Autopoiesis und Selbstreferenz des Systems Kunst – Dschungelbilder, Mallorca

Das System Kunst bezieht sich zuweilen auf sich selbst, zitiert sich, spielt auf sich an, treibt sich im Selbstbezug weiter, verweist auf Vergangenes, auf Tradition. Einzelne Werk erweisen Referenzen, indem sie – implizit oder explizit – auf andere Werke deutet.

Und so gibt es im Rahmen des Verweises auch hier auf Proteus Image neue Photographien, neue Bilder aus dem Paradies. Seien dies nun die neuen, die alten oder die künstlichen Paradiese. Was passierte, wenn ich mich mit diesen Photographien bei einer Kunsthochschule bewerben würde und was geschähe, wenn Thomas Struth das macht oder diese Bilder bei seinem Galeristen einreichte? Eine interessante Frage.

„Die Tradition ist nicht abstrakt zu negieren, sondern unnaiv nach dem gegenwärtigen Stand zu kritisieren: so konstituiert das Gegenwärtige das Vergangene. Nichts ist unbesehen, nur weil es vorhanden ist und einst etwas galt, zu übernehmen, nichts aber auch erledigt, weil es verging; Zeit allein ist kein Kriterium. Ein unabsehbarer Vorrat von Vergangenem erweist immanent sich als unzulänglich, ohne daß die betroffenen Gebilde es an Ort und Stelle und fürs Bewußtsein ihrer eigenen Periode gewesen wären. Die Mängel werden durch den zeitlichen Verlauf demaskiert, sind aber solche der objektiven Qualität, nicht des wechselnden Geschmacks. – Nur das je Fortgeschrittenste hat Chance gegen den Zerfall in der Zeit. Im Nachleben der Werke jedoch werden qualitative Differenzen offenbar, die keineswegs mit dem Grad an Modernität zu ihrer Periode koinzidieren. In dem geheimen bellum omnium contra omnes, das die Geschichte der Kunst erfüllt, mag als Vergangenes das ältere Moderne über das neuere siegen. Nicht daß eines Tages das par ordre du jour Altmodische sich als dauerhafter, gediegener bewähren könnte als das Avancierte. Hoffnung auf Renaissancen der Pfitzner und Sibelius, der Carossa oder Hans Thoma sagen mehr über die, welche sie hegen, als über die Wertbeständigkeit von derlei Seele. Wohl aber können durch geschichtliche Entfaltung, durch correspondance mit Späterem Werke sich aktualisieren: Namen wie Gesualdo da Venosa, Greco, Turner, Büchner sind allbekannte Exempel, nicht zufällig wiederentdeckt nach dem Bruch der kontinuierlichen Tradition. Selbst Gebilde, die technisch den Standard ihrer Periode noch nicht erreicht hatten, wie die früheren Symphonien von Mahler, kommunizieren mit Späterem, und zwar gerade vermöge dessen, was sie von ihrer Zeit trennte. Seine Musik hat ihr Fortgeschrittenstes am zugleich ungeschickten und sachlichen Refus des neuromantischen Klangrauschs, aber der Refus war seinerseits skandalös, ähnlich modern vielleicht wie die Simplifikationen Van Goghs und der Fauves gegenüber dem Impressionismus.“

(Th. W. Adorno, Ästhetische Theorie, S. 67-68, in: GS 7):

Unter den Gefahren neuer Kunst ist die ärgste die des Gefahrlosen“ (ÄT, S. 51), so schreibt Adorno an einer anderen Stelle. Kunst nimmt Vergangenes in die Reflexion und in die Kritik, greift Formen auf und verändert sie. Dies berührt zugleich das Vergangene. Auch wenn Zeit kein Kriterium ist, so bleibt die Wahrheit dennoch an einen Zeitkern gebunden. Diese Stelle aus Benjamins Passagenwerk kann man gar nicht häufig genug wiederholen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.