Dezemberwochen – Die Unauffälligkeit des zunächst Zuhandenen

Die Adventszeit kommt zu ihrem Höhepunkt. Wir werden besinnlicher, nachdenklicher, die Tage geraten kürzer und kürzer. Heimelnd am häusliche Herd schlagen wir die Zeit tot.

Der Serviceblog „Aisthesis“ möchte seinen Lesern dabei helfen und bietet Programm: basteln Sie mit Bersarin Ihren eigenen Heilstein, während im Hintergrund von Armin Müller-Stahl „Über den Granit“ gelesen wird, oder begegnen Sie mit Schere, Messer und Klebstoff dem Seelenwichtel in sich.

Anklang bei allen stolzen oder werdend-wollenden Müttern, die nach dem mehr oder minder profanen Akt Lust am ungehemmten Gebären haben, findet womöglich unser subjektgeschwängertes prä- oder auch postnatales Weihnachtsyoga. Ganz prima: Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser! Und wenn ansonsten nichts mehr ist, dann bleibt am Ende das Rekurrieren aufs Subjekt.

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Mitmachen lohnt sich genauso beim Tages-Seminar „Transzendentale Kommunikation – was Engel uns zu sagen haben.“ Denn wenn Sie einst, lieber LeserInnen, an der Himmelpforte stehen, mit vom Tod noch ganz schwacher Faust knöchelnd gegen das Portal pochen und entkräftet aushauchen: „Ich will hier rein!“ Wenn Sie in gebrechlicher Stimmung und Stimme darum bitten, daß Ihnen ein Tor aufgetan werden möge – in welcher Sprache machen Sie das wohl? In Deutsch? Aber sind Sie sicher, daß die Engel Deutsch verstehen wollen, wenn Sie in die Festung Himmel gelangen möchten? Oder könnte die deutsche Sprache nicht vielmehr ein zwingendes Ausschlußkriterium abgeben; womöglich auch deshalb, weil die Engel erwarten, daß man – zumindest gebrochen – ihre Sprache spricht, wenn man schon Einlaß ins Himmelreich begehrt: Wie also sprechen? Altgriechisch, Hebräisch, Aramäisch, Hethitisch, Arabisch? Nun: Sie wissen es eben nicht. Warum deshalb nicht bei „Aisthesis“ lernend vorsorgen?

Wer zu einem solchen Integrationskurs, der zwar nicht ganz billig sein mag, dafür aber eine Investition in die Zukunft bedeutet, keine Lust hat, der kann sich hier die Photographien von sehr profanen Dingen ansehen, die allerdings viel Spaß machen können. Nein: keine Frauen oder Männer, sondern: Autos. Auch bei diesen Modellen zeigt sich einmal wieder, daß es keinen Inhalt ohne die ihm adäquate Form gibt.

Und für die Menschen, welche sich das Advents-Bastelzeug – „Wir nennen das im Besorgen begegnende Seiende das Zeug. Zeug ist seiner Zeughaftigkeit entsprechend immer aus der Zugehörigkeit zu anderem Zeug“, so formuliert das Martin Heidegger. Für die also, welche sich diese Basteldinge nicht leisten können, weil sie von wenig Geld oder von Hartz IV leben müssen, sei soviel sorgender Trost gespendet: Je kälter es in Ihren winterlichen Wohnungen ist, desto stärker und kräftiger vermag gerade dort die Gnade Gottes hineinzuwirken. „Denn Armut ist ein stiller Glanz aus Innen“, so wußte schon Rainer Maria Rilke zu berichten. In diesem Sinne wünscht „Aisthesis“ seinen Leserinnen und Lesern einen besinnlichen vierten Advent.

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