Einige Bemerkungen zu Benjamin und Hegel

Ich mache das selten, bisher tat ich es noch gar nicht, daß ich in diesen Blog einen fremden Text gestellt habe. Dieser Beitrag ist jedoch so gut, daß ich ihn nicht in der Sektion „Kommentare“ versenken möchte. Er soll gefunden werden, und er soll wiedergelesen werden, möglichst häufig. Für die Leser, welche gerade so hier hereingeschneit sind, ohne die vorherigen Texte verfolgt zu haben, sei gesagt, daß es ein Kommentar ist, der sich auf meine Würdigung zu Walter Benjamin sowie auf einen Beitrag der Bloggerin Aléa Torik bezieht. Der von Nörgler erwähnte Text „Frische Feigen“ findet sich in dem großartigen Buch „Denkbilder“ wieder, das ist in der Benjamin-Gesamtausgabe der Band IV, S. 374 f.

Am besten ist es, vorher noch einmal den Text „Frische Feigen“ zu lesen, sich hinzusetzen, ein passendes Glas vor sich aufzustellen, dieses mit einem der Sache angemessenen Getränk zu füllen und dann zu lesen.

Ausgangspunkt des Textes von Nörger ist jenes Zitat von Walter Benjamin:

„Wahrheit tritt nie in eine Relation und insbesondere in keine intentionale. Der Gegenstand der Erkenntnis als ein in der Begriffsintention bestimmter ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist ein aus Ideen gebildetes intentionsloses Sein. Das ihr gemäße Verhalten ist demnach nicht ein Meinen im Erkennen, sondern ein in sie Eingehen und Verschwinden. Die Wahrheit ist der Tod der Intention.“ (Ursprung des deutschen Trauerspiels, GS I, S. 216)

Hier also der Text von Nörgler, der mit einer Frage Aléas beginnt:

„Gilt das auch umgekehrt: die Intention ist der Tod der Wahrheit?“

Gewiß. Der Gedanke: „Die Wahrheit ist ein aus Ideen gebildetes intentionsloses Sein“, zusammen mit der sich anschließenden Polemik gegen das Meinen (wo er mit Karl Kraus, den er bewunderte und verehrte, sich einig weiß), wird von Marx so formuliert: „Einen Menschen aber, der die Wissenschaft einem nicht aus ihr selbst, sondern von außen, ihr fremden, äußerlichen Interessen entlehnten Standpunkt zu akkommodieren sucht, nenne ich ‘gemein’.“ (MEW 26.2, p 112)
Die Forderung nach Berücksichtigung des proletarischen Klassenstandpunkts, oder begründen zu wollen, warum der Markt für alle stets das Beste zeitigt – das sind Intentionen, die nicht das Sein der Wahrheit sind.
Kant sagt: Wissenschaft ist gebunden an die Geltung ihrer Resultate.
Eben das unterscheidet Wissenschaft von Meinen, Standpunkt, Weltanschauung.

Deine Irritation („… während ich es in dem Verhältnis, das Benjamin zwischen den beiden herstellt, nicht verstehe“) rührt wohl von Benjamins „Der Gegenstand der Erkenntnis als ein in der Begriffsintention bestimmter ist nicht die Wahrheit.“
Damit ist aber nur gemeint, daß die Entscheidung dafür, welchem Gegenstand ich mich zuwende, welchen Gegenstand ich auf den Begriff bringen will, ohne Intention nicht zu haben ist; keine Entscheidung ohne Intention.

Versteht man, und dieses Mißverständnis könnte von der Formulierung her naheliegen, „Begriffsintention“ jedoch als „Intention des Begriffs“, dann ergäbe das im Lichte des Davorstehenden keinen Sinn. Denn eine Intention des Begriffs kann es nicht geben, wenn die Wahrheit ein intentionsloses Sein ist.

Benjamin ist luzide, brillant, ein wahrhaftes Genie. Aber er ist auch ein Rauner und Mystagoge. Dem Leitsatz des Publizierens „So schwierig wie nötig, so einfach wie möglich“ sind etwa Adorno und Marx stets gefolgt, Benjamin nicht immer. Kraus schreibt über eine ihn betreffende Äußerung Benjamins, er spüre, daß er gelobt wird, er könne jedoch die Ausführungen im einzelnen nicht verstehen.

„Frische Feigen“ ist mir einer der witzigsten Texte, die ich kenne. Als ich ihn zum ersten mal las, trat fast die urinale Inkontinenz ein.

Solches wie ‚Wahrheit als intentionsloses Sein‘ meine ich, wenn ich von Benjamin als luzidem Denker spreche. Damit formuliert er nämlich das Kriterium für Erkenntniskritik schlechthin, ein Kriterium, nach welchem die Philosophen, Erkenntniskritiker, Wissenschaftstheoretiker, Logiker geradezu sich sortieren ließen. Daher möchte ich für den Thomas ein wenig Sympathie einwerben, dessen adaequatio rei et intellectu, insofern der Aquinat aristotelischer Metaphysiker war, die im Begriff selbst zur Sprache kommende Sache meint. Daß die Bestimmung gemäß dem „Vorrang des Objekts“ die Bestimmtheit desselben formuliert, ist der Anspruch, auf dem gerade der antiinstrumentelle Adorno insistiert.

Daß es kein Zurück hinter Hegel gibt, wurde mehrfach vom Hausherrn dieses Blogs zwingend dargetan. Die Bestimmung als Leistung des Subjekts, des Geistes, ist Bestimmung nur als Bestimmung der Bestimmtheit dessen, was nicht von sich aus je schon Bestimmung ist. Bestimmt die Bestimmung nicht die Bestimmtheit ihres Gegenstandes, ist sie Bestimmung von Nichts, und damit nicht Bestimmung. Der Begriff wäre damit Begriff ohne weitere Bestimmung und damit Begriff von nichts. Der Begriff von nichts ist aber nicht Begriff.
Ich wüßte nicht, was gegen Hegel da einzuwenden wäre.

Das alles ereignet sich in der Sprache, die auch darum als das Subjekt auftritt. Gegen die Depravation der Sprache als Mitteilungsmittel wütete „Die Fackel“ des Karl Kraus Jahrzehnt um Jahrzehnt. Damit haben wir die zwei Bestimmungen der adäquaten Stellung des Gedankens zur Realität:

– Wahrheit als intensionsloses Sein,

– Sprache als Subjekt.

Daß beide Bestimmungen ohne einander nicht zu haben sind, ist evident, und wenn ich diese Website nicht gänzlich mißverstehe, ist das ihr, im Consulting-Sprech ausgedrückt, mission credo.

Es ist schlichtweg nicht wahr, daß Hegel eine „idealistische“, das heißt irgendwie geistesbetonte Schlagseite hätte. Er sagt nur, daß (a) jegliche Bestimmung in den Geist fällt, und (b) das dem Geist Auswendige seinen Begriff nicht aus sich selbst hat. Denn hätte es dies, wäre es selbst Geist. Ich kenne keinen, der den Unterschied von Geistigem und Nichtgeistigem besser gekannt hätte als Hegel. Den Hegel unterstellten Fehler machte invers erst Saussure. So liebe ich das: Hegel zum Deppen erklären, und dann den bei ihm nicht vorhandenen Mist als „linguistic turn“ selber abfeiern: Erst mußte der gewillkürte Nicht-Zusammenhang von Sprache und Sache („arbiträr“) proklamiert werden, um dann im nächsten Schritt die Sprache zum absolut in sich Subsistierenden zu verklären.

Indem Hegel die „Noesis Noeseos“ (Aristoteles), das Denken des Denkens, zum Äußersten treibt, achtet er die nicht geistige Objektwelt besser, als die linguistischen Turner, deren sprachmangelbehafteter Bürokratenton, ihre Unfähigkeit zum von Benjamin vertretenen Eros des Worts, ihre Fremdheit zu jener Sphäre anzeigt, die erkannt zu haben sie sich berühmen. Von Benjamin und Kraus hätten sie lernen können, daß und inwiefern die Sprache Subjekt ist. Was die sprachlich ungelenken Sprachhypostasierer betreiben, ist das Sprachsubjekt als entdialektisierter Kalauer. So werden wir schmerzerfüllt Zeuge der Einwanderung der bildungsfernen Schichten in die Bildung selbst. Das modische Speiben gegen Hegel ist der Intellektualneid derer, die dumpf ahnen, daß ihr Hirn Meilen emporwandern müßte, um mit GFWH auf Augenhöhe zu sein.

Der profunde Unverstand ins Absolute bei Hegel ist das Signet der Schmalhirne. Sie verstehen nicht einmal das Allersimpelste, nämlich daß das Absolute absolut nur ist in Bezug auf sein Anderes. Könnten die Lemuren 2 und 2 zusammenzählen, so wäre ihnen klar, daß die Existenz des Begriffs des Absoluten das Nichtabsolute voraussetzt. Hegel hat das entwickelt; man müßte ihn nur lesen. Im Begriff des Absoluten ist das Nichtabsolute gesetzt, was man freilich dann nicht versteht, wenn man glaubt, man wäre schlauer als der Satz der Identität.

Jene Abkoppelung der Sprache von der Sache, die mir auch und gerade linkswärts als sonstwie kritisch verkauft werden will, ist Bekenntnis und Geschäftsgrundlage von Lügnern, Mördern und Betrügern. Kraus’ genialische Zitatenkollage „Die letzten Tage der Menschheit“ will genau das beweisen, und sie beweist es. Kraus wußte, daß der giftige Atem der Geschichte sein Werk würde nicht altern lassen.

Dem Lob, ich sei „Begriff für Begriff“ vorgegangen, ist eine homöopathische Dosis Zyankali eingeträufelt, da Benjamin das gerade nicht macht, und auf die Ankündigung, lediglich noch das Allgemeine darzustellen, folgt nicht Ledigliches, sondern Erhebliches. Nicht zuletzt dergleichen ist es, was den Magnetismus dieses Blogs mir bereitet: Das ist der Ton, die Sitte, der Umgang, der Stil im Grandhotel Abgrund; das Parlieren in den alten Lederfauteuls, die Zigarre in der einen, den schottischen Single Malt in der anderen Hand.

Es bleibt die ewige Schande des deutschen Universitätsbetriebs, das Trauerspielbuch als Habilitationsschrift abgelehnt zu haben. Der dergestalt schuldbeladenen Universität stünde es gut zu Gesicht, sie habilitierte Benjamin posthum. Aber unterdessen ist man ja beschäftigt mit „Bologna“.
Das „Moskauer Tagebuch“ war ein weiterer Impact in mein Hirn. Wer über den Stalinismus wirklich etwas wissen möchte, lese dies. @ Genova: Da haben „die Linken“ den Stalinismus „aufgearbeitet“.

Auf meine Intellektualbiographie hatte Benjamin eine ungeheuere Wirkung. Es war wie bei Bloch. Die Begeisterung führte zu exzessiver Lektüre, die zu Zweifeln führte. Die Zweifel schälten heraus, was bei bei diesen Denkern wichtig ist. Bei Benjamin mehr, bei Bloch weniger.

Der Abschiedsbrief Benjamins ist von einer derartigen Grauenhaftigkeit, daß ich das nicht ertrage. So exzessiv gnadenlos lapidar kann man nur sein, wenn man über die Arroganz verfügt, der Letztinstanz hohnlachend den Stinkefinger zu zeigen. Er sagt: Ja okay, ich geh dann mal, als ginge er zum Zigarettenholen. Er war ein wahrhaft Radikaler, und mir ist, als würde ich plötzlich in meinem Zimmer den Hauch meines Atems sehen.
So möchte auch ich gehen. Ich befürchte aber, daß mir dazu Kraft und Größe fehlen.

10 Gedanken zu „Einige Bemerkungen zu Benjamin und Hegel

  1. Lieber Nörgler, lieber Bersarin,

    ich muss mich für die ungehörige Verspätung entschuldigen. Kräutertee und Zwieback mögen einen gesunden Effekt auf den Köper haben, sie dimmen jedoch jeden Geistesblitz auf die Helligkeit einer Glühbirne herunter. Glühbirne, mit einem Fieberthermometer drin!

    Wenn ich richtig verstehe, hängt die Konstruktion Benjamins sehr stark an der Wahrheitskonzeption Hegels, wo die Wahrheit, die letztendgültige Wahrheit, daran, dass man dort keinerlei Intention mehr haben kann, weil es sich um eine absolute Wahrheit handelt. Umgekehrt gilt also: ist eine Intention vorhanden, worauf sie sich auch beziehen mag und was sie intendiert, bedeutet dies, dass die erreichte Wahrheit eine relationale ist. „Die Wahrheit ist der Tod der Intention“, so das Benjamin Zitat, das meine Irritation auslöste, bedeutet: auf dem höchsten Wahrheits-Plateau kann es kein Wollen (nach Gegenständen, Verhältnissen oder nach Wahrheit) mehr geben.

    Wenn dies der Sache nach richtig ist, habe ich es verstanden. Die Ausführungen waren also gut! Ich verweise, Nörgler, hiermit die Verantwortung für mein Verständnis, allein Ihnen zu. Ich bin ja willig und lernfähig. An mir kann‘s, wenn falsch ist, nicht gelegen haben.

    Gehen wir einmal davon aus, dass ich also verstanden habe was Benjamin hier im Sinn hat. Wahrheit in dieser Konzeption ist keine Urteilswahrheit und keine Relationswahrheit, keine, die Lüge oder Fiktion thematisiert, sondern eine, der eine sprachliche Seite zu eigen ist. Eine Seite, die die Wahrheit sich zu eigen macht. Noch anders formuliert, so wie ich es möchte, Sprache eignet sich die Wahrheit an. Oder noch etwas nuancierter: Im Modus von Sprache kann etwas Wahrheit werden.

    Sie beide, Bersarin und Nörgler, verweisen im weiteren Verlauf Ihrer Argumentation und Darlegung auf den Text „Frische Feigen“ aus Benjamins „Denkbildern“. Sie, Bersarin, loben hier die Nähe von sinnlichem Gehalt und intellektueller Schärfe und sprechen von Aufsteigerung, von einer aufsteigenden Wahrheit – auch ich habe bei der Lektüre an Kafka gedacht, „Wunsch, Indianer zu werden“. Sie heben in dieser Darstellung des Wahrheitsbegriffes auch hervor, Benjamin sei Mystagoge, ein Rauner, der in der Nähe von Kabbala und Mystik stehe und dem Irrationalismus, nun gut, nicht nahesteht, aber er, Benjamin, sei kein Vertreter jenes Denkens, das rein logisch fortschreitet, ein sozusagen industrialisiertes Denken. Sprache sei, sagen Sie, nicht in der Erscheinungsweise der Mitteilung zu begreifen. Das denke ich auch. Aber ich empfinde Sie beide gerade an dieser Stelle als nicht so präzise wie Sie in der Regel sind. Möglicherweise aber habe ich auch dies nicht verstanden und bitte um erneute Aufklärung.

    Ich mache unterdessen, damit wir uns nicht im Kreis drehen, einen eigenen Vorschlag. Sprache ist per se nicht genau. Sie hat keinerlei mathematische Qualität. Beim Wort „Liebe“ wird der eine rot, der andere denkt das Wort „blond“ und für den dritten liegt die Qualität der Liebe vor allem in ihrer Farblosigkeit. Sprache wendet sich mit einem einfachen Wort an eine komplexe Vorstellung. Das Wort ist allgemein, die Vorstellung, die es in Gang setzt, hingegen höchst individuell. Ich spreche im Folgenden von einer poetischen Wahrheit. Die würde, um ein Beispiel zu nennen, nicht auf Widerspruchsfreiheit drängen. Wenn Wahrheit nur dann Wahrheit ist, wenn sie diese und jene Bedingungen, also logische Kriterien, erfüllt, dann ist sie keine absolute Wahrheit. Sie ist die Wahrheit über etwas.

    In der Zeile „I love you forever and a day“ müsste die Wahrheit lauten, dass das nicht möglich ist, weil „forever“ ausschließt, das noch ein einziger Tag dazu kommt. Das poetische Verständnis dieser Zeile hingegen sieht ganz anders aus. Der Formulierung „forever“ kommt keine konkrete Vorstellung zu. Diese wird erst dadurch gegeben, dass zu dem „immer“ noch etwas hinzukommt. Das „immer“ ist unbegreiflich, es wird erst greifbar, indem es weiter gesteigert wird. Die Liebe, von der da die Rede ist, wird erst in ihrer Qualität sichtbar und begreifbar, wo sie über das Begreifbare hinausgeht. Mit einem philosophischen Wahrheitsbegriff kommt man dem nicht nahe. Deswegen möchte ich dem Begriff Bersarins, Sie sprechen von einer „Extreme[n] Wahrheit“, der mir an sich gut gefällt, den der Poetischen Ungenauigkeit entgegen halten. In dieser Poetischen Ungenauigkeit kommt etwas zur Wahrheit. Oder es greift nach der Wahrheit. Liebe, diese eine Liebe, von der der Dichter da spricht, ist mit keinerlei Maß zu messen, nicht einmal mit dem größten aller gängigen Maßeinheiten, dem „forever“. Es ist nicht zu messen, auch nicht mit einer absoluten Wahrheit, aber es ist in Sprache zu fassen.

    Zum Schluss: Der Bewertung von „Frische Feigen“ als einem Stück Literatur von unbändiger Komik kann ich nicht zustimmen. Vielleicht war die Neigung zur Inkontinenz – mit Verlaub, lieber Nörgler – schon vor der Lektüre da? Durch die Lektüre allein, kann das Malheur nicht entstanden sein. Das ist eine gut geschriebene Seite Literatur, eine schöne Betrachtung, sehr empfindsam.

    Aléa Torik

  2. Liebe Aléa,

    nein, ganz so, wie Sie es schreiben, ist es nicht. Ich schreibe Ihnen dazu ein andermal mehr, weil ich heute müde bin und weil ich wieder beim Zahnarzt war. Nein, ich erwarte von Ihnen nicht, von niemandem Mitgefühl.

  3. Nach Kant ist die Freiheit der Wissenschaft Freiheit dazu, ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Freiheit der Wissenschaft meinte die Freiheit von weltlicher und geistiger Bevormundung – so, wie entsprechend im Felde der Ökonomie die Bürger sich wehrten gegen die feudale Bornierung von Handel und Gewerbe. (Nur in Klammern erwähne ich, daß die Freiheit von Handel und Gewerbe unterdessen selbst zur äußersten Bornierung wurde, während die kritische Philosophie in ihrem Zeitkern nicht aufgeht.) Freiheit der Wissenschaft bedeutet nicht die Freiheit zu jedem Käse, und auch nicht die Freiheit professoraler Drittmittelnutten. Hier wird die Wahrheit in Relation zur außerwissenschaftlichen Interessen gesetzt.

    Die ästhetische Logik ist nicht, wie Sie meinen, ungenauer als die diskursive, und man wundert sich, was Mathematiker sagen, wenn man ihnen mit dem Spruch von der Mathematik als „exakter Wissenschaft“ kommt.

    Ich konnte nun leider, Aléa, nur auf einen sehr kleinen Teil Ihres Kommentars eingehen, doch auch ich bin malade, mit Erkältung und pochendem Kopfschmerz. Unter solchen Bedingungen läßt die Qualität in einer Weise nach, die ab hier nicht mehr vertretbar wäre.

    Nur noch so viel: Sie sagen über die poetische Wahrheit, sie drängte nicht zur Widerspruchsfreiheit. Eben dies aber unterscheidet die ästhetische Logik gerade nicht von der diskursiven. Die gegen Hegel und Marx gerichtete Bürgerwut kommt daher, daß beide Denker des Bürgers Lebenslüge destruieren, seine Welt sei widerspruchsfrei, bzw würde nur von externen Störenfrieden in der Widerspruchsfreiheit ihrer Substanz beeinträchtigt.

    Ich bin auch sehr gespannt, was Bersarin zur Ihrem Kommentar sagen wird.

  4. Liebe kann in Kilojoule gemessen werden.

    Zum Wahrheitsbegriff und der Aufhebung der Intentionalität möchte ich erneut Schopenhauer anführen, der in der Kontemplation, also im Jazz, die Möglichkeit sah diese Intention loszuwerden um die Welt so wahrzunehmen wie sie ist. Nur leider war der Jazz noch gar nicht erfunden.

  5. Da ich für morgen den dritten Teil von „Kunst und Geschmack“ hier einstellen will und weil ich zeitlich momentan knapp bin, schreibe ich erst am Wochenende etwas zu Deinem Text, liebe Aléa. Ich bitte insofern um ein wenig Geduld. Aber die Wahrheit läuft schließlich nicht davon.

  6. Lieber Bersarin,
    ich muss zugeben, dass ich befürchtete, Sie (wir sind inzwischen beim „Du“, oder nicht?) hätten heute eine Antwort eingestellt, so dass der Ball bereits wieder bei mir läge. Ich war also ganz froh, über diese Verzögerung. Ich habe derzeit so viel anderes um die Ohren, auch natürlich der nächste Blogbeitrag: wer hat eigentlich diesen Scheiß mit den Blogs erfunden?
    Aléa

  7. Liebe Aléa,
    ich komme mit all dem Du und Sie ganz durcheinander. Als Gemahl der Schneekönigin, als Bewohner des Eispalastes, als kleiner Kay, der ich früher war, als derjenige, welcher mit seiner Ironie und seiner Bosheit, seiner Arroganz jeden aus seinem selbstgeschaffenen Palast verjagt, müßte ich jedoch die Welt siezen. Aber bleiben wir beim Du.

  8. Lieber Bersarin,
    ich kann die Klage verstehen, ich komme auch dauernd durcheinander – hier, in meinem eigenen Blog und überhaupt in diesem Land -, aber ich möchte dennoch direkt an den Nörgler weiterverweisen: der hat mit dem Du sagen angefangen!
    Aléa

  9. Wahrheit, so könnte ich die Überschrift nennen, mit der ich einen Text beginne, welcher als Antwort auf Deinen Kommentar folgt. Aber das klingt dann so pathetisch und vernutzt wie in Marius Müller Westernhagens Lied: Fraaaaaaiiiiheit. Wir machen es anders. Die Antwort, welche aussteht, bekommt einen eigenen Blogbeitrag und der folgt hier.

    Man darf manche Begriffe gar nicht mehr gebrauchen, weil sie derart vernutzt sind. Oder aber man muß sie den Vernutzern aus den Händen reißen, damit diese nicht die Hoheit der Definition behalten; damit „Freiheit“ nicht zur monetären „Selbstverantwortung“ für die, welche nichts oder wenig haben, gerät und somit Freiheit nicht lediglich die des Kapitals im Sinne der FDP bedeutet, nämlich das, was ist, aufrechtzuerhalten. und selbiges zu mehren, wie es in den liberalen Kram paßt.

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