Elsaß (3)

Der Elsaß ist nicht bloß eine Landschaft, so wie keine Landschaft nur eine feine, ästhetisch ansprechende Natur- oder Kulturlandschaft ist, in der man vom Unbill des Alltags, den Zumutungen der Arbeitswelt reflexionslos oder im Sinne der Anreicherung sich erholt – Natur und Naturschönes gleichsam als ein Ort ästhetischer Kontemplation. Genauso wie keine Landschaft bloß eine abstoßende oder langweilige Landschaft abgibt, welche ästhetisch betrübt, weil sie arm am Reizen ist. (Letzteres gibt es im Grunde gar nicht. Die Halden des Ruhrgebietes, die norddeutschen Geest- und Marschlandschaften, der Weg zum Brocken hoch im Harz, wo nur noch die Baumstümpfe stehen oder die Moore Ostfrieslands sind alles andere als öde Orte.) Manche halten den Norden mit seiner unendlichen Ebene, wo man morgens sieht, wer abends kommt, für die Ödnis schlechthin, andere Meeresstrände aufgrund ihres ewigen, monotonen Einerlei. Daß dem nicht so sein muß, kann man gut geschildert im Kapitel „Strandspaziergang“ im „Zauberberg“ nachlesen, denn es geht dem Betrachter, dem Versinkenden beim Spaziergang am Meer etwas vom Zeitbewußtsein auf. Dieser Spaziergang stellt innerhalb der Klassischen Moderne die andere Form der Suche nach der verlorenen Zeit dar. Hier geschieht dies über eine Landschaft in der man gewissermaßen das Bewußtsein von der Zeit verliert – wie im Schneegestöber. Bei Proust hingegen ist es ein Ensemble von Eindrücken, das sich verdichtet und in einem Schluck und in dem Geschmack einer Madeleine evoziert wird. Oder man schaue in die „Buddenbrooks“, wo die Ausflüge an die Ostsee und an die Trave geschildert werden. Andere bekommen in den Bergen ihre Beklemmungen, weil alles erdrückt und beengt. Ganz gleich.

Der Elsaß ist, wie keine Landschaft, die in die Reflexion kommt, bloß Landschaft, sondern zugleich eine politische Landschaft. Überformt von der Geschichte, und so sind im Grunde auch sämtliche Bilder, die von einer Landschaft gemacht werden – sei es gemalte oder photographierte – implizit politische und soziale Bilder. Sie zeigen etwas und sparen anderes aus. Die friedliche Landschaft in der Photographie ist keine friedliche Landschaft. Ein Photograph dokumentierte dies kürzlich in einer Ausstellung, indem er großformatige Bilder von ehemaligen Kriegslandschaften oder überhaupt von Erinnerungsorten zeigte, auf denen zu sehen ist, wie es heute dort aussieht.

Der Erste Weltkrieg fand heftigst im Elsaß und in den Vogesen statt. Zahlreiche Kriegsfriedhöfe und Mahnmale erinnern daran. Der Erste Weltkrieg besaß für Frankreich, teils zumindest, einen höheren Symbolgehalt als der Zweite. Die Maginot-Linie wurde ab 1930 errichtet und ist an manchen Stellen noch heute zu besichtigen. Und es findet sich im Elsaß beispielsweise das KZ Natzweiler Struthof. Wer durch die Landschaften und Städte streift, sieht nur scheinbar neutral.

Man versuche einmal, die Landschaftsbilder von C.D. Friedrich oder von Nolde politisch zu lesen bzw. zu sehen.

Jede Naturlandschaft ist immer schon, beim Betrachten, eine Kulturlandschaft. Es gibt keine bloße oder reine Natur. Außer für Bienen oder für Rehe.

Weitere Photographien vom Elsaß gibt es hier zu sehen.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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12 Antworten zu Elsaß (3)

  1. summacumlaude schreibt:

    Möchte noch kurz auf einen weiteren Strandsparziergang hinweisen:

    „Ineluctable modality of the visible: at least that if no more, throught through my eyes. Signatures of all things I am here to read,…..
    Shut your eyes and see.
    Stephen closed his eyes to hear his boots crush crackling wrack and shells.“

    Außerdem:

    „The waves broke on the shore“

    Aber mit Thomas Mann kann man bei mir natürlich auch immer landen. Bei Proust muss ich hingegen passen. Ketzerische Frage: Lohnt er ?!? (Nicht ganz ernst!)
    Wie Du gelesen hast, hielt ich es bisher immer mit dem Katholiken aus Dublin (neben dem Lutherischen Senatorensohn und dem Prager Juden und Juristen). Virginia Woolf habe ich nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Ich anerkenne ihre Stellung und ihr Können, habe sie aber evtl. zu spät kennen gelernt, um sie als unveräußerliche Jugendliebe zu behalten. Ganz selten bricht mal wirklich noch jemand in diese Bastion ein, zuletzt gelang es Roberto Bolano. Was quatsch ich hier: Sei gegrüßt.

  2. Bersarin schreibt:

    Beste Grüße zurück. Das erste Zitat erkannte ich oder meine es erkannt zu haben: aus dem „Ulysses“. Auch dort gibt es in der Tat einen Strandspaziergang.

    Ach, ich habe Virgina Woolf nicht gelesen. In meiner Jugend fing ich eines ihrer Bücher an, langweilte mich, beendete die Lektüre. Hernach waren mir andere Texte wichtiger.

    Ja, Proust: unbedingt lesen. Die Frage, ob er lohnt, fasse ich natürlich als Scherz auf. Wir lesen ja nicht um des Lohnes willen. (Ausgenommen die Lohnschreiber des Feuilletons.) Der Slogan Impressionismus (und Lebensphilosophie) ist natürlich eine unverschämte Verkürzung, aber er trifft doch in seiner Abbreviatur ein wesentliches Moment: das Buch besitzt dieses Flirrende, Momenthafte. Und es entfaltet die Zeit, ist selber ein Stück Philosophie der Zeit. Davon abgesehen, daß es Passagen mit grandiosen Beschreibungen besitzt. Ein Buch aus dem Vorabend und zugleich den Sekunden vor dem ersten Weltkrieg und der Welt danach. Es steht an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert, beschreibt im Grunde den Untergang vom Paris des XIX. Jhds. wie Benjamin es darstellte.

    Roberto Bolanos „2066“ habe ich angefangen, dann wieder zur Seite gelegt. Insofern kann ich mich noch nicht kompetent dazu äußern. Aber da ich diese Geschichte auch nach einiger Zeit der Ruhe noch im Kopf habe, vermute ich, daß diesem Buch eine ganz eigene Qualität zukommt. Zu Beginn fand ich es behäbig, aber dieser Auftakt hat, denke ich, System.

    Die Lektüre der wilden Jugendlichen, des studentischen Hegellesers, des etwas über die Hälfte des Lebens hinausreichenden Arbeitenden bleibt in der Tat Franz Kafka.

  3. summacumlaude schreibt:

    „Ulysses“ stimmt natürlich, es ist Stephens Sparziergang nachdem er bei Mr Deasy war, der ihn darüber belehrt hatte, weswegen Irland das einzige Land in Europa ist, das noch niemals Juden verfolgt hat.

    „Weil es sie nie hereingelassen hat, sagte Mr Deasy feierlich.
    Ein Hustenanfall Gelächter sprang aus seiner Kehle, eine rasselnde Kette Schleim hinter sich herzerrend….
    Es hat sie nie hereingelassen! schrie er noch einmal durch sein Gelächter….Darum!“
    (in der wunderbaren Übertragung Hans Wollschlägers).

    Nach dem Sparziergang (Proteus) betritt Mr Bloom den Bewußtseinsstrom, Blooms day kann beginnen (introibo ad altare dei intonierte Buck Mulligan ganz zu Beginn den Tag wie einen Gottesdienst).

    Ach ja: „2666“ hat mich verändert…

  4. ziggev schreibt:

    Ich bin ein Spätbekehrter. Erst Anfang 30 erkannte ich, dass Literatur eine eigenständige Kunstgattung sein kann, verantwortlich dafür: Proust. Ich fand das bemerkenswert, ich las das letzte Wort, es war, glaube ich, tatsächlich das Wort „Ende“, wenn nicht „ZEIT“, es war dann, als würde der Herzschlag einmal aussetzen, und dann passierte, was mit noch nie passiert war, und seitdem auch so nie wieder, ich hatte nur einen Gedanken, wo ist der erste Band, Seite 1, nochmal!

    Aber jetzt, wo ich dies erkannt hatte, schien es mir etwas zu verrückt, das dann auch noch so zu machen, also: Aha, Literatur ist eine eigenständige Kunstform, er hat´s dir gezeigt, deshalb jetzt nochmal zwei Jahre Proust. Zwei Jahre, denn Auf der Suche nach der verlorenen Zeit kann man nur sommers lesen auf der Rasenterrasse beim einen als Gast aufgenommen habenden Freund, der in diesem luxoriösen Holzhaus inmitten dieses Naturschutzgebietes wohnte, oder auf der Gartenwiese, eigentlich gehörte die schon zur Koppel, die ich mir, lediglich durch einem Zaun voneinander abgetrennt, mit irgendwelchen behaarten Urzeitrindern teilte.

    Also tief durchatmen, das würde noch kommen, worauf ich mich verlassen konnte – ich suchte eben nach einem Wort, schließlich kam ich auf nichts anderes als: „mit Notwendigkeit“ ;-) Klar, so kam es auch.

    Außerdem hatte die Ex meines Gastgebers ihre Bücher dagelassen und Virginia Woolf lächelte mich irgendwie an. Auf Prousts Strände muss ja nicht extra hingewiesen werden, und was sich dort ereignete. (Nabokov jetzt mal ganz außen vor.) Auch Virginia Woolfs ‚Jacobs Zimmer‘ beginnt mit einem Strandspaziergang, der kleine Jacob findet einen Schafschädel im Sand. (Verrückt, an die Strandszene im Zauberberg kann ich mich gar nicht erinnern, obwohl ich ihn noch vor dem 30 Jahr zweimal gelesen hatte, weil ich das Gefühl hatte, beim ersten Mal den Witz des Ganzen Unternehmens nicht ganz mitbekommen zu haben, aber die Bekehrung erfolgte ja auch erst später.)

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Kulturlandschaft, die dem Städter womöglich bereits als Natur gilt, die es in Deutschland ja fast ausschließlich, abgesehen von Industrie- und Stadtlandschaften, noch gibt, eher lesbar ist, weil sie weiter ist, gestreckt ist, weil die Eintragungen in diesem Skript anfangen, nebeneinander zu liegen, das Palimpsestartige reibt sich irgendwie auf, es gibt weniger Überschreibungen (sorry, dass ich mit solchen postmodern anmutenden Ideen ankomme, den von Postmoderne hab ich ja nun wirklich keine Ahnung, aber trotzdem, exakt so ging es mir durch den Kopf), aber dann steigt zwischen den Graßhalmen und den Kuhfladen, den Zäunen, den Knicks, den jungen Buchen etwas auf, das ich auch dann noch zu riechen vermeine, es roch irgendwie nach Blut, wenn ich aus einem solchen Alptraum mit einem seltsamen Deja-vu verschreckt aufwache.

  5. Bersarin schreibt:

    @ summacumlaude
    Einmal dem Ruf der Nachtglocke gefolgt … Einmal geschrieben und nicht genau nachgesehen, sondern aus dem Gedächtnis reproduziert und schon läuft es falsch. Denn natürlich heißt das Buch von Bolano „2666“ und nicht „2066“.

  6. Bersarin schreibt:

    @ ziggev
    Danke für Deine Bericht zu Proust. Ich schreibe Dir, sofern ich dann noch mag, morgen, da ich gerade nicht schreiben kann, weil ich im Moment bloß noch im Modus des Photoentwickelns funktioniere und mich nun wieder an meine Photographien setzte. Einen Riesling aus dem Elsaß mir einschänkend.

  7. summacumlaude schreibt:

    – es ist niemals gutzumachen.

    Am Ende des Sparziergangs sieht Stephen dann ja einen „Threemaster“, der „upstream“ den Fluß hinauf, also zur Quelle zum Ursprung fährt. „silently moving, a silent ship“. Gut, das ist dann Odysseus Schiff auf dem Weg zur Quelle, also zum weiblichen Schoß, in den es am nächsten Morgen hineinsegeln wird. Man merkt es schon: Wie alle großen Schriftsteller bietet auch Joyce große Projektionsflächen an, die man betreten kann, aber natürlich nicht betreten muß. Bei Proust wird es ähnlich sein.

    Natur – Kultur. Ja, der reine Naturraum ist verschwunden, aber gibt es den reinen Kulturraum? Auch da bricht doch immer wieder das Gras durch den Asphalt.

  8. Bersarin schreibt:

    @ ziggev
    Es ist Deine Sicht auf das Buch auch so etwas, das Hans Robert Jauß oder Martin Seel in ihrer Ästhetik mit der kontemplativen Haltung bezeichnen würde, sozusagen das Prozeß- und Ereignisshafte, was sich nicht im Werk, sondern als Rezeptionserfahrung in der Konfrontation bzw. dem Zusammengehen mit dem Werk abspielt. Ich selber thematisiere diese Erfahrungen einer Rezeption zwar weniger, weil es mir eher um die Strukturen des Werkes geht, wenngleich ich solche Erfahrungen natürlich hochinteressant finde. Die ersten Lektüren in der Jugend, als man die Welt noch vor sich hatte und diese weit und offen war, sind die wunderbarsten gewesen. Das erste Mal Kafka. Fast so schön wie das erste Mal Frau. ,-) Dieser Rausch, dieser Schlag. Solcher Erfahrung teilhaft zu werden, sie hervorzuschreiben, sich daran zu erinnern und zu besinnen, ist eine große Kunst – womit wir bei Proust wären. Aber die Unmittelbarkeit ist zugleich eine vermittelte. All dieser Aspekte gewahr zu werden, sie zu schreiben, ist dann ein Stück angewandte Ästhetik und im besten Fall sogar Literatur.

    @ summacumlaude
    Nein, auch den reinen Kulturraum gibt es wohl nicht.

    Joyce ist bei mir schon sehr lange her, ich habe ihn Mitte der 80er gelesen. Sicherlich bietet Joyce, auch im Sinne der Arno Schmidten Etym-Theorie, die Mehrfachcodierung und damit die Projektionsflächen an, insbesondere über jenen Strom des Bewußtseins, der in seinem Reichtum an Assoziation, auch im Sinne einer literaturtheoretischen Psychoanalyse, der Auslegung und Interpretation bzw. der Dekodierung gut zugänglich ist. Und durch die Aspekte der Mythologie ja sowieso.

    Der Abschlußmonolog der Penelope/Molly: das ist ein wunderbares Strömen, Fließen, Sich-ergießen in einer Sprache, die sich diesem Fluß anverwandelt, um sich in dieses große wunderbare Ja zu verströmen,. gleichsam als Rausch.

    Auf alle Fälle aber befinden wir uns hier auf der besten Höhe autonomer Kunst. Die sogennante Klassische Moderne ist, ob in der Literatur oder der bildenden Kunst, eine der bedeutsamsten Epoche. Explosionsartig.

  9. ziggev schreibt:

    klar, es ist eine kontemplative Haltung – welche könnte man nach Proust denn noch eigentlich noch einnehmen? Keine Antwort !! da bliebe nur Proust.

  10. summacumlaude schreibt:

    Zum Schluß Euch Beide bestätigend nur noch dieses: Romane wie der „Ulysses“ (neben den anderen hier erwähnten) sind natürlich Kulturräume, aber Räume, die auch zum Ausbruch drängen. Mollys Monolog ist ein gestalteter Raum – also Kultur -, der den Wunsch nach Natur ebenso ausdrückt wie aufsaugt. Die zu Recht berühmt gewordene, interpunktionslose Diktion hat Joyce ja von seiner so gar nicht kulturell besaiteten Frau Nora Barnacle übernommen, „geklaut“(?). Geklaut ja, aber gestaltet hat James Joyce die Sprache.
    Und was bestimmt uns nun Natur oder Kultur, Nora oder James, Molly oder Leopold, Penelope oder Odysseus? – na abersoeinfachissasnich.

    Den Isenheimer Altar sah ich selbst mit zarten 17 Jahren; es gilt das oben Gesagte über die Unveräußerlichkeit der Jugendliebe. Solche Erfahrungen lassen mich das manches Mal von Privatesoterikern postulierte „zurück zur Natur“ ablehnen. Es geht – im Kleistjahr sei dieser Hinweis erlaubt – nur durch die Unendlichkeit hindurch um zur reinen Grazie zurück zu finden. Ich lasse alle Erkenntnis, alle Reflexion und alles Wissen einfach fallen und finde dann schwuppdiwupp und automatisch zu den Fähigkeiten des nur Natur darstellenden, bewußtseinslosen Bären? – nein das ist nicht möglich.

    Vom Elsaß zum Joyce zum Kleist – so schnell gehts, wenn die Assoziationen ins Kraut schießen.

  11. Bersarin schreibt:

    Nach Proust kann man keine Haltung mehr einnehme. Aber das liegt nicht an Proust, sondern daran, daß der für die Haltung nötigen Subjektivität die Puste ausgegangen ist.

    Insofern bleibt nur der kalte Blick des Ästhetikers sowie das Seziermesser übrig.

  12. ziggev schreibt:

    Ja, das sehe ich ein. Habs ja versucht, zum Leidwesen meiner damals auf einer Stehhilfe bzw. hydrolaugisch geferdertem Stehstuhl sich befindenden Schreibmaschine mit der Unmittelbarkeit und dem, da kannte ich den Ausdruck noch nicht, Stream of Consciousness, mit ausgestanzten Os und so fort, die jederzeit, auch so für´s im Vorbeigehen, bereitstand. (Ich habe übrigens einen großen Papierkorb, manchmal genannt auch Registraturschrank.)

    Aber, Hm. Das ist ja ein atemberaubende Antwort auf meine Frage, danke übrigens, dass du solche auch als solche verstanden hast und mir eine Antwort bietest, die nachdenkenswert ist, und an dieser Stelle werde ich versuchen weiter nachzudenken.

    Ich muss also eingestehen, ziggev, jetzt wird´s für dich eng, also deine Existenz ist bedroht, denn um den Gegenbeweis anzutreten, habe ich mir ja diese Trollexistenz ausgedacht. Ich wollte die Subjektivität retten! Oder liegt es an der Meditationserfahrung, klar, das ist kein Argument, sondern nur wieder subjektivistische Selbstbespiegelung, die mich dazu bringt, auf dem Weg morgens zum Bahnhof durch das kleine Waldstück 5 Minuten lang einfach nur aufzuatmen, dankbar zu sein, das sage ich nicht nur so, für diese Eindrücke, die Luft, die Sonnenaufgangswolken, die, je nach Jahreszeit, sprießenden Blätter, oder die kahlen Bäume, die sich gegen Morgenhimmel abzeichnen. „*———————-7“ (das war Ratti, der Unmittelbarste, wennschon, dann aber richtig zitiert ) WOW, juchuu, geil, danke!, jeden Morgen, so gehst du durch die Welt, wenn du dich wirklich auf die Subjektivität konzentrierst.

    Was selbstverständlich die Bewunderung für Proust und die Ehrfurcht vor Joyce und Woolf kein bisschen schmälert, sondern die Lust, die zu lesen, nur noch steigert.

    Aber vor lauter Atemlosigkeit sollte ich vielleicht wieder einmal öfter Jogging gehen, zwischen den kahlen Bäumen. Ganz entschieden scheint mir die Sache jedoch nicht, stellvertretnd und röchelnd quasi, gebe ich hier meinen Übersetzungsversuch einer Stelle von Kerouac:

    „Wir sind Nebel und wir fliegen, indem wir uns auflösen wie Eintagsfieber‘, und die Blätter sagen ‚Wir sind Blätter und wir bewegen uns im Wind, das ist alles, wir kommen und wir gehen, wir wachsen und fallen herunter‘ – Selbst die Papiertüten in meiner Abfallgrube sagen ‚Wir sind von Menschen verwandelte Papiertüten, aus Zellstoff hergestellt, wir sind irgendwie stolz, Papiertüten zu sein, solange es möglich sein wird, aber wir werden wieder zu Brei werden zusammen mit unseren Schwestern in der Regenzeit‘ – Die Baumstümpfe sagen ‚Wir sind Baumstümpfe, ausgerissen von Menschen, manchmal vom Wind, wir haben große Wurzeln voller Erde, die aus der Erde trinken‘ – Leute sagen ‚Wir sind Leute, wir ziehen Baumstümpfe heraus, wir machen gute Papiertüten, wir denken weise Gedanken, machen Abendessen, sehen uns um, wir machen eine große Sache daraus, zu erkennen, dass alles dasselbe ist‘. „

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