Ihre Meinung zu „Bild“ …

so heißt eine weitere Kampagne für den Monat März, die von der Arschlochagentur Jung von Matt betreut wurde:

Die Anfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-​Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.

Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat-​ und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.

Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” gewinnen.

Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.​000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.

Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.

Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.

Herzliche Grüße aus Hamburg,

Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH

(entnommen der Webpräsenz der Band „Wir sind Helden“, die dort auch ein entsprechendes Antwortschreiben zeigen.)

Ja, Mario Barth paßt zur Bild-„Zeitung“ wie Arsch auf Eimer. Nichts reimt sich auf Mario Barth? Doch: fad und Schwachmat.

Die Meinung Bersarins zur Bild-„Zeitung“. Es handelt sich um ein widerwärtiges Hetzblatt, strukturell arbeitet es nicht sehr viel anders als „Der Stürmer“. Bild, ein Blatt, dem nichts vergeben und nichts vergessen wird – bis zur endgültigen Auflösung bzw. Enteignung von Springer. Und immer noch gilt der Slogan: „Bild lügt!“

Eine Titelseite 1 wie über Baron Münchhausen von  Schummel zu Guttenberg, daß 87 % der BRD-„Bürger“ möchten, er solle bleiben, kann nur den Nachwirkungen jener gescheiterten Penisverlängerung von Kai Dieckmann entsprungen sein. Na ja, Kumpanei der Gelfrisuren. Beide passen bestens zusammen, wie man hier sieht. 2. Arsch auf Eimer innerhalb von nicht einmal 30 Sekunden. Gute Quote.

Wer Werbung für Bild macht, und sei das nur negativ, der ist gestorben. Man mag Charlotte Roche für manches kritisieren: in ihrer Haltung zu diesem Hetzblatt ist sie mir mehr als sympathisch. Gleiches gilt für „Wir sind Helden“, obwohl ich von deren Musik ansonsten nicht viel halte. (Bis auf jenes Stück „Denkmal“. Aber dieses Lied gefällt mir lediglich aus sentimentalen, privaten mithin biographischen Gründen, von denen ich hier nicht berichten möchte.) Doch die Haltung der Band ist klar und imponiert: schön auch, dies öffentlich zu machen. Und Frau Holofernes ist zudem ein wenig mein Typ von Frau. (Andererseits fallen Frauen mit Kind aus meinem Beuteschema sofort wieder heraus. Gleiches gilt für Frauen, die Yoga machen.)

Ansonsten bleibt mir nur übrig, das Bild-Girl des Tages zu zeigen:

(Copyright: Titanic)

PS: Über das Verhältnis von Kulturindustrie, Design, Werbung und Jung von Matt als pars pro toto sowie das ganze Gedöngel drum herum wäre im Grunde gleichfalls ein Text zu schreiben. Schlimm eben, daß eine derart widerliche und gefährliche Agentur eine so gute Webpräsenz hat. Andererseits: Vom Graphikdesign kommt die gegenwärtige Titelseite 15 Jahre zu spät, um noch avanciert zu sein. Und da zeigt sich dann doch wieder das Läppische und Biedere dieser Agentur.

6 Gedanken zu „Ihre Meinung zu „Bild“ …

  1. Es drängt mich, meine hundertprozentige Zustimmung kundzutun. Schade nur, dass es mit der Penis-Verlängerung bei Dieckmann nicht geklappt hat. Dann hätte er vielleicht andere Aufgaben übernommen. Frau Schwarzer allerdings ist eine herbe Enttäuschung. Nichts wird vergeben und vergessen. Ganz genau.

  2. Jo, da sind wir allerdings einer Meinung. Ich kann bei solchem Rotz wie Bild und erst recht bei den Menschen, die auf diese Scheiße hereinfallen so unendlich böse werden. Eine Zeitung, die den Interessen der Menschen, die Lohnarbeit verrichten (und auch denen, die es mittlerweile nicht mehr tun), jeden Tag und jeden Moment ins Gesicht schlägt, wird dennoch gelesen und geliebt. Identifikation mit dem Aggressor.

    Als ich in jungen Jahren bei einer Zeitung, die nicht zu Springer gehörte, volontierte und Sätze hörte wie die: „An Bild-Überschriften muß Du Dich orientieren!“, da wußte ich: Journalist werde ich nimmer.

  3. Auch von meiner Seite Zustimmung!

    Schön, dass Sie aufgrund dieser äußerst gelungenen Veröffentlichung seitens Frau Holofernes nun doch noch Ihren „inneren Frieden“ mit jener schließen konnten;-)

    …Sehr traurig hingegen, was von „Werber-Seite“ aus zu diesem Thema verlautbart wird:
    http://www.fontblog.de/nichtlesen-14-eilmeldung-update
    Wenn Sie mich fragen – Gar keine Erfolg versprechende PR!

  4. Das ist genau diese widerliche Werberstrategie: ein wenig am Ruf zu kratzen oder mittels Ironie die Dinge ins Lächerliche zu ziehen. mbukowski ist einfach nur eine arme Sau. Die Kommentare dort sind teils grottig.

    Ich sehe diese Werber- und dotcom-Ärsche bei der Frage nach Betriebratsgründungen in größeren Firmen/Agenturen immer noch vor mir: „Höh höh höh, wofür brauchen wir denn einen Betriebsrat?“ Ein paar Jährchen später saßen sie dann auf der Straße, und es geschieht ihnen recht.

  5. Du scheinst politischer zu werden, mein Lieber. Und sprachlich prägnanter dort, wo es schlicht nötig ist. Meinen Segen hast du. jvm ist widerlich und gefährlich und Starbucks ist Dreckszeug, so muss man das sagen. Alice Schwarzer hat sich zumindest körperlich gut gehalten, dafür gebührt ihr Anerkennung.

  6. Nein, nein, ich werde nicht politischer, das hat mein Samowar, nein, mein Avatar geschrieben. Komme ich doch am Freitagabend von den ästhetischen Betrachtungen eines Unpolitischen, die das Kuratorium unheilbares Deutschland regelmäßig abhält, nach Hause und da finde ich diesen Text zu Bild vor. Was sagt man da noch?

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