Die Tonspur zum Sonntag

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Das Polizeiorchester zu Hamburg

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Die zweitgrößte Stadt Deutschlands – die größte ist ja bekanntlich Berlin mit seinem herrlichen Flair und der Berliner Luft, Luft, Luft – besteht darauf, sich weiterhin ein Polizeiorchester zu halten, jedoch ein bedeutendes Museum für regionale Kunst und Kultur wie das Altonaer Museum zu schließen. Dem Heidelberger Fettklößchen, jener von den Bürgern der Freien und Hansestadt Hamburg nicht gewählte Bürgermeister, ist ein Polizeiorchester wichtiger. Allerdings verwundert dies nicht weiter, erscheint doch Menschen wie Fettklößchen und dem amusischen Senator für Sport und Medien Stuth der Begriff von Kultur bzw. das, was davon heute noch übrig blieb, synonym mit dem Begriff des Investors und des Events. Auch dies sicherlich nicht neu. Und wer ist immer mittenmang? Richtig geraten: Die Grünen, die sich in Hamburg GAL nennen. Herr Ober, bitte drei Joghurttorten!

Freilich gibt es zum Zorn viele und weitaus größere Anlässe, der Bereich von Kunst und Kultur ist womöglich marginal, wenn jeden Tag an den Grenzen Europas Migranten abgewiesen werden, wenn täglich Menschen durch das Wesen des Kapitalismus zu Tode kommen und ihrer Existenz, die sowieso schon unter den minimalen Bedingungen stattfindet, beraubt werden. Doch dieser Blog ist einer für Ästhetik samt Aisthetik und damit in seinem bescheidenen Rahmen eben für Kunst sowie Kultur zuständig. Ich habe das schon öfter geschrieben: es gibt für das Wesen des Politischen und für die Kritik am Kapitalismus andere Blogs, die das besser sagen und schreiben können, als ich es vermag.

Deshalb erlaube ich es mir, hier an Ort und Stelle, mich angesichts dieses einmaligen Vorganges in einer Großstadt zu ärgern. Im übrigen: so einmalig, wie es sich darstellt, sind solche Aktionen gar nicht mal: die Zerstörung von Städten samt den darin gewachsenen Strukturen geht scheibchenweise, nämlich in der Salamitaktik vonstatten. Was in Hamburg durchgezogen wird, kann demnächst genauso Berlin drohen, wenn sich hier nach den Wahlen 2011 wie in Hamburg eine schwarz-grüne Koalition bildet. Und es geschieht ja gerade, wenn man nach Kreuzberg, Kreuz- und Neukölln schaut. Und passierte bereits in Prenzlauer Berg: Ho-, Ho- Holzspielzeug. Es ist diese Koalition in Berlin zwar unwahrscheinlich, weil die CDU hier schwach ist. Aber die Grünen würden mit jedem, wirklich jedem paktieren, kein Preis ist ihnen zu niedrig. Schafft ein, zwei, viele Joghurttorten.

Die Hamburger Grünen hätten die einmalige Chance gehabt, den Senat zu kippen und Neuwahlen anzuberaumen. Aber die Pensionen von Hejduk, Steffen, Goetsch und einiger Staatsräte, die es nach vier Jahren gibt, wiegen schwerer. Zu den Futtertrögen zieht es sie. Doch um die schmierigen Details und um die korrupten Verstrickungen mögen sich kompetentere Blogger kümmern. Ich sage ja nichts Neues: Es ist das widerlichstes Pack, was da herumläuft; wer Mitglied dieser Partei ist, kann im Grunde nur noch austreten. Es ist mir sogar Philipp Rösler und seine Mövenpick-Partei lieber, weil die zumindest (halb-)offen sagen, was sie vorhaben.

Daß die Prozentwerte der Grünen allerdings bundesweit in den Umfragen steigen, ist symptomatisch. Mit Dank an den Blog Exportabel, der mich auf dieses Stück brachte, gibt es noch dies hier: Prenzlauer Berg (Schöner Bezirk – schöner Bezirk):
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„Schau mal da oben, Biofeuerwerk!“

3 Gedanken zu „Die Tonspur zum Sonntag

  1. Das ist grausam, was der Senat hier seit geraumer Zeit verbricht. Und das macht ja auch vor der „Galerie der Gegenwart“ und dem „Schauspielhaus“ nicht halt, dieses arrogante Desasterei – während diese alberne Elphilharmonie immer teurer wird und die Eventeritis immer groteskere Züge annimmt: Kaum ein Abend ohne Feuerwerk, und dieser ganze Kasperkram um irgendwelche Kreuzfahrtschiffe, die ankommen und weg fahren, karrikiert auch nur die eigene Historie. Was angesichts dessen, daß hier viel mehr Geld sitzt als in Berlin, nur noch depperter ist. Das ist ja im Grunde genommen Vorteil von Berlin, daß trotz aller Gentrifizierung weniger Verteilungsmasse da ist. Hier sind die Umschichtungsbegehrlichkeiten deshalb noch größer.

    Dieser Ahlhaus ist zudem auch noch das unhanseatischte, was mich vorstellen kann. Der Herr von Beust war politisch auch grauenhaft, aber der hatte noch Restbestände von Würde. Während Ahlhaus trotz aller Imagekampagnen durch die Springerpresse nur peinlich ist. Furchtbar.

  2. Ja, dem kann ich nichts hinzufügen. Es machen einen diese (und zahlreiche andere) Vorgänge nur sprachlos. Das Gesicht von Städten wird sich innerhalb der nächsten 10 Jahre auf eine erschreckende Weise wandeln.

    Berlin ist im Vergleich zu Hamburg in der Tat noch gut dran, und insofern hoffe ich, daß sich auch hier einige Menschen eingreifend aufraffen werden. Hamburg ist nicht so weit von Berlin entfernt.

    Und man mag viel, sehr viel gegen die SPD in Berlin vorbringen. Aber sie ist in diesem Falle, im Verbund mit der Linken, tatsächlich das geringere, kleinere Übel.

    Wir haben drei Opern und das ist auch gut so.

  3. Pingback: Die Melancholie des zufriedenen Verlierers « Metalust & Subdiskurse Reloaded

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