Twin Peaks

Ich habe dieses freudige Ereignis meinen Leserinnen und Lesern noch gar nicht mitgeteilt, weil ich erst gestern wieder in die Fernsehzeitung hineinschaute, welche meiner Tageszeitung beiliegt. Für die nun, welche genauso wenig fernsehen wie ich, möchte ich diesen Tip abgeben: es gibt wieder die grandiose und großartige Serie „Twin Peaks“ des Regisseurs David Lynch auf Arte, und zwar immer Dienstagabend, heute so ab 22.35 Uhr, jeweils gleich zwei Folgen hintereinander.

Diese Serie ist derart fein und genau konstruiert, das Geschehen entwickelt sich langsam, baut sich auf. Und obwohl nicht bei jeder Folge Lynch die Regie führt, ist diese Serie doch aus einem Guß, zumindest bis zur Hälfte hin, nach der dann die Auflösung des Kriminalfalls kommt. Ich habe die Lösung beim ersten Sehen bereits nach der dritten Folge gewußt. Professionelle Deformation.

Kleinstadtidylle und der äußerste Schrecken begegnen sich, auch dies ein Motiv für den Reiz. Dazu ein attraktiver, witziger, intelligenter und sehr unkonventionell agierender FBI-Agent, der auf einen sehr angenehmen Sheriff trifft. Natürlich: die Serie spielt mit den Klischees, aber dies macht sie gut, so daß es ansehbar ist.

Oh, wie freue ich mich auf meine geliebte Audrey Horne. Ein Frauentyp, bei dem ich schwach werde, diese Art sich zu geben, sich zu bewegen. Und dann erst der Gerichtsmediziner Albert Rosenfield. Ach, ich gerate ins Schwärmen, und man sollte ein Kunstwerk in keinem Falle identifikatorisch wahrnehmen. Aber ein kleines Moment der unmittelbaren Lust sei bei dieser grandiosen Serie, die ich jeder Leserin, jedem Leser anempfehle, doch erlaubt. Und wie hieß bereits ein Aufsatz von Roland Barthes?: „Die Lust am Text“. Ein Titel, den ich immer sehr schätzte, ohne dabei aber sogleich dem unvermittelten Verlangen anheimzufallen.

So, und nun viel Vergnügen mit einer der besten Fernsehserien, die es gibt. Und wer weiß: vielleicht fühle ich mich durch diese Wiederholung inspiriert, zu Twin Peaks etwas zu schreiben.

2 Gedanken zu „Twin Peaks

  1. Eine gelungene Empfehlung, lieber Bersarin!

    Auch ich habe mir letzte Woche nach langer Zeit noch eimal den Piloten zu dieser Serie
    angesehen und musste für mich feststellen, das dieser auch nach knapp 20(!) Jahren, die zwischen der Erstausstrahlung auf RTL und heute liegen, nichts von seinem Zauber und seiner Sogwirkung eingebüßt hat!

    Als damals die erste Folge geendet hatte, konnte ich gar nicht fassen, was ich da gerade (eher zufällig) gesehen hatte, so aussergewöhnlich war die Art des Erzählens, so beindruckend war die Musik (auch Juliee Cruise mit ihrer ungewöhnlichen Stimmlage sei hierbei ausdrücklich erwähnt) so cool, attraktiv und eigen waren die Charaktere und so bedrohlich war der subtile Albtraumhorror: Wer außer David Lynch würde es fertig bringen, eine vergleichbar bedrückend- und unheimliche Atmosphäre mittels Szenerien zu erschaffen, in der eigentlich nur ein sich kreisender Deckenventilator zu sehen ist?

    Letzten Dienstag ist mir wie 1991 erneut der Atem gestockt, als am Ende der ersten Folge die schwarze Motorradfahrer-Lederhandschuhhand (verfolgt durch eine wackelnde Handkamera, was 1989 noch wirklich revolutionär war) in finsterer Nacht die zweite Gebrochene-Herzkettenhälfte, die Donna Hayward und James Hurley doch gerade erst so verschwörerisch verbuddelt hatten, wieder ausgegraben hat!

    Und wie Ihnen, hat diesen Dienstag Agent Albert Rosenfield auch mir erneut die Tränen in die Augen getrieben, weil ich mittlerweile ganz vergessen hatte, dass er im Streit Sheriff Truman als „sprechenden Heuhaufen“ betitelt.

    Was auffällig aus heutiger Perspektive ist, ist der amerikanische Glamour den diese Serie versprüht.
    Da hat sich nach Präsident Bush offenbar gewaltig viel verändert, wie ich schmerzlich feststellen muss.
    …Aber es ist schön, so noch einmal in dieses „Vor-Bush-Amerika“ eintauchen zu können!

    In der Hoffnung auf mehr Einträge zu diesem schönen Thema ihrerseits,

    Ihr Schinkenbrot

  2. Ja, wie alle Filme von David Lynch ist diese Serie begeisternd. Auch mir fiel letzten Dienstag wieder dieses sehr Amerikanische auf, wobei ich korrigieren muß, daß es die Vor-Georg-W.-Bush-Ära war, denn die Serie fiel genau in die Anfangsjahre der Regierungszeit des Vaters. Zumindest aber ist es ein idealtypisches Kleinstadtamerika der späten 80er Jahre.

    Immer wieder, bei jedem neuen Sehen gibt es weitere Aspekte in den Folgen zu entdecken. Manches freilich ist dieser Zeit der späten 80er, frühen 90er geschuldet, das geht und gibt es heute nicht mehr; auch die Effekte des Grusels – Bob und Mike – kann man heute nicht mehr so machen. In den späteren Filmen wird Lynch diesbezüglich auch subtiler.

    Ich hoffe sehr, daß ich hier im Blog ein wenig berichten kann, vermute jedoch, daß sich wenige nur für dieses Thema Twin Peaks interessieren.

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