestorbenen Westberlin ganz zünftig Schnitzel essen gehen. Der Westberliner ißt nun einmal gerne Schnitzel, so wie er auch Eisbein mit Sauerkraut, Schmorgurken oder Buletten vertilgt, und deshalb gibt es in Westberlin Schnitzelrestaurants. Das Lokal befindet sich in einer Seitenstraße vom Kudamm. Aber es hatte geschlossen. Wir standen vor der Tür und die war zu. Definitiv. Drinnen war es finster. Meine Begleiterin wirkte enttäuscht und die Enttäuschung kippte sodann ins Ungnädige um. Zudem hatte wir beide ziemlichen Hunger. Um sie etwas aufzumuntern, schlug ich vor, daß wir woanders hingehen könnten, und weil es ihr vorletzter Tag in Berlin sei, würde ich sie zum Essen einladen wollen, bevor sie für drei Wochen nach New York reiste. Gesagt getan und so überließen wir uns dem Zufall, schauten uns ein wenig um, warfen Blicke in die Seitenstraßen, ließen uns über den Kudamm treiben – ach ja, wie passend: vorgestern war Marlenes 20. Todestag. „Berlin, Dein Gesicht hat Sommersprossen“, wie eine andere Große einst sang. Und heute: 8. Mai. Gehen wir eben zum Italiener! Was gibt es hier am Kudamm Gutes, wo wir schon mal waren? Oder doch was anderes essen als immer nur Italienisch? Und da entdeckten wir in einer Seitenstraße einen chinesischen Schriftzug. Ach, Glutamt. Lieber doch der klassische Italiener, wo’s uns hintreibt. Aber nein, wir beschlossen, zunächst mal einen Blick auf die Speisekarte zu werfen. „Wir können doch wenigstens schauen und wenn es uns nicht gefällt, gehen wir eben weiter. Bis unsere Laune dann endgültig auf dem Tiefpunkt ist.“ „Dree Cheenesen met dem Kentrebeß“ fing sie an zu singen. Ich lachte mein bekanntes Sezuan-Rednecklachen. Wir beide können sehr rassistisch sein, wenn wir nur wollen, aber meist wollen wir nicht. Zumindest besitzen wir den gleichen bösen Humor. Außen hing eine Gastronomiekritik aus dem „Tagespiegel“, die sehr vielversprechend klang. Der Name „Hot Spot“ ist einerseits für einen Restaurantnamen blöde, andererseits für ein China-Restaurant auch wieder originell gewählt, zumal meine Begleiterin nicht nur scharf ist, sondern auch gerne scharf ißt.

Ich gehe mit der tollsten Frau der Welt durch die Stadt, und diese phantastische Frau ist ab morgen drei Wochen fort. Aber es gibt für diese Zeit schließlich den Riesling, der mir den nötigen Trost spendet; heute Abend jedoch kapriziere ich mich auf zwei Flaschen Grauburgunder – die müssen endlich mal ausgetrunken werden. Bin ich nun eher der Thomas Brasch oder der Charles Bukowski des Grandhotel Abgrund?

Nicht nur der Bericht im Tagesspiegel liest sich gut, sondern auch die Speisekarte sieht vielversprechend aus: es herrscht dort nicht das übliche Einerlei und Elend chinesischer Speisekarten, wenngleich sich die Karten ähneln, aber das tun die von Italienern ebenfalls. Aber was das beste ist: dieses Restaurant besitzt eine richtig gute und sehr umfassende Weinkarte. Zahlreiche Deutsche Weingüter sind da vertreten. Denn der Hausherr, Herr Wu, ist Weinfreak. Unser Urteil ist schnell gefällt: da gehen wir hinein. Gedacht, gesagt, getan: Die Tür geöffnet. Wir sitzen direkt neben dem Weinschrank. Oh je. Das kann verhängnisvoll sein. Die Bedienung ist sehr freundlich und zuvorkommend, und zwar auf eine angenehme, nicht servile Weise, sondern so wie ich es mir wünsche und wie es in der Gastronomie eigentlich selbstverständlich sein sollte. Nein, ich schreibe hier keine klassische Restaurantkritik, denn ich bin kein Restaurantkritiker. Ich berichte lediglich von einem ganz und gar wunderbaren Abend, an dem alles stimmte.

„Einmal die 52 bitte!“, um eine alte Bestellphrase für China-Restaurants aufzugreifen. „Und noch die Flasche Riesling vom Weingut Leitz!“ Vorab bestellten wir uns jeder eine Suppe. Sie aß eine sehr leckere und schmackhafte „Sauer-Scharf-Suppe“, die mir aber zu sehr gewürzt erschien, für J. aber genau richtig zubereitet war. „Der Herr badet gerne lau“ wie Herbert Wehner einst über Willy Brandt sagte. Ich hingegen aß, ziemlich sozialdemokratisch, eine Maissuppe mit mit Hühnerfleisch, Koriander und Reisessig. Dazu gab es besagte Flasche Riesling und als diese beim Hauptgang geleert war, bestellte ich noch eine Flasche Riesling Kabinett von der Mosel, weil sie so gerne einen Moselwein trinken wollte. Zu einem scharfen Essen wie ihrem gebratenen Tintenfisch mit Chili-Soße und Sichuan-Pfeffer paßt die leichte Süße des Kabinettweins ganz gut. Mir erschien der Riesling bei meinem weniger scharfen Gericht – gebratenes Entenfleisch mit Gemüse – etwas zu kraftlos und zu wenig in den Nuancen, aber er schmeckte durchaus. Die Würze des Essens entstand, wie versprochen, nicht durch Geschmacksverstärker, sondern vermittels der Gewürze: genau so wie es sein soll.

Warum gehen diese wunderbaren Abende, die eine Intensität in ihrem Dasein, im Beieinandersein, im Gespräch besitzen, so schnell vorbei? Doch will ich diese Dinge in meiner nachgelagerten Reflexion nicht in die Philosophie oder in Proustsche Dimensionen herüberziehen. Bekanntlich hat alles seine Zeit. Was bleibt, sind Photographien.

Wer das Restaurant ausprobieren mag: Es befindet sich in der Eisenzahnstraße 66 beim Adenauerplatz. Das Interieur ist nicht wirklich gemütlich, aber es gibt eben auch schlimmeres. Das Essen dort und die Weine gefielen uns beiden ausnehmend gut. Nein, dieses China-Restaurant spielt nicht in der Spitzenliga, aber es ist angenehm unprätentiös. Insofern: „Aisthesis“ rät zu.

Ende der Woche gibt es dann den zweiten Teil zur Ausstellungsbesprechung „State of the Art – Photography“.

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22 Gedanken zu „„Einmal die 5 und dann die 52 bitte!“

  1. Um auch nach langjährigem Quantitativ-Mißbrauch seiner Weine die Dinge des Alltags dennoch strukturiert meistern zu können, empfiehlt das Weingut Leitz Leitz-Ordner.

  2. Ich wußte gar nicht, daß dieses Gut ursprünglich einen schlechten Ruf hatte. Mir war lediglich der Name etwas suspekt und ich dachte mir andererseits, daß ich daraus sprachlich noch etwas machen müsse: daß wir Leitz-Weine trinken. Aber wie es so ist, zerrinnt einem im Fluß der Zeit dann wieder der Text. Dieser Wein war aber nicht schlecht. Es gab jedoch so viele Rieslinge dort, daß ich gerne mit jemandem aus der Pfalz bzw. mit einem Kenner von Weingütern gesessen hätte. Wobei: meine Begleiterin kennt sich auch aus. Angesichts der Karte konnte man freilich den Überblick verlieren.

  3. Ich kenne das Weingut nicht und wollte nicht sagen, dass es früher einen schlechten Ruf hatte. Ich weiß das garnicht.

  4. Das Schicksal des Pfälzers und auch des Württembergers ist, dass er immer und überall als Weinexperte an sich gilt und sein Urteil als unanfechtbar.

  5. Der Württemberger gilt in der Pfalz KEINESWEGS als Weinexperte!

  6. Es wird Zeit, daß ich meine Rubrik „Der Blogtrinker“ eröffne.

  7. Darauf warten wir jetzt schon fast so lange wie auf Nörglers Whiskey-Blog oder echtes pornografisches Material von Netbitch.

  8. „Darauf warten wir jetzt schon fast so lange wie auf Nörglers Whiskey-Blog oder echtes pornografisches Material von Netbitch.“

    !

    Das stimmt. Da beißt die Maus keinen Faden ab, dass das stimmt. Dieser Vorschlaghammer traf stirngenau.

  9. der blogtrinker, die idee hat was. möglicherweise als gemeinschaftsprojekt, der mindestpegel von sagen wir 0,8 %o muss erreicht sein und dann darf da so jeder mal hochgesitiges mit hochprozentigem verknüpfen. stell ich mir lustig vor, das eröffnet ganz neue möglichkeiten, könnte man sogar nen trendsport draus machen; kreatives schreiben unter maximalem alkoholeinfluß oder schreiben sie sich in die besinnungslosigkeit….

  10. @che
    Leider kenne ich Netbitch nicht – vielleicht aber auch zum Glück, denn einen mir verdrehten Kopf kann ich im Moment nicht so gut gebrauchen. Um solches Pornographische oder auch: Erotisches angemessen zu photographieren, kenne ich allerdings nur einen einzigen, der das gut bewältigt und der ein solcher Kopfsublimierer des Erotischen ist, daß er seine Erregungen rein in das Bild einfließen lassen würde. Eine gelungene Photographie wie überhaupt ein gelungenes Kunstwerk entstehen einzig auf diese Weise, daß der eine Zustand in den anderen überführt wird und sich dort verdichtet.

    Auch des Nörglers Whisky-Blog wird mir nichts nützen, weil ich aufgrund einer akuten Krankheit möglichst den Alkohol meiden sollte. Fange ich mit dem Trinken von Alkohol zu früh an, ist mir ein Rückschlag sicher. Hier heißt es also (auch im Hinblick auf die Wahl in NRW): Kraft aufbringen.

    @FraufriederikeWunder
    Ich bin ein Solitär und für Gemeinschaftsprojekte denkbar ungeeignet, weil ich Menschen um mich herum nicht mag – ausgenommen Frauen. Doch nur in geringer Dosierung, nicht unkontrolliert und gestreut.

    0,8 Promille ist niedrig, aber ok, Ich denken jedoch, die wenigsten können unter dem Einfluß von Alkohol schreiben. Über andere Drogen vermag ich nichts zu sagen: nehme ich tetrahydrocannabinolhaltige Mittel zu mir, werde ich bloß müde. Das rettete mir während meiner Schulzeit das Leben: Als zwei Freunde und ich bei einer Freundin eingeladen waren, gab es ein schwarzes öliges Klümpchen. J. zerbröselte es und bereitet es zu, alle rauchten gemütlich, ich schlief ein, die zweite anwesende Frau, die nicht besonders gut aussah – um nicht zu sagen: sie war grottenhäßlich -, machte sich an J. heran, die Gastgeberin war mit V. beschäftigt, beide waren sowieso ein halbes Paar. Und ich hatte meine Ruhe, weil ich schlief. Die häßliche Frau, deren Namen ich vergaß, hätte sicherlich lieber mit mir etwas angefangen, denn J. war ein brutaler, Doors und Captain Beefheart hörender Hippie, der alle an Charles Milles Manson erinnerte, während ich gerade Marc Almond für mich entdeckt hatte und damit zu der nötigen satanischen Zärtlichkeit womöglich und durchaus fähig gewesen wäre, wenn ich denn gewollt hätte.

  11. ich versteh zwar nicht recht was du mir damit sagen willst, erotische verdichtung zu kunstwerken, kopfsublimierer, was ist denn das, ne schweinerei? solitär? nicht mit menschen, allerdings mit frauen also übermenschen meinst du damit oder untermenschen, ne eine mischung aus beidem, die heilige hure, da steht doch der durschnittspornokonsument drauf. gut, gut nicht nur der, ist ein klassisches motiv männlicher erotik.

    geringe dosierung, nicht unkontrollliert und gestreut? wobei vermute ich kontrolle das schlüsselwort ist, jedenfalls bei frauen, beim alkohol weniger vermut ich? aber immerhin , da gibt es schnittstellen, ich hab ein unkontrolliertes trinkverhalten, das selten bei 0,8 promille stecken bleibt, allerdings mündet das meist auch in anderen unkontrollierbarkeiten worauf der durschnittsmann in alller regel abfährt, aber gut der mag meist auch plunder….

    mahlzeit ich geh jetzt laufen, auch um mich von zu viel hirnlastigekeit zu befreien, damit lebt es sich besser (wollte eigentlich fickt schreiben- aber es fickt sich auch so gut)

  12. Motive männlicher Erotik: Das ist aber ein sehr schönes Thema! Gefällt mir gut. Kreist nicht mein ganzer Blog nur um dieses?

    Es geht am Ende immer um die Kontrolle, ansonsten würden die Kreativität einbrechen. Gemeinschaftsprojekte gibt es bei mir weder mit Frauen noch mit Männern.

    Wer unkontrolliert Drogen zu sich nimmt, der ist schnell am Ende. Ich liebe den Riesling, den Bordeaux und den Burgunder zu sehr, um ihn irgendwann aufgeben zu müssen, weil ich bei den Anonymen Alkoholikern platzgenommen habe. Insofern kontrolliere ich meine Haltlosigkeit. Dieses Verhältnis von Exzeß und Kontrolle im Text auszuführen, sprengte aber den Rahmen und würde beim Lesen eine Form von Hirnlastigkeit erfordern. Auf alle Fälle aber gibt es da dann Schnittstellen zwischen uns. Max Weber zum Beispiel und wie wir gesehen haben, ist es zumindest nicht.

    Ach, die Erotik: das ist mal so und dann wieder so: Es gibt Tage, da halte ich es dann mit Heiner Müller, der schrieb, daß er eine Frau brauche, bei der er sich von seiner eigenen Intelligenz erholen kann. In diesem Sinne gäben wir beide dann ein Traumpaar ab.

    Also: aufgepaßt und beim Joggen nicht verlaufen; und laß Dich im Wald nicht von Männern mitschnacken.

  13. „…die wenigsten können unter dem Einfluß von Alkohol schreiben. “ naja die wenigsten können überhaupt schreiben und versuchen es trotzdem. ich find immer mehr wir entwickeln uns doch gerade weg von einer gesprächs und tischkultur zu einer schreiben in sofalandschaften klutur.

    mal ersnthaft was soll dabei rauskommen, befindlichkeitsaustausch? aber gut wenn s das reden erleichtert, besser mit dem umfeld über probleme geschrieben als gar nichts ausgetauscht.

    andererseit, warum auch nicht; wenn jeder mensch ein künstler sein kann , dann kann auch jeder ein schreiber sein, prinzipiell. und ist es auch nicht immer unwitzig oder gesitlos was man so zu lesen bekommt in virtuellen welten, es hat etwas von einem riesigen experimentierlabor (erwähnte ich heute schon mal irgendwo) dies sogar über das schreiben hinaus. wenn es die piraten mit ihrem nicht programm, ihren nichtantworten aber einer option auf das gemeinsame entwickeln solcher angelegt haben und mit dieser haltung in kürzester zeit eine politsche rolle zu spielen beginnen, dann signalisiert das viel über den zeitgeist. eventuell ist es gerade wichtiger rahmen für erneuerungen, fiktionen und visionen zu schaffen als antworten aus dem ärmel schütteln zu können. und ich könnte mir vorstellen, dass die rahmen füt zukünftige lösungen analoger probleme im experimentierlabor des digitalen geschaffen werden…

    und über die ausweitung der kampfzone über 0,8 drehmomente hinaus lass ich gern mit mir verhandeln. was dabei rauskommt weiß ich natürlich nicht, aber es können ja auch nicht alle mit einer so überlegenen schreibwut gesegnet sein, wie so spezielle kopfsublimierer des erotischen solitärs, gelle.

  14. so, so von der intelligenz erholen, nein was für eine haltung, glaubst du eigentlich das arronganz sexy ist? es soll ja frauen geben die darauf abfahren, hast du gute erfahrungen damit sammeln können und was sind das so für welche, die sich an selbstherrliche überflieger hängen?

    und wo erholt sich frau von ihren emotionen, im eiswürfelbehälter des kühlen analytikers? das ist bestimmt der falsche weg, hab ich die letzten jahre versucht, mit dem ergebnis, dass es sich neben dem eisfach immer noch hitziger und schwitziger anfühlt als es eh schon ist. ich halts da eher mit den homöopathen, gleisches soll mit gleichem kuriert werden….

    exseß und kontrolle da vermutest du überschneidungen? das ist aber mal interessant, haben wir noch nicht drüber geschrieben glaub ich.

  15. die tippfehler bitte zu entschuldigen bin im streß. könnt jetzt auch mit teilleistungsschwäche kommen, aber das klingt so behindert obwohl einstein hatte es auch, sagt mein sohn, der es auch hat, sogar mit dem gleichen fehlerprofil wie ich…also das ist genetisch, da kann ich nichts für

  16. Das Entweder-Oder zwischen digital und analog sehe ich nicht so extrem. Es ist beides: Eine Kultur, die über das Aufschreibsystem Computer bestimmt wird, und gleichzeitig gibt es Gespräche. Außer den eingefleischten Nerds oder Internetirren bewegen sich die meisten von uns doch in sehr realen Welten. Allerdings: Über das Internet ist es sehr viel leichter, mit Menschen ins „Gespräch“ zu kommen, die sich für Ähnliches interessieren. In meinem Freundeskreis gibt es z.B. keine, die ebenfalls Philosophie studierte. Insofern finde ich da niemandem, mit der ich über Derrida mich streiten könnte.

    Was sich durch die neue Technik aber verändert hat, ist die Art und Weise des Schreibens. Dies betrifft insbesondere die Form der Literatur. Dem klassischen Buch, dem klassischen vormodernen, modernen oder nachmodernen Roman erwuchs eine neue Form der Darstellung.

    Daß jeder Mensch ein(e) Künstler(in) oder eine Schreiberin oder ein Schreiber sein könne, zweifle ich an – zumindest wenn man einen emphatischen Begriff von Kunst zugrunde legt. Nur weil sogut wie jede(r) schreiben kann, ist nicht jede(r) eine begnadete Schreiberin oder ein gekonnter Schreiber. Gutes Schreiben erfordert Übung und hat mit Anstrengung zu tun.

    Die Ausweitung der Kampfzone über 0,8 Umdrehungen ist eine schöne Sache, nur kann ich die erst ausweiten, wenn ich wiederhergestellt bin. Wie weiten wir sie aus? Da Dein Blog nur geladenen Leserinnen und Lesern zu Verfügung steht, kann man Deine Wut des Schreibens nirgends nachlesen.

    „Erotischer Solitär“ hat mir ausnehmend gut gefallen. Wie nannte mich eine Soziologiekommilitonin einst: Herr Geist. Während ich sie mit „Frau Körper“ ansprach.

    Aber wir müssen leiser und im Geheimen plaudern, sonst wird der Herr Hanneswurst hier eine Affäre oder Schlimmeres wittern und auch die anderen werden hellhörig. Isn’t it?

    Apropos „hell“. Das erinnert mich immer an das formschöne Jagdflugzeug Grumman F6F, kurz Hellcat genannt.

  17. Also, ich finde arrogante Frauen total sexy ;-)

    Ja, ich habe in der Kombination eigener und fremder Arroganz teils gute Erfahrungen sammeln können: das sind meist Frauen, die hinreichend selbstbewußt sind. Zuweilen ist das auch ein Spiel. Du weist ja: Kleists Penthesilea: Küsse und Bisse, das reimt sich …

    Daß es bei Exzeß und Kontrolle Überschneidungen gibt, schrieb ich nicht. Vielmehr handelt es sich hier um ein Verhältnis, das jeweils und im konkreten Falle zu bestimmten ist.

  18. Kleists Penthesilea, das ist ein toller vergleich und ein wahnsinnsbild für so eine art spiel. passend für wahsinnsfrauen und irre jäger….allerdings auch ein körperliches, wie ich lesen konnte, als ich mich mal eben schnell via mausklick über den inhalt informierte. spielt man heutzutage wahrscheinlich übers netz, weil weniger real, weniger blutig, weniger heiß. aber mit sicherheit von ähnlichen grundintentionen geleitet und schmerzhaft für die fingerkuppen und das seelenheil, das besonders. da hatten es die bluttriefenden akteure im orginal sicher besser, denk ich…

    wie kommen herr geist eigentlich auf kampflugzeuge? sehen sie sich als solches? dann gehöre ich eher zur artillerie, mit kanonen auf spatzen schießen kenn ich mich aus, auch im wutschreiben. dieses findet aber schon seit geraumer zeit nicht mehr auf oder über meine blog statt, das endete dort mit der, nein nicht bedingslosen, aber der kapitulation allen wollens und sehnens und glaubens an (was eigentlich, gute frage). jedenfalls endete es (punkt) und es wird auch nicht fortgeführt, weil ich nicht will und somit nicht kann und darüber hinaus auch kein schreiberling bin und das macht schon mal nen unterschied zu denen, die schreiben müssen, um zu bleiben. es ist nicht existentiell für mich und mein dasein. ich brauche keine schriftsprachliche daseinsberechtigung, ich lebe in einer welt der körper und des körperkontaktes und alles was von mir bleibt hat mit körpern zu tun. mehr materie weniger geist…puh, jetzt muss ich geld verdienen, leider, sonst würde mir doch noch das eine oder andere einfallen , beispielsweise zum thema beziehungen und schlimmeres….

  19. P. Rühmkorf war dem Rausch bekanntlich nicht abgeneigt, nur sollten die „Ahamomente und Sternschnuppeneinfälle“ ihren Niederschlag finden: am nächsten Tag muss dann auch etwas dastehen. E. T. A. Hoffmanns „Vigilien“, Nachtwachen, deren Rituscharackter vielleicht mit magischen Substanzen in Verbindung stand; Jean Paul, der sich ebenfalls mit Mitteln der Poetik gewissermaßen neu erfinden wollte, griff zusätzlich zu einer anderen Methode: „Wenn ich könnte, so möcht‘ ich, was noch kein Autor konnte und kann, alle meine Gedanken nach dem Tode der Welt gegeben wissen: kein Einfall sollte untergehen.“ Oder Schlicht: Schreib alles auf! Kaffee empfahl er zum späteren Ausarbeiten, die Liste wäre vermutlich lang.

  20. @ FraufriederikeWunder
    Ja, Kleist bedeutet natürlich Körperlichkeit: daß Penthesilea den Achilleus am Ende zerreißt, schlägt sich ganz real nieder. Das Problem besteht dann, wenn eine(r) Küsse und Bisse verwechselt.

    Auf Kampfflugzeuge kam ich, weil es um irre Jäger ging und ich zudem gerne in Bildern und frei assoziiere.

    Hier im Blog gibt es nur Theorie, Text und Schrift, selbst die Photographien stellen eine Form derselben dar. Mit Körpern und Körperlichkeit kann in diesem Rahmen also kaum gedient werden. Außer – um zu kalaueren – mit dem Textkörper, den ich Dir gerne und umfassend anbiete. Für umsonst sogar, aber hoffentlich nicht vergeblich.

    Für die weiteren Aspekte Deines Kommentars dürfte Dir mein heute geposteter Text zum Hamburger Hafengeburtstag eine Antwort sein.

    @ziggev
    Völlig richtig, das sehe ich ebenfalls so und hielt es selber auch in genau dieser Weise. Die Betonung liegt dabei auf dem nächsten Tag. Wie gesagt: Exzeß und Kontrolle. Der Kaffee liefert mir dazu ein nötiges Hilfsmittel.

    E. T. A. Hoffmann war zumindest einer magischen Substanz sehr zugeneigt. Sowieso schätze ich seine Literatur, diese düstere, schwarze Romantik, diese Nachtseite der Seele ausgesprochen.

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