Abwesenheitsnotiz – 13. August 1961

Tonspur zum Sonntag – 13. August 1961: so wollte ich ursprünglich diesen Beitrag samt dieses Videos nennen, aber am Ende erschien es mir doch zu zynisch, denn die Opfer an der Grenze sind real; es war dies kein Ulk und kein Karneval. Lustig ist dieses Stückchen dennoch und der Text dazu nicht einmal völlig falsch. Die ganze Absurdität ist im Grunde großartig. Zugleich müßte dieses Video mit einem die Satire erklärenden Kommentar versehen werden, weil ansonsten die Empörung der sogenannten rechtschaffenen Menschen einsetzt. Aber nach einer Litanei von Erläuterungen ist es eben keine Satire mehr. Ja, empört Euch. Doch an der richtigen Stelle. Über die sogenannte Mauer, über die Opfer im Todesstreifen empörtet Ihr Euch seit Jahrzehnten, regtet Euch auf. Das fiel leicht.  Wer jedoch vom Kapitalismus nicht reden will, der soll auch bei den Mauertoten und bei denen, die im Stasiknast gebrochen wurden oder einfach verreckten, die Klappe halten. Am Samstag soll in Berlin eine oder fünf oder was was ich wie lange Minuten geschwiegen werden. Als ob nicht genug geschwiegen wird über ganz andere Dinge. Es sind diese Rituale so verlogen, daß einer kotzen möchte.

Wir danken im Rahmen dieses 13. August  insbesondere den Grenzschützern von Frontex, welche den Zugang nach Europa regeln und die inzwischen viel gelernt haben,  ihr Handwerk auf eine sehr viel subtilere Weise betreiben als die Postengänger und deren Befehlshaber. Wir danken ihnen für ihren unermüdlichen, natürlich auf der Basis des Rechts abgesicherten Einsatz. So muß man es nämlich machen, liebe untergegangene DDR, ohne viel Aufsehen und ohne große Worte, unter der Beibehaltung der Illusion, daß hier die Medien frei über alles berichten können. Sandmann, lieber Sandmann. Daß diese Medien es natürlich nicht tun und ein absaufendes oder von der Marine aufgebrachtes Boot im Mittelmeer mit mehreren Toten kaum eine Spaltennachricht wert ist: da muß man schon sagen: Gute Leistung. Die Grenztruppen der DDR waren gegen Euch Lappen. Über Euch aber berichtet keiner. Ihr tötet still und leise, durch Unterlassen zum Beispiel, alles zu unserem Segen. Doch auch Ihr seid nur Büttel, Vollzugsorgane, das klingt so abstrakt und unsinnlich wie Geschlechtsorgane; und trotzdem seid Ihr Fleisch von ihrem Fleisch. Ihr tut das für unsere gut gedeckten Tische.

Aber wie sprach schon Karl Valentin: Wie gut, daß in der Zeitung immer genau das drinnen steht, was in der Welt geschieht, kein Jota mehr, keines weniger.

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Ansonsten kündige ich an, daß ich zwei Wochen im Urlaub bin. Einmal wieder geht es durch Deutschland, unsere Heimat; diesmal reise ich in das schöne Elsaß, und sicherlich bringe ich mir von dort viel Wein mit, insofern nicht die Gitarre und die Koffer jener Frau, mit der ich zusammen reise, den ganzen Stauraum einnehmen.

Der Blog ist natürlich in diesen zwei Wochen geschlossen. Die Kommentarfunktion hier und bei Proteus Image abgeschaltet. Ich bin Offline, lese nicht im Internet, lese keine Blogs. Es kann zwar hier im Blog kommentiert werden, aber der Kommentar wird nicht gesendet, sondern erst nach meiner Rückkehr freigeschaltet. Neue Texte (oder ggf. Antworten auf Kommentare) schreibe ich , wenn ich von meiner Reise zurück bin in der bei Aisthesis gewohnten Qualität.

Gehaben Sie  sich wohl, liebe Leserinnen und Leser, machen Sie sich eine schöne Zeit und ansonsten viel Spaß, wo auch immer Sie sich befinden.

 

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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2 Antworten zu Abwesenheitsnotiz – 13. August 1961

  1. irisnebel schreibt:

    gute reise und schoene erlebnisse (ohne die medien)!

  2. Bersarin schreibt:

    Vielen Dank. Und nun bin ich wieder zurück, bestens erholt, ohne Medien. Es fällt mir lediglich schwer, in der Routine die Tastatur zu benutzen

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