„25. November.

Der Weg ist unendlich, da ist nichts abzuziehen, nichts zuzugeben und doch hält jeder noch seine eigene kindliche Elle daran. ‚Gewiß, auch diese Elle Wegs mußt du noch gehen, es wird dir nicht vergessen werden.‘

Nur unser Zeitbegriff läßt uns das Jüngste Gericht so nennen, eigentlich ist es ein Standrecht.“

Franz Kafka, in: Das dritte Oktavheft

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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4 Antworten zu „25. November.

  1. summacumlaude schreibt:

    „Wie bescheiden diese Menschen sind. Sie kommen zu uns bitten. Statt die Anstalt zu stürmen und alles kurz und klein zuschlagen, kommen sie bitten“
    (Ein Jurist der Prager Arbeiter-Unfall-Versicherung mündlich über seine Klienten, bezeugt von einem Freund)

    „Gab es Einwände, die man vergessen hatte? Gewiß gab es solche. Die Logik ist zwar unerschütterlich, aber einem Menschen, der leben will, widersteht sie nicht“

    Ist die Elle der Einwand oder die Logik? Wahrscheinlich der Einwand.

    Bei dem mündlich bezeugten Zitat ist es klar: Das Bitten ist der Einwand, logisch wäre nur das Kurzundkleinschlagen.

    Wie immer sehr anregend und das Bücherherausziehen bewirkend Dein Blog.

  2. Bersarin schreibt:

    Ja, bei Kafka kann man immer wieder gut lesen, und zugleich bleiben diese rätselhaften Stellen, diese „wolkigen Stellen“ wie es in Benjamins Kafka-Aufsatz heißt. Und schließlich erfüllt dieser Blog ja auch einen gewissen Bildungsauftrag. Kafka und Kleist: dieser Zusammenhang besteht bereits über das Moment des Gestischen, das in beiden Werken seinen Ort hat.

    Zu Kafkas Leben sei die sehr gut erzählte, sehr gut geschriebene Biographie von Reiner Stach zu empfehlen (2 dicke Bände), sofern man sich denn biographisch informieren möchte.

    Stach ist zusammen mit Wagenbach und Binder sozusagendie dritte Kafkawitwe.

  3. hf99 schreibt:

    Ah, Bücherrausziehen… Ich bin gerade auf dem Werbeblocktripp. http://renneritz-verlag.de/artikeldetails/kategorie/belletristik/artikel/hanna.html Sorry, aber ich bin beim dritten Lesen begeisterter denn je. Dir, Bersarin, würde ich sogar eines schenken, läse zu und zu gerne, was Du zu dem Buch zu sagen hast.

  4. Bersarin schreibt:

    Es klingt interessant, Deinen Roman will ich ja nun auch noch lesen. Ich hoffe, daß ich irgendwie zu diesen ganzen Dingen komme. Das Leben ist zu kurz. Gott sei Dank, so muß ich alledings hinzufügen.

    „Ich glaube nicht, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, so ein Pessimist bin ich nicht“
    Georg Kreisler

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