Günter Grass. Noch n’Gedicht? Oh, bitte nicht!

Was wird das hier, Herr Grass?: Der Musikantenstadl der Dichtung, die Ergüsse des ästhetischen Minderleisters, die Kapitulation vor der Form? Wer einen Text zu Israel schreiben möchte, wer Israel kritisieren will, der mag das tun. Aber er sollte es dann nicht Gedicht nennen, wenn es sich um keines handelt. Grass ist, wie Böll, Andersch, später dann Walser ein Schriftsteller Nachkriegsdeutschlands – manchmal (aber nicht immer) gilt jener Satz: No Country for Old Men. Die „Blechtrommel“ ist gut, aber vieles glänzt durch ästhetische Belanglosigkeit. Die langweiligste Literatur der Welt wurde in Deutschland nach dem Kriege verfaßt, sieht man von wenigen Ausnahmen wie Arno Schmidt einmal ab.

Und nun kommt Günter Grass zur Israeldebatte. Er nennt den Text „Gedicht“. Seine politischen Statements fielen mir deshalb auf, weil sie teils undifferenziert sind – dicht bei der Lichterkettenbetroffenheit gebaut. Gut gemeint, ist aber häufig das Gegenteil von gut gemacht. Wenn Schriftsteller politisch Stellung nehmen, sich engagieren, so geht das nicht immer so aus, wie man es sich zuweilen wünscht. Es entsteht oft ein hoher, ein hohler, ein phrasenhafter Ton. Ich gebe diesen Text von Grass im ganzen wieder. Wer es durchhält, das zu lesen, ist gut konstituiert. Ich stelle das hier hinein auch aus satirischen Gründen. Es ist im Grunde zum Lachen, wenn es nicht so traurig und bescheuert wäre. Aber trotz alledem: bitte wenigstens bis nach unten scrollen, weil ich da noch zwei Zeilen schreibe.
Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten –
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug –
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.

(Quelle: Süddeutsche Zeitung)

So etwas gehört mit zehn Jahren Besuch und Lernen an einer Schreibschule oder mit einem Kursus Kreatives Schreiben bestraft. Solche Texte zu lesen, erzeugt Grausen. Es ist ein dummer, totgebrauchter Begriff, aber hier trifft er: Fremdschämen.

Oh, wenn Du geschwiegen hättest: Wir hielten Dich zwar auch dann nicht für Weise, aber es täte wenigstens nicht so derart im Kopfe weh. Dieser Text ist die Kapitulation vor der Form, zeugt vom Mangel an Bewußtsein für dieselbe. Was kommt als nächstes? Eine Hommage an Wolfgang Borcherts Gedicht „Sagt nein“? Die freie Form zu benutzen, bedeutet nicht, sogleich jeden Einfall herunterzuschreiben, der gerade in den Sinn kommt.

Zugegeben: das politische Gedicht ist ein schwierig zu bewältigendes Gedicht. Das heißt aber nicht, es sei deshalb unmöglich, ein solches zu komponieren. Bereits durch ein winziges Verschweigen hindurch, durch die kleine Verschiebung läßt sich im Ausdruck und auch über die Form mehr vermitteln und in die Darstellung bringen als mit jenem Grassschen Holzhammer.

Allerdings ist der Vorwurf, das „Gedicht“ sei antisemitisch, genauso idiotisch wie das „Gedicht“ selbst. Der Text ist nicht antisemitisch, sondern schlecht gemacht. Manchmal ist schweigen besser als fabulieren.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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19 Antworten zu Günter Grass. Noch n’Gedicht? Oh, bitte nicht!

  1. hanneswurst schreibt:

    Dass Grass hier kein Gedicht oder wenn dann nur ein sehr schlechtes vorlegt – geschenkt. Inhaltliche Aspekte haben Sie nur pauschal verunglimpft, sind jedoch nicht auf diese eingegangen.

    Ich bin froh, dass mit Günter Grass jemand, dem offenbar (noch) Gehör verliehen wird, eine klare Position in dieser Sache bezogen hat und ich teile seine Auffassung. So trivial wie Sie diese hier darstellen, kann ich die Bedrohung, die von Israels politischem Kurs ausgeht, ebenso wenig finden wie die Bedrohung durch die westliche Dekadenz insgesamt. Assoziationen wie „Lichterkettenbetroffenheit“ verwendet doch nur jemand, der sich an die nutzlosen Proteste gegen die Irakkriege erinnert und daran gewöhnt hat, dass er als Deutscher einfach besser die Klappe hält.

    Vielleicht gibt es Akteure die einen drohenden Angriffskrieg gegen den Iran effektiver kritisieren. Ich kenn aber in Deutschland keine. Deswegen finde ich Ihre Ergüsse über Ästhetik an dieser Stelle vollkommen deplatziert.

  2. someguy schreibt:

    Ich habe die ganze Zeit schon darauf gewartet dass jemand sich auch aus ästhetischen Gründen über dieses Gedicht aufregt, und dann musste ich an diesen Blog denken – und da ist es.

    Überhaupt was für eine selbstgefällige, affige Pose so ein Schweigensbrechgedicht zu schreiben und das dann in mehreren Zeitungen abdrucken zu lassen und das ganze in diesem möchtegern-nachdenklichem Tonfall:

    Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
    dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
    empfinde ich als belastende Lüge
    und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
    sobald er missachtet wird;
    das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig.

    Um einen ’normalen‘ Text zu schreiben hat er wohl auch zu wenig zu sagen, oder in Prosa würde es noch deutlicher sein was für ein plumper Gedanke das ist.

    Vielleicht lese ich auch nicht genug Zeitung, aber die israelischen Kriegsvorbereitungen zu kritisieren ist doch weit verbreitet, besonders in Amerika (wenn auch selten im Mainstream) und doch garantiert auch in Israel, wo man wohl kaum darauf gewartet hat das ein deutscher Moralisierer endlich es über sich bringt sein Schweigen zu brechen.

    Auch gegen den Irakkrieg waren doch warnende und ablehnende Stimmen und Meinungen überall, wahrscheinlich in Deutschland auch leicht in der Mehrheit. Das Problem sind doch nicht irgendwelche Denkverbote oder die kriegstreiberische Meinungshoheit oder was auch immer, sondern dass selbst abweichende Meinungen so spielend leicht assimiliert werden als hätte es sie nie gegeben. Berühmtermaßen hat ja George Bush über die Antikriegsdemonstranten in London gesagt: Für dieses Recht auf Meinungsäußerung führen wir den Krieg… das heißt aber nicht dass man wie Grass gleich direkt bei narzistischer Selbstbeweihräucherung stehen bleiben muss, als wenn es so drauf ankommt, dass augerechnet er jetzt gesacht hat was gesacht werden muss.

  3. MelusineB schreibt:

    Danke, lieber Bersarin, für diesen Beitrag! Heute ist mir aufgefallen, als der Mann, den ich liebe, mir zu diesem Thema schrieb: „Ich werde ein zwei Monate nicht über Schirrmacher schimpfen.“, wie Liebe und Achtung zusammen gehören, wenigstens dann, wenn es länger hält und halten soll.
    Wieviel an der Politik der derzeitigen israelischen Regierung zu kritisieren, ja zu verurteilen ist, dass wird anderswo und von anderen auf deutlich höherem Niveau und mit mehr Sachkenntnis verhandelt. Netanjahus verantwortungsloses Handeln verdient keine Unterstützung. Mit einem atomaren Erstschlag hat allerdings selbst dieser Depp nicht gedroht.
    Wem Grass´ schlechtes Gedicht (neben der Literatur allgemein) schadet sind all jene, die die Politik der derzeitigen israelischen Regierung kritisieren, ohne sich feige und dumm hinter der imaginierten Opferrolle der verfolgenden Unschuld zu verstecken. Das ist – wie schon öfter bei Grass – geschickt gemacht, jedenfalls: Wer Grass´ Pamphlet (das scheint mir der literarisch passendere Begriff) kritisiert, läuft von vornherein in die ausgelegte Falle. War ja klar, dem verschwiegenen Dichter, dass d a s nicht gesagt werden darf.

    (Auf dem Dorf. wo ich herkomme, redet jeder Trottel ungeniert so in der Kneipe daher. Und noch mehr: Von der „jüdischen Weltverschwörung“ ist eh ein jeder überzeugt. „Du etwa nicht, Frau B.?“.)

    In der idealen Welt (von mir allnächtlich kurz vorm dem Schlaf erträumt) sitzen die Grasse und Netanjahus und viele andere „Selbstgerechte“ auf einer fernen, unvernetzten Insel (Ahmandinejad, mein Freundchen!, ist selbstverständlich auch dabei) beisammen, wo sie sich gut, nein bestens verstehen. Und unsereine hat seine Ruh´ von denen! (Vor allem auch vor ihren „Gedichten“.)

  4. Bersarin schreibt:

    Ich werde auf die Kommentare morgen eingehen, da ich gerade dabei bin, meinen neuen PC einzurichten.

  5. summacumlaude schreibt:

    Mit letzter Tinte – ja Grassens Patronen waren schon häufiger vor dem endgültigen Text verschossen, aber nie so auffällig wie in diesem Machwerk (ohne Anführungszeichen!). Nur zu Hanneswurst das eine noch: Grass hat ein Gedicht geschrieben. Einer solchen Tat, im Fall Grass´einer Untat, wird sich ästhetisch angenommen – wie denn sonst? Wenn er rein inhaltliche Kritik möchte, muß er einen politischen Essay schreiben. Aber ich sehe schon, wie er die ästhetische Kritik als politisch motiviert zurückweisen wird. Auch dieser Dreh hat bei Grass mittlerweile Methode.

  6. Bersarin schreibt:

    @ summacumlaude
    Vollständig d’accord. Es wird auf den Text, der sich Gedicht nennt, von der Perspektive der Ästhetik her reagiert.
    .

    @MelusineB
    Selbstgerechtigkeit trifft es bei Grass ganz gut. Machen wir doch mal einen Grausligkeitscontest: Grass, Biermann? Wer bietet mehr?

    @Hanneswurst
    Wenn ich aus der Perspektive Israels dächte, gewissermaßen als strategisch denkender Machiavelli, griffe ich den Iran bereits 10 Jahre früher an. (Aber nein: das war bloß ein ästhetizistischer Scherz. Ich gehöre nicht zu den Antideutschen.)

    Effektiv mag die Kritik von Grass sein. Er kann das dann Polemik oder engagierte Gedanken nennen. Aber bitte nicht Gedicht. Wer sich von Berufs wegen mit der Sprache befaßt, sollte diese Sprache genau nehmen. Bezeichnet er das, was er macht, als „Gedicht“, so wird er beim Wort genommen.

  7. ziggev schreibt:

    es ist gar kein Gedicht.

    Beweis.

    Den Text in ein Word-Dokument kopieren,
    [Strg] + [F], und dann beim erscheinenden Dialog „Suchen und Ersetzen“ auf „Erweitern“ klicken, Drop-Down Menu „Sonstiges“ aufmachen,
    auf „Manueller Zeilenumbruch“ klicken, ein seltsames Computerzeichen erscheint,
    den Reiter „Ersetzen“ aktivieren und bei „Ersetzen durch“ ein Leerzeichen eingeben.

    Auf „Alle ersetzen“ klicken.

    Kurz über fliegen und sehen: Es ist ein Prosatext.

    ich weiß nicht, ob es ein Pamphlet ist. Aber um ihn richtig betont vorzuesen unter Berücksichtigung der Syntax, Atempausen (tief luftholen) usf., zwingt der Text einen gerade dazu, bei Loriot zu landen.

  8. Bersarin schreibt:

    So ist es, ziggev! Danke.

  9. hanneswurst schreibt:

    @Bersarin: Wie gesagt: mir geht es nicht darum, hier irgendwelche lyrischen Aspekte zu verteidigen. Dazu fehlt mir auch die Kennerschaft moderner Poesie, ich habe den Text einfach als Nachricht von Grass gelesen. Warum nennt er es ein Gedicht und keinen politischen Aufsatz? Wegen der besseren Wirkung, nehme ich an. Ich meine, das ist gelungen. Das Interview mit Buhrow ist hilfreich zu Verständnis, auch um sich zu vergegenwärtigen, das Grass noch kein seniler Tattergreis ist: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1093224.html

    Im Interview führt Grass auch an, warum er scheinbar plakativ von einer möglichen Auslöschung der iranischen Volks spricht, obwohl doch allgemein mit einem „sauberen“ Angriff auf die Urananreicherung des Iran gerechnet wird: er weitet die befürchteten Kollateralschäden aus.

    Warum kritisiere ich Ihre Ausführungen zu Grass, obwohl sie sich auf die ästhetischen Aspekte konzentrieren und ich doch diese Aspekte ignoriere? Weil Sie quasi im Vorbeisehen auch den Sinn des Textes verlästern.

  10. Bersarin schreibt:

    @Hanneswurst
    Ich sehe, daß es Ihnen politisch und in der Sache ernst ist. Ich werde deshalb versuchen, Ihnen morgen eine halbwegs gescheite Antwort zu geben. Jetzt mag ich nicht, da ich anderweitig gestimmt bin.

  11. Bersarin schreibt:

    Eine Antwort auf Sie, Hanneswurst, gibt es in einem separaten Text, den ich nicht im Kommentarteil verschwinden lassen mag. (Es scheint heute die Sonne und ich ziehe an einem solchen Tag eine Photosammlung von 410 GB Speicherumfang auf eine neue Festplatte. Sie sehen, ich multitaske.)

  12. hf99 schreibt:

    Fein, dass sich hier fast alle doch einig sind, darf ja auch mal sein. Poetisch ein Desaster – stilkritischer Überlegungen hierzu bedarf es nicht. Inhaltlich partiell richtig (das beredte Schweigen über Israels atomare Bewaffnung – erlangt hat es die in Zusammenarbeit mit dem damaligen Südafrika -, das stillschweigende Abnicken der israelischen A-Bombe ist schon verlogen!), aber unklar und einseitig, dazu mit verquastem Moralin unterfüttert, insgesamt also unbekömmlich.

    Und doch habe ich mich etwas revidieren müssen angesichts der restlos absurden Vorwürfe gegen Grass; bis hin zum Vergleich mit Hitler durch Klarsfeld (welche Rolle spielte die jüngst noch mal?).

  13. hanneswurst schreibt:

    Wenn Sie Größe haben, dann ist „Was gesagt werden muss“ ein großes Gedicht. Sind Sie beschränkt, dann ist „Was gesagt werden muss“ beschränkt.

  14. hf99 schreibt:

    es ist ein langes Gedicht, hanneswurst, mehr aber auch nicht.

    Allerdings muss ich noch mal nachdenken. Trotz Grassens eigener verquaster Vorgehensweise, der fanatische Hass, der ihn jetzt ereilt, macht mich denn doch fassungslos.

    Grass = Hitler – das geht so nicht.

    Anbei: Grass hat seine SS-Vergangenheit bereits in den 60ern öffentlich gemacht…

  15. hf99 schreibt:

    Präzisiere: In den 70ern, und nur im erweiterten Sinne öffentlich, nämlich u.a. auf einer Nachfolgetagung der Gruppe 47

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,431855,00.html
    und gegenüber Turrini
    http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Grass#Zugeh.C3.B6rigkeit_zur_Waffen-SS

  16. Bersarin schreibt:

    @ h’f
    So ist es. Und es ist nicht nur ein langes, sondern es ist ein mißratenes Gedicht. Oder: Gar kein Gedicht.

    Grass = Hitler. Wie blöd muß man eigentlich sein? Zu Klarsfeld: Sicher, und wenn man den Namen Beate Klarsfeld durch Goebbels ersetzt, dann bekommt man die gleiche dümmliche Litanei. So geht es methodisch in dem Spielchen „Meine Nazis – deine Nazis“.

    Wenn Beate Klarsfeld das so gesagt oder geschrieben hat, so wird das mit zehn Jahre Klappehalten bestraft: No Country for old Woman

  17. Pingback: Lob der Oberfläche – Desktop als Existenz « wortanfall

  18. T. Albert schreibt:

    Naja, Broder hat das ja im Deutschen Fernsehen erklärt, ist alles ganz einfach: Antisemit ist, wen er dazu erklärt, bis jemand anderes kommt, und jemanden anderes zum Antisemiten erklärt; ansonsten gibts da keine Regel, sagt er.
    Man muss auch seine entsprechend qualifizierte Literaturkritik ernstnehmen, wie ich sie irgendwo von ihm gelesen habe: Grass` Text ist kein Gedicht, weil Fried, von dem er dann irgendwas stammelt, auch irgendwelche Zeilenumbrüche gemacht hat, und weil Grass ein Antisemit ist und sowieso ein Scheissnachkriegsmoralist, der in der Waffen-SS war.
    All die ehrlichen Rechten, denen Broder und seine Springer-Spiegel-Weltwoche-ARD-ZDF-Kameradschaft klarmacht, dass Grass ein Antisemit ist, weil er ein Linker ist, der deswegen schlechte Gedichte schreibt, interessieren sich aber gar nicht dafür, ob Grass ein gutes oder schlechtes Gedicht geschrieben hat, sondern finden, wie ich in etlichen Kommentaren bei der Springer-Welt lesen konnte, gut, dass endlich mal wieder jemand die Wahrheit ausspricht, wie seinerzeit Sarrazin, dem sein Zuarbeiter Broder keineswegs einen Antisemiten-Button ankleben wollte. Broder und den anderen „Literaturkritikern“ ist es ja auch wurscht, Grass hätte auch ein „gutes“ Gedicht schreiben können. (Wie Enzensberger, Schrott, Göritz, Roes, Rost…? Ich mein ja nur.)
    „Mit letzter Tinte“ fand wiederum Reich-Ranicki ganz toll, das Gedicht ekelhaft, aber Grass keinen Antisemiten.

    Sorry, auf welchem Niveau bewegen wir uns gerade?
    Endlich können Millionen deutscher und schweizerischer und österreichischer lyrikkundiger Ästheten sagen, dass sie Grass so doof finden, wie sie es nie sagen durften, wegen den Linken, und dass der Grass gar keine Gedichte schreiben kann.
    Trifft sich gut, wenn man Israel auch doof findet wie angeblich der Linke Grass, trifft sich aber auch gut, wenn man moderne Kunst doof findet – endlich wird dazu mal aus berufenen Mündern was gesagt. Israel gut finden muss ich ja trotzdem nicht unbedingt.

  19. Bersarin schreibt:

    Nein, auf diesen Broderzug sollte man nicht aufspringen, und es gibt Grass-Kritiker, mit denen möchte ich eigentlich nicht in einem Boot sitzen

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