Lauenburg (2). „Frau Doktor, das ist schön von Euch …“

Zunächst einige weitere Bilder aus Lauenburg, die es wie immer hier zu sehen gibt, um sodann abzugleiten in ein ganz anderes Thema.

Ich schätze und liebe, wie man diesem Blog an der einen oder anderen Stelle entnehmen kann, die Frauen sehr. Ich mag dominante und starke Frauen, ich mag aber genauso die entschlußschwachen, die unentschlossenen, melancholischen, sogar die halbherzigen Frauen und auch die kalten mag ich und bin da sehr offen. Da kann man jetzt sagen: der ist halt nicht wählerisch, aber das stimmt leider nicht. Ich bin sehr wählerisch und nehme es mit diesen Dingen äußerst genau. Insofern werden Leserin und Leser in diesem Blog niemals Invektiven gegen Frauen vermuten und finden, nicht einmal im Subtext. Je mehr Frauen, desto besser. Allein, allein, heute ist so ein Tag, da müßte ich ein wenig beichten und bekennen. Das philosophische Wesen in mir sträubt sich zwar, das preiszugeben, was womöglich sogleich folgen könnte, doch das Erzählerische in mir drängt und sagt: „Komm, mach schon!“

Also gut: es ist eine läßliche Sünde, dennoch: Ich lasse mich nicht gerne von Ärztinnen behandeln; von Ärzten ja, aber ich gehe nie mehr zu einer Ärztin. Ich habe einen extremen Widerwillen gegen Ärztinnen, insofern sie mir als Ärztin begegnet und nicht auf irgend einer bekloppten Vernissage oder in der Straßenbahn. Ich habe mit Ärztinnen nur Pech gehabt. Ich dachte, es ist sicherlich ein Vorurteil, beim nächsten Ärztinnenbesuch wird alles anders, Du mußt da nur mit der nötigen Zuversicht herangehen und die Praxis der Ärztin betreten, aber bis auf einen Ärztinnenbesuch bei einer (sehr guten) Internistin war es immer gleich: Irgend etwas lief schief. Immer, bei jedem Ärztinnenbesuch. Man sagt sich immer wieder als Selbstmotivation und um Vorurteile abzubauen: probiere es ruhig noch einmal aus, begib dich zu einer Ärztin, nicht zu seinem Arzt.

So auch gestern, als ich wegen einer Erkältung zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt überwiesen werden mußte, der aber keine Arzt war, wie an der Praxistür stand, sondern eine Ärztin, wie ich beim Eintreten bemerkte. Daß die Ärztin mir in den Mund schaut, hatte ich erwartet, aber daß sie wegen einer läppischen Erkältung ohne weitere Beschwerden – keine Ohrenschmerzen, keine verstopfte Nase, nur Husten und Halsweh – sogleich mit einem Leuchtstab von 30 cm Länge in meine Nase hinein will, das war denn doch zu viel des Guten. Schließlich habe ich bloß eine Erkältung und mir nicht die Nasenscheidewand weggekokst. Am Ende hat die Ärztin nachgegeben und meinte: „Also gut, wenn sie nicht wollen.“

Es fing als Kind bei der Zahnärztin an, die eine uralte und wie mir schien auch gebrechliche Frau war, die Mundgeruch hatte und Praxisgeräte, die sogar mir als damals 9- oder 10-Jährigem eher antiquiert denn modern vorkamen. Im Berliner Technikmuseum bspw. finden sich solche Gerätschaften.

Während meines Studiums mußte ich wegen unerträglicher Zahnschmerzen zu einer Notzahnärztin. Diese bohrte und bohrte, machte und tat, bohrte weitere Zähne auf, bis sie meinte, sie könne nichts finden, ich müsse zu einem anderen Zahnarzt gehen.

Ein andermal, in einer anderen Stadt, mußte aus Not ein Zahn gezogen werden: und an wen geriet ich? – an eine junge, etwa 30-Jährige Frau, die zwar sehr attraktiv war, mit einem Zungenpiercing und Haaren, wie ich es mag, aber derart klein und zierlich gebaut, daß ich mir bereits im Vorfeld dachte: „Na, ob das wohl gut und vor allem schnelle über die Bühne geht?“ Ging es nicht. Wie erwartet. Und auch hinterher war es so schlimm, daß ich vorzeitig die Arbeit abbrach. Ansonsten machen mir solche Frauen nicht viel aus. Aber hier paßte es gerade nicht so gut.

Eine meiner praktischen Ärztinnen war zwar sehr nett, aber die Chemie stimmte trotzdem nicht, auch wollte sie mir und meiner damaligen Freundin beständig homöopathisches Zeug aufschwatzen. Die Freundin hat sich dann irgendwelche Kügelchen bestellt, die natürlich den Heuschnupfen oder was immer es war, nicht im geringsten beseitigten. Für diese 150 EUR hätten wir uns einen fetten Essens- und Trinkabend geben können.

Als ich an eine Betriebsärztin geriet, die mich zur Einstellung für ein Arbeitsverhältnis untersuchte, ging es anfangs ganz normal ab, doch ihre Fragen am mich gerieten dann im Laufe der Untersuchung immer merkwürdiger: ob ich eine Freundin habe, wie oft wir Sex hätten und wie erfüllt unser Sexualleben sei. Dann mußte ich mich hinlegen und sie betastete sehr lange und intensiv meinen Bauch. Es geschah sonst nichts, was gegen meinen Willen war, aber eigenartig wirkte es trotzdem. Ich weiß nicht, ob es üblich ist, solche Fragen zu stellen. Ich habe mich ja nicht für einen Escort-Service beworben und wollte auch nicht der Mann für gewisse Stunden werden.

4 Gedanken zu „Lauenburg (2). „Frau Doktor, das ist schön von Euch …“

  1. Vielen Dank. Das Ziehen des Zahnes jedoch war trotz einer sehr schönen Frau, bei der ich aufgrund der Umstände doch sehr krampfhaft die Augen schloß, nicht ganz so schön. Ich hätte sie lieber in anderen Umständen über mir gehabt. Aber es ist das Leben kein Wunschkonzert. Und so bin ich mittlerweile auf viele Härten vorbereitet. Ingeborg Bachmann wußte es: es kommen härtere Zeiten.

  2. Nein, nein, ich denke, daß eher ich in anderen Umständen war. Ansonsten schließe ich ja nicht die Augen, wenn einem so viel Schönes widerfährt

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