Zum Tod von Liz Taylor

„Die Katze auf dem heißen Blechdach“ – das ist ein ungebrochen guter (amerikanischer) Film. Zynisch, witzig, hart. Und Liz Tylor spielt eine Frau, die kämpfen kann, und Paul Newman spielt einen Typen, der auch dieser Blogbetreiber hier sein könnte.

Gute Reise, Liz Taylor …

14 Gedanken zu „Zum Tod von Liz Taylor

  1. Religion ist in der Regel von Übel, um so weniger aber die Theologie, welche im Grandhotel Abgrund durchaus ihren Platz hat. Und schon Walter Benjamin eröffnete „Über den Begriff der Geschichte“ mit jenem bekannten Bilde.

  2. Ich muss doch mal anmerken, dass ich „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ mal ab von dieser dämlichen Schwãgerin weder witzig noch zynisch finde – das ist eine erstklassige Tragödie voller Emphatie für seine Figuren.

  3. Ich dagegen finde, es handelt sich um eine erstklassige, witzige und zynische Tragödie voller Emphatie für seine Figuren.

  4. Ich dagegen finde, es handelt sich um eine erstklassige, witzige und zynische Tragödie voller Emphatie für ihre Figuren.

  5. Die Geschichte ist von ihrer Konzeption her natürlich eine Tragödie. Das Komische ergibt sich aber in der Zeichnung mancher Figuren, so der Bruder Gooper, seine Frau oder die Kinder („halslose Ungeheuer“, großartige Benennung). Ich mußte stellenweise sehr lachen, wenngleich einem dieses Lachen im Halse stecken bleibt bzw. bitter gerät. Zynisch etwa ist der Vater („Big Daddy“), ist der Sohn Brick.

    Das Interessante an den Tragödien ist, wenn sie komische Elemente enthalten, aber zugleich doch als Tragödie bestehen bleiben, ohne nun in den Klamauk oder ins Triviale abzugleiten.

  6. Na ja, das letzte gilt so allgemein freilich immer ;-) – aber in dieser Szene auf der Kellertreppe (?) zwischen Big Daddy und Paul Newman entfaltet sich ja was ganz anderes als Zynismus, z.B.. Und denkt man sich das, was Hollywood raus zensiert hat, im Stück aber drin ist, als Backstory noch hinzu, dann ist das nicht zynisch.

    Diese Bruderfamilie ist tatsächlich lustig, ja. Zudem wir uns ja alle einig sind, dass das schon ein echtes Meisterwerk ist, dieser Film …

  7. Den letzten Satz meinte ich auch eher allgemein, ich wollte zudem noch etwas zur griechischen Tragödie schreiben, aber das führte wohl zu weit ab.

    Was den Zynismus betrifft, so habe ich die entsprechenden Stellen nicht mehr im Kopf, da es drei oder vier Jahre her ist, daß ich den Film sah. Müßte ich noch einmal nachsehen. Ich gebe sozusagen meinen Eindruck von dem wieder, was hängengeblieben ist.

    Im Urteil zum Filmes sind wir uns in der Tat einig.

    Da liegt dann übrigens für mich auch noch einmal dieser Bruch, Du schriebst das bei Dir drüben auch unter den Kommentaren zu dem Text über „Meinungen“: daß Adorno in seinem Vorbehalt gegen die Kulturindustrie völlig recht hat und daß sich einem dennoch etwas sträubt. Bezüglich des Films geht es mir da auch so. Insofern fand ich Deinen Satz sehr treffend: „Ebenso finde ich beim Kulturindustrie-Kapitel manchmal alles falsch, und ist trotzdem so wahr, dass eh weh tut. Das habe ich bisher in meinem Kopf nicht austariert bekommen.“

    Gerade Hollywood-Filme aus diese Zeit sind zum Teil großartig. Ich denke etwa an „Wer die Nachtigall stört“, „Die Nacht des Jäger“ oder „Die zwölf Geschworenen“. Ich sehe zwar einerseits genau, worauf Adorno hinaus will – die Kritik ist in solchen Filmen gleichsam eingeparkt und entschärft zugleich –, dennoch entstanden im Kino dieser Zeit ganz großartige Filme, insbesondere von der Bildsprache her. Natürlich ist „Wer die Nachtigall stört“ hineingepreßte Moral und zugleich hat dieser Film etwas seltsam Berührendes. (Freilich kann es sein, daß ich das heute anders sehe. Es ist auch bei diesem Film einige Jahre her, daß ich ihn sah.) Der Film übt zudem in den Hochzeiten des Rassismus in den USA (politische) Kritik an diesem. Und das ist ihm nicht gering anzurechnen. Er ist insofern pädagogisch, und manchmal ist eine solche Form des Hinweisens nicht ganz falsch, wenngleich ich einige Skepsis dabei habe – auch gegen das Kino als geistig.moralische Lehranstalt. (Da hätten wir doch eigentlich wieder ein gutes, kontroverses Blog-Thema.) ;-) Ich hatte ja sowieso vor, hier einmal die zwanzig gelungensten Filme zu besprechen – freilich nach subjektiver Manier ausgewählt.

  8. Es gibt ja zugleich diese wundervolle, kurze Passage in dem „Filmplakate“-Text von ihm, da er auf öffentlich knutschende Pärchen, sinngemäß, verweist, das zurück führt auf den Einfluss der Kulturindustrie und schon auch anerkennt, dass sie das Gegengift zu ihren eigenen Lügen im Keim enthalten könnte. Manchmal vergisst man ja, WIE ungeheuer prüde das war, als sie die DdA geschrieben haben.

    Kommt immer auch ein bißchen drauf an, davon bin ich schon noch überzeugt, ob man nun die Utopie oder eher sozialdemokratisch die Lindering anpeilt oder im Hinterkopf hat. Und die „Katze auf dem heißen Blechdach“ hat schon einigermaßen mehrdimensionale Hauptfiguren, die in ihrer Verzweiflung und Leidensfähigkeit nun gerade nicht auf eine Art gezeigt werden, dass man sich auch ja in das Leiden eingewöhnt. Da ist zwar noch ein Pathos der Aufrichtigkeit und des Selbstseins am Wirken, aber selbst das ist ja in der Zeit bei einem Tenessee Williams schon wichtig gewesen.

    In den meisten jetzigen Filmen sind allein die Figuren eher nach Dramatisierungsgesichtspunkte und Antagonismen konstruiert, viel flacher, gehen viel mehr in der Funktion in der Geschichte auf, und da haben manche, kleineswegs alle, der alten Hollywoodstreifen schon was zu bieten. So Filme wie „Die Klavierlehrerin“ mit der Huppert, dieser unglaubliche Streifen, die machen da im Grunde genommen weiter.

    „Wer die Nachtigall stört“ ist so tief versenkt in Kindheitserinnerungen, da habe ich nur noch Ahnungen. Weiß aber, daß er mich als Kind sehr berührt hat. Und „Die zwölf Geschworenen“ ist grandios, finde ich.

  9. Ja, die Prüderie dieser Zeit kann nicht vergessen werden. Film ist beides: Emanzipation und Regression, und in seinen besten Momenten schlägt beides in den Vorschein der Utopie um. Sozusagen als Aufblitzendes, als flüchtige Illumination.

    „Die Klavierlehrerin“ kenne ich gar nicht, so muß ich zu meiner Schande gestehen. Und daß ich „Die Zwölf Geschworenen“ gut finde, wirst Du mir mir hoffentlich nicht bei unserem nächsten Habermas-Disput negativ auslegen und ankreiden – wegen kommunikativer Rationalität :-)

  10. Pingback: » Why ? einfälle zur durchführung des lebens

  11. Vielen Dank. Allerdings sehe ich bei solcher Musik meine Vorbehalten gegen Pop doch als begründet an. Dieses Stück brächte unter anderen Umständen und in einem anderen System zehn Jahre Straflager mit anschließender Sicherheitsverwahrung sowie dem kontinuierlichen Abspielen dieses Stückes, damit den Musikanten zu Bewußtsein kommt, was sie anrichteten.

    Schön auch Blogdenkmäler zu erhalten. Nicht nur, daß Frauen in den Straßen Berlins applaudieren, wenn ich durch die Stadt schlendere und daß selbst hinterher nach dem gewissen Etwas von ihnen noch nach einer Zugabe gerufen wird. Aber ich bin es durchaus gewohnt, gemocht und gelobt zu werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..