Einige grundsätzliche Bemerkungen zu den Begriffen Genuß, Geschmack und Gefallen (sowie das wunderbare Wort Jakobsmuschisalat)

Es sind dies allesamt Begriffe, welche in diesem Blog hinsichtlich der Diskurse und Ausführungen zur Ästhetik lediglich am Rande vorkommen. Wer meint, ein Kunstwerk schlürfen zu wollen, wie Austern oder konkretistisch zu genießen wie Jakobsmuscheln, der ist hier falsch geparkt. Darum geht es in diesem Blog nämlich nicht, weil diese Weise des Umgangs mit Kunst nicht nur amusisch sich verhält, sondern zugleich am Werk, mithin am Objekt um Meilen vorbeischrammt. Wer schlürfen, genießen, lecken (oder geleckt werden) möchte, der tue es in der Praxis, aber nicht in der Theorie. Und als Anweisung, wie Jakobsmuscheln zu essen sind, möchte ich auf diesen ganz wunderbaren, herrlichen „Rezepttipp zum Samstagabend: Jakobsmuschisalat“ der Bloggerin Netbitch hinweisen, welche ich zugleich in meine Blogroll aufnehme. Ich habe das bisher nie gemacht, weil mitlesende, mich kennende Frauen …, ach, was weiß ich. Diese Praxis des Geschmacks ist nicht jederfraus oder jedermanns Sache. Ich halte sie für ausgesprochen interessant. Ja: probieren geht bekanntlich über studieren. Die Momente der Sinnlichkeit im Kunstwerk jedoch sind andere und haben mit diesen doch sehr angenehmen Dingen wenig zu schaffen. Und wenn ich die Wahl hätte, dann nähme ich natürlich beides: Jakobsmuschisalat und Kunstwerk. Beim Geschmack kann man jedoch sagen, daß er (im Kunstwerk) lediglich vaginal, nein ähm, ich meinte freudseidank marginal vorkommt. (Allein die Wendung „Jakobsmuschisalat“ ist großartig.)

Über den Begriff des Geschmacks als ästhetisch relevanter Kategorie schrieb ich hier im Blog einige Texte, die geneigte Leserin, geneigter Leser mit ein wenig Rechercheleistung sicherlich finden werden: einfach in Anführungszeichen klammern und „Kunst und Geschmack“ ins Suchfeld eingeben. Dort ist nachzulesen, inwieweit Geschmack als ästhetisch bedeutsame Kategorie im Feld der Ästhetik noch eine Rolle spielt.

Nein. Ich bin mittlerweile ungnädig, unwillig und bösartig geworden. Ich habe auf diesen Kommentarscheiß von El_Mocho oder auf Empfindungsdiskurse keine Lust mehr, weil ich immer wieder das selbe schreiben muß: es wird falsch zitiert, falsche Kontexte werden genannt, gefühlte Einstellungen werden kommuniziert, die dann am Ende mit Gefühl und Geschmack nicht das geringste zu schaffen haben, weil solche Äußerungen durch und durch gesellschaftlich vermittelt sind und sich eher der Rancune als der Sache schulden. Es handelt sich um Denken in Ressentiments, um einen naiven Realismus. Und auch Kommentatoren oder Kommentatorinnen wie „xmomox“ mit ihrem verdrehten om-om als leerer Hülse können sich ihre Einwortsätze in falscher Kleinschreibung schenken. Wer hier regelmäßig im Blog mitliest, der weiß, worum es bei solchen Photographien geht. Ich habe mittlerweile keine Lust mehr dazu, daß hier irgend jemand für zwei Sekunden in die gute Stube hereinschneit und dann kurz in die Ecke pißt.

Und diese Wiederholungen und immergleichen Diskurse bringen mich im Denken nicht weiter. Daß Kunst von Können kommt und daß sie dem Common sense zu gefallen habe, diese Gespräche führe ich, seit ich 15 Jahre alt bin.

7 Gedanken zu „Einige grundsätzliche Bemerkungen zu den Begriffen Genuß, Geschmack und Gefallen (sowie das wunderbare Wort Jakobsmuschisalat)

  1. Als Gott ist mir die von Ihnen beschworene Trennung der sinnlichen und geistigen Sphäre natürlich fremd. Dennoch möchte ich zur Diskussion beitragen, indem ich einmal mehr darauf hinweise, was meiner entscheidenden Meinung nach Handlung und Werk zur Kunst erhebt: die Potentialität zur Vermittlung von Information, die durch Nicht-Kunst nicht oder nur schwieriger vermittelbar ist.

  2. @ David
    Ja, mit 15 Jahren gehen solche Gespräche noch an, aber wenn man dieselben nach über 30 Jahren immer noch führen muß, fängt’s an langweilig zu werden. Und manchmal können Verbote oder Disziplinierung des Denkens durchaus hilfreich sein, weil sie dazu dienen, sich auf etwas Wesentliches zu besinnen.

  3. Das muß ich jetzt noch loswerden, weil mir das wichtig ist: Das Rezept für diesen Jakobsmuschisalat widerspricht zutiefst meiner überaus frommen Küchenmoral. Es gefällt mir überhaupt nicht!

  4. Wenn ich gehorsam „Kunst und Geschmack“ in dein Suchfeld eingebe, komme ich auf drei Artikel, von denen einer ein Hinweis auf einen Vortrag in Leipzig ist, der zweite eine Bilderserie aus Oberschöneweide und der dritte der hier. Wo soll ich jetzt also lesen, um endlich den richtigen Bildungsstand zu erlangen?

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