Aufruf

Nein, es ergeht hier leider kein Ruf zu den Waffen, keine Petition soll unterzeichnet werden, zu keinem Protest fordere ich auf, denn die Welt ist gut und gerecht eingerichtet. Vielmehr möchte ich, heute einmal in ganz profane Regionen des Lebens mich begebend, meine Leserinnen und Leser bitten, mir einige Reisehinweise zu liefern: Denn da ich demnächst ins Ruhrgebiet fahre und dort außer auf der Durchfahrt noch niemals war, freute ich mich, neben den Informationen aus den üblichen Publikationen zugleich einige nützliche Tips von abgelegenen, speziellen Orten, Verfallenem, Industrie, (ehemaligen) (Berg-)Arbeitersiedlungen, architektonisch Interessantem u. ä. zu erhalten, die nicht in jedem Reiseführer stehen.

Bisher habe ich meinen Lesern fast 1 ½ Jahre lang manches geboten; Zeit wird es, daß die Leser nun auch mir etwas bieten und zurückgeben. Wer also etwas weiß, der schreibt hier einen Eintrag.

Wenn der Tip am Ende als gut sich erwies, so gibt es meinen Dank samt Wohlwollen zu gewinnen. Letzteres wird nicht vielen zuteil. Blonde Frauen – es muß nicht strohblond sein, mittel- bis leichtblond reicht aus (einfaches Portraitfoto als Nachweis genügt) – erhalten für einen von mir als hilfreichen empfundenen Reisetip einen wilden Abend, so wie es diese früher einst gab, an dem ich mich herablasse, das Gemeinsame sowie das Trennende von Heideggers Seinsbegriff, Adornos Nichtidentischem und Derridas différance zu diskutieren sowie verschiedene Rotweine auszuschenken. Abschließend, bei gehörigem Rotweinpegel, können wir, uns abwechselnd, Passagen aus Otto Weiningers „Geschlecht und Charakter“ vorlesen.  (Dieser Preis setzt freilich eine hinreichende Intelligenz, Geschmack sowie einen gewissen Grad an philosophischer Bildung voraus.)

9 Gedanken zu „Aufruf

  1. Ganz spontan: Reise mit Auto, das macht man so im Ruhrgebiet. Beginne in Dortmund auf der A40 und fahr einfach jede Abfahrt kurz raus. Öffne die Augen, du wirst Wunderschönes sehen. Fahr bis Duisburg, dann biege nach Norden ab und fahre in Emschernähe zurück. Wenn du da nicht mit guten Fotografien zurückkommst, ist etwas schiefgelaufen.

    So weit bis hier.

  2. Obwohl ich in Laufnähe des Ruhrgebiets wohne, kann ich leider nur Hausmannskost empfehlen (verzichte dafür aber auch auf die blonde Lesung) die garantiert in jedem Reiseführer vertreten ist, und zwar den Landschaftspark mit schönem Hochofen in Duisburg (www.landschaftspark-duisburg-nord.de) und das Gasometer in Oberhausen (www.gasometer.de). Beides gute Gelegenheiten, die Schwindelfreiheit zu testen.

    Highlights in der Umgebung sind meiner Meinung nach die Insel Hombroich (www.inselhombroich.de) und Altenberg mit Dom und Märchenpark (www.deutscher-maerchenwald.de). Aber da kann man auch schon fast in die Eifel fahren, und die ist eine ganze Welt für sich.

  3. genovas idee mit der a40 ist gut. in diesem zusammenhang verweise ich auf ein ausstellungsprojekt des düsseldorfer künstlers markus ambach „A40 die schönheit der großen strasse“ im rahmen der ruhr2010 http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/b1a40

    sollte es dich weiter bis nach düsseldorf verschlagen, empfehle ich noch die folgende seite mit links zu zahlreichen selbstorganisierten kunsträumen. http://www.vierwaendekunst.de/
    die dortigen räume und projekte sind meist sehr schwer zu finden, ist also etwas für echte insider.
    bei fragen bitte per email.

    mbgfk

  4. Vielen Dank Euch Dreien für diese sehr interessanten Hinweise. Das ist schon einmal eine ganze Menge. Der Tip mit der A 40 wird beherzigt. Ich fahre sowieso nur mit Autos (bzw. in Berlin auch mit dem Fahrrad), weil ich die Nähe von Menschen im öffentlichen Nahverkehr zutiefst verabscheue.

    Auch die Hausmannskost sollte nicht verachtet werden. Als Nachfahre derer zu Münchhausen ist es nicht gut schwindelfrei zu sein, als Fallschirmjäger muß man es jedoch sein, da hilft nichts. Also herauf auf die Gasometer!

  5. „Obwohl ich in Laufnähe des Ruhrgebiets …“ – das, Hanneswurst, ist nicht schön formuliert. Weitaus besser wäre gewesen: „Obwohl ich in fußläufiger Anbindung zum Ruhrgebiet …“

  6. Danke, Herr Nörgler, dann wäre es jedoch nicht mehr mein Wortlaut, der oft durch holprige Sprache und manche Ungenauigkeit erkennbar ist.

  7. Gern geschehen; doch sollte ich mit Ausdrücken wie „fußläufige Anbindung“ auch vorsichtig sein, denn allzuleicht wird mir von Willy dann wieder vorgeworfen, ich imitiere Adorno.

  8. Ich möchte doch, lieber Nörgler, darauf drängen und die Leser hinweisen, daß es sich bei mir um den besten Adorno-Imitator handelt. Dies wurde auch verschiedentlich während meines Studiums festgestellt: „Er ist zu unkritisch, er nimmt ja Adorno beim Wort“. In Zeiten der universellen Barbarei und der Ohnmacht erweisen lediglich die Imitatio sowie die anschmiegende Mimesis als letztes Kriterium und Bestandteil der Kritischen Theorie sich.

  9. Diese Postponierung des Reflexivs im letzten Satz, um nicht zu sagen Sonatensatz, welcher das Radikale selbst in nuce inhäriiert, kann leider auch ich nicht mehr ins Supremative transzendieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.