Kunst und Geschmack (2)

Zunächst möchte ich anhand von Christoph Menkes Aufsatz „Ein anderer Geschmack. Weder Autonomie noch Massenkonsum“, der im Septemberheft 2009 der „Texte zur Kunst“ erschien, einige Aspekte zum Verhältnis der sich entwickelnden bürgerlichen Gesellschaft sowie der damit einhergehenden Emanzipation eines Subjekts und die Bedeutung des Geschmacks bzw. der Ästhetik innerhalb dieses Prozesses herausgreifen.

Dieser Text von Menke läßt sich deshalb gut aufgreifen, weil er (paradigmatisch) ein Bündel von Positionen des 18. Jahrhuderts zusammenfaßt, ohne daß man diese verschiedenen Perspektiven nun im Detail auseinanderlegen müßte. Freilich erzeugt dieses Vorgehen eine gewisse Allgemeinheit, die um den Preis des Details erkauft ist. Aber zuweilen kann die Perspektive des Überfliegens den Blick fürs Einzelne wiederum schärfen.

Grundsätzliche These Menkes ist es, daß Geschmack den für die Ästhetik des frühen 18. Jahrhundert zentralen Begriff abgibt. Geschmack stellt nicht nur ein Beurteilungsvermögen im Hinblick auf Objekte, sondern zugleich auch ein Erkenntnisvermögen derselben dar, das ohne vorgegebene Regeln und Begriffe im ‚Sinnlichen‘ verfährt, so Menke. Wenn er schreibt, daß dies ohne Regeln geschieht, so ist dies freilich nicht ganz richtig. Die Entwicklung des Geschmacksbegriffs ist durchaus komplexerer Natur, angefangen eben bei Gracian bis zur Geschmackskritik der französische Salons, wo es durchaus auch um ein praktisches Moment, nämlich um Lebensregeln ging.

Weiter heißt es bei Menke „Geschmack ist das Vermögen, ohne methodische Überprüfung und argumentative Rechtfertigung, in einem Akt sinnlichen Erfassens, zu erkennen und zu beurteilen, wie es um einen Gegenstand bestellt ist.“ (S. 39)

Es ist dies zwar eine verkürzte Definition, welche eine komplexe Entwicklung innerhalb der Ästhetik (insbesondere in Deutschland, aber auch mit Blick auf Frankreich und England, das empirische Moment, das eine starke Rolle spielte) trotzdem ganz gut zusammenfaßt. Womit gebrochen werden soll, ist das Ideal der Regeln, nach denen ein Kunstwerk einzig verfaßt zu sein hat und an dem es gemessen wird. Der Begriff des Geschmacks richtet sich insofern gegen die traditionellen regelgeleiteten Kunstlehren. Denn diese gesetzten Vorgaben bleiben der vielfältigen Sache und ihrem Mannigfaltigen äußerlich, da es eine Gruppe von Objekten gibt, die dem begrifflichen und diskursiven Wissen zunächst entzogen ist und die sich als unregulierbar erweist – eben das ästhetische Objekt. (Einen Widerschein davon mögen auch jene „Querelle des Anciens et des Modernes“ abgeben.)

Neben der klassischen Regelpoetik gerät in der Ästhetik jedoch auch die Philosophie des deutschen Rationalismus in die Kritik. Im Rahmen des Sinnlichen kann für den Rationalismus nichts beurteilt werden, denn es existiert kein sinnliches Beurteilungsvermögen. Das Schöne ist im Rationalismus etwa der Wolffschen Philosophie un- oder genauer unterbestimmt. Es ist ein Mangel an Deutlichkeit, der sich dann in jener Wendung des „Je ne sais quois“ äußert. Um einen kurzen Eindruck nur zu gewinnen: das Schöne ist ein „analogon rationis“, eine noch verworrene Vorstellung dessen, was vom Begriff dann in deutlicher Repräsentation geleistet werden kann. (Diese Zusammenhänge insbesondere im Hinblick auf die Frühromantik lassen sich sehr gut bei Manfred Frank in seiner „Einführung in die frühromantische Ästhetik“ nachlesen. Dieses sehr instruktive Buch ist bei Suhrkamp erschienen.)

Geschmack nun steht für Menke im Spannungsfeld der Pole Subjektivität (eben als Träger dieses Geschmacks) und einem Anspruch auf Objektivität, daß nämlich dem Geschmack ein Gegenstand korrespondiert.

Zentrales Motiv für Menke ist hier nun die für das 18. Jhd. ganz eigentümliche Ausbildung einer neuen Form von Subjektivität, die freilich schon in den Rahmen der praktischen Philosophie eingebettet ist. Diesen Bezug auf Ethik muß man (nicht nur) bei Menke immer im Hinterkopf haben, so auch in seinem Text zur Ästhetik des 18. Jahrhunderts „Kraft. Ein Grundbegriff ästhetischer Anthropologie.“ Diese Form von Subjektivität ist einerseits gesellschaftlich vermittelt, andererseits aber bildet sich hier über die Ästhetik und insbesondere über den Geschmack als Effekt sozialen Wandels eine Form (bürgerlicher-frühkapitalistischer) Individualität heraus, wie sie bisher nicht existierte. Diese Effekte des Sozialen tangieren auch die Ästhetik und die Kunst. So schreibt Menke:

Der Geschmack ist subjektives Vermögen: eine durch Übung erworbene, aber eben deshalb nicht auf Regeln zu bringende Fähigkeit, die das Subjekt in eigener Verantwortung, ungeleitet durch eingelebte Tradition oder rationale Methode, anzuwenden vermag. Im Geschmack urteilt das Subjekt selbst. Zugleich ist der Geschmack objektive Instanz: die Fähigkeit, die Dinge zu sehen, wie sie in sich selbst sind, unverhüllt durch den Schein des Vorurteils und der Naivität. Der Geschmack urteilt über die Sache selbst. Es ist nicht die Vernunft der wissenschaftlichen Methode, sondern die Vernunft als ästhetischer Geschmack, im dem das Autonomieideal der bürgerlichen Gesellschaft seinen entscheidenden Ausdruck findet“ (S. 40)

Eine solchen Perspektive, die Dinge zu sehen, wie sie in sich selbst sind, wird die Erkenntnistheorie Kants in der „Kritik der reinen Vernunft“ und später dann die Ästhetik Kants, die er in der „Kritik der Urteilskraft“ entfaltet, doch in eine anderes Licht bringen. Es wird sich in der „Kritik der reinen Vernunft“ zeigen, daß es keinen Weg mehr in das Innere der Dinge geben kann. Es herrscht ein Block, eine Grenze. Diesem Motiv des Innen werden wir dann erst wieder im Deutschen Idealismus, kulminierend in Hegel wiederbegegnen. So etwa in jenem Satz aus der „Wissenschaft der Logik“: Eine Grenzen setzten, heißt bereits, sie zu überschreiten. („Denn eine Bestimmtheit, Grenze ist als Schranke nur bestimmt im Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt als gegen sein Unbeschränktes; das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus über dieselbe.“, Hegel, Wissenschaft der Logik I, S. 145, Frankfurt/M 1986) In Adornos „Negativer Dialektik“ wird dieses Moment des Blocks als Rettendes eine Rolle spielen, um jener universellen Verfügbarkeit eine Schranke zu setzten.

Trotz dieser vorkritischen, vorkantischen Sicht, welche bei Menke philosophisch durchaus beabsichtigt ist, bringt er mit diesem Zitat einen wichtigen Aspekt ins Spiel: Daß nämlich in der Idee des Geschmacks ein Moment der Befreiung und der gesellschaftlichen Autonomie aufscheint. Weisen der Subjektivität und Formen derselben sowie der Objektivitätsanspruch sind nicht mehr sozusagen von Natur aus vorhanden und geben unhinterfragbare, feststehende philosophische Bestimmungen ab, sondern sie konstituieren sich in einem freien Feld ästhetischer Artikulation und Weltaneignung jeweils neu. Menke faßt diese Dinge allerdings sehr weit, und man muß wohl hinzufügen, daß diese Aspekte in bezug auf den Geschmack auf den deutschsprachigen Raum einzuschränken und zudem einer gewissen Generalisierung geschuldet sind.

Mit dem Geschmacks kommt zugleich der Begriff der Bildung ins Spiel. Geschmack ist insbesondere in der deutschen Aufklärung nichts, das einfach gegeben ist, sondern eine Fähigkeit zur Beurteilung, die erst erworben werden muß und sich erst durch beständige Übung bzw. Arbeit ausbildet. Im Grunde ein Trainings- und Übungslager, und wir sind hier natürlich mit Sloterdijk gesprochen nicht sehr entfernt von den Anthropotechniken, wie er dies in seinem Buch „Du mußt dein Leben ändern“ darstellt. Der Athlet des Körpers und der des Geistes sind über den Begriff der Arbeit, der trainierenden Tätigkeit sowie der Übung verwandt.

Gegenstand des Geschmacks ist in Menkes Sicht das Schöne, aber auch darüber hinaus: Geschmack umfaßt alles das, für dessen Erkenntnis es keine Begriffe und für dessen Beurteilung es keine Regeln gibt. „Das Feld des Geschmacks ist das in der bürgerlichen Gesellschaft sich beschleunigt erweiternde Feld des Neuen.“, so Menke. Den Begriff des Innovativen müßte man auch im Hinblick auf die sozialen Entwicklungen des 18. Jahrhunderts noch einmal gesondert nehmen. Zunächst bleibt festzustellen, daß in Menkes Konzept des Geschmacks – freilich unausgesprochen – der Kantische Begriff der Urteilskraft einfließt. Und insbesondere hier verschwimmen bei Menke die Bestimmungen und Differenzen zwischen der Urteilskraft und dem Geschmack.

Urteilskraft überhaupt“, so Kant, „ist das Vermögen , das Besondere als enthalten unter dem Allgemeinen zu denken. Ist das Allgemeine (die Regel, das Prinzip, das Gesetz) gegeben, so ist die Urteilskraft, welche das Besondere darunter subsumiert (…) bestimmend. Ist aber nur das Besondere gegeben, wozu sie das Allgemeine finden soll, so ist die Urteilskraft bloß reflektierend.“ (Kritik der Urteilskraft, S. 87, Fft/M 1974) Diese reflektierende Urteilskraft eben ist es, die sich mit jenem Neuen, jenem (gesellschaftlichen) aufzufindenden Allgemeinen abzugeben hat und nicht nur in ästhetischer, sondern zugleich in gesellschaftlich-kritischer Absicht reflektiert und damit eben zugleich praktisch wirkt.

In dieser Konstellation ästhetischer Urteile, die über die Kategorie des Geschmacks, funktionieren, gerät zugleich der Aspekt des Übens und der Praktiken zur zentralen Stelle. Denn daß die reflektierende Urteilskraft jenes Allgemeine auffindet, geschieht eben nicht nach vorgegebenen Regeln, sondern muß von Fall zu Fall geübt werden, so auch Kant. Lediglich durch eine gewisse Erfahrung spielt sich Gewöhnung ein. Ansonsten sind eben ein Maß an Fingerspitzengefühl und Takt nötigt, um diese Leistung zu vollbringen. Es bedarf eines (entwickelten) Sensoriums. Diese Dinge werden dann später für den Umgang mit Kunst und auch im Hinblick auf Adorno bedeutsam, etwa über die Kategorie des Taktes. Ein sozusagen ästhetisch-ethisch konnotierter Begriff, der in Adornos „Noten zur Literatur,“ etwa in dem Essay zu Goethes „Iphigenie“, eine Rolle spielt; so etwa, wenn der vermeintliche Barbar Thoas als sehr viel humaner und milder sich erweist als jene Griechen, welchen man Humanität nachsagt.

Im nächsten Teil zeige ich weitere Bestimmungen des Geschmacks bei Menke im Blick auf eine Ästhetik des 18. Jahrhunderts, um dann auf die Moderne überzuleiten.

Über Bersarin

Wir erzeugen die Texte und die Strukturen innerhalb derer wir unsere Diskurse gruppieren. Wir sind das Fleisch von Eurem Fleische und Euch doch gänzlich unähnlich. Wir sind die Engel der Vernichtung und wir schreiten durch Eure Schlafzimmer, wenn Ihr nicht mit uns rechnet. Wir entfachen das Feuer und die Glut. Aber wir löschen Euch nicht, wenn Ihr verbrennt. Wir sind der kalte Blick, der die Welt als eine Struktur sieht.
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6 Antworten zu Kunst und Geschmack (2)

  1. genova68 schreibt:

    Geschmack ist immer sozial vermittelt, fällt mir dazu ein, ein sehr spannendes Thema, gerade weil es so viele Leute gibt, die sich ein Geschmacksurteil komplett intrasubjektiv, also nur ganz tief in ihnen drinnen vorhanden denken, ohne äußerliche Einflüsse.

    Vielleicht könnte man das mal an einem praktischen Beispiel veranschaulichen. Ich gebe vor: Diese langen, bemalten Fingernägel, die man seit Jahren hierzulande bei Frauen in der Nähe von Solarien und Nagelstudios sieht ( und schon in 80er US-Fernsehserien nachweisbar), das ist ja offensichtlich ein Phänomen bildungsferner Menschen. Man kann eine Parallele ziehen zu Männern in Portugal, in Kairo und anderswo, die sich ihren kleinen Nagel lang wachsen lassen, um zu zeigen, dass sie nicht auf körperliche Arbeit angewiesen sind. Der Fingernagel als Ausdrucksmöglichkeit gesellschaftlichen Aufstiegs. Dementsprechend sind von diesen Fingernagelausdrucksgeschichten nur die Menschen affiziert, die auf den „gesellschaftlichen Aufstieg“ von körperlicher zu geistiger Arbeit rekurrieren wollen oder müssen.

    Passt das jetzt irgendwie zu Kants reflektierender Urteilskraft? Ist das Allgemeine die gesellschaftliche Totalität und das Besondere der Fingernagel? Für meinen Geschmacksbegriff gibt es allerdings sehr wohl Begriffe. Den Begriff der Bildung würde ich auch ins Spiel bringen. Ein Moment der Befreiung ist es auch, zumindest als Schein für die Fingernagelträgerin.

    Mit Geschmacksurteilen über Maniküre die Welt erklären, das ist mein Auftrag.

  2. bersarin schreibt:

    Um es abzukürzen: Mit Kant hat das von Dir beschriebene Phänomen allenfalls am Rande zu tun. Allerdings geht es bei den Fingernägeln sicherlich auch um ein Gefühl der Lust und Unlust, wenngleich und womöglich in anderem Sinne als bei Kant.

    Für das Geschmacksurteil ist natürlich in gewisser Weise auch der sensus communis bedeutsam. Kant würde hier jedoch nicht mit Begriffen wie gesellschaftlicher Totalität arbeiten.

    Schwierig ist es aber, eine philosophische Position mit Beispielen zu illustrieren. In gewisser Weise spielen sie eben nur bei, treffen die Sache jedoch nur sehr am Rande.

    Deine Analyse hat mit einem Geschmacksbegriff zu tun, der soziologisch vermittelt ist und eher im Feld von Pierre Bourdieu anzusetzten ist. (Wobei er eben auch auf Kants „Kritik der Unrteilskraft“ zurückgreift.)

  3. genova68 schreibt:

    Bourdieu greift also auf Kant zurück, dann ist das eben die Verbindung, die mich interessieren würde. Geschmack grenzt sich doch von allgemeinen ästhetischen Aspekten durch den Zustand der gesellschaftlichen Vermittlung ab, oder? Ist das für den Geschmacksbegriff nicht wesentlich? Adornos Einleitung in die Musiksoziologie geht in die Richtung: Musik und Gesellschaft, wobei die Musikstile und die Hörertypen in Beziehung zueinander gesetzt werden. Dabei wird über nichts anderes geredet als über gesellschaftlich vermittelten Geschmack. Ich kann mir ohne die gesellschaftliche Vermittlung Geschmack überhaupt nicht vorstellen, es sei denn unter dem Aspekt des neuronalen Zustandekommens eines bestimmten Gefühls des Wohlgefallens, also Biochemie.

    Das klingt in dem Text ja an: Geschmack kommt durch Übung und Arbeit.
    Wobei:

    „Geschmack umfaßt alles das, für dessen Erkenntnis es keine Begriffe und für dessen Beurteilung es keine Regeln gibt.“

    Wenn Menke das so meint, dann kann ich mit ihm nichts anfangen. Das Gegenteil ist wahr.

  4. bersarin schreibt:

    Ich will in meiner Antwort natürlich nichts vorwegnehmen, was in den weiteren Teilen zu „Kunst und Geschmack“ (mindestens zwei weitere Teile gibt es) noch folgt, aber man muß zunächst einmal trennen zwischen einem Geschmack, der sozusagen aisthetisch ausgerichtet ist, also an Wahrnehmungen und Sinnlichem überhaupt, auch der Bereich des Design fällt darunter, und einem ästhetischen Geschmack, der sich im Gebiet ästhetischer Objekte bzw. der Kunstwerke bewegt. Ich sehe hier von Kants „Kritik der Urteilskraft“ zunächst einmal ab; inwiefern das überhaupt eine Ästhetik im Sinne einer Kunstlehre ist, bedürfte einer gesonderten Diskussion. Gadamer bspw. bestreitet dies (so z. B. in einer Fußnote zu Adornos und Jauß‘ in bezug auf Kant) und faßt die KdU sehr viel weiter, nämlich in einer Weise der (hermeneutischen)Welterschließung, die auch das Alltägliche umfaßt. In diesem erweiterten Sinne ist dann auch Bourdieu anzusetzten, der das dann über die Welterschließung heraus eben auch noch einmal gesellschaftskritisch dreht.

    Eine zweite Differenzierung ist die zwischen einem soziologischen Moment des Geschmacks und seiner philosophiegeschichtlichen Rekonstruktion, die Menke im ersten Teil seines Aufsatzes betreibt. Das von Dir genannte Zitat muß man als eine – freilich sehr grobe – Analyse der philosophischen Positionen des 18. Jdts sehen. Als Stichwort sei etwa die Philosophie des Rationalismus genannt, dem der Geschmack eben ein Nichts war, zumindest philosophisch nicht relevant. Ich kann das komprimiert schlecht wiedergeben, weil das zu Verkürzungen führt, die wesentliche Momente abschneiden. Einen ganz guten Überblick dazu verschafft das Lexikon „Ästhetische Grundbegriffe“ unter dem Begriff Geschmack; es ist im Metzler Verlag erschienen. Menke meint diese Dinge zunächst einmal ganz geschichtlich und sichtet in seinem Text dieses Feld.

    Es geht Menke wesentlich darum, dieses emanzipatorische Moment des Geschmacks, das sich im Laufe des 18. Jhdts entwickelte, aufzuzeigen. Von dieser philosophiehistorischen Ebene muß (oder sollte) man natürlich wieder zu einer soziologischen (und philosophischen) Bestimmung finden. Menke macht das auch, sehr vergröbert allerdings, es ist eben nur ein Aufsatz von ein paar Seiten. Ich halte ihn aber auch im Hinblick auf die von Dir beschriebenen Dinge für ganz interessant.

    Natürlich geht es ihm und auch mir nicht darum, Geschmack statisch zu ontologisieren oder ihn gar neuronal zu bestimmen, weil diese ganzen Biologismen, die wir in letzter Zeit insbesondere hinsichtlich der Musik vermehrt erleben müssen, Unterbestimmungen sind.

    Auch die ästhetischen Aspekte des Geschmacks sind, nebenbei, nicht frei von gesellschaftlicher Vermittlung. Adorno betont dies ja immer wieder am Kunstwerk: fait social und autonom zugleich.

    Soviel zunächst in kürze.

  5. Nörgler schreibt:

    Ich entschuldige mich vorweg für dieses OT. Aber das Hegelzitat
    „Denn eine Bestimmtheit, Grenze ist als Schranke nur bestimmt im Gegensatz gegen sein Anderes überhaupt als gegen sein Unbeschränktes; das Andere einer Schranke ist eben das Hinaus über dieselbe“
    klingt so frappant nach Marx‘ „Grundrissen“, daß dies eine der Passagen ist, zu denen ich zu sagen pflege, Hegel hätte um ein Haar das „Kapital“ geschrieben.

  6. bersarin schreibt:

    Für diesen Hinweise danke ich. Vor allem deshalb, weil er für mich das Motiv abgibt, diesen Text noch einmal zu lesen. Die Lektüre der „Grundrisse“ ist bald 20 Jahre her.

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